Anderer Blick

Betr.: Jutta Ditfurth in der Neuen

Revue (Punkte 

Winter 1999/2000) 

Liebe PunkteRedaktion, 

vielleicht wre es angebracht, die Verffentlichungen von Jutta Ditfurth in der Neuen Revue auch aus einem etwas anderen Blickwinkel zu sehen. Die orthodoxe Lesart des Medienereignisses, wie von Jrg Bergstedt ausgefhrt, scheint mir doch zu sehr von
einer allzubekannten Abschottungs und KGruppenMentalitt (Jrg: Sittenpolizei) geprgt. Da Jutta Ditfurth bisher ziemlich viel Hirnschmalz und Energie genau in derartige politische Positionen investiert hat, und deshalb von Jrg wahrscheinlich auch
zurecht als Leitfigur der kologischen Linken bezeichnet wird, ist es legitim sie aus ihrer eigenen Ecke zu kritisieren. Dieses ewige Gerangel um die politisch korrekteste Position innerhalb der Szene det aber an und fhrt nicht weiter. Deshalb empfand
ich den Entschlu Jutta Ditfurths als einen mutigen und nach vorne weisenden Versuch, ein bichen aus der eigenen Marginalisierung auszubrechen. Man mag von der Neuen Revue halten, was man will, aber Fakt ist, da sie sicherlich eine xfach hhere Auflage
hat als kolinx oder Punkte und damit Leute auch auerhalb des eigenen InZirkels erreicht werden. Wenn die Neue Revue bereit ist, ihr Blatt fr eine 'linke' Kritik an der rotgrnen Bundresregierung zu ffnen, dann wre man doch bescheuert, sich eine
solche Gelegenheit entgehen zu lassen. Warum damit sexistische, und rechte Positionen verharmlost werden sollen, leuchtet mir nicht ein. Jrg, seh es doch umgekehrt: Wenn Ditfurths Kommentare nicht erscheinen wrden, dann besteht die Neue Revue eben nur
aus Sex, Crime, Horoskope und mehr. Wenn hier die Mglichkeit einer Instrumentalisierung besteht, dann eine von 'links'. Eine kritische Position kann nur gewinnen, wenn sie an Orten des medialen Mainstreams, wie z.B. die Organe des bundesdeutschen
BoulevardJournalismus, verbreitet werden. Oder glaubt ihr selbst nicht an die eigene berzeugungskraft? Es ist schon komisch. Da betreibt die DitfurthLinke jahrelang eine Strategie der Denunziation, des Ausschlieens und der Fragmentierung bis zur
Bedeutungslosigkeit, und kaum gibt es erste Anzeichen ihrerseits, Energien ein bichen wirkungsvoller einzusetzen, wird sie von den eigenen Hinterbnklern niedergeschrien. Die Geister, die ich rief ... Die Wirklichkeit bertrifft eben doch immer wieder
die Satire, wie es der alte Karl Kraus so schn formulierte. 

Mit besten Gren, Armin Mller 