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Soziale Gruppe als Basis

Bericht von einem Workshop zum Thema

Zum 5.ten Treffen Kreativer Widerstand & Organisierung von unten reiste ich am 16.08.02 zur Projektwerkstatt nach Saasen. Dort war an diesem Wochenende die Soziale Gruppe als Basis & Selbstorganisation im Alltag das Thema.

Einleitung

Abgesehen davon, dass die Alternative Bildungs-Initiative dieses Modell der Selbstorganisation zur Grundlage hat und ich diesbezüglich möglichst viele Ansichten kennenlernen und mein Wissen vertiefen möchte, ist die Frage, wie Menschen sich unabhängig machen und Selbstbestimmung leben können, sich Freiräume schaffen, wohl eine der wichtigsten Fragen der Zeit.

Aufbruch von Abhängigkeitsverhältnissen
Durch die immerwährende und stärkere Einbindung der Menschen in Abhängigkeitsverhältnisse, insbesondere ökonomischer Natur, fallen zunächst eine Menge an Problemen ins Auge, die schwierig zu überwinden, oder durch eine selbstbestimmte Form  zu ersetzen scheinen. Selbstbestimmung ist im kapitalistischen Weltbild einfach nicht vorgesehen, so tut es Not Auswege und Alternativen zu den bestehenden Zwangsverhältnissen zu erarbeiten und aufzutun. In allen Lebensbereichen ist dies nützlich und auch möglich. Den groben Ablauf der geführten Diskussionen möchte ich hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit wiedergeben.
Soziale Absicherung

Eines der ersten angesprochenen Probleme des Seminars war die soziale Absicherung, Krankenkasse etc. In diesem Punkt wird die Abhängigkeit von staatlichen Einrichtungen besonders deutlich. Gerade Pflichtversicherte, also z.B. Arbeitslose und SozialhilfeempfängerInnen stehen bei „Abnabelung“ von der Fremdbestimmung vor der Schwierigkeit die hohen Beiträge für die „soziale Grundversorgung“ selbst aufzubringen. Zu erbringende Beiträge von mehreren hundert Euro im Monat zwingen schnell in die Lohnarbeit. Dies scheint einer der Punkte zu sein, wo es noch mehr an Ideen zur Überwindung braucht. In der Runde fiel der Gedanke der Einbindung von Ärzten in ein Netzwerk selbstorganisierter Projekte.
Verwiesen wurde auch auf bereits existierende Modelle innerhalb der selbstverwalteten Betriebe ihre MitgliederInnen unter dem „Dach“ des Projektes zu versichern. Dies ist etwa bei den Gruppen der Sozialistischen Selbsthilfe Köln (SSK) der Fall. Getragen werden die Kosten für Krankenversicherung von dem Kollektiv. Solche gemeinschaftlichen Lösungen sind übertragen auf die Versicherung einer Einzelperson weniger kostenintensiv. Allerdings ist für diesen Standart der sozialen Absicherung wieder Lohnarbeit nötig. Insgesamt ein, wie ich meine und auch erlebt habe, Problem der selbstverwalteten Kollektive, durch einen gewissen Lebensstandart zuviel Zwang zum Geldverdienen zu haben. Wird nur wenig Geld benötigt, braucht nicht viel erwirtschaftet zu werden.

Zur Ökonomie und Kooperation

Insgesamt scheint der Zusammenschluss von Ökonomie, auch unter Einbeziehung von Aussenstehenden, ausserhalb der jeweiligen politischen Gruppen, immer notwendiger zu werden. Dies wurde in der Gesprächsrunde schon zu Anfang deutlich.
Da die Existenz der bestehenden Herrschafts- und Abhängigkeitsverhältnisse wohl nicht in Kürze überwunden sein wird, unterliegen die geschaffenen Freiräume der selbstverwalteten Projekte nach aussen hin den kapitalistischen Marktgesetzen. Diese durch Selbstorganisation, für sich selbst, für die Gruppe oder Kollektiv aber auszuhebeln ist Grundlage dieses Gedankens. Entscheidend verbessern können in dieser Hinsicht kooperierende Netzwerke die Situation. Dinge des täglichen Bedarfs gemeinsam ohne Geld zu beschaffen, Dinge für die tägliche Arbeit zu teilen, Räume einzurichten die vielen nutzbar sind. So minimiert sich das benötigte Kapital erheblich. 
Somit hat die Kooperation als Selbstverständniss innerhalb von selbstverwalteten und selbstorganisierten Projekten auch eine tragende Funktion.

Fonds etc.

Hilfe von „aussen“ kann z.B. durch einen der vielen neugegründeten Fonds kommen. Jede Partei sowieso, aber mittlerweile nahezu jeder größere Mainstreamverein hat seine eigene Stiftung. Zumindest kurzfristig ist so eine Überbrückung wirtschaftlicher Handlungsunfähigkeit möglich, ohne sich wiederum in staatliche Abhängigkeiten zu begeben. Vorsicht ist allerdings auch bei dieser Unterstützung geboten, insbesondere bei Beihilfen, oder Krediten über einen längeren Zeitraum. Natürlich kam auch die Frage bezüglich Rückzahlung oder nicht zur Sprache. Angemerkt wurde allerdings noch die Tatsache, das die Gruppen und Projekte sich möglicherweise „ideologisch“ abhängig machen könnten, bzw. das geförderte Projekt als Teil der es finanziell unterstützenden Stiftungen vereinnahmt wird.
Zwar gibt es in linken Zusammenhängen (Netzwerk Selbsthilfe, Ökofond, etc.) Stiftungsprojekte, aber meist sind diese doch sehr parteiennah, oder nicht eben politisch auf einer Wellenlänge mit dem selbstorganisierten Projekt. 

Umsonstläden  -  Gratisökonomie

Einen Schwerpunkt bei dem Seminar dieses Augustwochenendes bildete die Diskussionsrunde um die Gratisökonomie und die Idee der Umsonstläden.
Der „Shooting Star“ neuer selbstorganisierter Projekte sind wohl definitiv die Umsonstläden. Dies rührt wohl hauptsächlich von der „unglaublichen“ Tatsache her, das es ja sonst nirgens was umsonst gibt. Kost‘ nix – gibt’s nit‘ !, die Möglichkeit durch diesen Effekt, der die Begreifbarkeit der vom Kapitalismus geblendeten Menschen sprengt, diese auch politisch mit eigenen Ideen zu erreichen ist sehr groß. Erzählt wurde aus anderen Städten, das Umsonstläden große Treffpunkte für Menschen nahezu aller gesellschaftlichen Schichten seien. In diesem Zusammenhang wurde auch auf Möglichkeiten der Vermittlung mittels direkter Aktion verwiesen.
Das Fallbeispiel Supermarkt: Mensch bummelt durch den Supermarkt, haut sich den Wagen voll, an der Kasse will mensch die Karre einfach durchschieben, mit den Worten: ich hab‘ kein Geld aber essen muss ich doch trotzdem! Aus einer solchen Situation ergibt sich ein wesentlich höherer Wirkungsgrad, wenn auf Alternativen verwiesen werden kann, sprich die Umsonstläden. Innerhalb einer solchen Diskussion mit vielen Menschen ist so die Möglichkeit gegeben einen Denkprozess anzuschieben.
Im Anschluss kam allgemein die Frage auf, wie mensch sich (materiell) in einer kapitalitischen Welt reproduzieren kann?
Wie auch schon in einigen früheren Seminaren erörtert wurde lässt sich erstaunlich vieles ohne Geld organisieren. Den Bedarf von Geld so weit als möglich zu drücken muss das Ziel sein. Darauf lässt sich ein selbstorganisiertes Leben und Projekt aufbauen.

Gratisökonomie, Kollektivökonomie  > Entökonomiesierung

Es wurde insgesamt viel über die Eigenschaften der Umsonstläden gesprochen, Probleme angeführt, was ist wenn plötzlich eine „Combo“ mit dem LKW vorfährt und den ganzen Laden mitnehmen möchte etc.
Anschliessend kam aber eine tiefgründigere Diskussion in Gang, deren Hauptbestandteil das Problem war, das im Falle der Umsonstläden Eigentum neu verteilt wird. In Gedanken an Haushaltswaren, Kleider oder Möbel fällt dies wohl nur minderschwer ins Gewicht. Geht es jedoch um Güter wie Maschinen, Computeranlagen oder andere für viele Menschen wichtige Gerätschaften hemmt diese Wiedereingliederung solcher Werkzeuge in ein Eigentumsverhältniss entschieden selbstorganisierte Projekte und Gruppen. Besser wäre es in solchen Fällen den Schritt zum Verleih zu machen, und diese Geräte allen die sie benötigen zur Verfügung zu stellen und Strukturen einer Kollektivökonomie zu schaffen.
In weiterer Ferne liegt dann das Ziel der Entökonomisierung.

Anmerkungen

Leider fiel durch widrige Umstände einiges an eingeplanter Zeit am Wochenende weg. Viele Punkte könnten der Greifbarkeit halber noch eingehender beschrieben werden. Wichtig scheint es mir die Diskussion nicht ausklingen zu lassen, sondern weiterzuführen. Gerade bei einigen Menschen, die ein wenig Neuland betraten war eine gewisse Verunsicherung spürbar. Ich denke, das z.B. was eine gewisse soziale Absicherung (Krankenkasse etc.) angeht unbedingt noch weitergedacht werden sollte wie sich das in der Praxis selbstorganisiert lösen lässt.