Widerstands- und Utopie-Tage
20.2. bis 11.3.2005 in der Projektwerkstatt

Drei Wochen lang ein Intensivkurs in Sachen Selbstorganisierung, Direct-Action und Diskussion um Utopien herrschaftsfreier Gesellschaft? Mal so von Grund auf das alles erfahren, was wichtig ist für kreativ-widerständige Aktionen, für ein gutes Auskommen auch ohne viel Geld, für Projekte und mehr ohne Abhängigkeit von Staat, DGB oder wer sonst noch so den Tropf vieler Gruppen bildet - und dazu noch diskutieren über eine Welt ohne Knäste, Schule, Arbeit, Regierungen usw.
Schön wäre es, wenn alle TeilnehmerInnen den gesamten Zeitraum über das sind, um intensiv zu üben, zu diskutieren und zu planen.

Der konkrete Terminplan wird von den Teilnehmenden selbst organisiert ... und was die Lust haben, bekannt zu geben, steht dann auf dieser Seite (ständig aktualisiert, damit Menschen auch spontan kommen können!) ... Bericht am 7.3.2005 von TeilnehmerInnen auf Indymedia.

In der ersten Woche gibt es viele Einführungen und einiges wird praktisch ausprobiert. Das Ausprobieren prägt dann die zweite Woche: Containern, Sachen organisieren ohne Geld, Straßentheater, Fakes, Sabotage oder eine Zeitung entwerfen.
Alles wird anschließend ausgewertet, damit es noch besser werden kann. In der dritten Woche soll es dann nach Lust und Laune schon richtig losgehen ... und nebenbei gibt's ständig Diskussionen über Aktionsformen, Utopien und mehr!

Übersicht

Fast drei Wochen lang treffen sich Menschen, die Lust haben, Alternativen zu Herrschaft, Fremdbestimmung, Rollenzurichtung und all den Normen und Zwängen dieser Gesellschaft mit zu entwickeln, d.h. zu diskutieren, zu planen und dann auch ausprobieren. Die "Widerstands- und Utopietage" sind eine Art Grundkurs für den Abschied aus der Normalität - sowohl im Alltag wie auch im politischen Engagement. Denn es ist zwar das völlig Richtige im Falschen nicht möglich, aber einfach nur Ausbildung, Familie und Beruf als Alltag sowie identitäre Gruppe, Latschdemos und Projekte mit schleichender Anpassung muss nicht sein. Der Verweis auf die Zwänge ist oft nur eine Ausrede und die mangelnde Auseinandersetzung mit Normierungen und Herrschaftsverhältnissen ein Grund, warum wenig vorangeht auch in der politischen Bewegung.
Um aus der ewigen Langeweile von Latschdemos, Infostand & Co. sowie den Zwängen des Alltags Stück für Stück zu entfliehen, soll dieser Kurs das erste Handwerkszeug bieten.

Die erste Woche: Einführungen

Ihr kommt an, wir tauschen uns aus über unsere Wünsche und die Möglichkeiten. Damit wir das voneinander mitkriegen, wäre es schön, wenn alle im Laufe des ersten Sonntags kommen. Es wird große Wandzeitungen geben und kein vorgegebenes Programm. Denn selbstorganisiertes Lernen und Ausprobieren gehört schon zu Praxis dazu. Auf den Wandzeitungen können Ideen der Marke "Ich hab Lust zu ..." oder Anfragen wie "Ich würd gern wissen, wie ..." angeheftet werden. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, d.h. alle Themen sind möglich vom "Woher kommt was zu essen?" über "Wie baue ich eine Solaranlage?" oder "Wie repariere ich ein Fahrrad?" bis zu "Was ist verstecktes Theater?" oder "Wie baue ich einen Molli?". Finden sich zwei oder mehr Menschen, das dann wirklich anzugehen, wird Termin und Ort vereinbart - und das auf die Ankündigungs-Wandzeitung geheftet, damit weitere hinzukommen können (ähnlich dem sog. Open Space).
In der ersten Woche wird es zudem einige Einführungen geben, z.B. in Direct-Action, kreative Antirepression, Containern und Schnorren, eigene Zeitungen oder andere Medien, Möglichkeiten im Internet usw.

Die zweite Woche: Ausprobieren

Nach der ersten Phase geht es ans Praktische, dabei aber noch viel als Probieren - z.B. ein Straßentheater oder der Entwurf eines Fakes. Anketten üben, Wühlen in Containern oder die ersten Materialien schnorren ... z.B. was in der Projektwerkstatt fehlt, aber noch gebraucht wird im Kurs oder zu anderen Zeiten. Layouten einer Zeitung, Interviews u.ä. mit dem Aufnahmegerät - vieles ist möglich. Wann und wo was geübt wird, wann es aus dem gesicherten Raum rausgeht z.B. in die FussgängerInnenzone, ein Kaufhaus oder andere Orte, dass entscheidet Ihr selbst. Nach jedem Ausprobieren kann berichtet und in einem Workshop das Ganze ausgewertet werden - damit es beim nächsten Mal (noch) besser klappt.

Die dritte Woche: Praxis!

Wenn Lust besteht, können wir zum Ende hin richtig Aktionen machen, Projekte oder Veranstaltungen organisieren, eine Zeitung machen und verteilen, Gratisessen in der Innenstadt von Gießen anbieten, eine Radiosendung machen, ein Kunstprojekt initiieren, ein Fahrrad zusammenbauen oder was immer in unseren Köpfen entsteht. Wir handeln dabei nicht als Gesamtgruppen, sondern immer die, die auf etwas Lust haben. Daher können auch viele verschiedene Ideen entstehen.

Besonderer Hinweis: Am vorletzten Tag des WuT2005 beginnt der Prozess gegen zwei Projektwerkstättler. Das könnte (muss aber nicht) ein guter Anlass für praktische Anwendung sein. Mehr dazu ...

Und immer: Diskussionen

Was ist, wenn es keine Knäste mehr gibt? Wie lassen sich Demonstrationen kreativer gestalten? Was tue ich, wenn die Bullen mich festnehmen? Welche Fakes sind illegal? Wo läßt sich was am besten schnorren? Wie funktioniert die Welt, wenn es keine Staaten mehr gibt? Wie organisiere ich einen offenen Raum auf Veranstaltungen? Gibt es Alternativen zu nervigen Plena? Warum werden immer alle ihre Eier an Schröder vorbei? ... Was auch immer uns interessiert, jederzeit kann eine Verabredung zu einer Diskussionsrunde getroffen werden. Und auch hier gilt: Niemand ist zu irgendwas gezwungen, alles passiert zwischen denen, die jeweils dazu Lust haben.

Den genauen Kurs bestimmt Ihr!

Wann was geschieht, ist nicht vorgegeben. Während der drei Wochen werden Menschen da sein, die schon einiges Know-How haben und es gerne weitergeben. Die können auch beim Probieren mitmachen, z.B. bei ersten Aktionen oder beim nächtlichen "Raubzug" zu den Containern der Lebensmittelmärkte. Weitere können für spezielle Themen angefragt werden - das ist dann schon selbst Praxis, z.B. einen Workshop zu organisieren, Ort und Zeit festzulegen, "ExpertInnen" einzuladen usw. Wann was geschieht, hängt von den Teilnehmenden ab - insofern ist auch die Einteilung in die drei Wochen nur eine ungenaue Ankündigung, an die sich niemand halten muss. Wenn einige schon am ersten Abend containern, am zweiten Tag Material schnorren und am dritten Tag ein Straßentheater ausprobieren wollen, dann machen sie das einfach!

Der Ort paßt zum Geschehen: Die Projektwerkstatt

Die Projektwerkstatt in Saasen ist weder irgendeine Bildungsstätte noch ein übliches politisches Zentrum. Vielmehr sind dort alle Räume so organisiert, dass alle Menschen möglichst gleichberechtigt alle möglichen Arbeitsmateralien nutzen können. Niemand muss gefragt werden - und während der drei Wochen ist alles für alle zugänglich. Zum Beispiel die Direct-Action-Plattform mit Kostümen, Kreide, Folien für Graffiti, Kleister für Überkleben, Megafon und vieles mehr. Oder die Computer für Internet, Zeitungen, Flugblätter, Plakate und vieles mehr. Oder die Musikwerkstatt für Tonaufnahmen, Radio ... Die Fahrrad- und Heimwerkstatt laden zum Benutzen ein, ebenso die riesigen Bibliotheken und Archive. Daneben gibt es viele Räume für Treffen und zum Loswerkeln. 22 Betten sollten für den Kurs reichen - und wenn mehr kommen, ist Platz für Isomatten. Essen wird am Anfang da sein und wird dann (Praxis!) selbst organisiert. Eine Küche ermöglichst Kochen, Abwaschen & Co.

Der organisatorische Rahmen

Es wäre nett, wenn Ihr Euer Kommen ankündigt. Ihr könnt die Idee auch gerne weiterverbreiten. Damit möglichst vielfältige Projekte ausprobiert werden können, wäre eine TeilnehmerInnenzahl zwischen 20 und 30 schon gut, ist aber nicht zwingend. Sind es mehr, wird es enger. Sind es weniger, können nicht soviele Sachen gleichzeitig laufen.
In der Projektwerkstatt ist alles da für den Kurs, für Selbstversorgung und für Übernachtungen. Da wir hier leider für einiges noch Geld zahlen müssen (Strom, Wasser, Müll und weitere Grundkosten, Internet, Telefon ...) wäre es nett, wenn Menschen nach Selbsteinschätzung für die drei Wochen einen TeilnehmerInnenbeitrag zahlen. Richtwert soll 40 bis 100 Euro für die drei Wochen sein (also ca. 2-5 Euro pro Tag) - aber wer nix hat, zahlt noch weniger oder nichts.
Der Anreisetag ist als Sonntag gewählt, damit Menschen kostengünstig oder kostenfrei herkommen können - entweder per Wochenendticket (Saasen ist ein Bahnhof auf der Linie Gießen-Fulda), per Trampen (Raste Reinhardshain auf der A5 nahe beim Dreieck Reiskirchen ist 4km entfernt) oder www.mitfahrgelegenheiten.de. Mehr auf der Internetseite der Projektwerkstatt.

Vorab informieren?

Nicht alles müssen wir neu erfinden in den drei Wochen. Darum haben wir auf dieser Internetseite www.wut2005.de.vu etliche Informationen und Links zu Direct-Action, für kreative Antirepression, zu Selbstorganisierung oder zur Debatte um herrschaftsfreie Gesellschaft zusammengestellt.

  • Viele Beispiele für direkte Aktionen, technische Tipps und vieles mehr: www.direct-action.de.vu
  • Selbstorganisierung im Alltag: Allgemein ++ Raum Mittelhessen
  • Dominanzabbau und Kreativitätsförderung in Gruppen, auf Camps, bei Veranstaltungen usw.: www.hierarchnie.de.vu
  • Texte und Debatten um Herrschaftskritik und herrschaftsfreie Utopien: www.herrschaftsfrei.de.vu
  • Kreative Antirepression: Justiz, Polizei und anderen Formen der Repression kreativ begegnen ...
  • Die taz schreibt über das WUT 2005 ... Espi legt Wert auf die Feststellung, dass die Formulierungen des ersten Absatzes hinsichtlich der MontagsdemonstrantInnen so von ihm nie gesagt wurden und er so auch nicht denkt. Auch wenn das Bejammern von "zu wenig Geld" in der Tat keine besonders kreative und herrschaftskritische Position gegenüber der herrschenden Politik wäre, ist eine Spaltung entlang dieser Frage unsinnig.

Nett wäre, wenn unser kleines Banner auf Internetseiten eingefügt werden könnte. Dazu müßte Ihr nur Folgendes in den Code Eurer Internetseite einfügen: <a href="http://www.projektwerkstatt.de/wut/index.html" target="_blank"><img src="http://www.projektwerkstatt.de/wut/banner.jpg" width="200" height="85" align="right" border="0"></a>

  • Außerdem gibt´s ein Flugblatt. Wäre nett, dass auszudrucken, zu vervielfältigen, zu knicken und auszulegen, zu verteilen usw. PDF-Download hier ...
  • Für Rundbriefe, Programme, Zeitungen und mehr gibt es Füllanzeigen zum Download. Eine kleine und eine große Anzeige als .TIF (siehe Motive oben im Text rechts) sowie einen A4-Bogen mit den Anzeigen als .PDF-Download (da sind auch noch Füllanzeigen wegen dem laufenden Prozess gegen Projektwerkstättler drauf.
  • Und ein Plakat auch ... ausdrucken, z.B. auf A3 hochkopieren, unten Abreißzetten einschneiden und aufhängen!

Weitere Hinweise für 2005:

  • Sozialforum 21.-24.7.2005 in Erfurt ... mit dem "Offenen Raum für Widerstand und Utopie": www.sozialforum-von-unten.de.vu.
  • Und wenn die 1. Wut-Tage gut laufen, planen wir im Herbst die zweiten: Hier auf www.wut2005.de.vu wird´s stehen!
  • Am 10. März beginnt ein Prozess gegen Projektwerkstättler. Rundherum gibt es ein buntes Veranstaltungs- und Aktionsprogramm ... also gleich im Anschluss an das WUT 2005 bzw. noch in dessen letzten Tagen. Mitmischen möglich ... mehr hier!
  • Jederzeit! Die Projektwerkstatt für eigene Seminare, Projekttreffen usw. nutzen: www.projektwerkstatt.de/seminarhaus.
  • Überall! Direct-Action-Trainings, Veranstaltungen usw. zu Widerstand und Utopie: www.vortragsangebote.de.vu.
  • Internet-Bestellseite für Bücher, Broschüren, Aktionsmaterialien, T-Shirts und CDs zu Direct-Action, Herrschaftskritik, Umweltschutz usw.: www.aktionsversand.de.vu.
  • Terminübersicht zur Projektwerkstatt und überregional
Zu Hoppetosse +++ projektwerkstatt.de +++ Direct Action