Deutsche Medikamente in der 3. Welt

Deutschland ist der grte Arzneimittelexporteur der Welt. Auch in der dritten Welt werden viele deutsche Arzneimittel verkauft. Helfen diese Mittel, die gesundheitliche Lage der armen Bevlkerungsmehrheit in diesen Lndern zu verbessern? Die
BUKOPharmakampagne arbeitet seit 20 Jahren gegen unlautere und unethische Absatzpraktiken der deutschen Pharmaindustrie in der dritten Welt. In einer neuen Studie zeigt die Pharmakampagne, dass die deutschen Pharmaexporte in vielen Fllen nicht der
Gesundheit ntzlich sind. Es werden viele risikoreiche und unwirksame Mittel angeboten. Die meisten Lnder der dritten Welt haben keine ausreichenden Mglichkeiten, ihren Arzneimittelmarkt zu kontrollieren und so Schaden von ihren BrgerInnen abzuwenden.
Deshalb ist diese Studie der BUKOPharmakampagne ein wichtiges Hilfsmittel, um auf die Firmen hierzulande Druck auszuben. Denn 42% der deutschen Arzneimittel in der dritten Welt sind irrational, ihre Vermarktung ist unvertretbar.



Welche Medikamente sind unentbehrlich?

Medikamente sind dann unentbehrlich, wenn sie die Gesundheitsbedrfnisse der Bevlkerungsmehrheit befriedigen. Neben medizinischen Gesichtspunkten mssen aber auch soziale Faktoren wie Ausbildungssituation des Personals, Bezahlbarkeit durch die
Betroffenen und ein vernnftiges KostenNutzenVerhltnis bercksichtigt werden. Die Frage, wie viele unentbehrliche Medikamente ein Arzneimittelhersteller verkauft, ist besonders fr arme Lnder mit einem kleinen Gesundheitsbudget wichtig. Sie knnen
sich keine Verschwendung in diesem wichtigen Bereich leisten!

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat eine Liste unentbehrlicher Arzneimittel mit 300 Wirkstoffen erstellt, mit denen 95% aller behandelbaren Krankheiten therapiert werden knnen. Die deutschen Hersteller scheinen sich aber nur wenig fr diese Liste zu
interessieren. Nur jedes fnfte Medikament entspricht den Kriterien der WHO! Aber es gibt auch positive Ausnahmen: die Hlfte der RatiopharmMedikamente ist unentbehrlich.

Arzneimittel, die nicht in der WHOListe vorkommen, sind nicht automatisch schlecht. Alle Medikamente werden unabhngig von ihrer Unentbehrlichkeit daraufhin berprft, ob sie rational angewendet werden knnen. Irrational ist eine Arznei z.B. dann, wenn
ihre Wirkung trotz vieler Studien nicht nachgewiesen werden konnte, wenn die Wirksamkeit umstritten ist, wenn es harmlosere oder wirksamere Alternativen gibt, oder wenn es sich um Kombinationsprparate mit unsinniger Zusammenstellung der Wirkstoffe
handelt. Solche Medikamente sind unntz, berflssig oder gar gefhrlich und mssen dringend vom Markt genommen werden. 4 von 10 deutschen Medikamenten in der Dritten Welt sind irrational! Mit solchen Arzneien ist eine sinnvolle Therapie nicht mglich.
Auch wenn sie nicht direkt schaden, so bedeutet ihre Anwendung dennoch, dass PatientInnen ihr ohnehin knappes Geld im besten Fall praktisch fr Placebos ausgeben.



Wie ntzlich ist das Angebot der deutschen Pharmafirmen?

Die Analyse des Angebots in der dritten Welt zeigt immer noch ein sehr dsteres Bild:

Das Angebot der deutschen Firmen bercksichtigt die lokalen Krankheiten und Bedrfnisse der jeweiligen Bevlkerungen dieser Lnder nicht. Der Anteil der unentbehrlichen Medikamente betrgt nur 20%. Von einer ausreichenden Basisversorgung der Bevlkerungen
durch das deutsche Sortiment kann also nicht die Rede sein. Ganz im Gegenteil: Obwohl das Krankheitsspektrum in der Dritten Welt ganz anders aussieht, werden dort wie in Deutschland vorwiegend Mittel gegen Zivilisationskrankheiten angeboten.

Mangelhafte Produktinformationen ber hochwirksame Medikamente zeugen von einer unglaublichen Fahrlssigkeit deutscher Pharmafirmen. Das ist um so erschreckender, wenn man bedenkt, dass in vielen Lndern diese Medikamente fast an jeder Straenecke ohne
fachkundige Beratung fr jeden verfgbar sind.

Wer dabei mitarbeiten will, die deutschen Pharmakonzerne zu einer vernnftigen Produktion zu bewegen, wende sich an die BUKO PharmaKampagne. Dort gibt es auch die ausfhrliche Broschre  Deutsche Arzneimittel in der Dritten Welt, aus der dieser Beitrag
zusammengestellt wurde.

BUKO PharmaKampagne, AugustBebelStr. 62, 33602 Bielefeld, Fax 0521/ 63789, www.epo.de/bukopharma/