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Wir leben
in einer visionslosen Zeit. Neue Ideen für die Zukunft sind kaum noch
gefragt. Viele Menschen haben sich in die Privatheit zurückgezogen.
Individualität ist nur noch das, was es im „Supermarkt der Lebensstile“
zu kaufen gibt - nur eine lebenswerte Utopie für alle scheint gearde
nicht im Angebot zu sein. Wirklich Neues bewußt zu schaffen scheint
keinen Reiz mehr auszuüben. Die Dinge entwickeln sich wie von selbst.
Zumindest scheint es so oder wird von denen so verkauft, die tatsächlich
die gesellschaftlichen Entwicklungen steuern. ...
Einen
Zukunftsdialog gibt es gar nicht mehr. Alles wickelt sich ab, die Menschen
sind wie unbeteiligte ZuschauerInnen der Dialoge über die Zukunft.
Bei der Expo 2000 sind sie sogar zahlende Gäste bei - angeblich -
„der Zukunft“, auf die sie null Einfluß haben. Schlimmer noch: Die
Menschen reproduzieren die Logik einer Gesellschaft, in der alles verwertet
wird, in der alles danach ausgerichtet ist, was es wirtschaftlich bringt.
Sehr viele Menschen haben Angst von Neuem und vor gesellschaftlcher Weiterentwicklung
ab. Gleichzeitig überlassen sie denen, die jeweils Kraft ihrer Position
wesentlichen Einfluß auf die Gesellschaft haben und an den Hebeln
der Macht sitzen, kampflos das Geschehen – und damit auch den Einfluß
auf Veränderungen. Was übrig bleibt, sind Prozesse, die scheinbar
von selbst ablaufen, die nicht mehr hinterfragt und erst recht nicht in
Frage gestellt werden. Große Erklärungen hat kapitalistische
Ordnung nicht mehr nötig – sie ist übriggeblieben und stellt
sich selbst wie ein „Naturgesetz“ dar. [„Naturgesetz nannt der Siemens-Expo-Beauftragte
Schusser die weitere Entwicklung der Welt hin zu totaler Vermarktungslogik.
(Quelle: Film „Alles im Griff“, 1998, Hannover)] Die Lücke fehlender
Begründungen und Legitimation wird verklebt mit Papieren und Konzepten,
die als „visionär“ bezeichnet werden, aber realpolitischer nicht sein
könnten. Die Agenda 21 ist solche ein Beispiel. Wer sie liest, reibt
sich vielleicht angesichts des Rufes, den die Agenda genießt, verwundert
die Augen: Überall wird der freie Welthandel als Rettung der Umweltprobleme
gepriesen, Begrenzungen der freien Wirtschaft werden als die eigentlichen
Ursachen für die Umweltzerstörung genannt. Gelöst werden
sollen die aktuellen Probleme vor allem mit der Gentechnik, aber auch z.B.
mit neuen Atomkraftwerken. Ist irgendwas an solchen Vorschlägen visionär?
Die Agenda 21 könnte aus der Feder des Bundesverbandes der Deutschen
Industrie stammen, aber UmweltschützerInnen oder Eine-Welt-Gruppen
bezeichnen sie als hoffnungsvolle Vision für das neue Jahrhundert.
(Gruppe
Gegenbilder, 2000: Freie Menschen in Freien Vereinbarungen, S. 7/8 ...
auch im Internet
mit Debattenforum)
Ich
möchte behaupten, daß es für uns Menschen immer noch nicht
recht vorstellbar ist, ein Problem nur durch Übereinkunft mit anderen
Menschen zu lösen. Wir haben immer diesen Ausschließlichkeitsanspruch,
daß es für die Lösung eines Problems immer nur einen Weg
gibt.
(Michael
in einem Interview mit dem Science Fiction-Club Berlin in der Zeitschrift
WECHSELWIRKUNG, Nr. 13, Mai 1982, S. 13)
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