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Technik, Forschung, Fortschritt

Marx 1856, MEW 12/3-4
In unseren Tagen scheint jedes Ding mit seinem Gegenteil schwanger zu gehen. Wir sehen, daß die Maschinerie, die mit der wundervollen Kraft begabt ist, die menschliche Arbeit zu verringern und fruchtbarer zu machen, sie verkümmern läßt und bis zur Erschöpfung auszehrt. Die neuen Quellen des Reichtums verwandeln sich durch einen seltsamen Zauberbann zu Quellen der Not. Die Siege der Wissenschaft scheinen erkauft durch Verlust an Charakter. In dem Maße, wie die Menschheit die Natur bezwingt, scheint der Mensch durch andere Menschen oder durch seine eigne Niedertracht unterjocht zu werden.

Gerichtete Wissenschaft

Auszug aus der Beschreibung eines Forschungsprojektes zu grüner Gentechnik (Quelle)
Empirische Untersuchungen zu Technikkonflikten konnten zeigen, dass es sich bei diesen weniger um Auseinandersetzungen um die Vor- und Nachteile einer Technologie handelt, als um die Auseinandersetzung unterschiedlicher Weltbilder.
Ziel des Projektes ist es am Beispiel der Kontroverse um die Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft, die divergenten Weltbilder unterschiedlicher Akteure systematisch zu untersuchen und den Anteil der Technik an der Generierung des Konfliktes heraus zu arbeiten.
Ausgehend von einer kritischen Rekonstruktion des aus der Wissenschaftsforschung stammenden Ansatzes der Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) wird die These aufgestellt, dass Weltbilder vor allem durch materielle Objekte (Quasi-Objekte)gestützt werden. Unter welchen Bedingungen der gemeinsame Bezug unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure auf diese Quasi-Objekte Konflikte entstehen läßt oder kooperatives Handeln ermöglicht, soll die empirische Untersuchung der Repräsentationen der „Grünen Gentechnik“ bei ausgewählten Organisationen zeigen.

Auszug aus der Antwort eines "Feldbefreiers" in Gießen (www.gendreck-giessen.de.vu):
... halte ich aber den Forschungsansatz für klassische interessensgeleitete Forschung. Das Ergebnis steht schon in der Ausgangsbehauptung fest. Wer Technologie politisch kritisiert, kritisiert sie nicht technisch-wissenschaftlich, sondern weltanschaulich. Warum soll eine politische Kritik (z.B. Zunahme des Herrschaftspotentials durch eine bestimmte Technologie) eigentlich unwissenschaftlich sein? Und: Warum ist bereits die Grundannahme, dass wer politisch argumentiert, die wissenschaftliche Kritik (so das überhaupt trennbar ist) unterlassen?
Ich würde einladen, unseren Konflikt mit aufzunehmen. Das könnte aber die Grundannahme in Frage stellen. Daher wäre es aus wissenschaftlicher Tradition heraus eher typisch, uns zu vergessen.

Herrschaft und Technik

Auszug aus Bookchin, Murray (1992): "Die Neugestaltung der Gesellschaft", Trotzdem-Verlag in Grafenau (mehr Auszüge)
Es ist wichtig, die Entwicklung einer Technik, die die moderne Angst vor dem Mangel beseitigen kann, eine Nach-Knappheits-Technik sozusagen, zum Bestandteil des revolutionären Projektes zu machen. Eine solche Technologie muß jedoch in den Kontext einer sozialen Entwicklung gestellt werden und darf nicht als "Vorbedingung" menschlicher Emanzipation unter allen Bedingungen und für alle Zeiten aufgefaßt werden. (S. 134 f.) ...
Soll die Technik natürliche Zyklen ablösen, die das Verhältnis von atmosphärischem Kohlendioxyd und Sauerstoff regeln, soll sie einen Ersatz für die sich zersetzende, das Leben vor tödlicher Sonnenstrahlung schützende Ozonschicht bieten; soll sie den Boden durch hydroponische Lösungen ersetzen? Alles dies, wenn es denn möglich wäre, würde ein hoch diszipliniertes System gesellschaftlichen Managements erfordern, das mit Demokratie und politischer Mitwirkung des Volkes völlig unvereinbar wäre. (S. 169 f.)

Forschung und Forschungsfreiheit

Kann es eine Forschungsfreiheit geben?

Das würde nur dann der Fall sein, wenn Menschen interessenslos sind. Das sind sie aber nicht. Im emanzipatorischen Sinne würde Forschung von Ideen und Wünschen der einzelnen Menschen und ihrer freien Zusammenschlüsse angetrieben. In der heutigen Gesellschaft und in allen bisher bekannten historischen Gesellschaften prägten Macht- und Profitinteressen das Forschen. Im Kapitalismus wird geforscht, was Profit bringt. Ob es auch den Menschen nützt, spielt keine Rolle. Solange es Profit bringt, darf es auch den Menschen nützen - aber das ist dann eine zufällige Nebensache. Meist ist es schlimmer: Vielfach bringt Profit, was Menschen unterdrückt, ausbeutet, abhängig macht.

Darf alles erforscht werden?

Es gibt ProtagonistInnen der Forschung, die behaupten, es müsse eine Freiheit der Forschung geben. Meist kaschieren sie damit eher ihre Profit- und Karriereinteressen und wollen sich nicht mehr den Argumenten der KritikerInnen ihrer Forschungen abgeben. Es gibt aber tatsächlich einige Aspekte, für die VertreterInnen der absoluten Forschungsfreiheit mal ein paar Statements abgeben sollten:

Verwertung allen Wissens nach Profitlogiken

Medizin

Gemacht wird, was Geld bringt
Auszüge aus dem Interview "Wer zahlt, schafft an" mit dem Buchautor Hans Weis, in: Junge Welt, 13.8.2009

In Deutschland hingegen bleiben die Arzneimittelbehörden tatenlos und lassen die Pharmakonzerne schalten und walten, wie es ihnen beliebt. ... Fast alle großen Pharmakonzerne sind notorische Gesetzesbrecher. Da geht es um illegale Vermarktungspraktiken im großen Stil, betrügerische Preismanipulationen, Bestechung und unerlaubte Beeinflussung von Ärzten, verbotene Werbung, Manipulation von Studien und um Schädigung von Patienten. ... Zur Kontrolle von Arzneimitteln gibt es international tätige Instanzen wie die US-Arzneimittelbehörde FDA und die europäische Zulassungsbehörde EMEA. Die FDA wird zur Hälfte von der Pharmaindustrie finanziert, die EMEA zu zwei Dritteln. Die EU finanziert die EMEA also nur zu einem Drittel. ... Je hochrangiger ein Arzt ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß er nebenbei im Sold der Pharmaindustrie tätig ist und sich als sogenannter Meinungsbildner für Marketingaufgaben einer Firma einsetzen läßt. Um Patienten einen Überblick zu geben, habe ich in meinem Buch eine Liste von 85 hochrangigen Medizinern und ihren konkreten finanziellen Verbindungen zu Pharmakonzernen im deutschsprachigen Raum aufgelistet.

Gentechnik

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