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Energie von unten (Selbstorganisation)

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Im Original: Text "Energie von unten" ++ Alle Zitate aus / einblenden
Text von Florian Kubitz (Bundeskoordination Stud. Ökologiearbeit) aus dem Buch "Autonomie und Kooperation"
Überall wächst der Widerstand gegen Windkraftanlagen. Warum? Weil die großen Stromkonzerne hinter den Bürgerinitiativen stehen und sie mit den nötigen Finanzmitteln ausstatten? Weil Windkraftanlagen dort in die Landschaft eingreifen, wo sie noch völlig unberührt ist? Weil die Auswirkungen von Windenergie im Vergleich zu anderen Techniken besonders kritisch beäugt werden? Egal: Die Lösung des Problems ist ganz einfach, wir bauen Windkraftanlagen auf dem Meer, da stören sie keinen und produzieren wegen der besseren Windverhältnisse auch noch mehr Strom. Wirklich der richtige Weg?
Erneuerbare Energien sind zu einem Millionengeschäft geworden. Schon lange geht es nicht mehr um eine lokale, dezentrale Energieversorgung durch eine schonende Nutzung der lokal verfügbaren Ressourcen. Es wird alles immer größer, weil der Ingenieur anfassen kann was er will - je größer die Einheit wird, umso niedriger sind die spezifischen Kosten. Die Flügel von Windkraftanlagen überspannen ein Fußballfeld, die Turmhöhe hat 150 Meter erreicht. Windkraftanlagen sind damit höher als jeder Kirchturm oder Industrieschornstein.
Die Windparks könnten zwar locker die Bewohner der Dörfer in ihrer Umgebung versorgen, aber denen gehören sie nicht. Anonyme Investoren aus der fernen Großstadt haben ihr sauer erspartes Geld einem Fonds anvertraut, der eine Rendite verspricht, die über dem liegt, was man auf sein Sparbuch bekommt.
Ist es wirklich verwunderlich, dass der Widerstand gegen Windkraftanlagen wächst? Wohl kaum. Doch was ist die Alternative, außer der Verbannung aufs Meer? Was bedeutet eine Energieversorgung von unten?
Die Menschen müssen selbst entscheiden, wie eine umweltfreundliche Energieversorgung vor Ort gestaltet werden kann. Wieviel Energie wird überhaupt benötigt, was kann man einsparen? Welche natürlichen Ressourcen können genutzt werden, wie geschieht das am schonendsten für die Menschen und die Umwelt? Das können die Menschen vor Ort am besten entscheiden. Natürlich kann es auch sinnvoll sein, Strom aus Regionen mit guten Standortbedingungen in andere Regionen zu übertragen, die schlechte Voraussetzungen für die Nutzung regenerativer Energien haben. Dann sollten die Menschen an der See aber selbst entscheiden, wieviele wie große Windkraftanlagen ihre Landschaft verkraftet. Ziel ist die Schaffung vieler dezentraler Anlagen, statt nur die bisherigen Großanlagen (Atom- und Kohlekraftwerke) durch andere (Offshore-Windparks und riesige Solarkraftwerke in Afrika) zu ersetzen.
Das gleiche Prinzip gilt auch außerhalb der Stromversorgung. Stark gefördert wird z.B. die Verwendung von so genanntem „Biodiesel“, Rapsölmethylester. Die Herstellung von Rapsölmethylester ist nicht nur energieintensiv sondern auch technisch kompliziert. Deshalb sind zentrale Strukturen zur Herstellung von Biodiesel unumgänglich. Dabei könnte man mit leichten Änderungen an der Motoren auch gleich gereinigtes Pflanzenöl in den Tank füllen, aber damit ließe sich wohl nicht so viel Geld verdienen.
Mit kleinen Blockheizkraftwerken kann man gleichzeitig Strom und Wärme produzieren, der Wirkungsgrad beträgt ca. 90%, im Vergleich zur konventionellen Stromerzeugung mit 40% unglaublich hoch. Aber wegen der kleineren Erzeugungseinheiten ist Kraft-Wärme-Kopplung immer noch auf Förderung angewiesen.

Beschreibung des Konzepts „Ökostrom von unten“
Drei Worte, deren Sinngehalt erst deutlich wird, wenn die politische Bedeutung aller drei klar wird und dann die Gesamtkomposition. Denn Beliebigkeit ist eine Todesform von Prozessen und Weiterentwicklung.
- Ökostrom: Strom ist das, was aus der Steckdose oder dem Kabel kommt. Er wird dann von Strom in andere Energieformen gewandelt. Für viele Zwecke ist Strom eine sehr edle Energieform, für andere extrem ungeeignet, z.B. für die Gewinnung von Wärme oder auch für anderes, wenn dabei vor allem Wärme nebenbei verloren geht wie bei Lichtquellen, die viel Wärme produzieren, oder solchen mechanischen Geräten, die vor allem Wärme abgeben. Für so etwas Strom zu verwenden, ist nie „öko“. Umweltschutz bedeutet, Warmwassergewinnung, Heizung, Herd, Waschmaschine, Trocknungsgeräte usw. auf andere Wärmeproduktion umzustellen. Solare Warmwassererzeugung, Brennwerttechnik, Biogas und Biomasse wären Alternativen. „Öko“ ist zudem nicht das was draufsteht, sondern das, was wirklich ist. Am umweltfreundlichsten ist der Strom, der eingespart wird, denn auch „Ökostrom“ verursacht Umweltzerstörungen und Rohstoffverbrauch - nur weniger. „Ökostrom“ ist der Strom, der andere Stromformen verdrängt, indem sein Kauf (auf den Zahlungsvorgang kommt es an, d.h. wem ich das Geld gebe!) keine fossile und/oder verschwenderische Stromproduktion unterstützt. „Öko“ ist folglich nicht, wenn der ohnehin vorhandene, mit Wind oder Wasser produzierte Strom jetzt nur teurer bezahlt wird. „Öko“strombezug muss die fossile Stromproduktion tatsächlich verringern.
- Unten: Unten heißt nicht klein, sondern „unten“ bedeutet das Fernsein von Machtmitteln. Nicht per Verordnung, Sicherheitsapparaten und Kontrolle, Geld oder wirtschaftlichem Druck sollen Verbesserungen erfolgen, sondern aus gleichberechtigtem Miteinander von Menschen. Die gleichberechtigten Menschen ohne den Einsatz von Herrschaft - das ist „unten“ im positiven Sinne. Auch PolitikerInnen, Institutionen oder Firmen können so agieren - allerdings müssen sie dann verzichten auf die Machtmittel, die sie sonst gewohnt sind einzusetzen.
- Von: Das ist ein wichtiges Wort - von unten ist ein Prozessbegriff. Er bezeichnet das Handeln der Menschen ohne Benutzen von Machtmitteln. Freie Vereinbarungen der Gleichen und Freien. Die Menschen organisieren sich, ihr Leben und ihre gemeinsamen Dinge selbst. Das sagt „von unten“. Es ist also ein Begriff, der das Gegenteil von Herrschaft, des „von oben“ ist. Umweltschutz von unten heißt folglich nicht, daß die VerbraucherInnen im Kleinen die Umwelt schützen (sollen). Das ist zwar auch nicht ausgeschlossen, aber es ist nicht der Punkt. Vielmehr bedeutet es, dass im Prozess der freien und gleichberechtigten Menschen miteinander entschieden wird, was im Umweltschutz geschieht - ohne Gesetze, Druck von oben, wirtschaftliche Abhängigkeiten, Markt- und Verwertungslogik oder Institutionalisierung.
Ökostrom von unten als Gesamtheit bezeichnet eine Energieversorgung, die ökologischen Kriterien gerecht wird und deren Gewinnung, Verteilung und Verbrauch die Menschen miteinander klären. Energiegewinnungsanlagen, Netze und die Absprachen über den Verbrauch - alles gehört allen. Zumindest ist das Vision. Der konkrete Weg kann über Schritte dahin führen und wird kreativ Grenzen erweitern müssen, die ein herrschafts- und marktförmiges Drumherum hat. Diese Erweiterung kann nicht durch Insellösungen erfolgen, sondern durch eine politische Auseinandersetzung. Daher wird auch die politische Aktion dazugehören müssen.
Das Projekt „Ökostrom von unten„ ist eine konkrete, selbstorganisierte und politische Aktion. Sie lebt vom eigenständigen Handeln in Städten und Regionen, schafft keine zentralen Strukturen, sondern will denen helfen, die vor Ort agieren wollen. Die konkreten Aktivitäten können von Öffentlichkeitsarbeit bis Widerstand gegen Monopole, Großkraftwerke, Atom usw. über das Schaffen konkreter Projekte, Modelle, Experimente und gemeinsam betriebener Energiegewinnungsanlagen und Netze reichen - alles gehört dazu! Ob es gelingt, hängt davon ab, ob vor Ort bestehende Aktivitäten und neue Ideen entwickelt werden - unter welchem Namen, in welcher Vorgehensweise und Organisationsform auch immer.

 

Gegenmodelle und -projekte

Die Theorie

Aus Robert Kurz: Antiökonomie und Antipolitik
Die Reproduktion kann zu einer dezentralen Form zurückkehren, aber nicht mehr zu den voneinander vergleichsweise isolierten dezentralen Reproduktionsformen der Agrargesellschaft, die nur äußerlich durch Strukturen der Herrschaft verbunden waren, sondern auf höherer Entwicklungsstufe zu einer allseitig kommunikativ vernetzten dezentralen Struktur. Das gilt im übrigen nicht nur für die Mikroelektronik, sondern zumindest perspektivisch auch für die Ablösung der fossilen durch solare Energie. Erfordern die energetischen Systeme der fossilen Brennstoffe große, zentralisierte Technologien und Organisationsformen, so ist die Solartechnik ebenso dezentral und im kleinen Maßstab einsetzbar wie die Mikroelektronik. Die Repräsentanten des Kapitals schrecken vielleicht auch deshalb vor der forcierten Entwicklung solarer Energietechnik zurück, weil sie ahnen, daß damit dem Kapitalismus und seinen zentralisierten Formen der Herrschaft endgültig die Felle davonschwimmen könnten.

Hermann Scheer in „Solare Weltwirtschaft“, 2000, Verlag Antje Kunstmann (S. 255)
So richtig es ist, die Energiekonzerne auch zur Mitwirkung am Wandel zur solaren Weltwirtschaft zu veranlassen – durch öffentlichen Druck, Überzeugungsarbeit oder politische Auflagen -, so wenig kann man erwarten, daß sie das im Sinne einer forcierten Substitutionsstrategie tun, also gegen sich selbst. Auch wenn es aus den ... genannten Gründen nicht möglich ist, die Versorgung mit erneuerbaren Energien so zu kontrollieren wie die atomar/fossile Energieversorgung: Es ist von ausschlaggebender Bedeutung, wer das Tempo der Einführung solarer Ressourcen vorgibt und nach welchen Interessen dabei vorgegangen wird. Die Schrittmacher der Einführung erneuerbarer Energien waren und sind unabhängige, nicht eingebundene Akteure: „grass-roots“-Organisationen, individuelle Betreiber, neue Unternehmen, Stadtwerke, Politiker. Sie haben die Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit geleistet und den Markt für Solartechniken vorbereitet. Ihre Aktivitäten müssen verstärkt werden, statt sich darauf zu verlassen, daß die Entwicklung nun von Konzernen und von Regierungen in die Hand genommen wird – nach dem Motto: „Wir haben verstanden.“ ... Der Wandel zur solaren Weltwirtschaft ist ohne die gebündelten Aktivitäten lokaler und unabhängiger Kräfte sowie zahlloser individueller Investoren nicht vorstellbar.

Aus der Beschreibung des Projektes "Ökostrom von unten"
Die Auseinandersetzung um die Stromversorgung findet nach der Liberalisierung des Strommarktes im Markt statt. Werbekampagnen, Versprechungen, mehr oder minder glaubwürdige Zertifikate sowie viele Verwirrungen um Preise prägen das Geschehen. Das ist typisch für alles: Was sich im Markt organisiert, unterwirft sich den dortigen Gesetzen. Umweltschutz, Mitbestimmungsrechte und Dezentralität gelten dort aber wenig oder nichts. Profit, Rationalisierung und Machtsicherung durch Zugriff auf Ressourcen und Marktanteile stehen im Vordergrund. Scheinbar sind alle diesem Trend des „Wachse oder weiche“ unterworfen. Da bleibt keine Zeit für ökologische Glaubwürdigkeitsdebatten oder Mitbestimmungsrechte – höchstens da, wo sich mit solchen Begriffen eine KundInnenschicht ansprechen läßt. Die ist aber klein und zudem oft nicht gewillt, genau hinzugucken, so daß die großen Energieversorgungsunternehmen mit Lockangeboten im Öko-Touch viele KundInnen gewinnen können, die danach drängen, etwas Gutes zu tun.
Das Projekt „Ökostrom von unten“ versucht etwas anderes: Raus aus der Marktlogik, rein in mitbestimmungsorientierte Formen der Stromversorgung. Die Menschen, sonst nur als im Markt umworbene KundInnen betrachtet, sollen selbst zu den Handelnden werden. Es soll „ihr“ Strom sein, gewonnen in „ihren“ Anlagen, verteilt über „ihr“ Netz hin zu ihren Häusern, die individuell oder in VerbraucherInnen-Gemeinschaften den Strom beziehen.

Aus einer Rede auf der Demonstration vor dem Grünen Parteitag am 10.3.2001 in Stuttgart - die ganze Rede als Diskussionsforum
Hinter dem Castor steht das System! Der Widerstand gegen den Castor gilt dem System!

Der Castor fährt nicht nur, weil Grüne so schlapp sind. Weil Trittin und Schröder nur früher gegen die Atomkraft kämpften, als sie wenig zu sagen hatten. Weil Gutachten gekauft sind und überall Lügen und Betrug herrschen. Das alles stimmt auch, aber es ist nicht der Grund.
Sondern: Der Castor kann rollen, weil wir in einer Welt leben, in der es Herrschaft und Verwertungslogik gibt, allen voran in der Form von Markt und Kapital.

Die Praxis

Sicherlich nicht aus überzeugtem Umweltdenken, sondern aus rein betriebswirtschaftlicher Kalkulation bauen einige Unternehmen eine Eigenstromversorgung auf. Meist fehlt ein umweltgerechter Energielieferant, aber durch die verbrauchsnahe Produktion kann die Energie besser ausgenutzt werden.

Aus Wolfgang Pomrehn, "Energiewende rückwärts" in: Junge Welt, 31.8.2013 (S. 9)
Neuestes Beispiel dafür ist der Trend zum Eigenverbrauch von Unternehmen, der von den meisten Abgaben befreit ist. Für die Struktur der Energieerzeugung und das Klima ist dies sogar gut.
So nahm der Handelskonzern Metro im Juli in zwei seiner Märkte Blockheizkraftwerke in Betrieb, die diese zugleich mit Strom und Wärme versorgen. Das nutzt den Brennstoff wesentlich besser aus. Ein Wirkungsgrad von 80 bis 90 Prozent ist möglich. Ältere Braunkohlekraftwerke bringen es nur auf etwa 32 Prozent, und selbst die modernen Megakraftwerke, die RWE im Rheinland baut, nutzen maximal 43 Prozent der Braunkohle aus. Die hat zudem ein sehr schlechtes Verhältnis von Heizwert zu Schadstoffausstoß.

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