THEORIE FÜR ANARCHIE. EIN UPDATE
Herrschaftsanalyse erneuern
(Neue) Anarchistis brauchts ● Herrschaftsanalyse erneuern ● Wissensbasierte Radikalität ● Der Mensch im Mittelpunkt ● Alle, aber unterschiedlich ● Strategie für die Anarchie ● Links zur Anarchie
Eine grundlegende Schwäche anarchistischer Bewegungen und Debatten ist das fast völlige Fehlen moderner Herrschaftskritiken. Der Begriff "modern" bezieht sich hier darauf, dass neue Debatten, Erkenntnisse und wissenschaftliche Forschung aufgegriffen, ausgewertet und je nachdem integriert, verwendet, kritisiert oder weiterentwickelt werden.
Zur Zeit prägen weitgehend theorielose Zusammenhänge und uralte, eher nostalgisch zu nennende Modelle von Staatsgewalt und Klassengesellschaft die anarchistische Debatte im deutschsprachigen Raum. Was fehlt, sind unter anderem:
Anarchie muss die radikalste, weil konsequent die Stärkung menschlicher Individualität und egalitärer Kooperation fördernde Form emanzipatorischer Umgestaltung sein. Mit der Textsammlung "Freie Menschen in freien Vereinbarung" wurde der Versuch unternommen, hierfür Begründungen und Entwürfe zu formulieren.
Mit solchen Positionen ließe sich die Anarchie als kreative und impulsive Kraft in allen gesellschaftlichen Debatten vorstellen - immer mit dem "Markenzeichen", die Machtfrage zu stellen, d.h. die Dinge aus dem Blickwikel der einzelnen Menschen und ihrer freien Zusammenschlüsse zu betrachten und zu organisieren. Dieser Blickwinkel gilt innerhalb der eigenen Organisierungen, z.B. von politischem Protest, von Projekten und Experimenten, aber auch für alle Debatten und Vorgänge in der gesamten Gesellschaft. Das Prickelnde wäre, sich nicht weiter herauszuhalten oder nur langweilige Labels zu zeigen, sondern mit Nachdruck immer wieder das Emanzipatorische in die Abläufe hineinzutragen und in die Konzepte hineinzudenken - direkt hinein bis in den Alltag der Vielen.
Zur Zeit prägen weitgehend theorielose Zusammenhänge und uralte, eher nostalgisch zu nennende Modelle von Staatsgewalt und Klassengesellschaft die anarchistische Debatte im deutschsprachigen Raum. Was fehlt, sind unter anderem:
- die kritische Analyse informeller, vor allem diskursiver Steuerung von Wahrnehmung, Werten und begrifflichem Denken in der Breite der Bevölkerung sowie entsprechende Strategien der Demaskierung oder Bekämpfung dominanter Normen und Wertungen. Ebenso fehlen Ideen zur Überwindung oder, weil Diskurse konstituierender Bestandteil menschlicher Gesellschaft sind, d.h. nicht einfach komplett verschwinden können, gleichberechtigten Gestaltung von Wahrnehmung und Wertung.
- eine analytische, auch selbstkritische Auseinandersetzung mit kollektiven Identitäten, Vereinnahmung und Stellvertretung als Mittel der Herrschaftsausübung.
- vorwärtsdrängende Impulse für die Veränderung und Weiterentwicklung von Techniken zur Stärkung der Selbstentfaltung, verbesserter Kommunikation und Anbahnung von Kooperation. Hier sind die Bedingungen gegenüber anarchistischen Experimenten vor 100 oder mehr Jahren deutlich verändert. Sie könnten zu Verbesserungen führen oder z.B. überhaupt erst egalitäre, überregionale Absprachen, Diskussionen und Konfliktaustragung ermöglichen.
Anarchie muss die radikalste, weil konsequent die Stärkung menschlicher Individualität und egalitärer Kooperation fördernde Form emanzipatorischer Umgestaltung sein. Mit der Textsammlung "Freie Menschen in freien Vereinbarung" wurde der Versuch unternommen, hierfür Begründungen und Entwürfe zu formulieren.
Mit solchen Positionen ließe sich die Anarchie als kreative und impulsive Kraft in allen gesellschaftlichen Debatten vorstellen - immer mit dem "Markenzeichen", die Machtfrage zu stellen, d.h. die Dinge aus dem Blickwikel der einzelnen Menschen und ihrer freien Zusammenschlüsse zu betrachten und zu organisieren. Dieser Blickwinkel gilt innerhalb der eigenen Organisierungen, z.B. von politischem Protest, von Projekten und Experimenten, aber auch für alle Debatten und Vorgänge in der gesamten Gesellschaft. Das Prickelnde wäre, sich nicht weiter herauszuhalten oder nur langweilige Labels zu zeigen, sondern mit Nachdruck immer wieder das Emanzipatorische in die Abläufe hineinzutragen und in die Konzepte hineinzudenken - direkt hinein bis in den Alltag der Vielen.
- Eine Bewegung schaffen, die auf die Zukunft und nicht auf die Vergangenheit ausgerichtet ist - eine ausführliche Kritik von Murray Bockchin an marxistischen und anderen politischen Bewegungen, die an vergangenen Konzepten für hierarchische Strukturen in Bewegungen und Revolten festhalten - verfasst im Jahr 1969