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Utopie-B ücher

Kritik der Selbstverwaltung & Kommunen

Kommunekritik ++ Konkrete Beispiele: Burg Lutter, Ökozentrum Verden, weitere ++ Alternativ-Unternehmen ++ ZEGG

Kommunekritik

Aus Robert Kurz: Antiökonomie und Antipolitik
... brachten die alte Genossenschaftsbewegung seit dem 19. Jahrhundert ebenso wie die sogenannte Alternativbewegung der Neuen Linken seit den späten 70er Jahren wie aus dem Lehrbuch des Marxismus tatsächlich all das hervor, was ihnen die Politikaster und Staatsplanungs-Fetischisten immer schon vorgeworfen hatten: massive Kleinbürgerlichkeit und Klitschenmentalität, Abwendung von jeder gesamtgesellschaftlichen Perspektive, technologische Rückständigkeit und Selbstausbeutung, Verblödung des Landlebens; schlielich Rückkehr in den Schoß der bürgerlichen Gesellschaft qua Bankrott oder qua kapitalistische "Professionalisierung".
Was zurückblieb, waren im Fall der älteren Arbeiterbewegungs-Genossenschaften stinknormale kapitalistische Konzerne wie Co-op oder Neue Heimat, die sich bekanntlich durch besondere Anfälligkeit für Korruptionsskandale blamierten. Die Reste derjüngeren Alterantivbewegung dagegen besetzten hauptsächlich Marktnischen im Kasinokapitalismus durch handwerkliche Luxusproduktion für eine betuchte Honoratiorenkundschaft, durch Edel- und Ethno-Gastronomie, Kultur- und Sozialarbeitsklitschen (kommerziell oder am Staatstropf) usw. Hier hat sich ein klassisches Mittelstands- und neues Spießbürgerpotential übelster Sorte zusammengebraucht, das entweder den keynesianstischen Umverteilungsgeldern hochkonkurrent nachjammert oder gar längst wieder "stolz" aus sein "selbsterarbeitetes" und selbsterrafftes Kleineigentum ist, protestantischen Arbeitsmasochismus pflegt und politisch zwischen kommunaler SPD-Mafia und grünen Realos angesiedelt ist. Daraus kann auch noch bei weitergehender Krise ein Zulauf für den rechtsradikalen oder "linken" Sozialnationalismus kommen. Zwar gibt es unter den Resten der Alterantivbewegung auch Menschen, die sich ihren emanzipatorischen Anspruch und die radikale Gesellschaftskritik nicht abgeschminkt haben, aber sie finden dafür in ihrem eigenen Milieu keinen sozialen Boden mehr. ...
Alternativbewegung der 70er und 80er Jahre ... die damaligen Vorstellungen einer "anderen Produktions- und Lebensweise" waren durchwegs mit einer reaktionären "Kritik der Produktivkräfte" verbunden. Mikroelektronik, Computer und Potentiale er Automatisierung in der industriellen Produktion wurden verteufelt. Diese Produktivkraftkritik konnte und wollte die Frage der sozialen Emanzipation nicht an die Aufhebung der "abstrakten Arbeit" binden, sondern umgekehrt an deren Rückführung auf ein historisch tieferes Niveau. Damit blieb die Alternativbewegung aber auch dem System der "Arbeitsplätze" verhaftet; sie ergriff die Partei der (vermeintlich alternativ und sozial befriedigend auszugestaltenden) "Arbeit" gegen die vom Kapitalismus hervorgebrachten Produktivkräfte. Auf diese Weise wurde sie sogar kompatibel mit konservativen und kulturpessimistischen Ideologien, die schon seit dem späten 18. Jahrhundert etwas in Gestalt der literarischen, politischen und sozialökonomischen Romantik das Rad der Geschichte zurückzudrehen versuchten. In den meisten Fällen wurde dabei nur innerhalb der kapitalistischen Durchsetzungsgeschichte irgendein früherer Entwicklungsstand pnatasmatisch verlärt und in eine "schwarze", reaktionäre Utopie verwandelt.

P.M., 2001: Subcoma, Paranoia City Verlag in Zürich (S. 9)
Wenn die Globalisierung etwas Gutes bewirkt hat, ist es nämlich gerade dies: Wir können uns nicht mehr in Basisinitiativen und "Alternativprojekten" verkriechen, um in einer falschen Konkretion hier und jetzt "wenigstens im Kleinen" etwas zu verändern.

Anpassung, Entpolitisierung und esoterischer Durchdringung

Professionalisierung sozialökologischer Forschung* im Umfeld der ehemaligen "Schüler" von Rudolf Bahro
Interview mit Maik Hosang, Bahro-Schüler, lebt im Lebensgut Pommritz und ist Leiter des Ex-Bahro-Instituts in Berlin, in: Elbe-Saale-Zeitung, Beilage der Jungen Welt
Die Tätigkeiten bei Entwicklung und Aufbau dieser 1000 Sozial-Ökologischen Innovationen werden als gemeinnützig anerkannt und dafür 1-EURO-Jobs oder ABM gewährt. Vorerst in jedem neuen Bundesland werden Clearingstellen eingerichtet. Diese informieren über praktische Beispiele und offene Möglichkeiten in sozial-ökologischen Innovationsprojekten. Das Bundesprogramm für sozial-ökologische Forschung fördert die wissenschaftliche Begleitung dieser 1000 Innovationen, d.h. ein besonderes transdisziplinäres Forschungsprojekt erarbeitet einen Know-How-Rahmen für sozial-ökologische Innovationen, einen Kriterienkatalog für deren Evaluierung, sowie ein Schulungsprogramm für Clearingstellen und Initiatoren.
*Beteiligt ist nach den Aussagen Hosangs auch das Attac-KoKreis-Mitglied Richard Schmid.

Aus "Sozialaufbau von unten" von Wolfram Nolte (Ex-ZEGG-Mitbewohner, jetzt Ökodorf Sieben Linden, Redakteur der extrem-esoterischen Zeitung KursKontakte), in: Elbe-Saale-Zeitung, Beilage der Jungen Welt
Die sozial-ökologische Aktivistin Helena Norberg-Hodge ist der Meinung "Die Schaffung von Ökodörfern ist vielleicht das radikalste Mittel gegen die Weltwirtschaft. ..."

Beispiele

Burg Lutter

Die als anarchistisch geltende Kommune auf der Burg Lutter hat einen sehr guten Ruf in Anarcho- und autonomen Kreisen. Wie ein Mythos gilt sie dort als Vorzeigekommune. Hintergrund ist die Organisierung der KommunardInnen vor vielen Jahren in anarchistischen und autonomen Zusammenhängen. Seit vielen Jahren allerdings schon ist die Kommune weitgehend entpolisiert, die Menschen arbeiten in eigenen Betrieben und sind über viele Phasen zerstritten. Viele der konkreten Personen treten sehr dominant bis mackerig auf.

Vor diesem Hintergrund sind die folgenden Aus einem "Interview mit Martin, Mitglied der Lutter-Gruppe GbR bemerkenswert.

Aus dem Interview in "Grüner Weg 31a", Sommer 2004 (S. 46ff)
Reich bleibt reich, arm bleibt arm ...
Beim Einstieg in die Gruppe geht der Privatbesitz als Einlage in die GbR über und bei Ausstieg oder Wegzug gibt´s die Einlage innerhalb eines Jahres zurück.
Privatisierung bei Auflösung geplant, wird jedoch verschleiert
Sollte das Projekt jemals aufgegeben und verkauft werden, bekommen alle Personen, die einmal im BgR-Vertrag waren, anteilig für die Zeitspanne, die sie hier waren, einen Erlös. Durch diese Regelungen ist ein Fortbestehen des Projektes unabhängig von Ein- und Ausstieg weitgehend gesichert und eine Privatisierung ausgeschlossen.
Unkritischer Hierarchiebegriff
Ein hierarchiefreies Gruppenleben gibt´s hier seit 24 Jahren ... Da es hier keine Gesetze gibt und auch keine Repressalien, funktioniert das Gruppenleben auf Basis der freien Vereinbarung. ... Zur Hierarchie wäre zu sagen, dass es möglich ist, strukturelle Hierarchien abzuschaffen, was hier auch der Fall ist: kein Privatbesitz, Konsens, gleiche Rechte und Pflichten nach außen hin, eigenverantwortliche Lebensgestaltung, Bedürfnisprinzip, sich nicht von Drogen (Als, kiffen etc.) beherrschen zu lassen, usw.

Einblick in das "hierarchiefreie" Handeln gab ein Vorgang Ostern 2003, wo BewohnerInnen der Burg ein bei ihnen eingemietetes Camp angriffen:

Hausrechts-Anarch@s mobben auf Direct-Action Camp ++ Auf ganzer Seite
(wenn nicht zu sehen, hier klicken ...)

Die LutteranerInnen bestätigten ihre Hausrechtslinie in der Debatte um das A-Camp 2005. Das fand in Lutter statt, die Bewohnis hielten das Betretungsverbot gegen die unerwünschte Person aufrecht und kündigten noch härtere Gewalt für den Fall des Nichteinhaltens an.

Ökozentrum Verden

Aus der Kommunen-Link-Liste des Verbunt-Projektes in Verden
Nervpurzel 1: Projektwerkstatt Saasen
http://www.projektwerkstatt.de/pwerk/saasen.html
Einpersonenprojekt mit hohem Engagement bei der Kritik und Beschimpfung aller anderen Projekte.
Nervpurzel 2: ZEGG
http://www.zegg.de/ Alternatives
Projekt mit diversen wirren esoterischen und sexistischen Theorien.

Im Original: Ökodort Sieben Linden ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Projekte, Kontakte und Kooperationen tief in die esoterischen Sphären hinein ...
Aus einer Informationsschrift zum Film "Menschen Träume Taten", Autor: Dieter Halbach
Gesellschaftliches Engagement
Das Ökodorf bildet als eine neu gebaute Modellsiedlung den Rahmen für die Erprobung innovativer sozialer, ökologischer und spiritueller Ansätze. Die Idee war, einen Ort zu schaffen, an dem diese Lösungsansätze gebündelt und praktisch und menschlich erforscht werden können. Es sollten nicht andere Menschen mit anderen Werten überzeugt oder gar unfreiwillig einbezogen werden. Daraus ergibt sich ein gewisser "Inselcharakter" des Modells. Manchmal vergessen wir auch bei allen internen Prozessen die Weit "da draußen". Im Film erscheinen diese Verbindungen mit der Welt kaum vorhanden. In Wirklichkeit ist es eine starke wechseIseitige Verbindung.
Schon die Entstehungsgeschichte zeigt die vielfältige Zusammenarbeit mit der Gesellschaft. Entstanden aus den sozialen Bewegungen im Westen seit den 60er Jahren, wäre die Verwirklichung eines eigenen Dorfes nie alleine möglich gewesen. Insbesondere die Mitwirkung der Gemeinde, der Region, der Verwaltung und der Politik war schon planungsrechtlich die Voraussetzung einer Realisierung. Aber auch ohne die Maueröffnung und die globale Anerkennung der Nachhaltigkeitsstrategie wäre unser Dorf nie entstanden. Konkret war es 1996 die Verleihung des TATorte Preises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt für" nachhaltige Gemeindeinitiativen in den neuen Bundesländern" die uns das Startsignal zur erfolgreichen Standortsuche gab. Indem wir in den strukturschwachen Gebieten Themen sowohl der sozialen, ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeit aufgriffen, konnten wir mit offizieller Unterstützung auf einer "gesellschaftlichen Welle" reiten. Die Gemeinde Bandau/Poppau als Ort unserer Wahl wurde dann letztendlich unsere "erweiterte Gemeinschaft", die uns einlud unser Dorf in respektvoller Nachbarschaft aufzubauen und mit der wir bis jetzt den Weg immer kooperativ gehen konnten. Zwei Mitglieder unserer Gemeinschaft sind mittlerweile (nicht nur von uns) in den Gemeinderat gewählt worden.
Seit der Dorfgründung 1997 liegt der Schwerpunkt unseres gesellschaftlichen Engagements in der Vermittlung unseres Beispiels an eine interessierte Öffentlichkeit und unsere vielen BesucherInnen und Gäste. Wir sind ein sehr offener Ort, in dem ständig Führungen unterschiedlichster Gruppen stattfinden, Reporter uns interviewen und Fernsehteams drehen können und Gäste zu allen Themen in unserem Seminarbetrieb lernen oder in Mitmachprojekten sich beteiligen können. Für die Arbeit sind wir als offizielles Projekt der UN-Dekade "Bildung für Nachhaltigkeit" anerkannt (www.dekade.org)
Diese sehr lebendige und effektive Bildungsarbeit wird ergänzt von vielen gesellschaftlichen Initiativen, die wir teilweise selbst gegründet haben. Unser Bild der Gesellschaftsveränderung ist nämlich nicht, wie der Film bzw. einzelne Statements darin nahe legen könnten, dass alle Menschen in solchen Gemeinschaften und Ökodörfern [eben sollen und dann das"alte System" von alleine zusammenbricht. Im Gegenteil halten wir breite Bündnisse und eine Vielfalt von Aktionen und Veränderungsstrategien für notwendig. Wir beteiligen uns deshalb an folgenden Initiativen:
  • Netzwerke für ein anderes Leben - Wir arbeiten an der Vernetzung der deutschen Gemeinschaften und im Global Ecovillage Network (www.gen-europe.org) mit. Dort wurde mit unserer Beteiligung auch das erste weltweite Curriculum zum Aufbau von Gemeinschaftsprojekten "Ecovillage Design Education" (EDE) entwickelt, im Ökodorf und in anderen Gemeinschaften mit Erfolg angeboten und in unserem international publizierten Buch "Beyond you and me" theoretisch vertieft. Mit unserem eurotopia-Verzeichnis über Gemeinschaften und Ökodörfer in Europa (www.eurotopia.de) und in unserer Zeitschrift Kurskontakte/eurotopia (www.kurskontakte.de) kann man sich aktuell über Gemeinschaftsprojekte informieren. Die bundesweite Aufbruch-Initiative zur persönlichen und politischen Entwicklung einer zukunftsfähigen Lebensweise wurde von uns mit gegründet (www.anders-besser-leben.de). Wir. haben uns mit unseren Pilothäusern für die Legalisierung der Strohballenbauweise eingesetzt und den Fachverband Strohballenbau Deutschland" mit gegründet (www.fasba.de). Wir haben an der empirischen Studie der Uni Kassel zur Erforschung der Nachhaltigkeit in Gemeinschaften teilgenommen und im Vergleich die besten Werte erhalten (www.usf.uni-kassel.de). Wir sind im Vorstand der "Gesellschaft für angewandte Tiefenökologie" (www.tiefenökologie.de) und im Kuratorium der Stiftung TRIAS (www.stiftung-trias.de) vertreten. Dort setzen wir uns für die breite gesellschaftliche Umsetzung von Mehrgenerationenprojekten und gemeinschaftlichen Wohnprojekten (www.wohnprooekte-portal.de) ein. Für das gesamte Spektrum kooperativer Projekte bieten wir Beratung an (www.gemei schaftsberatung.de).
  • Politisches Engagement - Neben gesellschaftlichen Alternativen braucht es aber auch die Entwicklung von Gegenmacht und zivilgesellschaftlichen Bewegungen. Wir nehmen Teil an den deutschen und europäischen Sozialforen, den McPlanetKongressen, den globalisierungskritischen Protesten z.B. beim G 8- Gipfel und den Anti-Castor-Aktionen und sind Mitglied bei ATTAC. Das brennende Thema Klimaschutz ist unser Jahresmotto für 2008 und wird sich als roter Faden durch unsere Veranstaltungen ziehen.
  • Regionales Engagement - Wir sind Mitglied im "Bundesverband der Regionalinitiativen" und beteiligen uns am jährlichen Jag der Regionen" unter dem Motto "Wurzeln in einer globalisierten Welt" (www.Tag-der-Regionen.de). In unserer Region haben wir die Bürgerinitiativen "Die Bahn bleibt", "Keine Putenmastanlage" und die Initiative für eine gentechnikfrei Zone mit entwickelt. Ober das Programm "Regionen aktiv" haben wir die regionalwirtschaftlichen Ansätze der Strohballenbauweise und neuer Techniken für die Pferdearbeit entwickelt. Ein Forschungsprojekt zur besseren Koordinierung und Vermarktung regionaler Bioprodukte wurde von uns durchgeführt. Das "Grüne Band" des BUND, als längstes Biotop Deutschlands entlang der ehemaligen Todeszone konzipiert (www.dasgrueneband.info), wird für Sachsen-Anhalt von hier aus koordiniert.
Diese Beispiele sollen deutlich machen, dass es uns nicht nur um ein gutes Leben für uns selbst geht und dass zu den persönlichen Veränderungen unserer Lebensweise immer auch das gesellschaftliche Engagement gehört. In diesem Sinne sehen wir offene und innovative Gemeinschaftsprojekte als eine Art neuer NGO , da sie verbunden mit ihrem Engagement nach außen auch die besondere Ausstrahlungskraft eines gelebten Beispiels bieten. Eine neue Form der politischen Organisation also, die lebt, was sie verkündet. Und die offen ist für immer neue Entwürfe und Träume. Wir sind deshalb froh, an der Initiative des Gesellschafter-Projekts und des Festivals "uebermorgen" teilzunehmen und hoffen mit unserem Beispiel viele Menschen auf ihrem eigenen Weg inspirieren zu können.

 

Aus Roth und Rucht (Hg) "Die sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945" (S. 535)*
In Deutschland existieren heute etwa hundert kommunitäre Gemeinschaften. Zu den bekannteren gehören die Schäfereigenossenschaft Finkhof, der Lebensgarten Steyerberg, das Lebensgut Pommritz, die Kommune Niederkaufungen, die Projektwerkstatt Saasen, die UFA Fabrik und ZEGG.
*Das Zitat wird vielleicht alle Beteiligten nicht freuen, weil esoterische, marktförmige, kommunitäre Wohnprojekte sowie die anti-kollektive Widerstandsplattform Projektwerkstatt in einem Atemzug genannt werden. Allerdings von Autoren, die seit Jahren als Interpretatoren politischer Bewegungen auftreten, von denen sie wenig Ahnung haben.

Weitere

Auszüge aus der Schwerpunktausgabe der Contraste (April 2012) zum Kraftwerk1 in Zürich
Pro Kredit und Geldleihen bei Banken:
Aber wenn wir schon nicht alle Banken ausrauben können, warum dann nicht deren Geld für unsere Häuser benutzen?
Zu Gemeinsamkeiten und Kooperation (bei insgesamt 260 Leuten):
Eine (leicht schrumpfende) Gruppe von um die 30 BewohnerInnen isst immer noch jeden Mittewoch zusammen im Dachraum, es gibt immer wieder FIlmabende, Kinderveranstaltungen, Feste, Entrümpelungsaktionen (sind ein bisschen wie Partys), Aktionstage (wer teilnimmt, bekommt 50 Franken Spiritbeitrag zurück) usw.
Pro Anpassung:
Während P.M. ökonomisch und politisch eine Neuorganisation der Gesellscahft und des städtischen Raumes mit seinen eng definierten Nachbarschaften fordert, erlaubt eine pragmatisch auf die demokratische Machbarkeit orientierte Haltung eine breitere Spanne erfolgversprechender Partizipation.
Aus der Geschichte:
2010: Zweite Reorganisation der KraftWerk1-Verwaltung. Führung des Vorstands durch den Vorstandsmanager, welcher auch dem Geschäftsführer vorgesetzt ist. Letzterer leitet die KraftWerk1-Geschäftsstelle.

Links

Vom Alternativen zum Unternehmen


Aus der Selbstdarstellungsschrift "Rücke vor zur Schlossallee" des Mietshäuser-Syndikats

Genossenschaften = gut?

Teile der "Linken", vor allem Projekte und Organisationen zu alternativem Wirtschaften, jubeln Genossenschaften ab. Das soll per se etwas Gutes sein. Zwar ist der Aufbau sehr ähnlich den Aktiengesellschaften, die z.T. in gleichen Kreisen ebenso platt als Feindbild kreiiert werden, aber die Mischung als Marketing für die eigenen Firmen (die natürlich Genossenschaften sind und oft die Neugründung von Genossenschaften unter eigenem Verdienst beraten) und rosaroter Brille macht die Betriebsform zu einem Fetisch von Gleichberechtigung usw. Dass Genossenschaften auch Aufsichtsräte, Vorstände usw. haben, sich im Markt bewegen, Profitorientierung auch bei ihnen erzwungen wird ... meist gibt es darüber kein Wort. Bücher und Zeitungen feiern die Unternehmensform ab. Weitere Beispiele:

Der "Fall" ZEGG

Von besonderer Bedeutung ist das ZEGG (Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung) in Belzig - auch deshalb, weil der Streit um die Positionen und Verhältnisse dort sehr prägend war und sich viele Kommunen solidarisch mit dem ZEGG erklärt haben. Was dort abgeht, kann als relativ breit toleriert angesehen werden.

Links mit Informationen und Diskussionen

Aspekte der Kritik am ZEGG und Quellenrecherchen dazu

Alles ganz neu? Alles ganz anders?

2007 veröffentlichte das ZEGG (endlich!) Stellungnahmen zu den Kritiken und zu ihrem Verhältnis zu Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels. In den Texten werden auch Individuen aus dem ZEGG zitiert. Der gesamte Text wird aber eher so dargestellt, als sei es ein Gesamtbild der Auffassungen im ZEGG. Daher können die Texte auch dem offensichtlich bestehenden Kollektiv der Menschen im ZEGG entgegengehalten oder - wahlweise - zugute gehalten werden.

Doch das Ergebnis war streckenweise unbefriedigend, an vielen Stellen blieben die Hauptfragen einfach offen, aber ein "Immerhin" ließ sich an einigen Punkten auch ableiten. Daher sollen hier einige Kommentare und Zitate zu den Ausführungen (siehe Links aus der Kurz-Stellungnahme) und anderen aktuellen ZEGG-Texten folgen.

Immerhin ...
Nach vielen Jahren des Schweigens gibt es endlich Texte und Stellungnahmen aus dem ZEGG zu den Kritiken. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für eine aktualisierte Bewertung von Ideologie und Praxis des ZEGG geschaffen, denn solange unklar blieb, wie sich die Menschen im ZEGG zu den kritisierten Texten, Ursprüngen und Handlungsweisen verhielten, war es auch nicht möglich, sich auf die aktuellen Verhältnisse zu konzentrieren.

Aber ...
Bereits die lange Zeit zwischen Kritik und Antwort wirft eine Menge Probleme auf. Die Stellungnahme aus dem ZEGG bezieht sich vor allem auf Texte aus der Anfangsphase des Projektes. Die Kritiken dort werden meistens mit der heutigen Praxis im ZEGG verglichen. Das ist unlauter. Die Texte z.B. der Rosaroten PantherInnen (siehe Windows-Helpdateien Nr. 1 und Nr. 2) stammen aus dem Jahr 1995 und kritisieren die Lage dort. Der Verweis, dass es heute anders ist, ist keine Widerlegung der Kritik, sondern höchstens ein Hinweis, dass es nicht (mehr) so ist. Ob die Kritik damals zugetroffen hat, wird in den ZEGG-Entgegnungen meist gar nicht erörtert. Damit ist die ZEGG-Stellungnahme keine Auseinandersetzung mit der Kritik, aber (auch hier: immerhin!) eine Klärung der heutigen Situation. Ob aktuellere Kritik auch erst in zwölf Jahren im ZEGG angekommen sein werden???

..., zudem ...
Enttäuschenderweise bleibt die Stellungnahme an ganz vielen Punkten äußerst schwammig. Gerade an den besonders strittigen Punkten weichen die AutorInnen aus dem ZEGG auf Begriffe wie "missverständlich" aus oder dass irgendetwas im Gesamtzusammenhang gesehen werden muss (siehe dazu vor allem den Punkt 3. unten).

... und außerdem noch:
Ebenfalls gar keine Aussagekraft haben Vorwürfe der Art "war ja noch nie im ZEGG". Das kann zwar sein (woher die, die das behaupten, es allerdings so genau wissen wollen, bleibt schleierhaft - nicht jeder Besuch wird offiziell bzw. korrekt registriert ...), ergibt aber kein Argument. Insbesondere dann nicht, wenn Kritik an Texten erfolgen. Die lassen sich nämlich auch außerhalb des ZEGG lesen.

Beispiele
Was mich am meisten nervt, ist, dass Menschen, die noch nie im ZEGG waren, immer wieder alte Vorwürfe aufwärmen, die durch die Jahre und die oftmalige Wiederholung nicht wahrer werden. ... Zumal sich dann auch die meisten der Kritiken auf Literaturstellen von Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels beziehen und fast nie auf konkrete Gegebenheiten oder Vorkommnisse im realen ZEGG. ...
Schade ist, dass die KritikerInnen so selten herkommen um sich ein eigenes Bild zu machen oder sonst wie das Gespräch suchen. Ich bin sehr gerne bereit dazu, denn ich verstehe die Kritik an den Textstellen, aber ich bin traurig über die hartnäckigen Vorurteile, die daraus entstanden sind.

Zuzustimmen ist dem ZEGG ...
In der Tat absurd ist der Vorwurf an das ZEGG, eine Sekte zu sein. Und zwar nicht, weil die dahinterstehenden Kritikpunkte nicht greifen, sondern weil der Begriff "Sekte" und die mit diesem Wort gebildete Logik kein Argument, sondern nur eine Kategorie darstellt. Sekte ist nichts anders als etwas Abgespaltendes, im weiteren umgangssprachlichen Bedeutungswandel des Wortes als etwas Abweichendes, durch die Abweichung Isoliertes oder sich Isolierendes. Historisch sind hiermit vor allem Glaubensgemeinschaften stigmatisiert worden, die sich von der offiziellen Glaubensgemeinschaft abtrennten. Definitionsmacht hatte dabei die ofifzielle Glaubensgemeinschaft. Will heißen: Die Sektenbeauftragten der einen an absurde Außenwelten glaubenden Gruppe definieren andere, die an andere absurde Außenwelten glauben, als Sekte. Aus emanzipatorischer Sicht kommt die Stigmatisierung einer Gruppe als Sekte daher grundsätzlich nicht in Frage, weil das Anderssein nicht per se eine Kritik auslösen kann - jedenfalls nicht, wie formuliert, mit emanzipatorischer Perspektive.
Daher: Sekte ist ein Kampfbegriff der "Norm"alität. Als solcher ist er zu entlarven statt ihn selbst zu benutzen - zumal in durchaus ähnlicher Absicht, nämlich der Inszenierung als InhaberInnen der Definitionsmacht über richtige und falsche Alternativprojekte in diesem Land.

Gleichzeitig bleiben bis heute viele Positionen problematisch ... 1. Sexualitäts-Hype

In den alten Texten (siehe Quellensammlungen Nr. 1 und Nr. 2) finden sich sehr viele und recht deutliche Beispiele dafür, dass fast alle Themen (Hunger, Krieg, Umweltzerstörung ...) auf unerfüllte Liebe oder, reduziert, unerfüllte Sexualität zurückzuführen seien oder zumindest eine Heilung der Welt ohne Befreiung der Sexualität gar nicht geht.

Auch die taz berichtete am 30.07.1993:
Im Zegg steht dagegen der Versuch, eine "angstfreie Sexualität" zu entwickeln, im Mittelpunkt. Diese ist für die Mitglieder zugleich der archimedische Punkt für eine Veränderung der Gesellschaft. Es ist gerade die von Duhm formulierte Ansicht, die Weltprobleme Krieg und Unterernährung könnten erst dann gelöst werden, wenn bei den Menschen der "Hunger nach Liebe gestillt" sei, die dem Projekt immer wieder Anfeindungen aus dem linken Lager einbringt.

In ihrer aktuellen Stellungnahme führt das ZEGG nun aus:

Aus der Erklärung:
Wir sehen die aktuellen gesellschaftlichen Probleme nicht »ausschließlich in der Unterdrückung der Sexualität begründet«.
Die kritische Analyse des kapitalistisch-patriarchalen Systems ist Grundlage unserer Arbeit im ZEGG.
Zu unserer Suche nach bewusst gelebter Sexualität müssen immer unsere Konzepte für Partnerschaft und Gemeinschaft und unsere politischen Ziele mitgedacht werden. Wer das nicht mitzitiert, entwirft das eindimensionale Bild von »Rettet die Welt durch Sex …«

Stimmt das? Zwar finden sich an keiner Stelle heute mehr die absurden Sexualität-befreit-von-allen-Problemen-Texte, aber Denkweisen, die die Sexualität zumindest als Kern aller menschlichen Handlungen und Motive einstufen, sind auch in aktuellen Texten unübersehbar. Auch die Auswahl der Stichpunkte auf dem Eingangsbild der ZEGG-Homepage zeigt eher in diese Richtung (siehe oben).

Fast religiöse Aufwertung der Sexualität
Aus Richter, Dolores (2005): UTOPIE der Geschlechterliebe
Eins: Religion und Eros
Es ist eine religiöse Sehnsucht und eine erotische Sehnsucht. Mann und Frau haben einander erkannt. ANGEKOMMEN. Ein ganz personaler und ein ganz universeller Vorgang. Schöpfungsakt. Zeugung. Aus zwei werden eins. Oft entsteht etwas Drittes. Auf der Ebene der Geschlechterliebe, der sinnlichen, seelischen und sexuellen Hingabe aneinander, ist das der Moment, wo ich das Sakrament der Ehe tief verstehen kann. Da gibt es etwas Süßes, was Dauer will... Hochzeit in einem neuen Sinn ist ein Fest, wo sinnliche Erlebnisse solcher Art von der Gemeinschaft gefeiert werden – und dadurch ins Große „entlassen“ werden. Zeugenschaft erweitert den Raum.

In ihrem Vortrag "Freiheit ist da, wo du liebst" bezeichnet Dolores Richter das Thema als "Kernbereich dieses Platzes", gemeint: "die Kulturarbeit an der Liebe". Und weiter:

Eros ist eine anarchische Kraft ... Die Geschlechterliebe ist die existentiellste von allen, weil sie entlang geht mit der sinnlichen, erotischen und sexuellen Liebe. Da diese so starke seelische und körperliche Zustände hervorruft, die jeden Menschen in Bann ziehen, uns Beben, Hoffen oder Resignieren lassen. Es ist eine Aufgabe, diese Kraft ans Licht zu holen und zu verstehen. ...
Der Eros ist die schöpferische Antriebskraft des Universums. Treibstoff alles Lebendigen, das nach eigenen Gesetzen handelt. So gibt es auch eine ursprüngliche oder geheilte Sexualität, von der Dieter Duhm spricht: „Sexualität liegt allen Bereichen der menschlichen Existenz zugrunde, und durchzieht die ganze Gesellschaft wie ein unsichtbares Nervengewebe... - Würden wir das Leibliche lieben, würden wir nichts Leibliches mehr zerstören. Sexualität ist die Seelenkraft in der Welt, die alles Leibliche zusammenhält.“

Zu "Das ZEGG ist eine Platz für Liebe" (ZEGG-Programm (2002), S. 22)
Die Liebe braucht ein spirituelles Fundament, denn sie ist eine universelle Kraft. Ohne spirituelles Fundament suchen wir in der Liebe zu einem einzelnen Menschen, was wir im Kontakt zum Universum verloren haben.

Auch Dieter Duhm benennt in neueren Texten den Hauptpunkt Sexualität weiter.

Aus seiner Erklärung von 2005:
Um Frieden zu verwirklichen, brauchen wir funktionierende Gemeinschaften; um funktionierende Gemeinschaften zu erzeugen, brauchen wir ein unverlogenes Liebesleben mit unverlogener Sexualität.

Vorgeworfen wurde dem ZEGG auch, Menschen stark zu häufigem Sex zu drängen, dafür Angebote zu schaffen und den Platz eher als Plattform zum Rammeln als in der Art eines alternativen Lebensprojektes zu organisieren. Es gibt AugenzeugInnenberichte dazu, die auch veröffentlicht sind. Dazu hat das ZEGG nie Stellung bezogen. Auch jetzt verzichtet es darauf. Stattdessen schreibt es über die heutige Situation:

Aus der Erklärung:
Im ZEGG gibt es keine Pflicht zu »möglichst viel Sex« oder eine »Pflicht zur Sexualität mit mehreren Personen«. Unsere Utopie von »Freier Liebe« ist weder durch die Art der Sexualität noch durch die Zahl der Partner definiert und bedeutet nicht wahllose Promiskuität.

Unbefriedigend bleibt, dass das ZEGG sich auch hier mit der damaligen Situation nicht auseinandersetzt. Ebenso aber gilt auch hier ein uneingeschränktes: Immerhin! Gut, wenn es heute auf dem Platz kein Drängeln zum Vögeln mehr gibt. Gut, wenn sich auch Menschen dort wohlfühlen können, deren Selbstbewusstsein nicht aus der Horizontal-Olympiade erwächst.

2. Dieter Duhm, Sabine Lichtenfels und Tamera

Es lohnt sich, vorab nochmal die Texte von Duhm und Lichtenfels durchzulesen, auf die sich die Kritik bezieht - nicht die neueren, geglätteten Texte, sondern die von damals (Anfang der 90er Jahre), auf die sich die Kritik bezieht. Denn um die Kritik der damaligen Texte geht es hier (Quellensammlungen Nr. 1 und Nr. 2). Und angesichts der Sprüche, die beide damals gekloppt haben, fallen die vorsichtigen Distanzierungen sehr zurückhaltend aus - auch wenn (Stichwort: Immernhin!) überhaupt ein Abrücken von den ehemaligen inspirierenden und zentralen Personen sichtbar wird.
Das Projekt Tamera ist deshalb von Bedeutung, weil Duhm und Lichtenfels mit etlichen ZEGG-BewohnerInnen dorthin ausgewandert sind und dieses Projekt noch heute bestimmen. Für Tamera würde die Kritik also auch heute noch uneingeschränkt gelten. Vergessen werden darf aber nicht, dass ZEGG und Tamera zusammen mit anderen, z.B. ebenfalls reichlich dubiosen Projekten (z.B. dem schottischen, wurzelrassistischen Findhorn) ein europäisches Netzwerk, das GeN, aufrechterhält. Darin ist Tamera das tonangebende Projekt.

Grundsätzlich
Die Kritik am ZEGG bezieht sich oft nicht auf das ZEGG selbst, sondern auf Aussagen in den Büchern von Sabine Lichtenfels und Dieter Duhm. Sie waren die Inspiratoren des Netzwerkes MEIGA, aus dem heraus das ZEGG 1991 entstand, haben aber nie im ZEGG gelebt, sondern leiten seit 1995 das Projekt Tamera in Portugal.

Beispiele
Das ZEGG hat eine gegenüber Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels eigenständige und von ihrem 1995 gegründeten Projekt Tamera deutlich unterscheidbare Entwicklung genommen. Die beiden Projekte ZEGG und Tamera arbeiten unabhängig voneinander. ...
Das ZEGG geht seinen eigenen Weg. Die Beschreibung unserer Entwicklung bezieht sich auf 15 Jahre Projektzeit - aus ihr lassen sich aber keine »Umkehrschlüsse« auf den Stand der Dinge im von Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels heute geleiteten Projekt Tamera ziehen - dies verlangt eine völlig eigene Auseinandersetzung mit diesem Projekt.

Aber auch:
Die Verbindung besteht aufgrund langjähriger Freundschaften zwischen einigen MitarbeiterInnen der Gemeinschaften. Ein Teil der ZEGG-MitarbeiterInnen nutzt Tamera nach wie vor als Ort für ihre persönliche Inspiration.

Duhm und Lichtenfels haben unstrittig eine erhebliche Bedeutung für das ZEGG in deren Anfangszeit:
Sabine Lichtenfels und Dieter Duhm sind Mitbegründer und geistige Inspiratoren des Projekts MEIGA, aus dem das ZEGG hervorgegangen ist. Beide haben nie im ZEGG gelebt, aber in den ersten Jahren beim Aufbau der Gemeinschaft mitgewirkt.
Sie waren gelegentlich im ZEGG zu Gast, das letzte Mal im Jahr 2003. Bis 2005 veranstaltete Tamera einmal im Jahr eine »Herbsttagung« im ZEGG.
Viele der zur Trägergruppe des ZEGG 1991 gehörenden Gemeinschaftsmitglieder waren Mitglieder der »Bauhütte« (1983-1986), einer »Pionier-Gemeinschaft« unter der Leitung von Dieter Duhm.

Das geht auch aus damaligen Aussagen der ZEGG-Geschäftsführerin hervor in einem Bericht der taz, 30.07.1993
Duhm, dessen Buch "Angst im Kapitalismus" vor über zwanzig Jahren die Suche der Linken nach neuen Lebensformen beinflußt hat, sei lediglich der "geistige Inspirator" des Projekts. Er habe mit den Erfahrungen seines früheren Gruppenexperimentes im Schwarzwald die "Gruppe angeleitet und zusammengehalten".

Dürftige Teilkritik bis weiter vorhandene Akzeptanz als VordenkerInnen
Die Bandbreite der Meinungen im ZEGG geht von
»Die Grundgedanken sind, unabhängig von Projekten und Zugehörigkeiten, nach wie vor politisch wichtig und wahr.«
bis
»Die Bücher sind nicht unsere Bibel, sondern z. T. autobiografische Erzählungen und Gedanken zweier unbequemer ›Neudenker‹. Man kann sich von ihnen inspirieren lassen oder sie weglegen.«

Kommentar: Das ist schon enttäuschend, aber auch klärend: Eine ablehnende Haltung gibt es scheinbar nicht. Denn der rhetorische Trick der "Bandbreite" suggeriert hohe Unterschiedlichkeit. Das die reicht offenbar nur von Zustimmung bis zu Neutralität - Ablehnung gibt es offenbar nicht.

Und weiter geht es:
Wir sehen jedoch keinen Grund, uns generell vom Inhalt der Bücher zu distanzieren und erst recht nicht von den Menschen Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels, mit denen einige Bewohner freundschaftlich verbunden sind, und denen wir die Inspiration zu einem Projekt verdanken, das wir lieben.
Wir meinen, dass einige Texte von Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels zu wenig berücksichtigen, dass ihr Inhalt stellenweise nur zusammen mit einem Wissen um die zugrunde liegende konkrete Lebenspraxis und das zugrunde liegende Menschenbild, sowie die Erfahrungen des langjährigen Gemeinschaftsaufbaus verstehbar ist. ...
Aus der Stellungnahme einer früheren Besucherin des ZEGG: »Wenn ich die Texte von Sabine Lichtenfels und Dieter Duhm auf der Folie der bürgerlichen Weltsicht lese, ist die Kritik, die ihr übt, absolut richtig! Im Rahmen der bestehenden Verhältnisse die dort beschriebenen Lebensformen zu leben, wäre ein absurder zum Scheitern verurteilter Versuch und ein Rückschritt in der Emanzipation der Frau.«
Wir verstehen die Texte jedoch als visionäre Texte. Ihnen liegt ein Ausstieg aus dem patriarchalen kapitalistischen Denken zugrunde, und sie fordern den Aufbau konkreter anderer gesellschaftlicher Bedingungen.

Im Jahr 1997 nahm das ZEGG "missverständliche" (Lieblingswort in den Erklärungen) Äußerungen von Dieter Duhm zur Vergewaltigung Minderjähriger durch den Chef der AAO, Otto Muehl, von der eigenen Homepage. Nehmen wir an, das war so, dann zeigt es (erfreulicherweise), dass das ZEGG sich damit auseinandergesetzt und auch gehandelt hat. Andererseits bestätigt es aber auch Kritiken, die ja vorher erfolgt sind. Dass der Text von der Homepage genommen wurde, macht ja nicht die vorherige Kritik falsch, sondern im besten Fall nur für die Zukunft gegenstandslos. (ZEGG-Dokumentation des Vorganges).

Die Formulierungen in der Stellungnahme des ZEGG:
Wir halten die in diesem Zusammenhang zitierten Textstellen für sehr missverständlich. Die Missverständnisse wurden noch verstärkt dadurch, dass die Zitate von den Kritikern oft aus dem Zusammenhang gerissen wurden und so verkürzt nicht mehr nachvollziehbar sind. ...
Die Zitate sind unseres Erachtens im Zusammenhang der von Sabine Lichtenfels formulierten Absicht zu sehen: »(…) neue soziale Strukturen des menschlichen Zusammenlebens im Kernbereich von Liebe und Sexualität zu entwickeln, in denen es keine reale Vergewaltigung und keine Hörigkeit mehr gibt«.

Nein, das befriedigt nicht. Die Aussagen von Duhm und Lichtenfels sind klar und deutlich - wahrscheinlich würden sie darauf sogar selbst bestehen. Der Hinweis auf Missverständnisse ist eine Ausflucht. Selbst wenn im ZEGG keine generelle Distanzierung zu den InitiatorInnen Duhm und Lichtenfels möglich scheint - von diesen Absätze wäre es schon nötig. Und auch im Sinne einer kritischen Auseinandersetzung schlicht zu erwarten. So fällt ein Schleier der Unglaubwürdigkeit auf die gesamte Stellungnahme. Dient diese mehr der Beruhigung der KritikerInnen? Warum schaffen es die Menschen im ZEGG nicht einmal zu diesen sehr eindeutigen Zitaten, mal eine klare Formulierung zustande zu bringen?
Beim Vorwurf des Kindesmißbrauchs und der Vergewaltigung lohnt sich auch de Blick auf aktuellere Schriften von Dieter Duhm selbst.

1997 in der von der ZEGG-Homepage verschwundenen Stellungnahme sagt er noch, er wisse von nichts:
Ich weiß nicht, was im Fall Muehl wirklich stattgefunden hat.

2005 nimmt er nochmals Stellung und verteidigt nun Otto Muehl - das ganz sei eine Verleumdung, also falsch:
Was die „verbrecherischen“ Sexualpraktiken betrifft, die ihm vorgeworfen werden, so kann ich nur versichern: Ich habe nie etwas davon erlebt! Und ich halte es aufgrund meiner Kenntnis seiner Person und seines Charakters für unmöglich, dass er Kinder sexuell mißbraucht hat. Es ist fürchterlich, es ist eine fürchterliche Riesensauerei, was ihm da zur Last gelegt wird, und was einfach so geglaubt wird! Vergewaltigung junger Frauen ab 13, sexueller Mißbrauch von Kleinkindern ab dem vierten Lebensjahr – und das jahrelang!! Ich kann es immer noch nicht fassen, wenn ich solche maßlosen Verleumdungen irgendwo lesen muß. Ich war fast ein halbes Jahr lang auf dem Friedrichshof im österreichischen Burgenland, wo er lebte und arbeitete. Warum habe ich nie auch nur das Geringste davon gemerkt?

Beim Blättern in den Texten des ZEGG fällt zudem auf, dass die bei der bewussten kritischen Formulierung gewählten Äußerungen nicht überall zu gelten scheinen. Vielmehr ist ein positiver Bezug auf GründerInnen prägend.

Aus der ZEGG Selbstdarstellung (2005), S.8
Die Idee des ZEGG basiert in ihren Wurzeln auf den Arbeiten von Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels, die das Projekt „Tamera “ in Portugal mit aufbauen.

Dolores Richter (ZEGG) empfiehlt im Vortrag "Freiheit ist da, wo du liebst" zum Weiterlesen nur Dieter Duhm:
Wir müssen die Geschichte in ihrer vollen Bandbreite zur Kenntnis nehmen, wenn wir verstehen wollen, was heute noch zwischen den Geschlechtern geschieht. Ich empfehle dazu das Buch „Die heilige Matrix“ von Dieter Duhm zu lesen.

Auch Dieter Duhm hat 2005 noch einmal zu den Kritiken Stellung bezogen. Das Lesen lohnt sich - hier ist deutlich zu merken, dass ein Nachdenken offensichtlich nicht stattgefunden hat. Die gehäuften Portionen Hass gegen die KritikerInnen hier ...

In beiden Stellungnahmen von Duhm (1997 und 2005) befinden sich zudem Aussagen über die Verbindungslinien zwischen ihm, Tamera und dem ZEGG.

Stellungnahme von 1997:
Wenn ich im Folgenden von "wir" spreche, so meine ich keine feste Gruppe, sondern alle, die an der Erarbeitung und Verwirklichung der Ziele von MEIGA aktiv beteiligt sind. Das sind zur Zeit die Kerngruppe von Tamera, einige Mitarbeiter des ZEGG und einige Einzelpersonen.

Stellungnahme von 2005:
Tamera und seine Gründer freuen sich auf eine sachdienliche Zusammenarbeit. Der alte Familiengram mit den Freunden im ZEGG und das Vorurteil in der Öffentlichkeit könnten jetzt durch eine lösungsorientierte Kooperation ersetzt werden. Möge wieder zusammenkommen, was zusammen gehört.

3. Geschlechterrollen und Heteronormativität

Zunächst ein paar Einblick, was Sabine Lichtenfels und Dieter Duhm zu diesem Thema zu sagen hatten - auch im und für das ZEGG in dessen Anfangsjahren:

Sabine Lichtenfels, "Der Hunger hinter dem Schweigen" (S.77 ff.)
Solange die Frau kein positives Verhältnis zum Sex hat, solange sie nicht annimmt und bejaht, daß sie ganz wesentlich aus Sex besteht, purem Sex, solange sie hier ihre Verantwortung nicht sieht, sondern dem Mann die Regie und Verantwortung übergibt, solange wird sie nie aus ihrem Schuld-Dilemma austreten können. Fast alle Frauen wehren sich immer noch gegen ihre sexuelle Grundnatur. Hier liegen ihre Scham und Verurteilung sich selbst gegenüber. Der eigentliche Vorwurf der Frau an den Mann heißt nicht: Du benutzt mich ja nur als dein Objekt! Das ist der Vorwurf, der aus der größten Verdrängung erwächst. Der eigentliche Vorwurf heißt: Warum tust du es nicht endlich? Warum tust du es nicht endlich ganz? Ich will dein Lustobjekt sein. Viel mehr, als du glaubst. Wenn nur ein Mann dies ganz verstünde! Erst dann fühle ich mich ganz gesehen und erkannt als Frau. Erst dann fühle ich mich erweckt. Da, wo er mich ganz zu behandeln versteht als "sein Stück" ohne Gewalt und ohne Verachtung, erst da trifft und berührt er mich ganz. ...
Um es pathetisch zu sagen, im Sex erst liegt meine eigentliche Würde als Frau. Die Würde der Frau hat immer ein Loch. ...
Warum erkennt und akzeptiert der Mann es nicht, daß mein Leib ganz und gar nach dieser elementaren, objektiven, rein materiellen Erfüllung schreit? Dementsprechend möchte er gepflegt, bedient, behandelt und voll benutzt werden.

Dieter Duhm, "Politischen Texte" von 1992 (S. 85)
Könnten Frauen ihre gesellschaftliche Rolle ganz erfüllen, dann wäre wohl keine Therapie mehr nötig. Eine Frau ist, wenn sie ihre weibliche und universelle Identität gefunden hat, eine natürliche Anlaufstelle für alle Männer. Eine reife Frau ist in einer Gemeinschaft ein sexueller und ein seelischer Pol für alle. Sie ist dies ganz einfach durch ihr authentisches Dasein. In einer organischen Gemeinschaft wird sie z.B. ganz von selbst die Liebeslehrerin vieler junger Männer sein. Nicht, weil sie darin ihre eigene Sucht nach Jugendlichen stillen muß, sondern weil es ihre natürliche Funktion ist und weil sie natürlicherweise in dieser Funktion aufgesucht wird.

Zunächst stammelt Dieter Duhm in seiner Erklärung von 2005 herum, warum das Zitieren seiner Texte unfair ist: Mensch hätte auch andere Zitate erwähnen sollen. Macht das die Genannten besser? Ist das nicht eher die Akzeptanz der Kritik?

Aus der Erklärung von 2005:
Es war zu billig, mir Sexismus vorzuwerfen. Man hat Zitate herausgesucht, die meine „sexistische“ Haltung zur Sexualität auf plattester Ebene beweisen sollten. Warum hat man nicht auch die anderen gebracht, ...

Aus dem ZEGG ist zu diesen Zitaten gar nichts zu lesen. An dieser Stelle sind die neuen Erklärungen am unbefriedigendsten. Zugegeben: Verharmlosung von Vergewaltigung und den "Die Frau ist purer Sex" oder "Die Würde der Frau hat immer ein Loch"-Sprüche der Marke Duhm/Lichtenfels kommen heute im ZEGG nicht mehr vor. Klare Distanzierung, die hier sehr wohl angemessen wären statt dem Gestammel von Missverständnissen und Unklarheiten, finden sich von den alten Schriften gar nicht.
Stattdessen lässt sich ständig erkennen, wie das ZEGG heute über Männer und Frauen denkt: Nicht mehr in der Rollenverteilung, dass Frauen "natürliche Anlaufstellen" für Männer und "purer Sex" sind, so dass nur die Frage ist, "wie" Männer die Frauen besteigen sollen, aber immer noch in ganz klassischen und sehr ausgeprägten Rollenklischees - eben in genau zwei Geschlechtern gedacht, die füreinander da sind und über sehr unterschiedliche Merkmale verfügen. Diese zum Ausdruck zu bringen, so die Aufgabe.

Aus der Erklärung
Wir leiten nicht aus einer »naturgegebenen« Geschlechterdifferenz entsprechende »Rollenzuweisungen« ab. Wir teilen die Auffassung, dass Menschen frei sind, sich unabhängig von ihrem Geschlecht Aufgaben in der Gesellschaft zu suchen. ...

Doch schon in dieser Erklärung finden sich Rückgriffe auf das vermeintlich "Männliche" und "Weibliche":
Auf der Basis von Respekt für das andere Geschlecht und auch für andere sexuelle Orientierungen, sowie der Anerkennung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Gleichberechtigung von Männern und Frauen erforschen wir unter uns die verschiedenen Qualitäten und die Polarität von »männlich« und »weiblich«.

Noch viel schlimmer wird es in anderen Texten. Hier zeigt sich: Die Rollenklischees werden im ZEGG weiter auf breiter Front hochgehalten. Daher gibt es dazu eine gesondere Übersicht.

4. Familie

Aus der Erklärung
Bewusst gewählte und verantwortliche Elternschaft ist für uns ein hoher Wert.
Dazu gehört die Annahme der Verantwortung für die eigene Partnerschaft und für die eigenen Kinder, denn sie brauchen für eine angstfreie Entwicklung feste verlässliche Bezugspersonen und ein Klima emotioneller Wärme.

Ganz undifferenziert wird die Auflösung der verbindlichen Familienstrukturen kritisiert:
Es geht auch um Alternativen zur Vereinzelung in der Gesellschaft, zur zunehmenden Zahl Alleinerziehender, zu Patchwork-Familien und zu dem ratlosen Umgang unserer Gesellschaft mit erotischer Anziehung und der »Sprengkraft«, die für viele im Widerspruch zwischen sexuellen Sehnsüchten und der Unerfüllbarkeit des romantischen Liebesideals liegt.

Ein seltsamer Baustein der ZEGG-Stellungnahme ist die Abwehr einer vermeintlichen Kritik am ZEGG, bei dem diesem vorgeworfen wird, Kindern die Bezugspersonen nehmen zu wollen. Als Reaktion verteidigt das ZEGG-Papier nun deutlich eine Mama-Papa-Struktur:

Aus der Erklärung
Kinder brauchen »Mama und Papa«. Unsere Kinder wachsen bei ihren Eltern auf, wohnen bei ihnen und können jederzeit mit ihnen zusammen sein, um aus der Geborgenheit bei ihren Eltern heraus die Welt zu erobern. Unser Ziel ist es, Eltern und Kinder dabei in den größeren Kontext einer Gemeinschaft einzubetten, in der die nötige Unterstützung für eine liebevolle Begleitung der Kinder vorhanden ist.

Aber gleich im nächsten Absatz folgt eine Relativierung - immerhin!
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Kinder sich in der Gemeinschaft andere Männer und Frauen »adoptieren« - als zusätzliche »Mütter«, »Väter«, als zusätzliche Freundinnen und Freunde. Sie bauen sich, wenn man sie sich ihren sozialen Bezugsrahmen frei aufbauen lässt, ein Netzwerk, das einer kleinen Gemeinschaft entspricht. Sie haben bei ihren Eltern ihren festen Halt, die »Nestwärme«, die sie brauchen, und die ganze Gemeinschaft als verbindlichen und stabilen Lebensraum.

5. Esoterik

Auch in der neuen Erklärung wird ein offensiv-positiver Bezug auf transzendente Welten formuliert:

Aus der Erklärung:
Spirituell zu leben bedeutet für uns, ein Leben zu führen in dem Wissen, Teil eines Schöpfungsganzen zu sein. Eine spirituelle Praxis ist keine beliebige Angelegenheit. Sie ist die Folge der Verantwortung gegenüber dem eigenen Glück, der eigenen Lebensaufgabe und gegenüber der Welt.

Das passt zu vielen weiteren aktuellen Texten des ZEGG, zum Beispiel:

Aus der Zegg Selbstdarstellung (2005)
Die MitarbeiterInnen im ZEGG verfolgen verschiedene spirituelle Wege. Allen Wegen ist gemeinsam, dass sie die tieferliegenden universellen Gesetze erfahrbar machen wollen und eine Praxis etablieren, die hilft, ein Leben in Einklang mit diesen Gesetzen zu festigen. Eine spirituelle Praxis ist keine beliebiege Angelegenheit. Sie ist die Folge der Verantwortung gegen über dem eigenen Glück, der eigenen Lebensaufgabe und dem Großen Ganzen, aus dem alles hervorgeht. ...
Nur wer in einer tieferen Ebene des Seins ruhen lernt, vollzieht den Wechsel vom Habenwollen zum Dienst am Ganzen. (S.15)

Ankündigung zu einem Seminar „Spirituelle Praxis – Basis “:
Jeder Mensch ist Teil eines gr ößeren Ganzen, mit allem verbunden und auf nichts ohne Wirkung. Im Alltag geht dieser Zugang zu großer innerer Stärke oft verloren. Wir nehmen uns Zeit, kreativ und lustvoll zu erforschen, welche Praxis sp ürbar hilft, den Blick zu erweitern und das Göttliche, unsere Quelle – oder wie auch immer wir es nennen – zu berühren. (S. 36)

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