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"Wer der Theorie anhängt, man könne
im Rahmen der bestehenden Verhältnisse ohnehin nichts machen
(außer Revolution), der hört natürlich mit dem Denken
dann auf, wenn es spannend zu werden verspricht."
(Ekkehard von Braunmühl: "Zeit für Kinder".
S.29)
Vielleicht
haben wir als Nation unser Kontingent an Helden für dieses Jahrhundert
ausgeschöpft. Aber während wir auf neue, strahlende Helden
warten, müssen wir den Schaden begrenzen. Wir müssen unsere
kleinen Helden fördern. (Davon haben wir viele. Viele) Wir müssen
die Kämpfe mit den geeigneten Waffen führen. Wer weiß,
vielleicht ist das, was das 21. Jahrhundert für uns auf Lager
hat: Die Demontage des Großen. Großer Bomben, großer
Staudämme, großer Ideologien, großer Widersprüche,
großer Länder, großer Kriege, großer Helden,
großer Fehler. Vielleicht wird es das Jahrhundert der kleinen
Dinge sein.
(Arundhati
Roy: Das Ende der Illusion – Politische Einmischungen, Blessing
Verlag)
Verlängern
realistische Reformen den Kapitalismus, indem sie ihn erträglicher
machen? ...
Wenn wir es
ganz illusionslos betrachten, sind heute die militanten Demonstranten
kaum mehr als nötzliche Idioten der NGOs und dies wiederum nützliche
Idioten des globalen Kapitals.
(aus: P.M.,
2000: Subcoma, Paranoia City in Zürich, S. 49)
Menschen
in den Straßen sind das einzigste, wovor Regierungen sich fürchten.
Nun ja, oder Enden von Amtsperioden oder freie Wahlen! Oder Mord.
Oder ausgelacht zu werden – ha-ha-ha!
(Kim Stanley
Robinson: Blauer Mars, München 1999, S. 1050)
Ich bin es satt,
daß diese Sache in rein militärischen Ausdrücken diskutiert
wird. Das ganze Modell der Revolution muß neu durchdacht werden...
So etwas wie bewaffnete Revolution auf dem Mars kann es nicht geben.
Die Systeme zur Lebenserhaltung sind zu verwundbar. ...
Seht, selbst
wenn Revolutionen erfolgreich gewesen sind, haben sie so viel Zerstörung
und Haß bewirkt, daß immer irgendein schrecklicher Rückschlag
eintrat. Das liegt im Wesen der Methode. Wenn man Gewalt wählt,
schafft man sich Feinde, die immer Widerstand leisten werden. Uns skrupellose
Männer werden Revolutionsführer. Daher sind sie an der Macht,
wenn die Revoluti-on vorüber ist, und dann wohl ebenso schlimm
wie das, an dessen Stelle sie getreten sind.
(Kim Stanley
Robinson: Blauer Mars, München 1999, S. 521)
Vielleicht ist
die Welt einfach zu kompliziert, als daß irgendein Plan funktionieren
könnte. Viel-leicht sollten wir uns nicht um einen globalen Plan
bemühen, sondern nur um etwas, das zu uns passt. Und dann
hoffen, daß der Mars unter etlichen unterschiedlichen Systemen
zurechtkom-men kann.
(S. 559)
Es ist immer
dieselbe alte Geschichte. Der Widerstand fängt an, sich selbst
zu bekämpfen, weil das der einzigste Gegner ist, den er schlagen
kann. Passiert immerzu. Man kann keine Bewegung größer als
fünf Personen machen, ohne mindestens einen verdammten Idioten
mit dabei zu haben.
(S. 457)
Geht
es um die Aufhebung weltweit dominierender Herrschafts-, Ausbeutungs-
und Abhängigkeitsbeziehungen, so wird es keinen Ersatz für
radikale, d.h. unmittelbare und außerinstitutionelle, die
herrschenden politischen Agenden und Konsense sprengende und gegen
den verzweigten Komplex von Herrschaftsapparaten auf nationaler
wie internationaler Ebene gerichtete Aktion geben können, schon
gar nicht in Form von Verhandlungen auf diplomatischem Parkett oder
an grünen Tisch. Zu einem solchen Verhalten sind indessen NGO
aufgrund ihrer Struktur- und Funktionsbedingungen nur sehr bedingt
in der Lage.
(Joachim
Hirsch, Des Staates neues Kleider, in: Ulrich Brand u.a., 2001,
Nichtregierungsorganisationen in der Transformation des Staates,
Westf. Dampfboot in Münster, Seite 41)
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halten wir nichts von Abgrenzungsritualen "Radikalität" oder
"Reform". Wichtig ist uns vielmehr die inhaltliche Stoßrichtung
einer politischen Forderung oder Handlung: Beispielsweise weist die
"reformistische" Forderung nach der Legalisierung des Aufenthaltsstatus
von illegalisierten Flüchtlingen ebenso in die richtige Richtung
wie die "radikale" Forderung nach "Weg mit allen Grenzen". Und umgekehrt
können wir weder in der "reformistischen" Forderung nach der
Tobinsteuer noch in der "radikalen" Praxis von ritualisierten Straßenschlachten
mit der Polizei einen sinnvollen Ansatz erkennen - beide Optionen
sind nämlich fixiert auf die Macht des Staates und weisen kaum
darüber hinaus.
(aus
dem Entwurf des BUKO-Positionspapiers zu Globalisierung und Globalisierungskritik,
in BUKO-Rundbrief 3/2001, S. 11)
Es
kommt darauf an, Kritik in konkreten und eingängigen Botschaften
zuzuspitzen und zugleich eine Perspektive zu eröffnen, die das
Bestehende überwindet. Die Attac-Forderung nach Einführung
der Tobin-Steuer erfüllt nur die erste Bedingung, entbehrt aber
jeglicher Herrschaftskritik. Eine Forderung wie "Den Kapitalismus abschaffen!"
wäre das Gegenbeispiel. Sie enthält zwar eine radikale Kritik
am Bestehenden, aber kaum jemand interessiert sich dafür.
(Markus
Wissen, Die Fesselungskünstler, in: iz3w Jan 2002, S. 25)
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