Stoppt Anbiederung und Langeweil - radikale Aktion ist sinnvoll!

The Battle of Seattle

Das folgende ist ein leicht gekrzter Bericht ber die Ereignisse in Seattle, die wir vom Direct Action Network (DAN), einem Zusammenschlu von verschiedenen Bndnissen von sehr unterschiedlichen Gruppen (Umwelt, Menschenrechts, Straentheatergruppen
...), die sich der gewaltfreien direkten Aktion und radikaler, visionrer Politik verbunden fhlen (Eigenaussage) zugesendet bekommen haben. Auch wenn die Proteste sicherlich nicht der einzige  Grund fr das Scheitern der grospurig als Beginn der
Milleniumsrunde angekndigten 3. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation WTO war, waren die Aktionen am N30 in Seattle und weltweit ein groer Erfolg fr die AntiWTOBewegung.

Am 30. November 1999 kamen zehntausende Menschen nach Seattle mit einer einzigen Absicht: Die WTO zu stoppen. Dieser Karneval gegen Kapital war ein historischer Augenblick in der erstarkenden globalen Bewegung  gegen die Herrschaft der Konzerne und
Regierungen.

Schon Wochen vorher hatte DAN Workshops in Gewaltfreiheit, Knastsolidaritt, Blockadetechniken, Puppenbau, Medienarbeit, Erster Hilfe und mehr koordiniert. Im Zusammenschlu mit DAN arbeitete das Unabhngige Medienzentrum (IMC), das Bilder und Ton live
von der Strae ins Internet eingespeiste, wo sie tglich von 50.000 Menschen abgerufen wurden (http://indymedia.org).

 Das Konzept des DAN war es, durch eine Aufteilung des CC in 13 Sektoren verschiedene Aktionsformen zu ermglichen und gleichzeitig das gesamte Gebiet mit Blockaden so abzudecken, dass die Delegierten entweder ihr Hotel gar nicht erst verlassen konnten
bzw. das Zentrum nicht erreichen konnten. In jedem dieser Sektoren wurden die Aktionen von den verschiedenen Gruppen in dem Gebiet selbstndig gestaltet und im SprecherInnenrat aufeinander abgestimmt.

Offiziell begann N30 um 7.00 Uhr morgens, doch zu dieser Zeit wurden die Straen schon von hunderten AktivistInnen seit Stunden besetzt gehalten. Es gab zwei Umzge von der Innenstadt aus zu jeder Seite des convention centers. Einer wurde von den
Stahlarbeitern angefhrt, der andere von amerikanischen Ureinwohnern und TeilnehmerInnen der PGAKarawane, die mehrere Wochen lang mit TeilnehmerInnen aus der ganzen Welt quer durch Amerika gereist waren. Zwischen 50 und 100.000 Menschen, darunter
radikale cheerleaders, trommelnde sdkoreanischen Mnche, eine Armee von gigantischen Pappmacheschildkrten und eine mit Gasmasken vermummte Lrmbrigade fllten die Straen.

Die Behrden versuchten, die Macht der Strae mit Gummigeschossen, Trnengas, Pfefferspray, Nervengas und Gummiknppeln zu brechen. Viele Leute wurden ernsthaft verletzt an Mund, Augen und Haut durch diese nichttdlichen Waffen, doch auch dadurch
konnte der Widerstand nicht gebrochen werden. Die verzweifelten Brokraten hatten gehofft, den Marsch der 20.000 Arbeiter benutzen zu knnen, um die Intensitt des Widerstandes in der Innenstadt abzuschwchen, aber zu ihrer Enttuschung brachen Tausende
der Gewerkschafter ihren Marsch ab und schlossen sich den Blockaden an. In Ergnzung zu diesem Marsch hatte die Hafenarbeitergewerkschaft die gesamte pazifische Westkste von Mexiko bis Alaska dicht gemacht.

Spter am Abend begann die volle Militarisierung der Innenstadt. Von USAuenministerin Madeleine Albright, eingeschlossen in ihrem Hotelzimmer und dem entsprechend wtend, wurde berichtet, dass sie gefordert habe, da die Polizei ihre Mittel noch weiter
verschrfen solle. Der Brgermeister verhngte den Ausnahmezustand und erklrte die Innenstadt zur protestfreien Zone, mit Ausgangssperre von Sonnenuntergang bis aufgang und Strafandrohung auf den Besitz einer Gasmaske. An diesem Abend wurde berichtet,
da die Polizei selbst Ladenbesitzer, Restaurantbesucher, Pendler und selbst Kinder massiv angegriffen hat. Die Brutalitt der Polizei  verstrkte sich sogar noch am nchsten Tag. 500 friedliche DemonstrantInnen wurden verhaftet. In Polizeigewahrsam
wurden Leute geschlagen, an ihren Haaren gezogen, getreten, gefesselt mit Pfefferspray besprht und mit Erstickung bedroht. Mehrere Frauen wurden in Einzelhaft genommen, nackt ausgezogen und gefesselt; ein Mann wurde an einem Rollstuhl geschnrt  und
Pfefferschaum in die Augen gerieben. Als Antwort auf die Verhaftungen kampierten Tausende vor den Knsten und drohten, nicht eher zu gehen, als bis alle Gefangenen frei sind.

Es gab ein starkes Gefhl, Geschichte zu machen - in dieser Menge, die an einem basisdemokratischen Proze teilnahmen, whrend nur ein paar Blcke weiter die WTO auf Grund ihres Mangels an Demokratie auseinanderfiel. Diese Runde hatten die Menschen
gewonnen. In Seattle erlebten wir die Geburt einer breiten Bewegung. Da Stahlarbeiter, Hafenarbeiter, Kirchengruppen, Anarchisten, Bauern, Menschenrechtsanwlte und Umweltaktivisten in den Straen zusammentrafen, ist ein beispielloser Erfolg in Einigkeit
und Strke (nicht nur) fr Nordamerika.

Die WTO ist der Hhepunkt in einer langen Geschichte konomischer und politischer Herrschaft. Durch das Stoppen der WTO haben wir die ersten Schritte zur Rckeroberung der Macht in den Hnden aller Menschen gemacht.

May our resistance be as transnational as capital !!! (ww)