Umweltprojekte von oben

Der Trend zum Abschreibungswindpark ist kaum noch zu stoppen. Viele Kapitalanleger haben den Windstrom für sich entdeckt. Durch auswärtige Investoren sinkt die Akzeptanz bei der Bevölkerung.
Die Anzeige kallt ins Auge: "Rendite bei 38 U/min" heißt es vieldeutig. Mit einer 13prozentigen Ausschüttung, "von der andere nur träumen", lockt eine Betreibergemeinschaft Kapitalgeber für Investitionen in einen Windpark an der Ostseeküste. Erbost über dieses marktschreierische Kohlemachen mit dem Wind griff Manfred Lüttke vom Bundesverband Erneuerbare Energie zur Feder. "Sie erweisen damit der Windenergie und wohl auch sich selbst einen Bärendienst. Sie helfen mit den dem Ast zu sägen, an dem die Windkraft und ihre Aktivitäten befestigt sind", schrieb er an den Finanzdienstleister. ...
"WIr bekommen immer öfter zu hören, da kommen die Wessis mit dem dicken Portemonnaie und verdienen sich auf unserem Boden eine goldene Nase", beschreibt Wolfgang Daniels von der Vereinigung Erneuerbare Energien in Sachsen die Situation.
Auch Ralf Mehr von der Regionalgruppe Türingen des Bundesverbandes WindEnergie (BWE) spürt die wachsende Verstimmung: "Wenn hier Investoren wie Staubsaugervertreter auftreten, um sich ertragreiche Standorte zu sichern, hinterlassen sie meist verbrannte Erde".
(aus: Bürger machen Strom, taz vom 19./20.4.1997 - Hinweis: Der Trend hat sich noch verschärft, die KritikerInnen aber sind verstummt oder abserviert).

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