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Arbeit, Betriebe, Zwänge

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Arbeit, Arbeit, Arbeit
(SPD-Wahlslogan)
Mehr Arbeit (FDP-Wahlslogan)
Arbeit soll das Land regieren (PDS-Wahlslogan)
Deutschland hat viele schöne Plätze. Die schönsten sind Arbeitsplätze (SPD-Wahlslogan)

Arbeit, Arbeit, Arbeit

Die große Koalition aller im Bundestag vertretenen Parteien hört auf den Namen: Arbeit.

Neuer Virus!!!! Wichtig !!! Rechner auf den Sperrmuell stellen!!
Codename des Virus ist „ARBEIT“.
Wenn du „Arbeit“ von irgendwo bekommst, ob von deinen Kollegen oder deinem Chef, per E-Mail oder via Internet, oeffne es nicht, schaue es nicht an und ruehre es auf keinen Fall an!
Jeder, der bisher mit „Arbeit“ in Beruehrung kam, musste feststellen, dass sein komplettes Privatleben geloescht wurde und das Gehirn seine normale Funktion aufgegeben hat.
Wenn Du „Arbeit“ in Papierform bekommst, auf keinen Fall beachten!  Nicht lesen, sondern sofort in den Papierkorb weiterleiten.
Nimm deine Jacke sowie 2 gute Freunde und gehe direkt in die naechste Kneipe und bestelle drei Bier. Wenn Du dies 14 mal wiederholst, wirst Du feststellen, dass Du „Arbeit“ vollstaendig aus deinem Gehirn geloescht hast.
Leite diese Warnung sofort an mindestens 5 nahestehende Freunde oder Bekannte weiter.
Solltest Du feststellen dass Du keine 5 nahestehenden Freunde oder Bekannten hast, bedeutet dies, dass Du infiziert bist und der Virus „Arbeit“ dein Leben schon vollkommen unter Kontrolle hat.

Im Original: Arbeitswahn ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
ArbeiterInnen schaffen für Arme, Alte ...?
Ausschnitt rechts: Seltsamer Titel des Spiegel, Nr. 39/2003 - Reiche, UnternehmerInnen, KapitalbesitzerInnen, Staat, Priester usw. tauchen unter denen, die ArbeiterInnen mitfinanzieren müssen, gar nicht mehr auf ...

Aus Flassbeck, Heiner/Spiecker, Friederike: "Die Irrlehre vom Lohnverzicht" in: Blätter zur deutschen und internationalen Politik 9/2005 (S. 1071)
Die größte Bedrohung unserer Gesellschaft geht nach wie vor von der immensen Arbeitslosigkeit aus.


Zitate von Georg Büchner (gefunden in: G. Büchner, 1813-1837, Verlag für literarische Produkte, Fernwald 1985)
Valerio: Und ich werde Staatsminister und es wird ein Dekret erlassen, daß wer sich Schwielen in die Hände schafft, unter Kuratel gestellt wird, daß wer sich krank arbeitet, kriminalistisch strafbar ist, daß Jeder, der sich rühmt sein Brot im Schweiße seines Angesichts zu essen, für verrückt und der menschlichen Gesellschaft gefährlich erklärt wird.
Leonce: Bin ich ein Müßiggänger?
Prinz: Wer arbeitet , ist ein subtiler Selbstmörder ...
Lacroix: Das Volk ist tugendhaft, d.h. es genießt nicht, weil ihm die Arbeit die Genußorgane stumpf macht ...
Velerio: Es gibt nur vier Arten, sein Geld auf eine menschliche Weise zu verdienen, es finden, in der Lotterie gewinnen, erben oder in Gottes Namen stehlen, wenn man die Geschicklichkeit hat keine Gewissensbisse zu bekommen.

Rechts: Aus der FR ...

Marx 1875, MEW 18/570
Die Gesellschaft findet nun einmal nicht ihr Gleichgewicht, bis sie sich um die Sonne der Arbeit dreht.
Marx 1870, erste Adresse des Generalrats über den Deutsch-Französischen Krieg, MEW 17/7
... im Gegensatz zur alten Gesellschaft mit ihrem ökonomischen Elend und ihrem politischen Wahnwitz (entsteht) eine neue Gesellschaft, deren internationales Prinzip der Friede sein wird, weil bei jeder Nation dasselbe Prinzip herrscht – die Arbeit!

Aus dem Interview mit dem ehemaligen Capital-Redakteur und INSM-Geschäftsführer, auf: Telepolis, 4.3.2014
Herr Höfer, wann haben Sie gemerkt, dass der Kapitalismus keinen Spaß mehr macht?
Max Höfer: Auslöser war die Finanzkrise 2008, die mir deutlich machte, dass wir dem Effizienzgeschwätz der Finanzbranche auf den Leim gegangen waren. In den Ökonomielehrbüchern stand, dass deregulierte Finanzmärkte perfekt funktionieren, weil allein schon das Eigeninteresse der Bankaktionäre Pleiten verhindert. Nach dem Lehmann-Crash musste Fed-Präsident Alan Greenspan eingestehen, dass "das gesamte intellektuelle Bauwerk der Marktwirtschaft kollabiert war." Für mich war das der Anlass, die Prioritäten des Kapitalismus zu überdenken:
Einerseits den quasireligiösen Glauben an eine "unsichtbare Hand" des Marktes, welche angeblich Gier in allgemeines Wohlergehen verwandelt.
Zum andern wollte ich verstehen, warum uns der westliche Kapitalismus in eine gnadenlose Steigerungslogik hineintreibt: Jeden Tag sollen wir besser und erfolgreicher werden und uns unentwegt optimieren. Wir sollen uns nicht zurücklehnen dürfen und das Leben genießen. Dieser ruhelose Optimierungszwang beherrscht den Kapitalismus seit seinen Anfängen. ...
So verwandelt sich unsere mittelständisch geprägte soziale Marktwirtschaft allmählich in einen Winner-takes-it-all-Kapitalismus: Oben fließen riesige Gewinne einer kleinen Schicht zu, die sich ein eigenes Reich an Steueroasen eingerichtet hat, unten wird der letzte Penny an Effizienzreserven rausgepresst, wovon kambodschanische Textilarbeiter oder schlecht bezahlte Amazon-Lageristen ein Liedchen singen können. Dazwischen befindet sich eine verunsicherte Mittelschicht, die zu Recht bezweifelt, ob sie für ein paar neue Trendprodukte und minimale Reallohngewinne immer schneller in der Tretmühle laufen soll.
Das Perverse daran ist, dass keiner zufrieden ist. Mittlerweile bemitleiden wir die Burnout geplagten Leistungsasketen in den Topetagen, wir empören uns über Billiglohnländer und wir sorgen uns, dass wir selbst im Konkurrenzkampf bald nicht mehr mithalten können. Der Kapitalismus macht, seinen Produktivitätserfolgen zum Trotz (oder vielleicht gerade deshalb), keinen Spaß mehr.


Aus Werner Seppmann, "Mit der Natur versöhnen", in: Junge Welt, 3.2.2016 (S. 12f)
Denn wenn die zum gesellschaftlichen Fortbestand notwendige Arbeit auf alle Arbeitsfähigen verteilt und auf vieles Überflüssige (und mittlerweile oft auch Absurde) verzichtet wird und wenn der aus dem Konkurrenzkampf resultierende Verschleiß ökonomischer Kapazitäten ebenso nicht mehr anfallen würde wie die aus der kapitalistischen Widerspruchsdynamik resultierenden Kosten durch Arbeitslosigkeit, psychische Ausplünderung der Menschen oder Naturzerstörung, bräuchte der individuelle Einsatz für die gesellschaftlich notwendige Reproduktionsarbeit monatlich kaum den Umfang übersteigen, der heute wöchentlich nötig ist.

Der folgende Text stammt aus der "Zeitung für stürmische Tage".
Download ...

Arbeit für alle?

Das Jahr 2004 steht im Zeichen der größten Sozialabbauwelle in der BRD. Der fordistische Spuk, wo wachsende Märkte für immer mehr Beschäftigung sorgten, ist endgültig vorbei und so werden auch alle "zivilisatorischen Errungenschaften" die an den Fordismus gebunden waren allmählich wieder kassiert. Für die Betroffenen hat dies weitreichende Konsequenzen. Das neue Schlagwort Flexibilität bedeutet im entsicherten Kapitalismus nichts anderes, als den Verlust aller individueller Sicherheit. In einer Welt in der alles "zumutbar" ist, wird das Leben selbst zur Zumutung.
In einem sind sich die Reformregierung und viele ihrer sozialstaatlichen Kritiker einig. Die Lösung für das Dilemma liegt im Wachstum, das neue Arbeitsplätze schaffen soll.
Die einen setzen dabei eher auf die Stärkung der Angebotsseite, in der Hoffnung die kaufkräftige Nachfrage im Ausland schon irgendwo zu finden, während die anderen eher auf die Stärkung des inländischen Konsums setzen. Beide klammern jedoch eine Frage aus. Wofür ein mehr an Arbeit? Das die meiste Arbeit nur wenig mit Selbstentfaltung zu tun hat, dürfte heute kaum jemand bezweifeln. In Deutschland werden 65 Krankheitstypen offiziell als Arbeitskrankheiten anerkannt. In Japan ist der Stresstod am Arbeitsplatz so verbreitet, dass ein spezielles Wort dafür entwickelt wurde: Karoschi. Haben wir - zumindest in der westlichen Hemisphäre - tatsächlich eine Güterknappheit, die mehr Arbeit nötig macht? Das Gegenteil ist der Fall. Zwar gibt es eine Menge Tätigkeiten, wie die Pflege alter Menschen, Kinderbetreuung, Umweltschutz o.ä., in die noch viel mehr Energie gesteckt werden müsste, doch tatsächlich ist die aktuelle Krise gerade auf ein gewaltiges Wachstum der Produktivität zurück zu führen. Diese ist derart rasant gestiegen, dass die menschliche Arbeitskraft immer weniger gebraucht wird. Für eine vernünftig eingerichtete Welt würde dies als Möglichkeit erscheinen, sich endlich von dem Fluch, sein Brot nur im Schweiße seines Angesichts zu essen, zu erlösen. Für eine kapitalistisch eingerichtete Welt erscheint es jedoch vielmehr wie das Nahen des Armageddons. Das zeigt, dass Arbeit nicht verwechselt werden darf, mit allgemein nützlicher menschlicher Tätigkeit. Vielmehr muss Arbeit verstanden werden als die entmündigte Produktion für einen anonymen Markt, die von jeder sinnlichen Eigenschaft des Produktes und der Arbeit abstrahiert solange sie verwertbar bleibt. Der Sinn kapitalistischer Produktion besteht eben nicht in der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, sondern in der Verwandlung menschlicher Energie in Geld. Deshalb versuchen die Fanatiker der Marktwirtschaft die menschliche Arbeitskraft zunehmend in eine verkäufliche Ware zu verwandeln, gerade in einer Zeit, in der der Verkauf der Arbeitskraft genauso erfolgversprechend erscheint, wie der Verkauf von Tofuwürstchen auf der Jahresfeier der Metzgerinnung.
Wer sich also mit der Regierung darüber streiten möchte, was der beste Weg "für Wachstum und Beschäftigung" (DGB) ist, kann das gern tun. Ein Kampf gegen die aktuellen und noch kommenden Zumutungen wird damit nicht gewonnen. Dieser muss vielmehr ein Kampf gegen und nicht für die Arbeit sein. Der Ruf nach mehr Leistung muss mit einer Politik der aktiven Verweigerung beantwortet werden, nicht mit alternativer Konzeptheckerei. Der Widerstand v.a. auch gegen Repressionen denen mensch sich in der Arbeitslosigkeit ausgesetzt sieht, ist in diesem Sinne ein wichtiges Feld des anstehenden Widerstandes. Für viele ist dies bereits tägliche Realität. Trotzdem wird es auch von vielen sozial engagierten Menschen noch immer als Nebenschauplatz abgetan, da auch für sie noch immer die Lohnarbeit die einzig denkbare Form gesellschaftlicher Teilhabe ist. Alles andere gilt als bedauernswertes Unglück dem abgeholfen werden muss - durch Wachstum und Beschäftigung. Dieses Denken muss überwunden werden, die Konzepte einer neuen sozialen Bewegung müssen jenseits der Arbeit liegen.

Im Original: Flugblatt zum 1. Mai 2002 in Osnabrück ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
ARBEIT oder LEBEN
Unser Leben ist zu einem Großteil die Verwertung durch Arbeit. Im Gegensatz zum Leben ist die Arbeit jedoch kein evolutiv entstandenes Prinzip unseres Planeten und unsere größte Freude, sondern Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Systems, welches den einzigen Zweck hat, aus Geld (allgemein akzeptierter Wert der Arbeit) noch mehr Geld zu machen.
Aber durch Arbeit entstehen doch Häuser, Straßen, Computer und all die anderen Sachen, die uns das Leben vereinfachen und bestimmte Aufgaben übernehmen, so dass wir mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben haben, könnte mensch einwenden. Dies sei doch der eigentliche Zweck der Arbeit, also unser aller Lebensunterhalt. Wäre er dies, warum hat dann die Arbeit in ihrem über 200-jährigen Feldzug es nicht geschafft, ein auch nur annähernd erträgliches Leben für die Menschen dieses Planeten zu ermöglichen? Tatsächlich ist die Arbeit die Verneinung (in vielen Trikontländern ist Arbeit für viele ArbeiterInnen nur künstliche Verlängerung des Lebens) oder Verdrängung (entfremdete Produktion nach Kriterien des Profits und nicht der Bedürfnisse) des Lebens.
Das Produkt der Arbeit -und auf das scheint es ja nur anzukommen- ist in erster Linie eine Ware und nur wenn es sich rentiert, ein zu gebrauchender Gegenstand.  Es ist technisch möglich für alle Menschen der Erde genug Nahrung, Wohn- und Lebensraum und beinahe alle Luxusgüter herzustellen. Hierfür reicht besonders nach der mikroelektronischen Revolution ein Bruchteil der heute aufgewendeten menschlichen Arbeitskraft. Wieso arbeiten denn dann so viele Menschen wie bekloppt und total viel und Millionen andere sind weltweit arbeitslos?
Dazu muss mensch Arbeit als ein gesellschaftliches Zwangsprinzip erkennen, welches nicht freiwillig für eine bessere Welt abdankt. Wir arbeiten alle nur, um die große Mühle der Verwertung in Schwung zu halten, und zwar um ihrer selbst Willen, nicht um des Menschen Willen. Sukzessiv werden alle Lebensbereiche kommerzialisiert. Alles irgendwie Schaffende wird sofort mit einem (Geld-) Wert bemessen, der einzig und allein dafür da ist -oft erst nach simultierter Vergrößerung durch Spekulationen- wieder in menschliche Arbeit getauscht zu werden.
Arbeitslose sind in dieser Mühle zur Zeit nicht zu gebrauchen, nicht zu verwerten. Eigentlich könnte mensch sich freuen. Diesem scheinbar übermächtigen Mechanismus entkommt mensch aber im warenproduzierenden System nicht. Wer nicht arbeiten kann, darf oder will, wird auch vom gesellschaftlichen Reichtum ausgeschlossen. Dass der Großteil dieses Reichtums für das eigentliche Leben keine Bedeutung hat, sondern nur dazu da ist (genau so wie die „Freizeit“) menschliche Energie wiederherzustellen, die während der Arbeitszeit dann in Geld verwandelt wird, ist diesem System objektiv egal, denn es hat geschafft, dass die arbeitenden Menschen subjektiv der Ideologie der Arbeit total verfallen und der Meinung sind, solange ich arbeite, bin ich wer und mache das Beste aus meinem Leben.
Diese ist übrigens die mächtigste und einzige überall widerspruchslos akzeptierte Ideologie in der Geschichte der Menschen. Sie setzt sich über alle politischen Systeme hinweg und wird selbst von Sozialisten und rechtsaußen gehuldigt, und Arbeit wird als zentrales Axiom jeder gesellschaftlichen Organisierung angesehen. Arbeit und Kapital gehören jedoch untrennbar zusammen(Sowohl im westlichen Kapitalismus, als auch im ehem. sowjetischen Staatskapitalismus). Deswegen kann es nicht darum gehen, die Arbeit gegen das Kapital oder die herrschende Klasse zu verteidigen oder zurückzugewinnen. Die Arbeit würde nur von anderen Interessen verwaltet, besser entlohnt oder anders verteilt.
Wenn wir aber das Leben zurückerobern wollen, müssen wir zu aller erst konsequent mit der Verwertung durch Arbeit aufhören, d.h. die Arbeit muss als solches aufhören und mit ihr das Produzieren von Waren und der Zwang, dass Menschen etwas ihren Bedürfnissen (Leben) äußerliches (entfremdetes) tun und dies als zentralen Inhalt ihres Seins begreifen.
„Muße, notwendige Tätigkeit und frei gewählte Aktivitäten müssen in ein sinnvolles Verhältnis gebracht werden, das sich nach Bedürfnissen und Lebenszusammenhängen richtet.“ (Krisis, Manifest gegen die Arbeit)
Für die Freiheit, für das Leben: Arbeit aus den Köpfen fegen!
Statt einzeln vor der Arbeit zu flüchten, gemeinsam gegen die Arbeit kämpfen!
Kooperationen in freien Vereinbarungen von unten aufbauen!

 

Im Original: Flugblatt zum 1. Mai 2002 in Göttingen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
5 Millionen Arbeitslose sind 5 Millionen zuviel!
Arbeitslose haben in aller Regel weit weniger Geld als Leute „mit Job“. Und je länger sie nicht arbeiten, um so schlimmer wird diese Situation. Erst Arbeitslosengeld, dann Arbeitslosenhilfe, schließlich Sozialhilfe – und wer weiß, welche Schikane sich die nächste, wie auch immer gefärbte Regierung noch einfallen lässt.
Doch nicht nur das. Arbeitslosigkeit ist auch meist mit einem Verlust von Prestige und Anerkennung verbunden. Und je länger jemand keine Arbeit hat, um so tiefgreifender wirkt sich dieser Ausschluss auf Lebensumfeld und Wohlbefinden aus. Nicht selten beginnen deshalb Langzeitarbeitslose in einem Strudel aus Frust, Hoffnungslosigkeit, Selbstzweifel und einem Gefühl der eigenen Wertlosigkeit zu versinken. Mit der Arbeitslosigkeit, wir sehen das schnell ein, ist das schon eine ziemlich miese Sache.

40 Millionen Erwerbstätige sind 40 Millionen zuviel!  Doch selbst wenn alle Menschen Arbeit hätten, wären das keine paradiesischen Zustände: Sicherlich arrangieren sich die meisten mit ihren Arbeitsverhältnissen. Viele aber merken sehr wohl, dass es nichts mit Glück und Selbstentfaltung zu tun hat, sich jeden Tag zu festgelegter Stunde an einen festgelegten Ort zu begeben, um dort Dinge zu tun, die ebenfalls von anderen bestimmt werden.
Erwerbstätige können sich in der Regel weder aussuchen, was sie herstellen oder tun, noch wie sie das machen, geschweige denn was dann damit passiert.  Schon gar nicht können sie ihr Produkt einfach nehmen und selbst verwenden.  Darüberhinaus schränkt das Arbeitsleben auch die Menge und die Gestaltungsmöglichkeiten der Freizeit ein. Mögliche Zeitpunkte für Treffen mit FreundInnen, sportliche Aktivitäten oder einfach die Zu-Bett-geh-Zeit sind durch den Rhythmus der Arbeit bestimmt. Zudem sind viele sind in ihrer Freizeit zu ausgelaugt, um endlich das tun zu können, was ihnen Spaß macht. Freizeit ist dann nicht viel mehr als ein notwendiges Kräftesammeln für den nächsten Arbeitstag. Nein wahrlich – Erwerbstätigkeit ist auch keine Freude.

20 Millionen Hausfrauen und Hausmänner sind 20 Millionen zuviel!  Doch auch die, die weder lohnarbeiten gehen noch davon ausgeschlossen werden, haben nicht das große Los gezogen: Hausfrauen und -männer sind stets vom Einkommen ihrer PartnerInnen abhängig. Ihre Aufgabe ist es, die ErnährerInnen arbeitsfähig und bei Laune zu halten. 
Ob sie etwas anderes lieber täten, als tagein, tagaus zu putzen, zu kochen, die Unterwäsche für die ganze Familie zu kaufen und die Kinder zu hüten, steht nicht zu Debatte. Und auch wenn der oder die Erwerbstätige abends heim kommt oder arbeitslos wird, bleiben die genannten Jobs meist an den Hausmenschen hängen. Registrieren tut es niemand. Darüber reden auch nicht. Und auch die völlige finanzielle Abhängigkeit vom anderen Menschen ist kein Thema, über das gesprochen wird. Ganz klar: Auch dies ist bei nüchterner Betrachtung niemandem zu wünschen.

20 Millionen RentnerInnen und SchülerInnen sind 20 Millionen zuviel!  Für diejenigen aber, denen die Gnade des Nicht-mehr-länger-arbeiten-müssens endlich zugestanden wird, bricht nun auch nicht gerade das süße Leben an:
Nicht selten sind sie durch die vielen Jahre der Arbeit aufgezehrt und haben mit der Arbeit viele Sozialkontakte verloren. Sie kommen mit der Rente hinten und vorn nicht aus und müssen jetzt „alt“ sein. Oft wird ihnen das Gefühl vermittelt, unproduktiv und damit nutzlos zu sein – und weil sie nicht gebraucht werden, sollen sie gefälligst auch keine Forderungen stellen.  Bitter, dass das unbeschwerte Leben nach all dem Gekeule auch mit 66 Jahren nicht anfängt. Und wer sich zudem noch einfallen lässt, krank und gebrechlich zu werden, wird nicht selten zur letzten Aufbewahrung ins Altersheim abgeschoben, wo oft ihre Perspektive nur noch der Tod ist.  Und auch die SchülerInnen, die erst noch das Arbeiten lernen sollen, sind nicht zu beneiden: Sie werden mit zig anderen ihrer Sorte, die sie sich nicht aussuchen dürfen, in Räume gezwungen, in denen ihnen dann ein erwachsener Mensch (den sie selbstverständlich ebenso wenig auswählen dürfen) die Kindheit austreiben soll. LehrerInnen nennt mensch die, und ihr Job ist es, das freiwillige Handeln nach fremden Regeln zu lehren, damit alle das dann später im Erwerbsleben auch ausreichend verinnerlicht haben. Und so sind auch Unterrichtsinhalt, Lernmethode und Prüfungstermin stets vorgegeben. Ihren Höhepunkt findet diese Zurichtung bei den Azubis, die schulischer und betrieblicher Fremdbestimmung gleichzeitig ausgesetzt ist. Wir sehen schon – auch Junge und Alte haben es nicht so einfach, in unserer Gesellschaft.

Aber...
... brauchen wir denn nicht Menschen, die die Dinge herstellen, die uns umgeben? Brauchen wir nicht Menschen, die Essen zubereiten und für ein angenehmes Wohnklima sorgen? Müssen Kinder nicht lernen, haben ältere Menschen nicht ein Anrecht darauf, sich zurückzulehnen und den lieben Gott – und sich selber –einen guten Menschen sein zu lassen?
Ja, natürlich ist dem so. All dies ist richtig und wichtig. Aber leider sind diese Dinge, so, wie unser Leben derzeit eingerichtet ist, oft nur Nebenprodukt unserer Tätigkeit. Zu viel wird hergestellt, ohne zu fragen, ob es jemand braucht. Zu groß ist die Anzahl der Tätigkeiten, die nur wider Willen und ohne Freude verrichtet werden. Zu viel wird gelernt, was niemanden interessiert. Zu groß ist die Anzahl derer, die mit ihrem Austritt aus dem Erwerbsleben auch aus allem Anderen ausgestiegen zu sein scheinen. Zu viel Zeit muss vergeudet werden, um die eigene Existenz zu sichern.  Wir tun Dinge nicht, weil wir sie tun wollen, sondern weil wir müssen – denn ohne Geld kann niemand am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Aber mal ehrlich: Das muss doch auch anders möglich sein.

Ja, sicher!
Hören wir auf, Jugend gegen Alter, Erwerbstätigkeit gegen Erwerbslosigkeit, Geld verdienen gegen Hausarbeit aufzurechnen. Hören wir auf, unsere Wahl auf Dinge zu beschränken, die eigentlich alle nicht sonderlich erstrebenswert sind. Machen wir uns Gedanken, wie wir wirklich leben wollen. Stellen wir im Alltag alle Beziehungen in Frage, die uns unsere Zeit, Ideen und Lebensfreude rauben. Gehen wir gegen Institutionen und Regeln vor, denen wir uns bisher selbstverständlich untergeordnet haben.
Lernen wir, Lösungen für Missstände von Scheinlösungen zu unterscheiden.  Fordern wir also nicht „Arbeit! Arbeit! Arbeit!“, sondern sorgen wir dafür, dass unser Leben anders wird. Nehmen wir selbstbestimmt, frei und gleich, die Dinge selbst in die Hand.
Wie erste konkrete Schritte auf diesem Weg aussehen können, was uns bisher davon abhält, einfach loszulegen, welche Erfahrungen es mit selbstbestimmten Lebensweisen und Organisierungen gibt, welche momentanen Probleme wahrscheinlich überwunden werden können, welche Schwierigkeiten sich auch später immer neu stellen werden, welche Möglichkeiten in Göttingen vielleicht noch unentdeckt schlummern... Wer Lust und Interesse hat, sich über solche Fragen gemeinsam mit uns auszutauschen, ist herzlich eingeladen, dies in einer offenen Runde am Mittwoch, den 08. Mai, ab 20.00 Uhr in der Gaststätte Junges Theater (Hospitalstrasse, Eingang Wochenmarkt) zu tun!
[schöner leben göttingen]

Wer will, das die Welt bleibt wie sie ist, der will nicht, das sie bleibt! [Erich Fried]

 

Im Original: Flugblatt einer Aktion am 1. Mai 2004 in Gießen ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Arbeit? Europa?
Auf was wird sich hier eigentlich positiv bezogen?
Gedanken zum 1. Mai 2004

Jedes Jahr am 1. Mai bekommen die Wir-wollen-mehr-Arbeit-Festspiele ihren internationalen Höhepunkt. Dabei werden etliche sinnvolle Forderungen gestellt, aber auch etliche andere, die bei näherer Betrachtung gar kein besseres Leben bedeuten würden, sondern krampfhaft an alten Zuständen festhalten, Räder der Ge-schichte zurückdrehen wollen in Zeiten, die nur im nostalgischen Blick angenehm erscheinen.
Das ist keine Ausnahme. Fast alle politischen Proteste kritisieren zwar zu Recht die reale Politik von Unternehmen und Regierungen, die Gegenvorschläge lösen sich aber gar nicht aus der Logik von Ausbeutung, Machtausübung, Unterdrückung und einem Leben, in dem nicht die Menschen und ihre Vereinbarungen, sondern Staaten, Gesetze, Normen, Wertschöpfung, Standort und ähnliche Logiken im Vordergrund stehen. Darum möchten wir heute einige dieser heiligen Kühe politischer Bewegung schlachten.

Arbeit
Wollen wir wirklich mehr Arbeitsplätze? Ist Lohnarbeit schön? Jeden Morgen der Wecker, ständig vor Dir die Dienstvorgesetzten, schaffen für den Profit anderer? Immer in der Angst, gefeuert zu werden? Was bitte ist daran toll? Lohnarbeit ist eine der beschissensten Formen sozialer Unterwerfung. Das war auch immer klar - nur wurden darauf nie die richtigen Forderungen gestellt. Wer für Lohnarbeit kämpft, organisiert die eigene Unterwerfung! Arbeit als vom Arbeitgeber oder Markt abhängige Beschäftigung ist immer anti-emanzipatorisch, gegen die Menschen und ihre Selbstbestimmung gerichtet.

Deutschland, Europa und die Welt
Nationalstaaten sind komprimierte Herrschaftsformen mit selbstbeanspruchtem Gewaltmonopol, was richtiger mit Machtmonopol bezeichnet würde. Neben dem Staat darf es keine Macht geben - eine Logik wie in religiösen Systemen, nur dass der Staat die Rolle Gottes einnimmt. Unterhalb des Staates darf es nur Macht geben, wie es vom Staat vorgesehen ist, der damit seine Macht treuhänderisch überträgt, z.B. auf Vereine per Ver-einsrecht oder auf LehrerInnen, SchulleiterInnen, EigentümerInnen oder Familienvorstände. Auch das ähnelt religiösen Systemen, wo die Kirche oder Prediger von Gott auserwählt "das Wort" verkünden.
Europa ist da keine Neuerung - und eine Weltregierung wäre es auch nicht. Ein neues Konstrukt mit, langfris-tig gedacht, Machtmonopolanspruch entsteht. Außen herum werden hohe Mauern sein und eine interne, hochgerüstete Sicherheitspolizei wird die Interessen der Herrschenden durchsetzen. Europa wird ein neues Vaterland - fähig zur Neuformulierung von Weltmachtansprüchen ausgehend von diesem Kontinent. Das än-dert sich nicht,wenn es ein "soziales Europa" wird. Die Menschen werden machtlos bleiben. Darum ist jede Forderung nach Europa anti-emanzipatorisch, gegen die Menschen und ihre Selbstbestimmung gerichtet.
Ohnehin ist widersprüchlos, dass bei Konzernen die Monopolisierung, d.h. das Entstehen von ständig weni-ger, aber großen Konzernen als Gefahr, bei Nationen dasselbe aber als Fortschritt betrachtet wird. Wohin flüchtet beispielweise ein Mensch, der mit einer Weltregierung im Streit liegt?

Die besseren Reformen
O.K., wir wollen hier heute nicht die Revolution fordern - auch wenn wir die grundlegende Beendigung aller Herrschaftsverhältnisse, d.h. auch jedes Staates, jeder Institution mit Hoheitsrechten, jeder Firma mit Chefs und ungleichem Kapitalbesitz und jeder Organisation mit internen Hierarchien für nötig erachten. Das wird si-cherlich nicht als Revolutions-Einakter gehen, wie auch die Geschichte beweist. Nötig ist ein dauernder Pro-zeß der Befreiung aus Zwängen, Zurichtungen, Normen und Gesetzen. Aber das, wie gesagt, passt nicht zum politischen Protest, der in Deutschland leider üblich ist. Hier ging es immer, wenn auch manchmal unter dem Deckmantel des romantisch-radikalen Flairs, immer nur um kleine Verbesserungen oder sogar nur um weniger umfangreiche Verschlechterungen.
Doch auch bei Reformen halten wir es immer für wichtig, dass sie einen emanzipatorischen Gehalt haben. Wenn schon kleine Schritte, dann aber in die richtige Richtung! Unsere Reform-Forderungen und Aktionsvor-schläge für die Wirtschafts- und Sozialpolitik sind u.a.:

Keine Verschärfung sozialer Ungleichberechtigungen!
Die Schere zwischen hohen und niedrigen Einkommensgruppen wird immer größer. Angesichts dessen sollte über weitere Vergrößerungen des Abstands gar nicht verhandelt werden. Auch Protest als Appell an die, die solche Politik machen oder fordern, ist falsch. Schließlich sind Hartz, Agenda 2010 und all der Scheiß keine Versehen. Die wissen, was sie tun. Widerstand kann das nur grundsätzlich ablehnen. Kein Fußbreit den Ver-schärfern sozialer Verhältnisse! Keine Debatte um die "soziale Abfederung" u.ä., sondern Widerstand!

Einkommensgleichheit, Existenzsicherung, gesellschaftlicher Reichtum
Es gibt doppelt so viel zu essen wie für die gesamte Menschheit reichen würde. Energie, Rohstoffe ... alles ist im Überfluß vorhanden. Allein aus Profitgründen wird es aber vielen Menschen vorenthalten, vernichtet oder verschwendet. Ohne Probleme wäre machbar: Freie Mobilität, freie Energie freies Wohnen, freies Wissen und freies Essen für alle! Eine erste Sofortmaßnahme auf dem Weg dahin ist das gleiche Einkommen oder die Existenzsicherung für alle - ohne Zwang zur Arbeit!

Druckvoller Widerstand statt lauer Proteste
Aktionen müssen Druck entfalten: Sabotage, Störung des geordneten Ablaufs der Herrschaftsausübung, Be-setzungen von Parteibüros, Arbeitsämtern, PSAs usw. sind sinnvoller als Einmal-Events großer Demonstrati-onen oder gar Bittstellerei der Marken Petition oder Unterschriftensammlung. Zudem sollten Aktionen von unten organisiert werden. Wer auf die Eliten politischer Bewegung und Gewerkschaften wartet, kann lange warten. Ob im DGB oder bei Organisationen - die Eliten sitzen meist selbst in den Runden der Gewinner des Neoliberalismus, auf staatsgeförderten Beraterstellen bis zu den Aufsichtsräten der widerlichen Konzerne. Von denen ist nichts zu erwarten außer Protest, der nicht weh tut.

Aneignung jetzt!
Selbst Streiks gelten inzwischen im Stammland des langweiligen Protestes als zu radikal. Blödsinn - das Ge-genteil ist der Fall. Streiks sind immer noch Appelle an die Mächtigen, die verschärfte Form von Petitionen und Unterschriftensammlung. Streiks stören zwar zeitweise die Profitraten, mehr aber auch nicht. Aneignung ist das Gegenprogramm. Wo Beschäftigte die Firmen, VerbraucherInnen die Warenhäuser, EinwohnerInnen die Rathäuser, Wohnungslose die leeren Häuser und die Menschen insgesamt die öffentlichen Räume über-nehmen, verändert sich gesellschaftliche Macht. Aus BittstellerInnen werden Handelnde!

Autonome
Menschen ohne Label und kollektive Identität
aus dem Umfeld der Projektwerkstatt in Saasen


Das Ganze als Download (PDF) auf vier Seiten ... ausdruckbar, kopierbar als Plakate u.ä.

Macht- und Verwertungslogiken in Betrieben

Annette Schlemm, Mail vom 25.5.2001 in der Debatte um Oekonux, freie Kooperationen und Freie Menschen in Freien Vereinbarungen
Betriebe funktionieren in der bürgerliche Gesellschaft mit einer Kombination von Tausch, nämlich von Arbeitskraft gegen Lohn (was bei aller sozialen Abhängigkeit ein normalerweise freiwilliger Akt ist, die ArbeiterIn könnte auch woanders anheuern oder arbeitslos sein, sie wird nicht gezwungen, dieses bestimmte Beschäftigungsverhältnis einzugehen), und Anordnung, nämlich der Unterordnung unter das Direktionsrecht des „Arbeitgebers“, der die konkreten Arbeitsaufgaben vorschreiben kann (dass er dabei Spielräume lassen muss oder auch bewusst indirekte Steuerungsmethoden einsetzt, ändert nichts am Prinzip). Außerdem spielt dabei in og. Weise der Staat als Garant von Eigentum und bürgerlichem Recht eine unverzichtbare Rolle. Und selbstverständlich ist in den konkreten betrieblichen Arbeitsprozessen auch die unmittelbare Kommunikation und Kooperation zwischen den KollegInnen nötig. Ihre Entwicklungsdynamik im Verhältnis zu anderen Betrieben und in der Gesellschaft ist bei kapitalistischen Betrieben wiederum völlig von Konkurrenz und Verwertungslogik bestimmt, und insoweit fungieren die anderen für das Funktionieren von Betrieben relevanten Modi als bloße Mechanismen zur Umsetzung dieser Logik. Für eine allseitige Analyse, insb. wenn es um Ansatzpunkt für Veränderungen und die Lage der Individuen geht, ist es aber notwendig, dies genauer zu betrachten. Wobei für Organisationen in anderen Sphären der Gesellschaft z.T. gilt, dass die Verwertungslogik hier evt. nur indirekt wirkt und Rahmenbedingungen prägt, aber nicht die innere Logik dominiert.

P.M., 2001: Subcoma, Paranoia City Verlag in Zürich
Die aufgeschobene Belohnung nimmt der menschlichen Betätigung ihre intrinsische (De-)Motivation, macht sie zu einer bloss noch lästigen Bedingung und ermöglich es zugleich, auch für die brutalsten Aufgaben noch Vollstrecker zu finden. In der Trennung von Arbeit und Belohnung ist die Möglichkeit von Auschwitz schon enthalten. ... (S. 24)
Marxistisch gesehen vertreten die Arbeiterorganisationen nicht den Ausstieg aus der Akkumulationsmaschine, sondern bloss den etwas weitsichtigeren Umgang mit dem variablen Kapital (ausgedrückt im Lohnanteil des Volkseinkommens).
(S. 36)

Aus: autonome stadt, Entwurfsarbeit von Tomislav Knaffl im Wintersemester 2000/01 an der Uni Stuttgart
arbeit aufzunehmen bedeutet arbeit zugeben, und arbeit auszubeuten bedeutet arbeit zu nehmen.

Michel Foucault, zitiert im Alligator, Zeitschrift der Grünen Liga
Bevor man eine Firma eröffnet, muss man wissen, mit welchen (Macht-)Methoden man Produktivität von den Angestellten bekommt. Das ganze System, das für uns heute selbstverständlich als alltägliche Lohnarbeitsverhältnisse wahrgenommen wird, basiert auf Machtstrategien, die von allen Beteiligungen als "natürlich entstanden" mißverstanden werden, anstatt sie in ihrer Geschichte und ihren Wirkungsweisen hin zu entlarven. Dabei gab es in der Geschichte zahlreiche Widerstände, Sabotagen und Kämpfe (Streiks, etc.), die darauf hinweisen, dass es nicht immer so gewesen zu sein scheint. Die gesellschaftlichen Unzufriedenheiten und punktuellen Auseinandersetzungen in Form von Streiks, Krankfeiern und Sabotage deuten darauf hin, dass dieses System der Lohnarbeit nicht "natürlichen Ursprunges" sein können.

Mail aus der Hoppetosse-Liste
Das Wort „Arbeit“ bedeutete in seiner  ursprünglichen Bedeutung sowas ähnliches wie „verwaist sein, ein zu  schwerer körperlicher Tätigkeit verdingtes Kind sein“, „Plage“, „Mühsal“  oder „unwürdige, mühselige Tätigkeit“. Eine gute Definition von Arbeit  liefert Ludwig Unruh: „Ganz abstrakt gesehen ist Arbeit all diejenige  Tätigkeit, die einen außerhalb ihrer konkreten Verrichtung liegenden Zweck  hat.“ (Alle Zitate: Ludwig Unruh: Hauptsache Arbeit? Zum Verhältnis von  Arbeit und menschlicher Emanzipation. Syndikat-A Medienvertrieb. www.fau.org/syndikat-a)

Friedrich Nietzsche, dt. Philosoph, 1844-1900
Wer von seinem Tag nicht zwei drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave.

Aus der Selbstdarstellungs-Broschüre der Arbeiterselbsthilfe Frankfurt (1976, zitiert nach M. Horx, "Smart Capitalism")
Wir leben anders! Wir arbeiten mehr als je zuvor, schaffen bis zu 14 Stunden am Tag, und die Arbeit macht uns bei weitem nicht so kaputt wie die "nur" acht Stunden vorher im Betrieb. Das liegt ganz eindeutig daran, dass uns der Sinn der Arbeit klar ist, dass die weit weniger entfremdet ist.

Grundeinkommen & Existenzsicherung

Aus Fromm, Erich (1985): "Über den Ungehorsam", dtv München (S. 105 f.)
Für ein garantiertes Einkommen für alle spricht in erster Linie, daß die Freiheit des einzelnen auf diese Weise entschieden erweitert werden könnte. ... Bisher war der Mensch während seiner gesamten Geschichte durch zwei Faktoren in seiner Handlungsfreiheit eingeschränkt: durch die Anwendung von Gewalt von seiten der Herrschenden (besonders dadurch, daß diese in der Lage waren, Abweichler umzubringen) und - was noch wesentlicher war - dadurch, daß alle vom Hungertod bedroht waren, die nicht bereit waren, die ihnen auferlegten Bedingungen in bezug auf ihre Arbeit und soziale Existenz zu akzeptieren. ...
Niemand müßte sich mehr nur deshalb auf bestimmte Arbeitsbedingungen einlassen, weil er sonst befürchten müßte, er würde verhungern. Begabte oder ehrgelizige Männer und Frauen könnten die Ausbildung wechseln, um sich damit auf einen anderen Beruf vorzubereiten; eine Frau könnte ihren Ehemann, ein jugendlicher seine Familie verlassen. Die Menschen hätten keine Angst mehr, wenn sie den Hunger nicht mehr zu befürchten brauchten.

Im Original: Wirtschaftsboss gegen Arbeitszwang? ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus einem Interview mit Götz W. Werner, Gründer der dm Drogeriemärkte, in brand eins 3/2005)
Noch grundsätzlicher gedacht, hat die Wirtschaft zwei Aufgaben. Die eine, die betriebswirtschaftliche Aufgabe, ist es, die Menschen mit konsumfähigen Dienstleistungen und Gütern zu versorgen – das gelang noch nie so gut wie heute, zumindest in den entwickelten Volkswirtschaften. Wir leben heute in einem Einkaufsparadies, das heißt, unsere Fähigkeit, Güter und Dienstleistungen hervorzubringen, ist größer als die Bedürfnisse der Menschen. Die andere, die gesamtwirtschaftliche Aufgabe ist, die Menschen mit Einkommen zu versorgen....
Die Produktivitätsentwicklung hat die Bedürfnisentwicklung längst überholt, wir haben gesättigte Märkte, und wir brauchen immer weniger Menschen um dieses Übermaß an Gütern zu produzieren. Jetzt ist der Moment gekommen, in dem wir uns vom Zwang zur Arbeit befreien können. ...
Das Geld ist nicht das Problem – das Problem ist, dass wir Geld, also Einkommen, immer mit Arbeit koppeln. Die alten Griechen waren da weiter: Ein normaler Grieche hat nicht gearbeitet – dafür hatte er seine Sklaven. Und unsere Sklaven sind die Methoden und Maschinen, die es uns erlauben, immer mehr Güter herzustellen mit immer weniger Arbeit. Wenn aber die Menschen nicht mehr arbeiten müssen, weil Methoden und Maschinen das zu einem immer größeren Teil erledigen – dann müssen wir sie eben mit Einkommen versorgen.
Frage: Nicht wer arbeitet, bekommt ein Einkommen, sondern wer anwesend ist: die alte Idee des Grundeinkommens.
Die Idee mag alt sein – aber erst heute sind wir in der Lage, sie umzusetzen. ...
Tatsächlich haben wir nur deshalb Arbeitslosigkeit, weil wir sagen: Wer nicht arbeitet, liegt dem anderen auf der Tasche. Hätten wir diese Vorstellung nicht, könnten wir sagen: Wir haben so und so viele Menschen und so und so viele Güter – und weil wir so und so viele Güter haben, können wir so und so viel Geld drucken und an die Menschen verteilen. Dann hat jeder sein Grundeinkommen. ...
Frage: Wie hoch müsste das Grundeinkommen sein? Das ist wieder eine der Fragen, die die Gemeinschaft beantworten muss. Aber nehmen wir mal an, jeder Bürger in Deutschland hätte ein Grundeinkommen von 1500 Euro. Wenn dann alle sagten, prima, das reicht mir, und würden nur noch konsumieren, dann hätten wir, solange die Fischer-Wernersche Vollautomatisierung noch nicht erreicht ist, natürlich ein Problem. Aber davon müssen wir nicht ausgehen. Stattdessen wird es sehr viele Menschen geben, die sich sagen: Das Grundeinkommen ist mir gerade recht, aber ich habe noch eigene Ziele und Bedürfnisse – jetzt arbeite ich nicht mehr, weil ich muss, sondern weil ich will. Jetzt kann ich tun, was mir liegt, und muss nicht dort arbeiten, wo ich am meisten Geld verdiene. Jetzt kann ich dort arbeiten, wo man angemessen mit mir umgeht. Und wo Produkte erzeugt werden, mit denen ich mich identifizieren kann. Das wäre eine enorme Klimaveränderung im Sozialen.
Frage: Glauben Sie, dass in einer solchen Welt noch jemand Kassierer in einem Drogeriemarkt sein wollte? Aber sicher.
Frage: Warum? Weil es viele Menschen gibt, die das gern machen. Ich rede viel mit den Leuten bei uns, und dann frage ich, wie es so geht, wie die Familienverhältnisse sind – und da gibt es eine Menge Menschen, die arbeiten, obwohl sie es gar nicht nötig haben. Die arbeiten, weil sie unter Menschen sein wollen, weil sie im Netzwerk sein wollen, wie wir heute neudeutsch sagen.
Frage: Dennoch wird es Jobs geben, um die sich niemand reißt. Und die werden wir entweder hoch bezahlen müssen – oder wir erfinden Maschinen, die sie erledigen. Es wird auch keine hitzigen Debatten um Wochenendarbeit mehr geben: Wenn jemand sonntags arbeiten will, dann arbeitet er sonntags. Die Menschen werden befreit von der Notwendigkeit zu arbeiten. Denn wir brauchen kein Recht auf Arbeit und keine Pflicht zur Arbeit – wir brauchen einen freien Willen zur Arbeit.
Frage: Ist die schöne Utopie in irgendeiner Form finanzierbar? Wir erwirtschaften heute in Deutschland, in Europa schon so viel, dass alle überleben können. Schon heute werden alle Menschen mit Geld versorgt, entweder durch eigenes Einkommen, durch Vermögen oder durch Transferzahlungen. Das Geld ist nicht das Problem.

Arbeitsethos von links

Aus Wicht, Cornelia (1980): "Der Ökologische Anarchismus Murray Bookchins", Verlag Freie Gesellschaft in Frankfurt (S. 29)
In dem Maße, wie die Anzahl der Industriearbeiter im Verhältnis zu anderen sozialen Klassen zunahm, wurde der Arbeit - genauer gesagt, der mühevollen Arbeit - auch im revolutionären Denken ein höherer, positiver Wert zugemessen. Diese puritanische Arbeitsethik der Linken ging im Laufe der Zeit nicht zruück, sie bekam sogar in den 20er Jahren einen gewissen Nachdruck. Die Massenarbeitslosigkeit machte den Arbeitsplatz und die soziale Organisation der Arbeit zu einem zentralen Thema der sozialistischen Propaganda. Der Sozialismus wurde gleichgesetzt mit einer auf Arbeit beruhenden Gesellschaft.

Vorschlag aus "Parecon" ... vermeintlich ein aktuelles anarchistisches Werk (mehr Zitate hier ...)
Daher soll jeder arbeitenden Person - also jedem, der zum Sozialprodukt beiträgt - ein Bündel verschiedener Tätigkeiten zugewiesen werden. Diese Tätigkeitsbündel sind so gestaltet, dass im Durchschnitt für jeden die gleiche Arbeitsplatzqualität gilt. (S. 16)
Wer mehr verdienen will, muss eben länger oder härter arbeiten. (S. 17)
Wer aber stellt die Tätigkeitsbündel gerecht zusammen, und wer bewertet den Grad des Einsatzes - und entscheidet somit über die Bezahlung? Das machen die Arbeiter natürlich selbst, und zwar in ihren Räten. (S. 17)

Gewerkschaften

Bei der Aktion "Ohne Regeln geht es nicht" rief die IG BAU zur Denunziation von Schwarzarbeit usw. und wollte den Behörden zuarbeiten. Widerlich!

Internetseiten gegen Arbeit, Modernisierung und Wettbewerbsstaat, Hartz&Co.

Etliche Texte und Zitate sind mit, andere ohne Namen - das liegt zum einen daran, wie wir die Texte bekommen haben, zum anderen können die, deren Texte hier abgedruckt sind, auch selbst bestimmen ... Mail genügt und der Name wird gestrichen bzw. hinzugefügt.