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Widerstand und Kollaboration im 3. Reich

Warum so wenig Widerstand?

Vor 60 Jahren: Attentat auf Hitler

Am 20. Juli 1944, vor sechzig Jahren also, ist es Graf von Stauffenberg gelungen, eine Zeitzünderbombe an den im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" hermetisch abgeriegelten Hitler heranzubringen. Die Bombe explodierte, vier Offiziere wurden getötet, aber Hitler überlebte, nur leicht verletzt. Ein grausames Strafgericht brach über die Widerstandsgruppe um Carl Goerdeler und Ludwig Beck herein. Das Nazi-Regime aber hatte wieder einmal Gelegenheit, propagandistisch darzulegen, dass die "Vorsehung" Hitler gerettet habe.Es war nicht das einzige Attentat gegen ihn. Aber alle überstand dieser Mann.

Politik am Abgrund
Auch andere, genauso gefährliche Formen des Widerstandes hat es gegeben, die vom Flugblattverteilen bis zur Sabotage in den Rüstungsbetrieben reichten. Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen, bürgerliche Politiker und Militärs kämpften aus unterschiedlichen Motiven gegen die NS-Diktatur: aus ideologischen, religiösen oder ethisch-moralischen Gründen, aber auch wegen der sachlichen Erwägung, die Politik der Nazis müsse früher oder später in den Abgrund führen.
Doch es waren nur wenige und oft genug nur Einzelpersonen, die den Todesmut aufbrachten, sich gegen ein Regime aufzulehnen, das das Individuum missachtete und mit Terror bis in den Tod verfolgte. Niemand der-Nachgeborenen kann sagen, wie er sich verhalten hätte. Deshalb sind Fragen, warum sich manche, auch die Verschwörer des 20. Juli 1944, erst dann zum Widerstand entschlossen hatten, als der Krieg verloren war, schwer zu beantworten.

Andenken wach halten
Aber die Frage belastet noch heute, warum es insgesamt doch recht wenig Widerstand gegeben hat, auch unter den Christen.
Es hat zu viele gegeben, die mitmachten bis zum Ende, aus Bequemlichkeit, fehlender Verantwortung oder falsch verstandener Treue heraus.
Schon deshalb sollte unsere freiheitlich verfasste Republik das Andenken an die Widerstandskämpfer wach halten. Sie alle haben dazu beigetragen, dass das Vergeben auch denen leichter fällt, in deren tiefer Schuld die Deutschen stehen.

Reinhard Mürle
Quelle: Die Dorfkirche, Reiskirchen (Sommer 2004, S. 6)