Kontrete Utopien vorgestellt: Freie Kooperation

Eine neue Art von Utopien

Es geht um eine vllig neue Art des Vernderns! Es geht nicht wieder darum, eine neue Ordnung einzufhren - die dann eben doch wieder ihre Ecken und Kanten haben wird (wobei auf diese Weise bisher durchaus auch historischer Fortschritt mglich war -
wenn man das nie gemacht htte, wren wir heute noch in der Urgesellschaft..., so wenig nur-negativ man auch die beurteilen sollte).

	Es geht DIESMAL darum, KEINE NEUE ORDNUNG einzufhren, sondern NUR die Rahmenbedingungen dafr, da alle Menschen frei ihre Kooperationen whlen knnen.

Es geht immer um den Mechanismus, nicht fr andere definieren zu wollen und zu knnen, wie ihre Kooperationen auszusehen haben, wie sie richtig sind, aber die Voraussetzungen dafr zu schaffen, da sie dies frei aushandeln knnen... (S. 27).

Das bedeutet:

Hinterfragen/Kritisieren von Eigentum, Verfgungsgewalt, physische und strukturelle Gewalt, Zugang zu den Ebenen, auf denen Normen gesetzt und die Regeln verhandelt werden (hier und im Weiteren zitiere ich Spehr, S. 5).

Vorgefundene Regeln mssen immer vernderbar sein (S. 11)

Gleichheit bezieht sich nicht auf Einheitlichkeit z.B. des Sozialen, sondern auf gleiche Verhandlungsmacht (S. 24)

Freie Kooperation als Zielvorstellung ist nicht durch bestimmte vorgegebene Inhalte definiert, sondern nur durch Absicherungen (S. 22):

berkommene Vorstellung von Verfgungsgewalt, Besitz, Arbeit, Regeln stehen vollstndig zur Disposition, d.h. knnen jederzeit neu ausgehandelt werden (also auch von Eigentum, insofern es die Belange anderer Menschen berhrt, z.B. zur Erpressung
anderer Menschen fhren knnte, wie mehr als selbst bentigter Wohnraum, Produktionsmittel etc...).

Beteiligte mssen frei sein, die Kooperation zu verlassen (sie mssen also z.B. leben knnen, ohne erzwungene Lohnarbeitsleistungen zu erbringen)

Der gleiche und vertretbare Preis der Einschrnkung/des Verlassens der Kooperation ist die oben gesuchte (siehe Zitat von S.27) Bedingung einer freien Kooperation.

Zusammenfassung: In einer freien Kooperation kann ber alles verhandelt werden; es drfen alle verhandeln; es knnen auch alle verhandeln, weil sie es sich in hnlicher Weise leisten knnen, ihren Einsatz in Frage zu stellen. (S. 22).	

Eine solche Utopie der freien Kooperation ist

nicht preskriptiv,

nicht elitr,

nicht hierarchisch,

keine Form des politisch getarnten Eskapismus (S. 32).

Sie versucht nicht, die Welt zu verbessern, sondern nur, den Menschen den Rcken zu strken (S. 32). Und nochmal: Freie Kooperation setzt nicht die Regeln, sie strkt die gleiche Verhandlungsposition der Akteure (S. 53).

Die Faustregel realistischer Kooperation lautet: Fr jeden Einzelnen mu es besser sein, da er/sie an dieser Kooperation teilnimmt, als wenn er/sie es nicht tut; und fr die Kooperation mu es besser sein, da der/die betreffende Einzelne dabei ist, als
wenn er/sie es nicht ist. Andernfalls ist die Kooperation entweder ausbeuterisch oder erzwungen, oder moralisch berzogen und auf Dauer nicht haltbar (S. 55).

Was kann man also politisch tun, wenn nicht eine bessere Welt schaffen? Sich zurcklehnen? Nein: politische Organisierung greift ein in gesellschaftliche Auseinandersetzungen, provoziert sie, regt sie an, wirft Interpretations- und
Lsungsmglichkeiten hinein.... (sie) setzt nicht Lsungsmglichkeiten durch, sondern korrigiert und kompensiert den Preis, zu dem einzelne Akteure handeln und verhandeln knnen (S. 72).