Es gibt kein ruhiges Hinterland ...

auch nicht in Indien!

Siemens ist berall. Auch im in indischen NarmadaTal, wo mit Hilfe deutscher Konzerne und Banken - namentlich neben Siemens vor allem die HypoVereinsbank - ein StaudammProjekt gebaut wird, das voraussichtlich zwischen 200.000 und 1 Mio. Menschen
entwurzeln wird.

Unter dem wohlklingenden Namen NarmadaTal Entwicklungsprojekt planen die Regierungen der Bundesstaaten Maharastra, Gujarat und Madhya Pradesh seit nahezu drei Jahrzehnten den Bau von 30 groen, 135 mittleren und 3000(!) kleinen Dmmen, die nach eigener
Aussage die Region mit Strom und Trinkwasser versorgen wird. Kleiner Schnheitsfehler, der allerdings in den offiziellen Planungen kaum erwhnt wird ist, dass das sehr fruchtbare Land, das dadurch berschwemmt werden wird, keinesfalls unbewohnt ist.
Allein durch einen der gten Dmme, den Sardar Sadovar, der sich nahe dem Meer befindet, wrden ber 245 Drfer berschwemmt werden. Insgesamt sind vorsichtigen Schtzungen zufolge seit 1947 mindestens 25 Millionen Menschen durch Staudmme von ihrem Land
vertrieben worden. Die Menschen, die dort leben, sind hauptschlich Adivasis, die indischen UreinwohnerInnen, oder kleine SubsistenzbuerInnen. Da diese zu den untersten Kasten gehren, werden sie als Wertlose betrachtet und sollen ersatzlos enteignet
und von ihrem Land vertrieben werden, whrend die wenigen GrogrundbesitzerInnen grozgig entschdigt werden. Die Adivasis, deren Drfer bereits so zerstrt wurden, leben in den Slums von Megastdten wie Delhi oder Kalkutta, da in dem
VorzeigeUmsiedlungsdorf der Regierung bereits mehrere Menschen an Hunger gestorben waren, weil sie auf dem unfruchtbaren Boden nichts anbauen konnten.

Doch diese sogenannte Entwicklung wird von den Betroffenen nicht widerspruchslos hingenommen. Wessen Land? Wessen Flu? Wessen Entwicklung? fragt Medha Patkar, die vor fnfzehn Jahren Narmada Bachao AndolanNBA (Bewegung zur Rettung des Narmadas) mit
aufgebaut hat. Der Widerstand von NBA, der weit ber die Grenzen Indiens hinaus Resonanz gefunden hat, (nicht erst, seit Medha Patkar fr ihr Egagement der Alternative Nobelpreis verliehen wurde), hatte auch einige Erfolge zu verzeichnen: Nach jahrelangen
Protesten zog sich die Weltbank, die ursprnglich einen Kredit zur Finanzierung des Projekts geben wollte, zum ersten Mal in ihrer Geschichte aus einem laufenden Projekt zurck, nachdem bereits Gelder zugesichert worden waren. Zuvor hatte eine von der
Weltbank selbst eingesetzte Untersuchungskommission festgestellt, da das Projekt nicht nur kologisch und sozial nicht vertretbar sei, sondern auch konomisch vllig unsinnig. Zudem wurde 1995 der Bau des Sardar Sarovar Damm durch eine Entscheidung des
Obersten Gerichts bei einer Hhe von 80 Metern (von geplanten 138m) zunchst gestoppt. Anfang dieses Jahres wurde der Baustopp jedoch gerichtlich wieder aufgehoben; seitdem wird weiter gebaut. Auerdem wird das Projekt (insbesondere der
MaheshwarStaudamm) jetzt statt mit Hilfe der Weltbank weitgehend privatwirtschaftlich finanziert - wobei Deutsche Unternehmen den Lwenabteil haben. 

Was diese Entscheidung fr die Menschen im NarmadaTal bedeutet, drfte klar sein. Schon bei der derzeitigen Hhe von 88m ist die Situation mehr als kritisch. Nicht nur, das die Wasserqualitt stark abgenommen hat und sich in dem jetzt stehenden Gewsser
Krankheitskeime ausbreiten und Malariainfektionen zunehmen. In der letzten Regenzeit wurden einige der Drfer mehrmals fast berschwemmt - zuletzt am 18. und 21. September letzten Jahres. Dabei stand eine Htte in Domkhedi (einem Dorf, in dem
Versammlungen und Satyagrahas, Aktionen von zivilem Ungehorsam, vorbereitet werden und z.T. auch stattfinden) fast vollstndig unter Wasser; die sich darin befindlichen Personen hatten erklrt, aus Protest eher zu ertrinken als ihre Drfer zu verlassen.
Als ihnen das Wasser schon bis zum Kinn stand, wurden sie von der Polizei gegen ihren Willen gerettet und verhaftet. Nach Protestaktionen wurden weitere fast 400 Menschen aus den umliegenden Drfern festgenommen und bis zu 2 Wochen im Gefngnis
behalten. Die Tatsache, das viele Menschen bereit sind, fr die Rettung des NarmadaFlusses und des Tals zu sterben, drfte die Dramatik der Situation klarmachen, auch wenn sie aus unserer westeuropischen Sicht unverstndlich erscheinen mag. Ihnen bleibt
jedoch keine Wahl - der Verlust ihres Landes wrde nicht nur den Verlust ihrer Heimat, sondern ihrer Existenzgrundlage bedeuten. So ziehen sie den Tod einem elenden Leben in den Slums vor. 

Auch wenn die Regenzeit und damit die unmittelbare Gefahr inzwischen vorbei ist, ist Handeln ntiger denn je. In der nchsten Zeit entscheidet die Bundesregierung ber die Vergabe von sog. Hermesbrgschaften fr Siemens fr ihre Investitionen in den
MaheshwarStaudamm. Hermesbrgschaften sind eine Absicherung von Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen, die damit im Falle eines Scheiterns ihrer Projekte die Verluste aus Steuergeldern erstattet bekommen (oberstes Funktionsprinzip des Kapitalismus:
Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert!), was auch quasi als Gtesiegel fr weitere Investitionen gilt. Protest ist also dringend angesagt! 

Nhere Ausknfte und Protestkarten gibt's bei urgewald, VonGalen Str. 4, Tel: 02583/1031.

NBA hat auch immer wieder betont, da sie ihren Kampf als Teil eines weiteren Kampfes geben kapitalistische Entwicklung und Zerstrung insgesamt betrachten, und haben daher die Nationale Allianz von Volksbewegungen (NAPM) mit aufgebaut und sind Teil von
Peoples' Global Action (PGA), um mit sich mit anderen Bewegungen zu vernetzen und auszutauschen. Die Websites von NBA sind unter www.narmada.org zu finden.