Friedhof der Kuscheltiere


Mit Gutachten und Experten-Erklärungen versucht das Deutsche-Pelz-Institut Stimmung für
ein blutbesudeltes Kleidungsstück zu machen. Wer den Pelz-Gutachten auf den Leim geht,
ist dabei selber Schuld. Sabrina Furter und Alexander Farkas haben sich für die Tierbefreiung aktuell
mit den Gefälligkeits-Erklärungen auseinandergesetzt.

"Pelz ist", so Susanne Kolb, die PR-Frau des Deutschen Pelzinstituts, "ein umweltfreundliches Produkt, welches die Natur mir geschenkt hat".Doch um dieses Geschenk, das ursprünglich an die Pelztiere ging, annehmen zu können, sind verschiedene umweltschädliche und tierverachtende Arbeitsschritte notwendig. Denn Natur pur ist der Pelz schon lange nicht mehr. Um das Fell weich und seidig zu machen werden 140 Arbeitsschritte, darunter etliche Chemikalienbäder, benötigt. Auch die Haltungsbedingungen auf den Pelzfarmen sind katastrophal. Ein durchschnittlicher Nerzkäfig z.B. hat die Größe von 0,25 Quadratmetern - Gelegenheiten zum Schwimmen fehlen vollkommen. Meist müssen sich bis zu vier Tiere einen Käfig teilen. Dabei wird jedoch vollkommen vergessen, daß Wildnerze an Ufern mit üppigem Pflanzenwuchs leben, das ihnen ausreichend Verstecke bietet. Sie klettern und schwimmen gerne und sind etwa ab dem 4. Lebensmonat Einzelgänger.
Untersuchungen ergaben, daß das Verhalten von Wild- und Zuchtnerzen gleich ist und sie sich nur
in Fellqualität und Wurfgröße unterscheiden. Die Tiere haben sich also keineswegs an die
Haltungsbedingungen angepaßt. Trotzdem werden sie in nahezu unstrukturierten Käfigen mit oftmals
verdrecktem Trinkwasser und hohen Kothaufen gehalten. 80% aller Felle stammen aus solchen Zuchten.
Um diese tierquälerische Haltung zu verteidigen und den Frauen einzureden,
"ihren Anspruch auf den Pelz" (Kolb) geltend zu machen, werden von der Pelzbranche regelmäßig
Millionen von Mark aufgewendet. Ein großer Teil dieses Geldes fließt in sogenannte
"wissenschaftliche Gutachten". In zahlreichen solcher Gutachten werden den Züchtern tierschutzgerechte
Haltungen bescheinigt. Das bekannteste "Gefälligkeitsgutachten" ist die Streßforschung von
Heller und Jepessen aus Kopenhagen, in der es heißt, daß "Nerze unter üblichen
Haltungsbedingungen nicht am schädlichen Langzeitstreß leiden". Liest man diese
Untersuchung jedoch genauer, so bleibt nicht viel übrig: Die Kernaussage ist, daß Nerze,
die zu dritt in einem Käfig leben, stärker leiden als Nerze, die zu zweit gehalten werden.
Das Problem der Käfighaltung wird also nicht direkt untersucht, sondern ganz einfach relativiert.
Und der Schluß, den die Pelzindustrie daraus zieht, ist ebenso absurd wie der Gedanke, daß
die Haltung eines Tieres, das weniger gequält wird als ein anderes, gleich als
tierschutzgerecht bezeichnet werden kann. Doch selbst dieses Gutachten belegt die tierquälerische
Haltung der Nerze auf den Farmen. Die Haltung von drei Nerzen in einem Käfig ist nämlich
in 90% aller Farmen anzutreffen. Um den PelzträgerInnen Gewissensbisse zu ersparen, werden die
Nerz- und Fuchsfarmen regelmäßig kontrolliert - behauptet zumindest die Pelzindustrie.
In diesem Zusammenhang wird gerne das nationale Veterinärinstitut in Schweden zitiert:
"Die Haltung von Pelztieren ist besser geregelt und wird schärfer beaufsichtigt,
als die aller anderen Haus- und Nutztieren". In Deutschland gibt es allerdings keine Verordnungen
für die Pelztierhaltung und die Richtlinien sind lediglich Empfehlungen, die "sowohl die in der Praxis
übliche, art- und verhaltenswidrige Käfighaltung von Pelztieren, als auch die in der Praxis
üblichen qualvollen Tötungen von Pelztieren zulassen". Auch "die 1988 eingeführte
freiwillige Selbstkontrolle nach vorheriger Anmeldung ist eine Farce",
so der Agrarwissenschaftler Edmund Haferbeck.
Ebenso lehnt die Deutsche Tierärzteschaft und andere angesehene Wissenschafts-organisationen
in einer offiziellen Presseerklärung den Entwurf zur Pelztierhaltungs-Verordnung ab,
denn "die Befriedigung des Modebedürfnisses einer Minderheit dürfte im Hinblick auf
ein an der Ethik orientiertes Tierschutzgesetz kein vernünftiger Grund sein."
(Presseinformation der Deutschen Tierärzteschaft). Schlimmer sind die Zustände in Skandinavien.
Hier wurden Bestimmungen erlassen, die die Pelzindustrie wesentlich geringer einschränken als die
deutschen Richtlinien. Auch hier finden sich einige gekaufte Wissenschaftler, die mit ihren angeblich
neutralen Gutachten die Pelzbranche hoch leben lassen. So ist z.B. der viel zitierte holländische
Wissenschaftler de Jonge ein Mitglied des größten Verbandes der Pelzindustrie,
der International Fur Trade Federation (IFTF). Auch das Standardwerk des dänischen
Wissenschaftlers Heller wurde vom IFTF herausgegeben. 1996 hielt ein Obergutachter für
die Staatsanwaltschaft in Köln fest, daß ein von Herrn Heller erstelltes Gutachten
"einseitig die Sicht der Pelzindustrieb" vertritt.Auch für die 20% der Felle,
die aus der Wildnis stammen, werden von der Pelzindustrie Untersuchungen gemacht.
Mit Hilfe solcher Gutachten gelang es der Pelzindustrie, daß das Importverbot für in
Tellereisen gefangene Tiere, das die EU seit 1991 einführen will, immer wieder hinausgeschoben wird.
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