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Ökostrom von unten: Wann paßt was?

Für jede Idee von "Ökostrom von unten" gibt es eine passende Lösung. Je nach Blickwinkel erscheint mal dieser Ökostromversorger am interessantesten, mal jener. Das jeweils Günstigste auszuwählen, Partnerschaften einzugehen und weiterzuentwickeln - direkt von Regionalgruppe zu Ökostromanbieter ... das wird die Kunst sein. Die folgenden Texte zeigen einige ausgewählte Blickwinkel, einige Beispiele für viele. Sie stammen aus der "Ö-Punkte"-Ausgabe Herbst 2000 (Schwerpunkt "Ökostrom von unten").

Welcher Ökostrom? Welche Firma? Es kommt auf den Blickwinkel an ...

Sechs Ökostromfirmen beteiligen sich an der Idee "Ökostrom von unten" - manche bieten sogar mehrere Tarife an. Welcher ist sinnvoll? Nach welchen Kriterien kann entschieden werden? Die Frage ist nicht einfach, denn es kommt sehr auf den Blickwinkel an. Im folgenden Text sollen einige benannt werden. Sie stehen stellvertretend für viele andere und sollen zeigen: Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Wer richtig schlau ist, nutzt überall die Vorzüge. Denn alle Ökostromanbieter haben bestimmte Schwerpunkte.
Das Wichtigste vorweg: "Ökostrom von unten" bedeutet auch hinsichtlich der Qualität des Ökostroms eine Vorauswahl. Soweit wir das beurteilen können (Irren ist menschlich, vielleicht werden wir uns korrigieren müssen ...), bieten alle sechs Anbieter glaubwürdige Stromtarife und schaffen bezüglich ihrer Stromquellen Transparenz. Sie sind keine "Abspalter", d.h. ihr Ökostrom ist nicht einfach Strom, der ohnehin verkauft wird - bisher nur gemischt mit Atom- und Kohlestrom. Auf die eine oder andere Weise gelangen Teile der Einnahmen aus den Ökostrom-Verkaufseinnahmen in die Neuanlage von regenerativen Energieanlagen. Niemand also muß entscheiden, ob das Geld in Ökostrom oder die Förderung von Neuanlagen gehen soll - mit der richtigen Wahl beim Ökostrom geschieht beides.
Wichtig für die regionalen AkteurInnen ist aber auch noch, daß alle Ökostromanbieter überall agieren können. Es muß also nicht der relativ beste als einziger Partner gewählt werden, sondern die regionalen Gruppen können mit allen kooperieren - und auch für alle Werbung machen. Dann haben Haushalte, Betriebe, öffentliche Gebäude usw. auch die Chance, jeweils das für sie passende auszuwählen.

Die Stromqualität

Die folgende Übersicht nennt die Kriterien, nach denen "Ökostrom von unten" ausgewählt wurde - hinsichtlich der Stromtarife und der Ökostromanbieter. Sieben Fragestellungen sowie die möglichen Lösungsalternativen, die angeboten werden, sind in der Tabelle enthalten. Statt einer pauschalen Bewertung (z.B. durch ein Label oder eine Rangliste) möchten wir die Lage transparent machen, so daß jedeR selbst entscheiden kann, welcher Weg am sinnvollsten ist.

Die sieben Kriterien:

Diese Tabelle dient auch dem Verständnis der Stromtarifeübersicht, da dort die Kriterien bei der Beschreibung der einzelnen Stromangebote wieder aufgegriffen wird.
 
 
 
 

Übersicht über die Unterschiede der Ökostrom-Angebote

Fragestellung

Varianten und Erläuterungen

Empfehlungen

Nur regenerativer oder Mischstrom?

Regenerativer Strom ist solcher aus Wind-, (kleinen) Wasser-, Biomasse und Solarstromanlagen.

100% regenerativ
Einige Ökostromanbieter garantieren 100%igen Regenerativ-Strom, also nur aus diesen Quellen.

50% regenerativ, 50% KWK
Eine weitere Variante ist, eine Zusammensetzung von mindestens der Hälfte aus regenerativem Strom zu garantieren und den Rest aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (Blockheizkraftwerke).

Weitere Unterschiede
Einige Stromanbieter garantieren einen Mindest-Solarstromanteil. Andere legen sich bei der Kraftwärmekopplung auf Gaskraftwerke fest. Unterschiede gibt es bei der zulässigen Größe von Wasserkraftwerken und bei der Frage, ob auch Deponiegas oder Geothermie als Stromquelle gelten.

Eigentlich scheint die Sache klar: 100% regenerativ ist die richtige Entscheidung. Das ist auch so, allerdings gibt es sie nur in Verbindung mit dem Aufpreismodell - und dann wird es unklarer, denn dort erfolgt die Stromlieferung weiterhin durch ein Versorgungsunternehmen, das auch Atom- oder anderen Großkraftwerksstrom vertreibt (siehe "Aufpreismodell oder Stromwechsel?").

Bei den weiteren Beschränkungen können Einzelpunkte sehr wichtig sein, z.B. die Frage der maximalen Größenordnung neuer Energieanlagen. Riesige Windparks, große Staustufen in Flüssen oder intensive Landwirtschaft zum Zwecke der Biomassegewinnung sind alles andere als umweltgerecht.

Empfehlung im Rahmen von "Ökostrom von unten": Prüfen, ob durch einen Vertrag zwischen regionaler Strom-ErzeugerInnen-VerbraucherInnen-Gemeinschaft und dem Ökostromanbieter die Stromqualität für KundInnen in der Region verbessert oder eine direkte Nutzung der Wärme aus Kraft-Wärme- Kopplungsanlagen in der Stadt oder Region erreicht werden kann. Das würde aus "Ökostrom von unten" eine erweiterte Variante "Energie von unten".
 

Alt- oder Neuanlagen

Kommt der Ökostrom (ob nun 100% oder im 50:50-Modell) aus Altanlagen, die ohnehin bestehen, oder aus Neuanlagen, die zusätzlich gebaut werden.

Nur Neuanlagen
Das bedeutet, daß von Beginn an aller Strom nur aus Neuanlagen kommt. Allerdings ist die Definition strittig: Als Neuanlagen gelten entweder neu gebaute Anlagen oder welche bis zu einem bestimmten Alter. Neuanlagen können sehr
unterschiedlich umweltgerecht sein - vor allem große regenerative Anlagen haben oft viele Nebenwirkungen und stoßen auf geringe Akzeptanz.

Strom auch aus Altanlagen, Einnahmen (ganz oder z.T.) in Neuanlagen
Da Neuanlagen nicht so schnell errichtet werden können, beziehen viele Ökostromanbieter ihren Strom aus Altanlagen, errichten aber mit den Gewinnen oder einem Teil derselben neue Wind-,
Wasser-, Solar- oder Biomasseanlagen.

Auch oder nur Altanlagen
Der Strom kommt aus Altanlagen, es werden keine zusätzlichen regenerativen Energieanlagen gebaut. Bei den Altanlagen können gezielt solche ausgewählt werden, die ohne die Kooperation mit dem Ökostromanbieter stillgelegt würden,
da der Strom ansonsten nicht verkaufbar wäre (wegen der Konkurrenz billigeren Atomstroms).

Eine Stromgewinnung nur aus Neuanlagen ist klar das Beste. Betrieblich läßt sich das aber am Beginn kaum umsetzen - höchstens über den Trick, auch schon gebaute Anlagen als "neu" zu werten, wenn sie noch recht jung sind.
Wichtiger ist daher, darauf zu achten, daß möglichst viel der Einnahmen in möglichst umweltgerechte Neuanlagen gesteckt wird. Wieweit auch die Rettung von Altanlagen, die sonst stillgelegt würden, positiv zu bewerten ist, muß im Einzelfall entschieden werden.

Empfehlung im Rahmen von "Ökostrom von unten": Die regionalen Strom-ErzeugerInnen- VerbraucherInnen-Gemeinschaften schließen dort, wo die Förderung nicht klar geregelt oder zu gering ist, Verträge mit den Ökostromanbietern ab über gesonderte Förderungshöhen in der Region. Im Vertrag geregelt werden könnte für die Region auch ein höherer Anteil an Strom aus Neuanlagen und das Vorgehen bei der Rettung/Sanierung von Altanlagen.

Aufpreismodell oder Stromwechsel?

Hier gibt es zwei Möglichkeiten, Aufpreis und Stromwechsel.

Aufpreismodell (auch "Spendenmodell" genannt) 
In diesem Fall erfolgt kein vollständiger Stromwechsel. Die StromverbraucherInnen melden sich beim Ökostromanbieter an, tatsächlich werden sie aber weiter vom regionalen EVU beliefert.  Die
StromverbraucherInnen zahlen einen Aufpreis auf den bisherigen Strompreis, der an den Ökostromanbieter geht und den dieser zumindest teilweise für neue regenerative Energieanlagen ausgibt. Zudem garantiert er, daß pro Jahr mengengleich mit dem Verbrauch
an Ökostrom Strom aus regenerativen Quellen eingespeist wird. Diese Variante ist auch in den neuen Bundesländern möglich, da Ökostromeinspeisung und Verbrauch entkoppelt sind. Aufpreisregelungen sind meist einfacher, schneller umsetzbar und setzen sofort
Fördergelder für neue Anlagen frei.

Besonderheit
Bei Kooperationen zwischen Stadtwerken und Ökostromanbietern erfolgt die Anmeldung sogar über das EVU, das wiederum für den Ökostromanbieter handelt und den Ökostrom oft unter eigenem Namen verkauft. Damit bleiben die Stadtwerke in ihrer
dominanten Stellung, andererseits können so einfacher UmsteigerInnen gewonnen werden, wenn sie innerhalb "ihrer" Stadtwerke zu einem glaubwürdigen Stromangebot wechseln.

Stromwechsel
Es erfolgt eine Ummeldung zu einem Ökostromanbieter. Dieser speist den verbrauchten Strom zeitgleich ein, insofern ist hier die tatsächliche rechnerische Abkoppelung vom Mischstrom mit Atomstromanteil konsequenter. Der Ökostromanbieter zahlt an die Netzbetreiber (Besitzer der Stromleitungen) eine Durchleitungsgebühr. Diese Form ist in den neuen Bundesländern nicht möglich, weil dort der Strom immer einen hohen Braunkohlestromanteil haben muß, also kein Ökostrom wäre.

Keine Frage: Der Stromwechsel ist langfristig der konsequentere Weg, weil er den Stromversorgern, die auch mit Atomstromstrom handeln, die KundInnen vollständig entzieht. Andererseits ist das Aufpreismodell vielerorts, vor allem in den neuen
Bundesländern, einfacher oder billiger. Bei Kooperationen mit Stadtwerken oder glaubwürdigen Ökostromangeboten von diesen sollten Demokratisierungen festgeschrieben werden, z.B. daß die zusätzlichen Einnahmen in einem demokratischen Prozeß in Neuanlagen investiert werden.

Die Frage von Stromwechsel und Aufpreis ist insgesamt umstritten – es gibt zum einen unterschiedliche Sichtweisen, aber auch Zweifel, ob die Frage so überhaupt gestellt werden kann. Gleichzeitig ist aber zu erkennen, daß es einen Trend gibt, daß der Stromwechsel zum Normalfall wird.

Die Machtfrage

Die Machtfrage kann zweierlei gestellt werden. Zum einen bezogen auf den Wechsel weg von solchen Firmen, die auch Atom- bzw. Großkraftwerksstrom anbieten. Zum anderen bezogen auf die Mitbestimmung innerhalb der Ökostromanbieter. "Ökostrom von unten" will die Verknüpfung: Konsequenter Ökostrom und Mitbestimmung der ErzeugerInnen und VerbraucherInnen bei der Ökostromvermarktung. Dabei sind verschiedene Modelle denkbar.

Firma im (Mit-)Besitz der regionalen AkteurInnen
Bei Aktiengesellschaften oder Genossenschaften können die AkteurInnen aus den regionen Strom-ErzeugerInnen-VerbraucherInnen-Gemeinschaften MitbesitzerInnen werden.

Vertragsabschluß Region-Anbieter in einem Vertrag zwischen Strom-EVG und Ökostromanbieter
In einem Vertrag, der auch andere Dinge regeln kann, räumt der Ökostromanbieter den regionalen AkteurInnen Mitspracherechte bei den Entscheidungen in der jeweiligen Region ein, z.B. bei der Öffentlichkeitsarbeit, Entscheidung über neue Anlagen usw.

Die Ausblendung der Machtfrage ist bislang typisch für den Umweltschutz. So werden gute Aktionen immer wieder zum Scheitern gebracht. Ökostromfirmen können ihre Geschäftspolitik ändern oder aufgekauft werden - in der Marktwirtschaft geradezu alltäglich.

Empfehlung im Rahmen von "Ökostrom von unten": Klare Vorkehrungen treffen, damit nicht alle Arbeit umsonst ist. Am günstigsten dürfte ein Vertrag sein, um die Handlungsvollmacht der regionalen Strom-EVGs zu sichern. Sie entscheiden in ihrer Region in einem transparenten Prozeß unter Beteiligung der BürgerInnen (so sollte es im Vertrag festgeschrieben sein!) über:

  • neue Anlagen

  • die Art von Ökostrom-Werbung

  • Beteiligungsmodelle, Finanzierungen.

Der Ökostromanbieter teilt allen KundInnen in der jeweiligen Regionen die Aktivitäten und Mitgestaltungsmöglichkeiten über die regionale Strom-EVG mit. Außerdem erhalten sie Vetorechte bei Veränderungen der Besitzverhältnisse der Ökostromanbieter und der Zusammensetzung des Ökostroms.

Förderung neuer Anlagen

Die Ökostromanbieter unterstützen den Neubau von Energieanlagen sehr unterschiedlich.

Eigene Energieanlagen
Einige Ökostromversorger bauen eigene Energieanlagen, deren Strom sie dann verkaufen. Dies ist kombiniert mit dem Stromwechsel-Modell, da ja nur dann wirklich eigener Strom verkauft wird.

Förderung von Anlagen Dritter
Aus eigenen Mitteln, z.T. in festgelegten Sätzen pro verkaufter Kilowattstunde, werden Anlagen Dritter gefördert. Diese speisen den Strom dann beim regionalen EVU ein (Aufpreismodell) oder liefern direkt an den Ökostromanbieter (Stromwechsel-Modell).

Keine oder unklare Verhältnisse
Einige Ökostromanbieter fördern und bauen keine Neuanlagen. Andere haben Fördersätze festgelegt, die keine verläßliche Basis bieten, d.h. es besteht die Gefahr, daß keine Förderungen erfolgen.

Je besser neue Anlagen gefördert werden, desto besser.

Empfehlung im Rahmen von "Ökostrom von unten": Wenn die bestehenden Fördersätze nicht ausreichend erscheinen, kann ein Vertrag zwischen Ökostromanbieter und regionaler Strom-EVG Verbesserungen für die jeweilige Region festschreiben (z.B. höhere Sätze an den Einnahmen aus dem Stromverbrauch in der Region).

Stromlieferung in den Osten?

Eine Schutzverordnung für die Braunkohle und das störrische Verhalten der Monopolversorger (z.B. VEAG) erschwerten im Osten den Stromwechsel zu regenerativen Energien. Inzwischen ist (u.a. durch eine Klage von Greenpaece gegen einen Ost-Stromversorger) der Weg weitgehend frei und eine Umstellung auch im Osten überall möglich.

Empfehlung im Rahmen von "Ökostrom von unten": Politische Aktionen machen, wo noch geblockt wird!!!

Datentransparenz

Woher kommt der Strom (Anlagentypen, regional ...)? Wieviele KundInnen gibt es wo? Was verbrauchen sie?

Solche Fragen transparent zu machen, ist wichtig. Schließlich sollen Glaubwürdigkeit und die Identifikation über eine konsequente Ökostromlieferung aus Anlagen, die in der Region stehen und dort möglicherweise vielen Menschen zusammen gehören bzw. von
diesen mitdiskutiert wurden, die Idee von "Ökostrom von unten" verbreiten.

Empfehlung im Rahmen von "Ökostrom von unten": In einem Vertrag zwischen Ökostromanbieter und regionaler Strom-EVG sollte festgeschrieben werden, daß die Daten über Stromverbrauch und -gewinnung insgesamt sowie in der Region regelmäßig mitgeteilt oder z.B. im Internet einsehbar gemacht werden.

Weitere Hinweise:
Die bisherigen Label und Zertifizierungen für Ökostrom berücksichtigen wir im Rahmen von "Ökostrom von unten" nicht, da sie nicht alle Aspekte berücksichtigen. Da wir maximale Transparenz wollen, gehen wir exakt beschreibend vor, aber nicht pauschalisierend, wie ein Label vom Prinzip her immer sein muß.
Korrekturen, Hinweise, neue Informationen usw. bitte sofort an uns schicken! Danke.

Abkürzungen:

Stand: Februar 2001

Die Stromtarife

Diese Übersicht bietet, ständig aktualisiert, eine Übersicht über die Stromquellen und -tarife der Ökostrom-von-unten-Kampagne. Damit jedoch beide Ideen, d.h. die der umweltgerechten Stromproduktion und die der regionalen Erzeugung und Mitbestimmung, verwirklicht werden können, geht es um mehr als die Auswahl des richtigen Stromtarifes. Nämlich:
  1. Strom nach der folgenden Tabelle auswählen: A. Ökostrom pur&neu, B. Ökostrom pur&alt, C. Ökostrom 50:50&neu.
  2. Kontakt aufnehmen mit der regionalen Strom-ErzeugerInnen-VerbraucherInnen-Gemeinschaft
  3. Stromumstellung über die regionale Anlaufstelle (Kontaktstellen zeigen!) oder das Formular unten!
  4. Und am besten selbst aktiv werden in dieser regionalen Runde, die sich auch um Neuanlagen kümmert!

Ziel der Idee "Ökostrom von unten" ist es, daß in den Regionen die Menschen selbst aktiv werden, einerseits bei der Umstellung der eigenen Wohnungen, Häuser oder Betriebe sowie bei der Öffentlichkeitsarbeit für Ökostrom gegenüber NachbarInnen, KollegInnen, in öffentlichen Gebäuden, per politischer Aktion, anderer bei der Planung und Umsetzung von neuen Energieanlagen, angefangen von der Solarstromanlage auf dem Hausdach bis zu gemeinsamer Trägerschaft für eine Wind-, Wasseranlage oder Biogaskraftwerke.
Die Stromtarife und verschiedenen Verfahren der Einspeisung und des Stromverkaufs sind sehr kompliziert. Über die Frage, welche Wege die richtigen sind, gibt es sehr unterschiedliche Positionen. Die folgenden Informationen sollen Transparenz schaffen - die Bewertung müssen StromkundInnen und regionale Gruppen selbst treffen.

Eine Vorauswahl allerdings haben wir in der "Ökostrom-von-unten"-Projektgruppe getroffen:

  1. Unternehmen, die Atom- oder anderen Großkraftwerksstrom vertreiben oder mit Atomkonzernen verquickt sind, lehnen wir grundsätzlich ab.
  2. Unternehmen, die den Ökostrom nur aus dem bisher schon vertriebenen Mischstrom (z.B. wenige Prozent Windstrom, der in ihrem Versorgungsgebiet eingespeist wird) "abspalten" und dann teuer verkaufen, fördern die regenerative Energie nicht, sondern machen nur bessere Geschäfte. Solche eine Geschäftspolitik, die keine einzige Atom-Kilowattstunde verdrängt, lehnen wir ebenfalls ab.

Das bedeutet, daß wir alle Kooperationsfirmen von "Ökostrom von unten" empfehlen - Unterschiede aber gibt es, die wir deutlich machen wollen.
Die Reihenfolge in der nachfolgenden Tabelle der Stromtarife ist keine Bewertung. Es mußte aber ein Kriterium ausgewählt werden, nach dem die Hauptgliederung erfolgte - hier wurde die Stromzusammensetzung gewählt. Gleichsam bedeutungsvoll ist aber die Frage nach Neu- und Altanlagen, Aufpreis- und Stromwechselmodell, die Machtfrage sowie verschiedene weitere Unterschiede. Letztlich muß gelten: Plakative Aussagen vereinfachen, diese Übersicht soll präzisere Informationen bieten.

A. Ökostrom

pur: 100% regenerativ & neu (Wind, Wasser, Sonne, z.T. Biomasse)

Preis/Bedingungen

Angebot, Stromqualität

Anbieter


Strompreis: 20,88 Cent/kWh
Monatsgrundgebühr: 7 Euro
(ab 24 Monate Laufzeit: 5 Euro)

Adresse: HEAG NaturPur AG
Frankfurter Str. 100
64293 Darmstadt
01801/709-222, Fax -2703
info@naturpur-ag.de
www.naturpur-ag.de
Servicecenter: 01801/709222 (Ortstarif)

Kündigungsfrist
Ein Monat zum Monatsende, erstmals 12 Monate nach Vertragsabschluß.

Variante: Treuebonus
Laufzeit 24 Monate, Verlängerung um 12 Monate, wenn nicht gekündigt. Grundpreis dann: 60 DM/Jahr.

NaturPur-Strom premium

Stromqualität
Zusammensetzung z.Zt.:

  • max. 50% Wasserkraft
  • ca. 40% Wind
  • ca. 9% Biomasse
  • mind. 1% Photovoltaik

Der größte Anteil sind Neuanlagen und stehen ausnahmslos in der Region Südhessen.

Förderung von Neuanlagen
Bis Jahresende sollen 6 Mio. Mark in Neuanlagen investiert werden, dabei fast 100kW-Solarstrom, 2 Windkraftanlagen im Odenwald und die Reaktivierung von Kleinwasserkraft.

Stromwechsel
HEAG NaturPur wird selbst zum Stromanbieter.

HEAG NaturPur AG
Sitz in Darmstadt.

Von der Hessischen Elektrizitäts-AG (HEAG) als eigenständige AG gegründet, um den Ausbau regenerativer Energieanlagen voranzutreiben. Die Form der AG zwingt die Firma zur Offenlegung eines Geschäftsberichts.

Machtfrage
Die HEAG als Mutterkonzern ist zu 95% im Besitz der Stadt Darmstadt (Rest weitere Kommunen und Landkreise) und Stromversorger mit Normalstrom. HEAG NaturPur ist damit im Besitz eines Anbieters von normalem Mischstrom. Genaue Aufteilung: 51% HEAG, 49% HEAG Versorgungs-AG.

Neue Bundesländer
Besondere Bedingungen: 2 Pf/kWh Aufpreis auf den Nettoverbrauchspreis.


Strompreis: 19,5 Cent/kWh
(für NABU- und BUND-Mitglieder 34 Pf.)
Monatsgrundgebühr: 7,80 Euro

Adresse: Naturstrom AG
Mindener Str. 12
40227 Düsseldorf
0211/77900-0, Fax -599
Email: info@naturstrom.de
Internet: www.naturstrom.de

Kündigungsfrist
Ein Monat zum Monatsende, erstmals 12 Monate nach Vertragsabschluß.
 

Naturstrom
(z.T. über ausgewählte Stadtwerke angeboten, dann unter anderem Produktnamen)

Stromqualität
Der einzige Strom mit 100% regenerativ aus Neuanlagen.
Aktuelle Zahlen (30.6.2000):

  • 6.459 KundInnen
  • 6,54 Mio kWh Verbrauch
  • 6,6 Mio kWh eingespeist

0,029 kWh Solar, 2,14 kWh Wasser, 0,9 kWh Biogas, 3,5 kWh Wind.

Aufpreismodell
Die Naturstrom AG liefert über die "normalen" EVUs, d.h. deren marktbeherrschende Stellung wird nur teilweise aufgehoben. Bei den ausgewählten Kooperationen bleiben die Marktbeherrschung der Stadtwerke zwar unberührt, diese führen aber ein
glaubwürdiges Ökostromangebot ein.

Förderung neuer Anlagen
Die Einnahmen aus dem Aufpreis gehen zu mind. 75 Prozent in die Förderung neuer Anlagen - als zusätzliche Förderung dort, wo die Vergütung nach EEG nicht ausreicht. Das schafft gute Voraussetzungen für Neuanlagen in den Regionen.
Neu: Die Naturstrom AG will auch selbst Anlagenersteller werden.

Datentransparenz
Die Herkunft des Stromes und die Gesamthöhe des Verbrauches sind im Internet abrufbar. Zudem gibt die Naturstrom AG ein regelmäßiges Info "naturstrom news" heraus". Liste geförderter Anlagen im Internet.

Naturstrom AG, Düsseldorf
Sitz in Düsseldorf.

Diese Firma ist als Pionier in Sachen Ökostrom schon im April 1998 vor allem von aktiven Mitgliedern aus Umwelt- und Fachverbänden gegründet worden. 

Die Machtfrage
Streubesitz der Aktien über 400 AktionärInnen, daher relativ unabhängig. In einigen Orten Kooperationen mit Stadtwerken, die den Kommunen oder Mischstromkonzernen gehören (in einem Fall mit indirekter Beteiligung eines Atomkonzerns).

B. Ökostrom pur: 100% regenerativ, auch alt (Wind, Wasser, Sonne, z.T. Biomasse)

Preis/Bedingungen

Angebot

Anbieter

Die Strommixer
Strompreis: 18 Cent/kWh
Monatsgrundgebühr: 5,50 Euro
Ab 1400 kWh/Jahr gibt es Rabatte von 100 bis 400 kWh/Jahr.

Hofgasse 26d
26844 Jemgum
04958/9109800, Fax 910640
Mail: info@strommixer.de
Internet: www.strommixer.de

Mindestvertragslaufzeit:
12 Monate, danach monatlich Kündigung möglich.

MoinPower
Strom vor allem aus Windenergieanlagen.

Stromqualität

Stromwechsel

Förderung von Neuanlagen
"Die Strommixer" sind selbst Anlagenbetreiber, v.a. von Windenergieanlagen im Rheiderland.

Die Strommixer GmbH

Die Machtfrage
Im Besitz einiger der Energieeinspeiser (Windanlagenbetreiber) im Rheiderland.

Sonstiges
Die Rabattregelung steht ökologisch sinnvollem Energiesparen im Weg - belohnt wird, wer viel Strom verbraucht.


Strompreis: 17 Cent/kWh
Monatsgrundgebühr: 8,50 Euro

Adresse: unit energy
Obereschbacher Str. 109
61352 Bad Homburg
01801/222999, 06172/1897-0, Fax -98
Mail: info@unite-strom.de
Internet: www.unite-strom.de

Verkauf auch in den Postfilialen in Süd- und Mitteldeutschland.

Kündigung
1 Monat

unit[e] strom
Strom aus Wind und Wasser.

Stromqualität
unit[e] naturplus hat das ok-Stromlabel.

Stromwechsel
unit[e] wird zum Stromanbieter. Mengengleiche Einspeisung.

Förderung von Neuanlagen
-

Datentransparenz
-

Unit energy stromvertrieb GmbH
Gehört inzwischen neben weiteren "Tochterfirmen" der hölländischen Nuon, die in in vielen Ländern Europas aktiv ist als Marktführer im regenerativem Strom.

Die Machtfrage
Unit energy Stromvertrieb: Im August 2000 zu 74% an den holländischen Konzern Nuon verkauft. Dieser strebt die Marktführung im regenerativen Strombereich europaweit an. Er entstand als Fusion von Stadtwerken und hat die Kommunen weiter als Hauptanteilseigner. Nuon hat fast alle Anteile an herkömmlichen Kraftwerken verkauft und setzt voll auf regenerative Energie.
 

C. Ökostrom light: mind. 50% regenerativ & neu (Wind, Wasser, Sonne, z.T. Biomasse),
höchstens 50% aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)

Preis/Bedingungen/Infos

Angebot

Anbieter


Strompreis: 18,50 Cent/kWh
Monatsgrundgebühr: 6,90 Euro
Sonderkonditionen für GroßkundInnen

Adresse: Lichtblick
Max-Brauer-Allee 44
22765 Hamburg
01802-660660 (12 Pf/min, Mo-Fr 8-20 Uhr)
Mail: info@lichtblick.de
Internet: www.lichtblick.de

Kündigungsfrist: 4 Wochen zum Monatsende, erstmals nach 3 Monaten

Stand: 7.10.2004

Lichtblick
Pauschaler Preis.

Stromqualität
Seit 2003 wird unser Strom vollständig aus regenerativen Energiequellen wie Wasser, Biomasse, Sonnenenergie oder Windkraft erzeugt. Neben dem gesetzlichen Mindestanteil von derzeit 10 % an regenerativer Stromerzeugung aus Wind, Wasser, Biomasse und Fotovoltaik werden 76 % des LichtBlick-Stroms aus Wasserkraft und 14 % aus Biomasse in hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erzeugt.

Stromwechsel
Lichtblick ein bundesweiter Stromanbieter.

Förderung von Neuanlagen
LichtBlick bezieht mindestens ein Drittel seines gesamten Stroms aus Neuanlagen.

Datentransparenz
Siehe Internetseiten zur Stromerzeugung hier ...

Lichtblick - die Zukunft der Energie GmbH
Eigenständige GmbH. Gesellschaftsanteile:

  • Familie Saalfeld (Firmengründer): 90%

  • Jeweils 5% bei den zwei Geschäftsführeren.


Die Machtfrage
In der Entstehungsgeschichte gab es einige Wirrungen ud Gerüchte, da der Firmengründer bei einem anderen Firmenprojekt (Vasa Energy) mit dem Atomkonzern Vatenfall kooperierte. Inzwischen ist diese Verbindung beendet, das hohe finanzielle Engagement mit Anzeigen usw. wirft aber die Frage nach den Interessen der Geldgeber auf. Fragwürdig erscheint die Kooperation mit B.A.U.M., einem Zusammenschluß von Firmen wie Daimler, Sandoz, Mobil Oil usw., der Öko-Managementberatung für Unternehmen macht und politisch für ökokapitalistische Ideen eintritt.


Strompreis: 18,40 Cent/kWh
Monatssgrundgebühr: 7,85 Euro

Adresse: Greenpeace energy eG
Norderstr. 99
20097 Hamburg
Tel.: 040/280579-0
Fax: -99
Mail: service@greenpeace-energy.de
Internet: www.greenpeace-energy.de

Kündigungsfrist
1 Monat, frühestens nach 6 Monaten.
 

Greenpeace energy
Von Greenpeace gegründete Genossenchaft, verbunden mit der "Aktion Stromwechsel".

Stromqualität
Mindestens 50% regenerative Energie, mindestens 1% Solarstrom. Rest aus gasbetriebener Kraft-Wärme-Kopplung. 2002: 64,1% regenerativ.

Stromwechsel
Greenpeace energy wird zum Stromanbieter.

Förderung von Neuanlagen
Verzögerte Einspeisung aus Neuanlagen - Greenpeace garantiert, daß 2-3 Jahre (Stichtag je 30.6.) alle NeukundInnen mit Strom aus Neuanlagen entsprechend dem 50:50-Mix versorgt werden. Als Neuanlage gilt, was nach dem Stichtag in Betrieb gegangen ist.

Datentransparenz
Im Internet einsehbar einschließlich eines aktuellen "Strombarometers" (halbstündlich aktualisierte Anzeige des Strommixes).

Greenpeace energy eG
Genossenschaft, initiiert von Greenpeace, dort auch angesiedelt.

Die Machtfrage
Die Genossenschaft nimmt weitere GenossInnen auf mit einem bis zehn Anteilen je 55 Euro.
Kooperation mit den Stadtwerken Schwäbisch Hall bei der Strombeschaffung und -abrechnung.


Strompreis: 18,77 Cent/kWh
Monatssgrundgebühr: 8 Euro
(6 Euro ab 24 Monaten Laufzeit)

Adresse: HEAG NaturPur AG
Frankfurter Str. 100
64293 Darmstadt
01801/709-222, Fax -2703
info@naturpur-ag.de
www.naturpur-ag.de
Servicecenter: 01801/709222 (Ortstarif)

Kündigungsfrist
Ein Monat zum Monatsende, erstmals 12 Monate nach Vertragsabschluß.

Variante: Treuebonus
Laufzeit 24 Monate, Verlängerung um 12 Monate, wenn nicht gekündigt. Grundpreis dann: 108 DM/Jahr.

NaturPur-Strom light

Stromqualität
50% Wasser, 50 KWK-Strom aus fossilen Quellen.

Stromwechsel
HEAG NaturPur wird selbst zum Stromanbieter.

HEAG NaturPur AG
Sitz in Darmstadt.

Von der Hessischen Elektrizitäts-AG (HEAG) als eigenständige AG gegründet, um den Ausbau regenerativer Energieanlagen voranzutreiben. Die Form der AG zwingt die Firma zur Offenlegung eines Geschäftsberichts.

Machtfrage
Die HEAG als Mutterkonzern ist zu 95% im Besitz der Stadt Darmstadt (Rest weitere Kommunen und Landkreise) und Stromversorger mit Normalstrom. HEAG NaturPur ist damit im Besitz eines Anbieters von normalem Mischstrom. Genaue Aufteilung: 51% HEAG, 49% HEAG Versorgungs-AG.

Neue Bundesländer
Besondere Bedingungen: 2 Pf/kWh Aufpreis auf den Nettoverbrauchspreis.


Strompreis: 19,40 Cent, 19,98 Cent oder 21,14 Cent/kWh (je nach gewünschter Förderhöhe)
Monatsgrundgebühr: 5,75 Euro

Adresse: EWS GmbH
Friedrichstr. 53-55
79677 Schönau
07673/8885-0, Fax -19
Mail: info@ews-schoenau.de
Internet: www.ews-schoenau.de

Kündigungsfrist
14 Tage

"Watt Ihr Spart" und "Watt Ihr Volt"
Der Strom kommt kommt zur Hälfte aus regenerativer Energie (Laufwasserkraftwerke in Österreich) und zur Hälfte aus Kraftwärmekopplungs-Kraftwerken in Baden Württemberg.

Förderung von Neuanlagen
0,5 oder 1 oder 2 Cent/kWh je nach Stromtarif (siehe rechts) wird in Neubau-Anlagen investiert.

Stromwechsel
EWS wird zum Stromanbieter.
Kooperiert im bundesweiten Geschäft mit Lichtblick.

"Watt Ihr Volt": Spendenmodell ... Verbleib beim bisherigen Stromanbieter, aber 4,64 Cent/kWh als Spende zum Ausbau regenerativer Energieanlagen (mind. 1000 kWh, darüber kann der Umfang frei gewählt werden).

Energiewerke Schönau (EWS)
Die "StromrebellInnen" aus dem Schwarzwaldort, die dort gemeinsam ihr Leitungsnetz gekauft haben und nun eine ökologische Strompolitik im Ort machen.

Die Machtfrage: In Schönau gehört sogar das Leitungsnetz einem von BürgerInnen gegründeten Stromversorger, ebenso die Energieanlagen im Ort. Paradebeispiel für "Umweltschutz von unten"! Überregional gibt es keine Beteiligungsmodelle an der Firma.

Etliche Texte und Zitate sind mit, andere ohne Namen - das liegt zum einen daran, wie wir die Texte bekommen haben, zum anderen können die, deren Texte hier abgedruckt sind, auch selbst bestimmen ... Mail genügt und der Name wird gestrichen bzw. hinzugefügt.