Unterdrückung

Aus Iris Marion Young !1993), Das politische Gemeinwesen und die Gruppendifferenz, zitiert in: Massing, Peter/Breit, Gotthard (2002): „Demokratie-Theorien“, Wochenschau Verlag Schwalbach, Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn (S. 289)
Aber was ist Unterdrückung? Ich habe den Begriff der Unterdrückung an anderer Stelle ausführlicher analysiert. Kurz gesagt, eine Gruppe ist dann unterdrückt, wenn auf alle oder auf einen großen Anteil ihrer Mitglieder einer oder mehrere der folgenden Sachverhalte zutreffen:
1. Der Nutzen ihrer Arbeit oder Energie geht auf andere über, ohne daß diese anderen ihnen in reziproker Weise nützen (Ausbeutung).
2. Sie sindvon der Partizipation an wichtigen sozialen Tätigkeiten ausgeschlossen, womit in unserer Gesellschaft vorrangig ein Arbeitsplatz gemeint ist (Marginalisierung).
3. Sie leben und arbeiten unter der Autorität von anderen, verfügen über wenig Autonomie bei der Arbeit und haben selbst kaum Autorität über andere (Machtlosigkeit).
4. Sie werden als Gruppe stereotypisiert, und gleichzeitig bleiben ihre Erfahrungen und ihre Situation in der Gesellschaft im allgemeinen unbemerkt, zudem haben sie wenig Gelegenheit, ihrer Erfahrung und ihrer Sichtweise von sozialen Geschehnissen Ausdruck zu verleihen und finden kaum Gehör, wenn sie es tun (Kulturimperialismus).
5. Die Gruppenmitglieder erleiden willkürliche Gewalt und Schikane, die von Gruppenhaß oder -angst motiviert ist. In den Vereinigten Staaten werden heute zumindest die folgenden Gruppen auf eine oder mehrere dieser Arten unterdrückt: Frauen, Schwarze, amerikanische Indianer, Chicanos, Puertoricaner und andere spanisch sprechende Amerikaner, asiatische Amerikaner, schwule Männer, Lesben, Angehörige der Arbeiterklasse, arme Menschen und alte Menschen sowie geistig und körperlich Behinderte (282-283).

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