Fnf Jahre Haft fr Direkte Aktion

Im baskischen Teil Spaniens sind im letzten Jahr 8 AktivistInnen dafr verurteilt worden, das tragende Stahlseil einer Seilbahn gekappt zu haben, die fr den Bau eines Staudamms notwendig gewesen wre. Der Staudamm, der zwei Flsse auf 38 km aufstauen
soll, stellt aus geologischen Grnden eine Gefahr fr die anwohnenden Menschen dar, soll mehrere Naturschutzgebiete beerdigen, ist juristisch illegal und im Zusammenhang mit nachgewiesen Korruptionsfllen geplant worden. Mitglieder der Gruppe SOLIDARIOS
CON ITOIZ reisten nun durch Europa, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen.

Das Staudammprojekt, das sich im nordstlichen Teil des Baskenlandes befindet, ist etwa 30 km von der Stadt Iruna (Pamplona) entfernt. Der See, der durch das Aufstauen der Flsse Irati und Urrobi entstehen soll, wrde bei seiner Lnge von 38 km 1100
Hektar Land berfluten Neun Drfer, drei Natur und zwei Vogelschutzgebiete sollen unter einer Wassermenge von 418 Kubikkilometern begraben werden. Steinadler und Weikopfgeier sind in der bergangszone zwischen Pyrenen und Mittelmeerraum genauso
beheimatet wie seltene Pflanzenarten, der Fischotter ist mit Beginn der Bauarbeiten schon verschwunden.

Die Planungen des Stausees wurden 1995 am Nationalgericht in einem Urteil, das zwei Jahre spter vom obersten Gerichtshof besttigt wurde, juristisch verurteilt. Und das aus gutem Grund: Wie aus einem Gutachten Antonio Casas, Professor fr Geodynamik,
hervorgeht, ist die Stabilitt eines der Berghnge, auf dem die Hauptstaumauer steht, nicht gewhrleistet. Das Fllen und Leeren des Sees knnte das Abrutschen von drei Millionen Kubikmetern Erde zur Folge haben, was die Abflsse verstopfen liee oder
sogar zu einem Bruch der Staumauer fhren knnte. Doch obwohl der Bau juristisch untersagt wurde, lie die Regierung ihn in Wirklichkeit nicht stoppen. 



Wider

stand

Der Widerstand gegen den Staudamm entstand bereits, als die ersten Planungen bekannt wurden. Die Widerstandsgruppe Coordinadora de itoiz wurde 1985 als Projekt gegen den Staudamm gegrndet. Sie betrieb ffentlichkeitsarbeit, organisierte Kundgebungen
und Camps und leistete auf juristischer Ebene Widerstand.

Nachdem 1995 der Bau schon mehr als anderthalb Jahre andauerte, grndete sich die Gruppe Solidari@s con Itoiz, um neue Wege zu gehen. Sie setzte sich zum Ziel, den Bau mittels ffentlicher, gewaltfreier, direkter Aktionen zu stoppen und fhrte bis heute
ber 40 Aktionen bei den verantwortlichen Institutionen oder am Fue der Baustelle durch. Bei all ihren Aktionen blieben die AktivistInnen am Tatort, um sich der Polizei und der ffentlichen Diskussion zu stellen.

Da die Bauarbeiten trotz des Widerstands und der gerichtlichen Untersagungen nicht gestoppt wurden, entschied sich das Kollektiv im April 1996, den Bau mittels einer effektiven direkten Aktion zu stoppen. Acht AktivistInnen drangen in Begleitung von fnf
JournalistInnen in das Baustellengelnde ein. Zwei von ihnen fesselten einen Wachmann fr fnf Minuten und nahmen ihm die Waffe ab, um Schsse zu vermeiden. Whrenddessen kappten die anderen mit Trennscheiben die sechs Stahlseile der Seilbahn durch, die
auf einer Strecke von 800 Metern den zum Bau notwendigen Zement frderte. Das Herz der Baustelle wurde somit lahmgelegt und die Bauarbeiten fr ein Jahr gestoppt.

Wie bei den anderen Aktionen blieben die Solidari@s am Ort und warteten auf die Polizei. Sie wurden mit Handschellen auf dem Rcken gefesselt, gezwungen, sich auf den Bauch zu legen und bezogen eine Stunde lang Prgel, wobei es zu einem Trommelfell und
einem Sehnenri sowie vielen anderen Verletzungen kam. Daraufhin wurden sie 8 Stunden lang in Minizellen in einem Polizeiauto in der Sonne warten gelassen, wobei sie kein Wasser zu trinken bekamen. Auch die JournalistInnen wurden angegriffen, ihr Material
unbrauchbar gemacht und ihre Redaktionen durchsucht. Whrenddessen gab es eine zweiwchige Medienkampagne, die die Bevlkerung gegen die AktivistInnen aufbringen sollte. Doch die Bevlkerung solidarisierte sich mit den Solidari@s und diese muten nach
zwei Wochen aufgrund des groen ffentlichen Drucks freigelassen werden, um sie spter vor Gericht zu stellen. Zwei Tage darauf demonstrierten 15000 Menschen gegen den Staudamm. Es entstand eine groe Solidarittskampagne, whrend der mehrere Gruppen
Direkte Aktionen gegen den Staudamm durchfhrten und sich ber 300 Gruppen ffentlich solidarisierten.



Repression

2 Jahre nach der Aktion wurden die acht AktivistInnen am Landgeericht von Navarra angeklagt. Da die Richter sie so hoch wie mglich verurteilen wollten, reichte ihnen eine Anklage wegen der Sabotage nicht aus. Stattdessen konstruierten sie aus dem
fnfmintigen Fesseln des Wachmannes eine illegale Festnahme und Entfhrung. Da derartige Freiheitsberaubungen seitens der Polizei tagtglich geschehen, ohne da diese jemals dafr angeklagt werden wrde, interessierte sie wenig. Die Richter
verurteilten die Solidari@s zu je vier Jahren und 10 Monaten Gefngnis wegen der illegalen Festnahme des Wachmanns sowie einer Entschdigungssumme von fast 2 Millionen DM. Der Oberste Gerichtshof wies den Widerspruch, den die Angeklagten einlegten, im
Oktober 1999 zurck und verlangt den sofortigen Haftantritt.

Wieder einmal hat sich gezeigt, da es berall auf der Welt dasselbe ist: Korrupte Regierungen ziehen zerstrerische Projekte gegen den Willen der Bevlkerung und auf kosten der Natur durch, und die einzigen, die dem effektiv etwas entgegensetzen, sind
Basisgruppen, die statt zu groen Worten lieber zu direkten Aktionen greifen. Das klappt und deshalb gibt es dann hinterher um so mehr rger. Aber die Solidaritt gibt den Angeklagten Strke. AktivistInnnen von Soliridari@s con Itoiz reisten diesen Winter
durch Deutschland und andere Lnder, machten Veranstaltungen und fhrten direkte Aktionen durch. 



