Selbstverwaltung & Kommunen (Kritik)

Siehe auch: Kommunen

... brachten die alte Genossenschaftsbewegung seit dem 19. Jahrhundert ebenso wie die sogenannte Alternativbewegung der Neuen Linken seit den späten 70er Jahren wie aus dem Lehrbuch des Marxismus tatsächlich all das hervor, was ihnen die Politikaster und Staatsplanungs-Fetischisten immer schon vorgeworfen hatten: massive Kleinbürgerlichkeit und Klitschenmentalität, Abwendung von jeder gesamtgesellschaftlichen Perspektive, technologische Rückständigkeit und Selbstausbeutung, Verblödung des Landlebens; schlielich Rückkehr in den Schoß der bürgerlichen Gesellschaft qua Bankrott oder qua kapitalistische "Professionalisierung".
Was zurückblieb, waren im Fall der älteren Arbeiterbewegungs-Genossenschaften stinknormale kapitalistische Konzerne wie Co-op oder Neue Heimat, die sich bekanntlich durch besondere Anfälligkeit für Korruptionsskandale blamierten. Die Reste derjüngeren Alterantivbewegung dagegen besetzten hauptsächlich Marktnischen im Kasinokapitalismus durch handwerkliche Luxusproduktion für eine betuchte Honoratiorenkundschaft, durch Edel- und Ethno-Gastronomie, Kultur- und Sozialarbeitsklitschen (kommerziell oder am Staatstropf) usw. Hier hat sich ein klassisches Mittelstands- und neues Spießbürgerpotential übelster Sorte zusammengebraucht, das entweder den keynesianstischen Umverteilungsgeldern hochkonkurrent nachjammert oder gar längst wieder "stolz" aus sein "selbsterarbeitetes" und selbsterrafftes Kleineigentum ist, protestantischen Arbeitsmasochismus pflegt und politisch zwischen kommunaler SPD-Mafia und grünen Realos angesiedelt ist. Daraus kann auch noch bei weitergehender Krise ein Zulauf für den rechtsradikalen oder "linken" Sozialnationalismus kommen. Zwar gibt es unter den Resten der Alterantivbewegung auch Menschen, die sich ihren emanzipatorischen Anspruch und die radikale Gesellschaftskritik nicht abgeschminkt haben, aber sie finden dafür in ihrem eigenen Milieu keinen sozialen Boden mehr.
(aus Robert Kurz: Antiökonomie und Antipolitik)

Alternativbewegung der 70er und 80er Jahre ... die damaligen Vorstellungen einer "anderen Produktions- und Lebensweise" waren durchwegs mit einer reaktionären "Kritik der Produktivkräfte" verbunden. Mikroelektronik, Computer und Potentiale er Automatisierung in der industriellen Produktion wurden verteufelt. Diese Produktivkraftkritik konnte und wollte die Frage der sozialen Emanzipation nicht an die Aufhebung der "abstrakten Arbeit" binden, sondern umgekehrt an deren Rückführung auf ein historisch tieferes Niveau. Damit blieb die Alternativbewegung aber auch dem System der "Arbeitsplätze" verhaftet; sie ergriff die Partei der (vermeintlich alternativ und sozial befriedigend auszugestaltenden) "Arbeit" gegen die vom Kapitalismus hervorgebrachten Produktivkräfte. Auf diese Weise wurde sie sogar kompatibel mit konservativen und kulturpessimistischen Ideologien, die schon seit dem späten 18. Jahrhundert etwas in Gestalt der literarischen, politischen und sozialökonomischen Romantik das Rad der Geschichte zurückzudrehen versuchten. In den meisten Fällen wurde dabei nur innerhalb der kapitalistischen Durchsetzungsgeschichte irgendein früherer Entwicklungsstand pnatasmatisch verlärt und in eine "schwarze", reaktionäre Utopie verwandelt.
(aus Robert Kurz: Antiökonomie und Antipolitik)

Wenn die Globalisierung etwas Gutes bewirkt hat, ist es nämlich gerade dies: Wir können uns nicht mehr in Basisinitiativen und "Alternativprojekten" verkriechen, um in einer falschen Konkretion hier und jetzt "wenigstens im Kleinen" etwas zu verändern.
(P.M., 2001: Subcoma, Paranoia City Verlag in Zürich, S. 9)

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