Von links und rechts gegen das Kapital?

Emanzipatorische und nationale Politik passen nicht zusammen!

4.2.2000: Im "NitForum", einer Sammlung "nationaler Nachrichten" aus entsprechend rechter Ecke erscheint ein Text unter der berschrift "Expo 2000 - die Pflicht zum Widerstand!". Dann folgt u.a.: "Alle Aktivisten fr die Befreiung aus der
globalkapitalistischen Knechtschaft und den Kampf fr eine freie, selbstbestimmte und gerechte Welt sind aufgerufen, sich in grtmglichen Umfang an den AntiExpoAktionen zu beteiligen."

Nach der Einleitung folgt ein langes Zitat - aus Papieren von AntiExpoGruppen, u.a. der Gruppe Landfriedensbruch. Und dann: "Ich halte es fr unbedingt notwendig, da der Nationale Widerstand in Hannover prsent ist. Auch und gerade weil die Mehrheit
der AntiExpoAktivisten antinational ist, mssen wir mit einem nationalistischen Alternativkonzept vor Ort sein. Sicherlich ist es politisch wie strategisch hchst unklug, wenn z.B. ... Junge Nationaldemokraten dort mit schwarzweiroten Fahnen
aufmarschieren und rumtrommeln. Der NW wird so niemals Erfolg haben, weil dieses Auftreten den Menschen Angst macht, nicht aber das bewirkt, was wir wollen, nmlich Identifikation und Solidaritt mit dem Volksbefreiungskampf. Auerdem heit es ganz klar,
was wir - rechte, linke usw. - hier und jetzt gemeinsam losschlagen mssen, dabei sind die unproduktiven Nebenkriegsschaupltze des "gegen Zecken" oder "gegen Nazis" mehr als strend."

Es folgen Aufrufe zum Widerstand. Zudem gibt es inzwischen einen Aufruf zum NaziAufmarsch am 1.5. in Hannover - gegen die Globalisierung und Expo 2000.



Sind Rechte emanzipatorisch?

Mit ihren seit einiger Zeit deutlich zunehmenden Versuchen, emanzipatorische und rechte, z.B. nationalistische Gruppen zu vereinen, soll die Bildung einer gemeinsamen volksfronthnlichen Struktur gebildet werden. Der Feind ist dann etwas anonymisiertes,
meist das Kapital, oft sogar nur das nichtdeutsche Kapital (z.B. das amerikanische, Vodafone oder auch das "raffende Kapital" mit antisemitischem Unterton). Es bedroht das Volk oder die nationale Integritt.

Schon die Analyse ist falsch. Die Menschen, in den nationalen Kreisen zum "Volk" konstruiert, vom Kapitalismus zu trennen als wrde in diesem weder Menschen herrschen noch arbeiten, ist absurd. Wichtiger ist aber noch der Widerspruch zwischen
emanzipatorischer Politik und nationalem Denken. Eine Nation ist immer ein Konstrukt, es bedarf der Definition und Durchsetzung von oben - sei es per Bundesgrenzschutz oder ber eine Manipulation der Kpfe, also eine soziale Konstruktion, wer deutsch ist
und wer nicht. Denn gefragt werden Menschen nicht danach. Mensch ist deutsch ... oder eben nicht. Per Definition.

Emanzipation aber ist kein Austausch von Herrschaftsformen gegen andere. Wer die Nation oder das Volk gegen das Kapital verteidigt, ist nicht emanzipatorisch. Nation oder Volk sind keine Begriffe, die ein selbstbestimmtes Leben charakterisieren.



Fazit: Emanzipation will 

das Ende aller Herrschaft

Herrschaft ist vielfltig. Sie reicht von der alltglichen Unterdrckung innerhalb von Familien oder Gemeinschaften ber Machtapparate wie die Polizei oder Behrden bis zum globalen Kapitalismus. Emanzipation will ihr Ende - berall. Emanzipatorische
Politik sind die Schritte, das stndige Abbauen von Herrschaft - ebenfalls berall. Was auch immer nationaler Widerstand sein soll, eines ist er nicht: Emanzipatorisch!

Politik von unten, eine Gesellschaft von unten aber ist das Ziel z.B. des ExpoWiderstandes.

Wenn es am 1.5. zum NaziAufmarsch in Hannover kommt, wre eine gemeinsame Mobilisierung von AntiExpoGruppen und Antifa die richtige Antwort: Gegen Nazis, Nationalismus und Expo 2000!