Regenerative Energieanlagen aufbauen!
Der folgende Aufruf erfolgte 2001 - leider ohne Wirkung!
Wir suchen Initiativen, Nachbarschaftsgruppen, Umweltverbände usw., die an ihrem Ort bzw. in ihrer Region gemeinsam eine oder mehrere Energieanlagen aufbauen wollen. Das ist zur Zeit finanziell lukrativ und auch recht einfach. Zur Zeit dominieren Firmen, die mit ihrem Geld Standorte kaufen und die Anlagen errichten. Wir möchten Umweltgruppen, AnwohnerInnen usw. aufrufen, selbst aktiv zu werden und „von unten“ Energieprojekte zu starten. Dabei beraten wir gern und können auch Firmen vermitteln, die bei Planung, Finanzierung und Umsetzung helfen – wobei wir unsere Beteiligung auch dazu nutzen wollen, das die Projekte als BürgerInnenprojekte und nicht nur über den Markt organisiert werden.
Was möglich ist:
- Ein direkter Kontakt zur Absprache der genauen Vorgehensweise, konkreter Informationen usw.
- Vermittlung von Kontakten zu Firmen bzw. Kooperation als Dreigespann lokale Initiative/BürgerInnenbündnis - Energieanlagen-Planungsfirma - Ökostrom-von-unten-Projekt
- Vorschläge zur BürgerInnenbeteiligung, Rechtsformen usw. zwecks Absicherung einer Organisationsform, die die Mitsprache und das wesentliche Entscheidungsrecht den BürgerInnen vor Ort sichert.
- Mithilfe und Beratung im gesamten Planungs- und Umsetzungsprozeß
- Prüfung von eingegangenen Absprachen, Verträgen usw. vor allem nach dem Kriterien der Mitbestimmung am Projekt.
Bei Interesse einfach anrufen ... 06401/903283.
Die Umstellung auf Ökostrom allein hilft nicht viel. Wichtig sind zudem:
- Aufbau neuer regenerativer Energieanlagen (Solar, Wind, Wasser, Biomasse)
- Demokratisierung, Beteiligungsrechte an Stromnetz und Energieanlagen
- Politische Aktion (Anti-AKW, Widerstand gegen Großkraftwerke und Fernstromtrassen usw.)
Der folgende Text beschreibt die konkreten Aktionsmöglichkeiten innerhalb von "Ökostrom von unten", wie sie in jeder Stadt oder Region möglich sind. Er stammt aus der "Ö-Punkte"-Ausgabe Herbst 2000 (Schwerpunkt "Ökostrom von unten").
Schritt für Schritt: Ökostrom von unten umsetzen
Im August 2000 begann die umfassende Umsetzung der Idee "Ökostrom von unten". Wie der Name schon sagt, stehen Städte und Regionen im Mittelpunkt des Geschehens. Hier können und sollten die Runden (interessierte Einzelpersonen, Energieinitiativen, Anti-Atom-Gruppen, AnlagenbetreiberInnen usw.) entstehen, von denen die Impulse ausgehen - für die Umstellung von Wohnungen, Häusern, öffentlichen Gebäuden, Betrieben usw. sowie für die Gewinnung der Energie aus neuen Wind-, Wasser-, Solar- und Biomasseanlagen. Es gibt vielfältige Möglichkeiten für Aktivitäten in Städten und Regionen. Jede Region kann anders aussehen, die AkteurInnen in den Regionen entscheiden über alle Schritte, über Umfang, Namen und Details ihrer Kampagne. Mögliche Ideen und Schritte sind:
- Regionale Runden aufbauen
"Ökostrom von unten" ist ein Prozeß von unten, der möglichst viele Menschen, auf jeden Fall aber alle Beteiligten und Interessierten zu den Mitbestimmenden machen will. ErzeugerInnen von Ökostrom, von der Windanlage bis zum Solarstrommodul auf dem Hausdach, gehören genauso dazu wie alle StromkundInnen und letztlich alle Interessierten von der Anti-Atom-Kämpferin über die Solarbastlerin bis zum biomasseproduzierenden Landwirt. - "Atomstromfreie Zone(n)" finden
Ein oder auch einige Orte werden ausgewählt, die als öffentliche Anlaufstellen dienen und so auch Werbung machen. Umwelt- oder Kulturzentren, Kinos, ausgewählte Cafes oder Kneipen, Gemeindehäuser oder andere können passend sein. Diese Orte werden gekennzeichnet und in der Öffentlichkeitsarbeit benannt. Ziel ist, daß viele Menschen die "atomstromfreie Zone" bei einem Besuch dort wahrnehmen oder auch gezielt dort hingehen - und das es dort dann Informationen gibt zur Umstellung von Haushalten und Betrieben, zur Beteiligung an regenerativen Energieanlagen in der Region usw. - Veranstaltungen durchführen
In der "atomstromfreien Zone" oder andersorts kann bei Veranstaltungen über Ökostrom informiert werden. Dabei sollte das Thema nicht zu eingeengt betrachtet werden. Informationen zu Ökostromtarifen und -quellen sind ebenso wichtig wie Infoveranstaltungen zu Atomfilz, Machtstrukturen im Energiebereich usw. - Regionale Seminare und Austauschtreffen
Keine Stadt oder Region muß allein bleiben. Zwischen benachbarten Regionen und Städten kann ein Kontakt entstehen, gegenseitige Hilfe und Erfahrungsaustausch, Selbstorganisationsprozesse und gemeinsame Aktivitäten wie Vortragsreihen, Ausstellungen, Veröffentlichungen usw. sind denkbar.
Infozeitungen, Ausstellungen usw.
Sinnvoll wäre, zu Beginn des Projektes in einer Region und auch später immer wieder mal Informationsmaterialien breit zu streuen. Dazu können eigene Infozeitungen erstellt oder eine Kooperation mit bestehenden Medien begonnen werden, z.B. einer Umwelt- oder Kulturzeitung, Unizeitung usw. Auch Ausstellungen, die zu verschiedenen Orten wandern, sind eine gute Chance der Öffentlichkeitsarbeit. Auch hier gilt: Ökostrom ist mehr als bloße Werbung für Umstellung. Es geht um Atomenergie, Großkraftwerke, die Machtstrukturen, ohne die das alles gar nicht möglich wäre, Energiepolitik und mehr, aber auch um neue Energieanlagen. So könnte jedes neue Energieprojekt, für das Mitgestaltende und GeldanlegerInnen gesucht werden, Anlaß für eine solche Öffentlichkeitsarbeit, z.B. in Form einer Infozeitung, sein. - Direkte Aktionen
Ohne die jahrzehntelange Arbeit der Anti-Atom-Initiativen wäre regenerative Energie nie zu einem Thema geworden. Das bleibt auch weiter so. Wer behauptet, jetzt komme es nur noch auf den Bau neuer Anlagen oder die Umstellung auf Ökostrom an, hat wenig politischen Weitblick. Direkte Aktionen gegen Atomenergie, vom Castor bis zur Urananreicherungsanlage, gegen die machtausübenden Stromkonzerne, neue und alte Großkraftwerke mit ihrer verschwenderischen Energieumwandlung sowie viele Bezugspunkte mehr brauchen die konkrete Aktion. Diese Aktionen schaffen die gesellschaftliche Diskussion, den Willen zur Veränderung. Ohne direkte Aktion findet verändernde Politik nicht statt!
Hilfe zur Selbsthilfe: Das bundesweite Projekt "Ökostrom von unten"
Die regionalen Strom-ErzeugerInnen-VerbraucherInnen-Gemeinschaften (Strom-EVGs, d.h. Runden von StromkundInnen, -erzeugerInnen und alle anderen Interessierten aus einer Region/Stadt, die gemeinsam über Öffentlichkeitsarbeit, neue Anlagen usw. entscheiden) ind der Kern der Idee "Ökostrom von unten". Sie können und sollten sich überall bilden - parallel zu den ersten Schritten. Es sind offene Runden ohne Hierarchien. Alle Beteiligten sind gleichberechtigt. Ziel ist es, immer mehr Menschen in die Entscheidungsprozesse einzubinden. Vor allem bei neuen Energieanlagen gilt der Grundsatz: Möglichst hohe Beteiligung, möglichst hohe Akzeptanz und möglichst weitgehende Umsetzung als Gemeinschaftsprojekt z.B. vieler Menschen, die ihr Wissen, ihr Engagement und ihr Geld einbringen.
Doch die regionalen Runden sind nicht auf sich allein gestellt. Eine wichtige Hilfe sind die Ökostromanbieter. Ihre Beteiligung an "Ökostrom von unten" bedeutet, daß die Regionen sich viel Arbeit sparen. Statt eigene Firmen gründen zu müssen, suchen sie neue KundInnen für die an "Ökostrom von unten" beteiligten Ökostromanbieter. Diese wiederum helfen den regionalen AkteurInnen bei der Öffentlichkeitsarbeit, bei Veranstaltungen und bei der Planung, Finanzierung und Umsetzung neuer Energieanlagen. Darüber hinaus gibt es eine Vernetzung und direkte Hilfen für alle, die in den Regionen wirken, aus der Projektgruppe "Ökostrom von unten" heraus. Folgende Hilfestellungen sind konkret geplant (neue Vorschläge willkommen!):
Internetseite mit aktuellen Infos
Unter http://move. to/oekostrom sind ständig aktuelle Infos einzusehen zu den Ökostromangeboten, den Firmen, den verschiedenen Modellen von Ökostrom sowie den beteiligten Regionen mit ihren Projekten. Diese Internetseite kann auch Interessierten empfohlen werden oder sollte in den "atomstromfreien Zonen" für Außenstehende einsehbar sein.
Texte und Bilder für Öffentlichkeitsarbeit
Wer in der eigenen Stadt oder Region Öffentlichkeitsarbeit machen will, kann dafür Texte und Bilder bekommen. So ist es einfach, eigene Materialien zu erstellen. Besonders empfohlen seien die Tabellen zu den Ökostromtarifen. Aus ihnen läßt sich schnell ein A3-Faltblatt (oder zwei A4-Seiten) zusammenstellen mit der zweiseitigen Übersicht über die Tarife (wie hier in den "Ö-Punkten", nur ständig aktualisiert) und weiteren Informationen aus der Region, zu Energieanlagen usw.
Ö-Punkte und Reader
Diese "Ö-Punkte" können, solange der Vorrat reicht, für die konkrete Arbeit nachbestellt werden. Für alle, die bei "Ökostrom von unten" mitwirken wollen, gibt es die Ö-Punkte. Außerdem ist ein Reader entstanden, in dem die verschiedenen Fragen und Möglichkeiten umfangreicher erläutert werden.
Vorträge und Seminare
Die Projektwerkstatt und auch einige Ökostromanbieter bieten ReferentInnen an für Veranstaltungen. Zudem stehen wir für Seminare zur Verfügung. Unsere besondere Empfehlung lautet, in den Städten die Aktion vorzubereiten, Kontakt zu
benachbarten Regionen und Städten in der Sache zu suchen und dann in einer Großregion bzw. Bundesland ein solches Seminar zu veranstalten. Wir könnten dann dazukommen und dort intensiv die ganzen Hintergründe und Möglichkeiten von Ökostrom darlegen. Teil des Seminars könnte die Erarbeitung gemeinsamer Strategien benachbarter Regionen sein (Veranstaltungsreihe, Ausstellung usw.).
Direkte Beratung und Hilfen
Wer Fragen hat, kann bei den Ökostromanbietern oder bei uns in der Projektwerkstatt anrufen. Oder mailen. Adresse siehe am Rand.
Hilfe bei Neuanlagenbau
Wer Wind-, Wasser-, Solar- oder Biomasseanlagen neu bauen will, kann von den Ökostromanbietern Hilfe erhalten - fachliche Tipps, Planungshilfe bis zu finanziellen Förderungen.
Kurzkonzept für Ökostrom von unten in Stadtwerken
Ökostrom von unten will die Idee konsequenten Umweltschutzes mit der Demokratisierung von Energiegewinnung und –verteilung verbinden, um so der Idee des Umweltschutzes bzw. im konkreten Fall der regenerativen Energiegewinnung und des Energiesparens eine breite Akzeptanz zu verschaffen dadurch, daß Menschen nicht nur ZuschauerInnen einer vermeintlichen oder tatsächlichen Ökologisierung der Stromgewinnung sind, sondern selbst Entscheidende und AkteurInnen. Diese Idee der Demokratisierung ist im regionalen Maßstab, also z.B. im Rahmen der Arbeit von Stadtwerken, besonders gut möglich. Partner dabei wären im Rahmen einer zu schaffenden Strom-ErzeugerInnen-VerbraucherInnen-Gemeinschaft die Stadtwerke, Energieinitiativen, EnergieanlagenbetreiberInnen, interessierte VerbraucherInnen, aber auch Medien, Infozentren, VerbraucherInnenberatung und andere.
Hintergrundinformationen zu Ökostrom von unten: http://move.to/oekostrom und im Reader "Ökostrom von unten" (PDF-Download)
Stadtwerke und Ökostrom von unten:
Aufgrund ihrer regionalen Struktur können Stadtwerke Ökostrom von unten besonders gut umsetzen. Allerdings sind Stadtwerke nicht schon deshalb demokratischer, weil sie dezentraler sind. „Ökostrom von unten“ kann es nur dann geben, wenn die Menschen einer Region bzw. die KundInnen tatsächlich und mitentscheidend beteiligt werden. Das kann unter anderem geschehen durch:
- Transparenz aller den Ökostrom betreffenden Entscheidungen
- Umfangreiche informelle, finanzielle und tatsächliche Beteiligungsformen an neuen regenerativen Energieprojekten in der Region
- Demokratisierung der Vergabe von Forschungs- und Fördermitteln
- Bildung von Strom-ErzeugerInnen-VerbraucherInnen-Gemeinschaften in der Region (eine oder mehrere ja nach Infrastrukturmittelpunkten u.ä. im Versorgungsgebiet) nach dem Konzept von Ökostrom von unten
- Einbindung und Ausbildung der AkteurInnen zur Weiterverbreitung der Idee bzw. Initiative für neue Anlagen, Werbeaktionen usw.
Qualitätskriterien:
Ökostrom von unten ist kein Label, aber ein Projekt, in dem es um eine konsequent ökologische Orientierung, vor allem um den Neu- und Ausbau regenerativer Energie (Solar, Wind, Biomasse, Wasser) und die Beteiligung der Menschen an den Entscheidungen und der Verwirklichung geht. Die Aktion kann nur auf der Basis hoher Glaubwürdigkeit gelingen. Diese wollen wir durch hohe Transparenz, nicht durch intransparente Siegel oder Label erreichen.
Auf dieser Basis würden wir die Kontaktaufnahme zwischen uns und Stadtwerken begrüßen, um die Umsetzbarkeit einer Ökologisierung und Demokratisierung von Stromerzeugung und –verbrauch zu diskutieren.
Jörg Bergstedt, Institut für Ökologie,
06401/90328-3, Fax –5
- Entwurf für einen Brief an Stadtwerke.
Etliche Texte und Zitate sind mit, andere ohne Namen - das liegt zum einen daran, wie wir die Texte bekommen haben, zum anderen können die, deren Texte hier abgedruckt sind, auch selbst bestimmen ... Mail genügt und der Name wird gestrichen bzw. hinzugefügt.
