Konkrete Utopien vorgestellt:

Freie Menschen in freien Vereinbarungen

Die Menschen sind bescheiden geworden. Morgens qulen sich die meisten mit dem leisen, aber bohrenden Gefhl, dass sie dies alles nicht wirklich fr sich tun, zur Arbeit oder zur Uni und hoffen auf die kurze Freiheit des Wochenendes.

Immer noch bestimmt eine absolute Minderheit von Einflusstrgern ber die Geschicke der Menschen und immer noch wei jeder, dass unser Gang zur Wahlurne nichts ntzt, weil die da oben ja eh machen, was sie wollen.

Die da oben bestimmen die herrschenden Diskurse, formen den Konsens und lassen uns zwischen TV Total und Rock am Ring vllig vergessen, dass unser Planet nicht nur kologisch vor die Hunde geht.

Dennoch nehmen wir das Meiste stoisch hin und denken an die Pizza, das kalte Bier und Tony Hawks Pro Skater, der Zuhause in der Playstation auf uns wartet.

Wir sind bescheiden geworden.

Alle, nein, nicht alle - denn eine kleine unbeugsame Gruppe wagt das Unfassbare und fordert das Unmgliche: Eine Gesellschaft Freier Menschen in freien Vereinbarungen. So lautet der Titel eines viel zu wenig beachteten Buches, welches anllich der Expo
2000 als Gegenmodell fr die dort dargestellte Welt geschrieben wurde; als Gegenbild gegen das Primat von Profit und Technik. Doch Expo hin, Expo her - dieses Buch ist zeitlos!

Auf 165 Seiten werden hier wirklich umfassend, detailliert und systematisch Kritik, Argumente und Visionen geliefert, die es in sich haben.

Das Buch besticht durch eine wertvolle Tiefenschrfe in der Beobachtung und zeichnet ein deutliches Bild unserer modernen Gesellschaft, in der klare Feindbilder verschwunden sind und dafr wir alle - ob Chef oder Angestellter - im Netz des Marktes und des
Wertgesetzes hngen, das sich immer wieder selbst reproduziert.

Es verbindet klar und logisch eine radikale Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft und der Totalitt des Marktes und des Wertgesetzes mit eigenen Gegenvorschlgen einer anderen Gesellschaft, die mensch in Hinblick auf unsere bescheidene Lage durchaus
als groe Utopie bezeichnen kann.

Das Gute dabei: Lsst mensch sich auf dieses plausibel gebaute, fundiert hergeleitete und letztlich doch sehr leidenschaftliche Pldoyer fr eine freie, dezentrale, hierarchielose Gesellschaft ohne Markt ein, wird mensch merken, dass die Zweifel an ihrer
Realisierbarkeit ganz schnell hinter dem Gedanken verschwinden, wieviel schner ein Leben in solch einer Welt wre und vor allem - welch dringende Notwendigkeit fr diesen Ausweg aus der Sackgasse besteht.

Sehr konsequent ist auch die Tatsache, dass die AutorInnen ihren anarchistischen Prinzipien treu bleiben und somit nicht nur die freie Gesellschaft, sondern auch ihr Projekt als stndig wechselhaften, gemeinsam weiter zu entwickelnden Prozess betrachten,
an dem alle gleichberechtigt teilhaben sollen. So wird dieses Buch unter der Form des Copyleft (jedeR darf von dem Text Gebrauch machen, solange er/sie selber keine Rechte darauf anmeldet) vertrieben und findet sich auch als Projekt auf www.opentheory.org
, einem Diskussionsforum, das die Prinzipien freier Softwareentwicklung auf Texte bertragen hat, so dass jedeR an der Weiterentwicklung des Buches und seiner vielleicht kommenden Auflagen mitwirken kann und eben das in Gang getreten wird, was schon heute
und nicht etwa morgen die Vision dieses Buches praktiziert - ein produktives Miteinander in Selbstbestimmung statt ein verkrampftes Gegeneinander in Fremdbestimmung.