Klassen?

Aus Brüchert, Oliver (2005), „Autoritäres Programm in aufklärerischer Absicht“, Westf. Dampfboot in Münster (S. 61)
In seinen "16 Thesen zur Zukunft der Intelligenz als neuer Klasse" führte Gouldner (1980) die viel zitierte Unterscheidung zwischen Intellektuellen und technischer Intelligenz ein: Ausgangspunkt war die (seinerzeit noch dynamisch fortschreitende) Vergrößerung der gebildeten Klasse und die Beobachtung, dass die Kontrolle über die Unternehmen zunehmend nicht mehr von den Kapitalisten selbst ausgeübt wird, sondern von "Managern", von Angestellter. aho, die aufgrund ihres Fachwissens besser qualifiziert sind, Entscheidungen zu treffen als die Eigentümer. Die Stärke und Eigenständigkeit der "Intelligenz" gegenüber der alten Herrschaft der Bourgeoisie, verdankt sich einer öffentlichen "Kultur des kritischen Diskurses". Gouldner geht in seiner ersten These auf die "Unzulänglichkeiten" des marxistischen Klassenmodells ein: Erstens habe es die Rolle der Bauernschaft bei den revolutionären Kämpfen des zwanzigsten Jahrhunderts vernachlässigt (in Russland, vor allem aber in China). Zweitens vernachlässige es die Rolle der Intellektuellen:
"Das marxistische Szenario des Klassenkampfes war nie in der Lage, das eigene Handeln zu erklären, d.h. das Handeln derjenigen, die das Drehbuch schrieben, das Handeln von Marx und Engels selbst. Wie passten die Theoretiker dieses Klassenkampfes in die behauptete Auf­spaltung der Gesellschaft in Proletariat und Kapitalistenklasse. Wenn die Frage jemand gestellt wird, begegnet man nur verlegenem Schweigen. (Niemand erwartet, dass man das Fernseh­publikum fragt, welche Rolle der Kameramann spielt.)" (S. 24, Hervorhebung im Original)

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