auf

Übersichten über diese Seiten: "Alle Themen"-Button links (Seite nach oben scrollen!) ++ Projekte ++ Themen
Methoden Texte Beispiele Geldanlage NGOs Energie Ökokapitalismus
Umweltschutz von unten

Theorie-Texte & Hintergründiges zum Kapitalismus

Begriff Kapitalismus ++ Markt ++ Herrschaft ++ Triple und Unity of Oppression ++ Links

Kapitalismus

P.M., 2001: Subcoma, Paranoia City Verlag in Zürich (S. 22)
Das ökonomische System, das im 18. Jahrhundert seinen weltweiten Siegeszug antrat, hat verschiedene Aspekte und wurde verschieden benannt: Marktwirtschaft, Kapital, Kapitalismus, moderne Industriegesellschaft, Arbeitsgesellschaft oder schlicht: die Wirtschaft. Weil dieses System sich mehr und mehr vom individuellen Handeln sowohl der Kapitalbesitzer wie der Arbeitskräftelieferanten emanzipiert hat und eine Eigendymanik entwickelt hat, die einer Maschine gleicht, nenne ich es in der Folge Arbeitsmaschine. Selbstverständlich heisst nicht, dass es eine bloss physische Maschine ist, sondern eben ein materiell-immaterielles System, das menschliche Verhältnisse und Produktionsmittel kombiniert. Es ist auch keine starre Maschine, sondern eine, die sich selbst laufend verändert, ergänzt, repariert. Doch analog zu den mechanischischen Gesetzen wird auch die Arbeitsmaschine von den immer gleichen Gesetzen reguliert, die gewährleisten, dass Arbeit in Profit und Profit in Akkumulation und Konzentration von Kapital umgewandelt werden kann. Ähnlich wie eine Maschine verwandelt uns die Arbeitsmaschine in kleine Zahnrädchen in einem grossen, anonymen Getriebe. Im Unterschied zu einer statischen maschine ist allerdings die Arbeitsmaschine ein System, das auf seinen eigenen Widersprüchen (zum Beispiel Lohnarbeit versus Kapital) beruhr, also letztlich eine politische Maschine.

Erich Fromm (1990): „Die Furcht vor der Freiheit“, dtv in München (S. 84 f.)
Der Kapitalismus hat nicht nur dem Individuum seine Daseinsberechtigung bestätigt, er hat auch zur Selbstverleugnung und zu einer asketischen Einstellung geführt, die eine direkte Fortsetzung des protestantischen Geistes ist. ...
Im Kapitalismus wurde die wirtschaftliche Betätigung, der Erfolg und der materielle Gewinn Selbstzweck. Es wurde zum Schicksal des Menschen, daß er zum Gedeihen des Wirtschaftssystems beitragen mußte, daß er Kapital anhäufen mußte, und dies nicht zum eigenen Glück oder Hell, sondern als Selbstzweck. Der Mensch wurde zu einem Zahnrad im riesigen Wirtschaftsapparat - zu einem wichtigen Zahnrad, falls er über viel Kapital verfügte, und zu einem unwichti­gen, wenn er kein Geld hatte -, aber er war stets ein Zahnrad, das einem Zweck diente, der außerhalb seiner selbst lag. ...
Nachdem er erst einmal bereit war, nichts anderes sein zu wollen, als ein Mittel zur Verherrlichung eines Gottes, der weder Gerechtigkeit noch Liebe repräsentierte, war er genügend darauf vor­bereitet, die Rolle des Dieners einer Wirtschaftsmaschinerie zu akzep­tieren ‑ und schließlich auch einen »Führer«.
Die Unterordnung des einzelnen unter wirtschaftliche Zielsetzungen gründet sich auf die Besonderheiten der kapitalistischen Produktionsweise, welche die Anhäufung von Kapital zum Zweck und Ziel des Wirtschaftens macht. Man arbeitet für den Profit, aber der erzielte Gewinn ist nicht dazu da, ausgegeben zu werden, sondern er dient neuen Kapitalinvestitionen.

John Maynard Keynes, zitiert in: Stichwort Bayer 1/2006 (S. 5)
Kapitalismus ist der seltsame Glaube, dass die übelsten Menschen mit den übelsten Motiven irgendwie zum allgemeinen Wohl arbeiten werden.

Notwendigkeit der Expansion

Aus Bookchin, Murray (1992): "Die Neugestaltung der Gesellschaft", Trotzdem-Verlag in Grafenau (S. 124, mehr Auszüge)
Eines ist jedoch klar: dies System muß unauflörlich expandieren, solange bis alle Bindungen zerreißen, die noch zwischen Gesellschaft und Natur bestehen - wie die wachsenden Löcher in der Ozonschicht und der sich verstärkende Treibhauseffekt anzeigen. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes das Krebsgeschwür des sozialen Lebens an sich.

Kapitalismusbegriff

Im Original: Ein Mailwechsel zum Thema ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Mail von: Anarchie & Luxus, j,bn
Liebe GenossInnen,
auf dem Januartreffen wurde der Kapitalismusbegriff z.B. auf dem  Abschlußplemun und auch in einem Diskussionspapier so benutzt, daß von  Kapitalismus und anderen Herrschaftsverhältnissen die Rede war oder daß  mensch sich nicht antikapitalistisch nennen wolle, weil damit bspw.  Sexismus und Rassismus in den Hintergrund gedrängt würden. Es wurde auch  darüber geredet, ob nicht statt dessen ein Triple Opression Ansatz besser  sei.
Ich habe dazu eine grundsätzlich andere Auffassung, die ich, da auf dem  Treffen dazu keine Zeit war, hier mal darstellen möchte.
Die oben dargestellte Sichtweise sieht den Kapitalismus als einen  Widerspruch unter vielen an, so als ob Kapitalismus nur das sei, was z.B.  in einer Bank stattfindet. Daneben gäbe es dann andere Widersprüche, die  unabhängig von einander existierten und bekämpft werden könnten.
Nach meiner Auffassung ist Kapitalismus die Bezeichnung für das  Gesellschaftsystem, in dem die Menschheit etwa seit Beginn der Neuzeit  lebt. In diesem Gesellschaftsystem sind z.B. Ausbeutung, Rassismus,  Sexismus und andere Unterdrückungsmechanismen enthalten. Das mag zunäxt  nur wie eine andere Terminologie (Wortwahl) erscheinen, tatsächlich  verbirgt sich dahinter aber mehr.
Ich denke, es ist absolut unmöglich irgendeine Form von Unterdrückung  unabhängig von diesem Gesellschaftsystem, eben dem Kapitalismus, und damit  von anderen Unterdrückungsverhältnissen zu betrachten. Die Triple  Opression Theorie tut das m.E. aber teilweise (wobei ich zugeben muß, kein  Experte für den Triple Opression Ansatz zu sein). Das Patriarchat, mit dem  wir es heute zu tun haben, ist z.B. nicht zu verstehen ohne es im  Zusammenhang mit den aktuellen Verwertungsbedingungen des Kapitals zu  sehen. Das gleiche gilt für alle anderen Unterdrückungsmechanismen. Sie  sind gesellschaftliche Verhältnisse, die sich gegenseitig beeinflussen und  bedingen und die Gesamtheit dieser Verhältnisse ist eben der Kapitalismus.
Wohin es führt, wenn mensch meint, bestimmte Unterdrückungsmechanismen  einzeln bekämpfen zu können, ist hervorragend illustriert am Beispiel von  Alice Schwarzer und ihrer Zeitung Emma. Nicht nur, daß sie den Faschisten  Singer und seine Euthanasie Konzepte hofieren, ihr Ansatz von Emanzipation  sieht nur noch vor, daß Frauen die gleiche Scheiße machen dürfen, die  vorher den Männern vorbehalten war. Das führt zu Forderung wie Frauen ins  Militär und zu den Bullen (ist ja bereits weitgehend erfüllt),  gleichberechtigte Teilhabe an den Schweinejobs in Wirtschaft,  Wissenschaft, Politik und Forschung. Daß solche Posten eigentlich bekämpft  und abgeschafft gehören, wird natürlich nicht mehr erwähnt, sobald erstmal  frühere Feministinnen auf diesen Posten sitzen oder zumindest eine  berechtigte Hoffnung haben, dorthin zu kommen. Letztlich ist es aber  wurscht, ob Frauen oder Männer die gleiche patriarchale Politik machen.  Den Frauen kann es z.B. egal sein, ob ihnen Politiker oder Politikerinnen  das Recht auf Abtreibung verwehren.
Ein weiteres Beispiel ist die Besetzung von Minister- und Beraterposten in  der neuen US-amerikanischen Regierung mit farbigen PolitikerInnen. Sie  werden die gleiche rassistsische Politik wie ihre weißen VorgängerInnen  machen.
Eine wirkliche Änderung der Verhältnisse kann nur erreicht werden, wenn  mensch diese Gesellschaftsordnung, eben den Kapitalismus, als Ganzes  bekämpft. Dabei muß klar sein, daß nur die Gleichberechtigung und  Gleichzeitigkeit aller Kämpfe um Befreiung den Übergang in eine befreite  Gesellschaft ermöglicht. Solche Statements wie: „Das ist ein  Nebenwiderspruch, das regeln wir nach der Revolution“ zeugen von einem  stark unterentwickelten Verständnis von Revolution. Mal abgesehen davon,  daß die Revolution ein Prozeß ist, der vielleicht nie zu Ende ist (und  damit das nach der Revolution zu Regelnde auf den St. Nimmerleinstag  verschoben wäre), reduziert dieses Verständnis die Revolution tatsächlich  auf einen Austausch der Machteliten, die es dann schon richten werden,  statt eine Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse voranzutreiben.
In dem von mir erklärten Sinn benutzt, drängt der Begriff  „Antikapitalismus“ keineswex Unterdrückungsverhältnisse in den  Hintergrund. Vielmehr wird in diesem Sinne erst aus der Einheit aller  Kämpfe um Befreiung eine revolutionäre Bewegung.


Späterer Zusatz:
Ich habe den Eindruck, daß ich micht klar genug ausgedrückt habe. Deshalb hier noch ein Versuch:
Kapitalismus ist die jetzige (mittlerweile) globale Gesellschaftsordung. Unterdrückung aller Art ist darin enthalten, aber das ist nicht alles.
Kapitalismus beinhaltet: (unvollständige Aufzählung)
  • 1 Planet "Erde"
  • BSE
  • 5 bis 7 Kontinente (je nach Zählweise)
  • Versiffte Klos
  • Rassimus
  • Himbeereis
  • Kühlschränke
  • Urlaub
  • Programmzeitschriften
  • Sonne, Mond und Sterne
  • ca. 200 Staaten
  • Bullen und Steine
  • Argentinische Rindersteaks
  • Texte wie diesen
  • andere Texte
  • ca. 6 Mrd. Menschen
  • usw.usf.
Entgegnungen/Ergänzungen
> Nach meiner Auffassung ist Kapitalismus die Bezeichnung für das
> Gesellschaftsystem, in dem die Menschheit etwa seit Beginn der Neuzeit
> lebt. In diesem Gesellschaftsystem sind z.B. Ausbeutung, Rassismus,
> Sexismus und andere Unterdrückungsmechanismen enthalten. Das mag zunäxt
> nur wie eine andere Terminologie (Wortwahl) erscheinen, tatsächlich
> verbirgt sich dahinter aber mehr.
Laß uns mal kurz vor dieser Neuzeit anfangen. Hier siehst du dann ein Gesellschaftssystem, in dem es den KApitalisus noch nicht gibt, aber z.B. das PAtriarchat. Nun fangen die LEute an, KApitlaistisch zu wirtschaten. Das Patriarchat prägt dieses Wirtschaften mit. Der Kapitalismus beginnt, viele andere Lebensbereiche mitzuprägen. Verschiedene Widersprüche wechselwirken miteinander und verstärken sich teilweise gegenseitig.
Nun versteh ich aber nicht mehr, warum du meinst (wenn ich dich richtig interpretiere), das der Kapitalismusbegriff alleine, dieses Gesellschaftssystem beschreibt. Es ist doch so, das Kapitalismus zwar andere Widersprüche mit prägt, diese aber auch ohne ihn weiterexistieren würden. Wenn andere Widersprüche in dem Kapitalismusbegriff eingescchlossen wären, würdest Du das aufkommen des KApitalismus nicht mit dem Beginn der Neuzeit in Bezug setzen können, da diese Widersprüche ja älter sind.
Ich denke, in einer richtigen Analyse muß beachtet werden, das verschiedene Widersprüche ihre eigene Geschichte haben und sich nicht einfach einschließen. Dann müssen wir weiter sehen, in welcher Form diese miteinander wechselwirken. Das ist aber die Analyse, die ich unter diesen Begriffen wie tripple oppression und unity of oppression kennengelernt habe.
F

Hi alle, hi Florian, hi j,bn,
misch mich ein: persönlich kann ich weder Florians Argument der triple oppression noch j,bn‘s Vorstellung (daß insbesondere Kapitalismus Unterdrückung ist) ablehnen. Beides schließt sich nicht aus, weil sich schließlich im Kapitalismus der sich bewußt selbstbejahende, brutale EXZESS aller bestehenden Unterdrückungsformen zeigt, unabhängig davon, welche Geschichte diese auch immer haben mögen! Ich möchte stattdessen auf den Aspekt einer selbstbeschönigenden Konstruktion von „Normalität“ hinweisen, welche überhaupt in dem Begriff oppression/Unterdrückung mitschwingt: „Oppression“ hat was Opferhaftes. Als Opfer stehe ich selbst außerhalb der Verantwortung. Doch ohne Oppression, bin ich dann schon aus mir heraus existent? Gibt es mich so ohne weiteres als „natürlichen“, quasi „normalen“ Menschen überhaupt? Wer bin ich? - Gibt es „Mensch“ im allgemeinen, also den unoppressed „Reintypen“? Und aus dem Schaum des Urmeeres heraus wurde er - die gute und reine Mensch im allgemeinen - an den Strand der (bösen Oppression-)Welt geworfen.... ???
Ich behaupte NEIN. Alle bisherige Menschheitsgeschichte ist von Wahnsinn geprägt. Hinter der Opfervorstellung von Oppression/Unterdrückung, also hinter der Vorstellung von der Verderbung des reinen Menschen durch böse äußere Umstände, liegt die Flucht vor der Anerkenntnis des eigenen Wahnsinns. Wir sind nicht die Opfer des Wahnsinns - Mensch bzw.  menschliches Bewußtsein ist seit seiner ersten Existenz wahnsinnig gewesen. (Beweis: Wenn MenschIN den Wahnsinn wirklich überwinden würde, würde es Herrschaft, Unterdrückung, Armut, Elend und auch dieses email-Forum nicht geben. Ich hätte viel Vergnügen und wäre überwiegend wohlgestimmt, ohne das als langweilig oder ermüdend zu empfinden!) Daher: Erst eine Debatte, welche den eigenen Wahnsinn, also die Frage nach menschlichem Bewußtsein und seiner Ursprungsgeschichte nicht elegant auszublenden versucht, kann ich mir als politisch wirkmächtig vorstellen.
Gruß, Werner
P.S.: Auch die Kritik des Patriarchats ist beschönigend. Das Matriarchat war nicht weniger wahnsinnig, als das Patriarchat es gerade ist! Die GANZE Bewußtseinsgeschichte der Menschheit bis heute ließe sich durchaus mit dem übergreifenden Begriff der „Epoche des Wahnsinns“ beschreiben!  Hinweis auf Erich Neumann: Alles bisherige Bewußtsein ist archetypisch (urbildisch) konstruiert. Erst im Verstehen des Archetyps, seiner wohl intellektuell nachvollziehbaren, aber falschen, weil simplizistisch analogisierenden Konstruktion, liegt der Beginn des potentiell unwahnsinnigen, sich selbst bestimmenden und autonomen Menschen. (Oh verdammt, es hat geklopft! Ob das die Menschen im weißen Kittel sind?)

Markt

Aus: Wolf Göhring, Schließen Nachhaltigkeit und Warenproduktion einander aus?
Der Markt vermittelt diesen Tausch: Gegen das Abstraktum Geld wechseln die konkreten Produkte die Hände. Ent-scheidend ist das an den Tauschpunkten umgesetzte Geld, wo vor- und nachgelagerte stoffliche, dingliche und persönliche Zusammenhänge zumeist unbekannt sind, denen die Individuen mehr oder weniger hilflos und gleichgültig gegenüber stehen und die viel zu oft nur ein Achselzucken hervorrufen. ...
Marktwirtschaft resultiert daraus, daß die Produkte der unabhängig, isoliert von einander be-triebenen (modern: nebenläufigen) Arbeiten nur im Tausch – Verkauf und Kauf – ihrem letzt-lichen Gebrauch zugeführt werden können. Ein Einzelner kann sich diesem Tauschgeschehen heute praktisch nicht mehr entziehen. Er kann, weil er tauschen muß, im wesentlichen nur noch für andere, d. h. für die Gesellschaft produzieren. In diesem Sinn ist die gesellschaftliche Produktion ein Fakt. Andererseits sind die Individuen dieser Produktion weitgehend „ausgeliefert“: Man kann nur kaufen, was geboten wird; man muß resultierende Umweltprobleme erdulden, auch wenn man sie nicht bestellt hat; man ist den Turbulenzen der Märkte ausgesetzt. MARX hatte diese Situation damit gekennzeichnet, daß die Individuen zwar der ge-sellschaftlichen Produktion untergeordnet seien, diese aber nicht den Individuen, um sie „als ihr gemeinsames Vermögen“ handhaben zu können.

Sinnlose oder verkürzte Markt-Analysen

Aus dem Vorwort zur Energiedepesche Dez. 2002 von Aribert Peters (S. 2)
... die Verbraucher werden derzeit gerupft wie das Federvieh. Der Wettbewerb erlahmt und die Stromversorger erhöhen trotz historisch einzigartig hoher Gewinne die Strompreise. Dieser Nicht-Wettbewerb hat Preisaufsicht und Markt gleichzeitig ausgeschaltet.
Anmerkung: Akkumulation und Monopolisierung sind nicht das Gegenstück, sondern typische Folge von Marktprozessen!

Konkurrenz

Aus Bookchin, Murray (1992): "Die Neugestaltung der Gesellschaft", Trotzdem-Verlag in Grafenau (S. 85, mehr Auszüge)
Das Konkurrenzprinzip hat nicht nur die Kapitalisten in den Kampf gegeneinander um die Märkte gehetzt, sondern alle Ebenen der Gesellschaft durchdrungen. Käufer und Verkäufer werden gegeneinander ausgespielt, Bedürfnis gegen Habgier und Individuum gegen Individuum gesetzt, bis in die elementarsten Bereiche menschlicher Begegnungen hinein. Selbst Arbeiter begegnen einander auf dem freien Markt sozusagen mit einem Knurren, und jeder sucht aus Überlebenswillen den anderen zu übervorteilen. Kein Moralisieren und kein Predigen kann die Tatsache ändern, daß Rivalität bereits auf den allerelementarsten Ebenen der Gesellschaft ein bourgeoises Lebensgesetz ist das im wahrsten Sinne des Wortes über "Leben" entscheidet. Akkumulation - um den Konkurrenten zu fällen ' aufzukaufen oder auf andere Weise in Verlegenheit zu bringen - ist eine Existenzbedingung innerhalb einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung.

Markt und Verwertung

Rosa Luxemburg, 1923: Die Akkumulation des Kapitals (S. 321)
Zuerst war der Zweck die Isolierung des Produzenten, seine Trennung von der schützenden Gebundenheit des Gemeinwesens, dann die Trennung der Landwritschaft vom Hndwerk, jetzt ist die Trennung des klienen Warenproduzenten von seinen Produktionsmitteln die Aufgabe.

Aus Robert Kurz: Antiökonomie und Antipolitik
Deshalb trat der Sozialismus das Erbe des Liberalismus an, wie dieser das Erbe des Absolutismus angetreten hatte: protestantisch-calvinistische Reformation und absolutistische Zentralisierung, Französische und Amerikanische Revolution, Russische Oktoberrevolution nd antikoloniale nationale Befreiungsbewegungen bilden eine einzige Kette der Durchsetzungsgeschichte warenförmiger Vergesellschaftung, in der jedes Moment der Emanzipation von einem jeweils früheren Zustand immer gleichzeitig eine neue Stufe der Repression und Entmündigung darstellte.

Aus Gruppe Gegenbilder, 2000: Freie Menschen in Freien Vereinbarungen, S. 17 ... bestellen! ++ Download als PDF)
Die Sachverwalter des Kapitals als Exekutoren (Ausführer) der Gesetze der Wertverwertungsmaschine haben erkannt, daß der Mensch selbst die letzte Ressource ist, die noch quali-tativ unentfaltete Potenzen der Produktivkraftentwicklung birgt. In seiner maßlosen Tendenz, alles dem Verwertungsmechanismus einzuverleiben, versuchen Kapitalmanager auch diese letzte Ressource auszuschöpfen. Die Methode ist einfach: Die alte unmittelbare Befehlsgewalt über die Arbeitenden, die dem Kapitalisten durch die Verfügung über die Produktionsmittel zukam, wird ersetzt durch den unmittelbaren Marktdruck, der direkt auf die Produktionsgrup-pen und Individuen weitergeleitet wird. Sollen doch die Individuen selbst die Verwertung von Wert exekutieren und ihre Kreativität dafür mobilisieren - bei Gefahr des Untergangs und mit der Chance der Entfaltung.

Gegen Verwertung

Herrschaft als Schnittmenge emanzipatorischer Bewegung

Kapitalismus - Herrschaft

Die Debatte „leidet“ darunter, dass es verschiedene Definitionen gibt. Bei der weiten Definition von Kapitalismus als zur Zeit aktuelle Form ALLER Herrschaftsverhaeltnisse verliert sich fuer mich die Moeglichkeit, das Spezifische des Kapitalismus gegenueber vorstellbaren und historischen, nichtkapitalistischen Herrschaftssystemen zu benennen, weil es scheinbar nicht mehr relevant ist.
Ich moechte allerdings meine persoenliche Auffassung auch mitteilen, die von einigem abweicht (und unter anderen ja schon oefters als sexistisch bezeichnet wurde - bemerkenswerterweise nicht als rassistisch u.ae., aber offenbar lenkt da die Betroffenheit das Augenmerk): Ich behaupte, es gibt gar keine unterschiedlichen Prinzipien von Herrschaft, sondern Herrschaft ist ein Prinzip, das in verschiedenen Bereichen unterschiedliche Formen annimmt, aber die gleichen Urspruenge hat ... z.B. immer wieder auf Konstruktionen, meist biologistischer Art in den dahinterstehenden Pseudobegruendungen zurueckzufuehren ist. Die formalen Verhaeltnisse und die gesellschaftlichen Diskurse praegen die Herrschaftsverhaeltnisse. Sie sind zur Zeit (und auch nicht zufaellig) so gestrickt, dass sich kontinuierlich wiederholende Rollenzuweisungen und „Zurichtungen“ im Laufe des Lebens ein Dominanzgefaelle nach Geschlecht, Nationalitaet, Alter usw. entstehen laesst.
Das Prinzip, worueber Herrschaft wirkt, ist jedoch identisch, nur Inhalt und „Zielgruppe“ wechseln.
Insofern faende ich „unity of oppression“ ja ganz passend, wenn das nicht gerade aus der Tierrechtsecke kaeme und die Unterdrueckung von Tieren (die zweifelsfrei besteht und SAUSCHEISSE ist!) eben gerade nach anderen Prinzipien funktioniert.

Daraus folgt jetzt auch ein Vorschlag fuer einen weiteren Prozess: Warum vernetzen wir uns?
Einerseits, das ist (wie ich vermute) relativ klar zum Erfahrungsaustausch, zur Entwicklung solidarischer Strukturen und politischer Positionen usw. Das ist zwar noch alles ungenuegend, aber nach meiner Wahrnehmung unstrittig.  Unklar ist aber, ob es auch gemeinsame Handlungsfelder gibt. Ohne die sehe ich nicht, wie es zu einer kontinuierlichen Vernetzung kommt. Als gemeinsames Handlungsfeld begreife ich die Herrschaftsfrage - und umgekehrt (positiv) ausgedrueckt den Willen zu einem emanzipatorischen Prozess. Das klingt zwar beliebig, ist es aber nicht: Die ueberwiegenden Teile oekologischer, feministischer, internationalistischer usw. - Bewegungen sind naemlich nicht emanzipatorisch, sondern bemuehen sich um die Staerkung bestimmter Teile der Menschen innerhalb der weiterbestehenden Herrschaftsverhaeltnisse. Das aber ist eben nicht emanzipatorisch, sondern neutral oder gar antiemanzipatorisch.
Unseren Zusammenhang sehe ich als die Schnittmenge der Menschen aus verschiedenen Bezuegen, die ihre jeweiligen Themen und Aktionen mit der Forderung nach einem Ende ALLER Herrschaftsformen (Verwertungslogik, Diskriminierung, Ausbeutung, Zerstoerung der Lebensgrundlagen usw.) verbinden, dafuer politische Positionen und Aktionsformen entwickeln.

Zu Triple Oppression und Unity of Oppression

Warum ich Triple-Oppression für problematisch halte habe ich schon dargestellt. Wie ich schon sagte, bin ich kein Triple-Oppression-Experte, ich beziehe mich dabei mehr auf die Anhänger dieser Theorie, die ich selber kennengelernt habe, als auf die schriftlich formulierte Theorie. Mag sein, daß Du mich da verbessern kannst. Nach wie vor bin ich aber der Meinung, daß zumindest die Rezeption der Triple-Oppression-Theorie eine schematische und statische Sicht auf die Dinge mit sich bringt und das Denken in Zusammenhängen nicht gerade fördert. Außerdem frage ich mich, wieso gerade drei Unterdrückungsmechanismen in das Zentrum gestellt werden. Wenn mensch sich schon ans Aufzählen macht, kann mensch sicher problemlos mindestens ein Dutzend davon nennen.

Der Triple Oppression Ansatz ist m.E ein pragmatischer Ansatz, ein Kompromiß, auf den sich die meisten einigen können, weil er sicherstellt, das keins der wichtigsten Unterdrückungsverhältnisse zu kurz kommt. Darin liegt seine Stärke und der Nutzen für die Bewegung. Verkehrt wäre es jedoch, wenn er verhindert, dass gemeinsame Ursachen und Mechanismen der Unterdrückungsverhältnisse gesucht und analysiert werden. Da denkst du wohl ähnlich, wenn ich dich richtig verstanden habe.
Allerdings müsste ein einheitlicher Ansatz, der den Triple Oppression Ansatz ablösen will, in der Lage sein, die gemeinsamen Ursachen von Unterdrückung allen Betroffenen so klar und deutlich zu machen, dass sie ihr Interesse darin wiederfinden. Davon ist dein Ansatz, dass alles im Kapitalismus begründet ist, jedoch noch weit entfernt.
Außerdem ist es auch eine Vertrauenssache. Eine Theorie, dass zb Sexismus im Kapitalismus begründet ist, ist auch ein Versprechen, dass Sexismus mit der Überwindung des Kapitalismus verschwinden wird und dass es sich deshalb lohnt, erstmal von den konkreten Problemen abzusehen und sich dem abstrakteren Kampf gegen den Kapitalismus zu widmen. Und da haben Frauen reichlich Erfahrungen mit "Antikapitalisten" gemacht, die sie von solchem Vertrauen abhalten.

Das ist dann jetzt aber perfekter Haupt-Nebenwiderspruch. Warum sind die drei die wichtigsten? Wie vermittelst Du diese Wichtigkeit einem Psychiatrisiertem oder einem Kind? Ist die Wichtigkeit nicht eher traditionell daraus entstanden, dass "wir" als wichtig empfinden, was Leute aus unseren Zusammenhaengen betrifft und von diesen daher ueber laengere Zeit auch massiv eingefordert wurde? Das waere aber kein Hinweise auf eine grundsaetzliche Wichtigkeit.

Links

Etliche Texte und Zitate sind mit, andere ohne Namen - das liegt zum einen daran, wie wir die Texte bekommen haben, zum anderen können die, deren Texte hier abgedruckt sind, auch selbst bestimmen ... Mail genügt und der Name wird gestrichen bzw. hinzugefügt.