Buchbesprechung

Graswurzelrevolution

Gewaltfreier Anarchismus

1999, Graswurzelrevolution in Heidelberg, 203 S., 29,80 DM)

Der Titel fhrt etwas in die Irre - es ist kein systematisches Buch, das eine Variante des Anarchismus vorstellt. Vielmehr finden sich sehr unterschiedliche Texte mehrerer AutorInnen, die aktuelle gesellschaftliche Fragen aus dem Blickwinkel des
gewaltfreien Anarchismus beugen. Hier gehren die aktuellen Kriege, die Agenda 21, die Idee des global governance (weltweite Herrschaft aus einem Filz von Regierungen, Konzernen und NGOs - ebenso wie die Agenda eher kritisch gesehen) oder zur heutigen
Frauenbewegung. Ergnzt wird das durch einige Einblicke in anarchistische Bewegungen in anderen Lndern. Die Strke des Buches: Als Lesebuch gibt es einigen Stoff zum Nachdenken. Die Schwche: Es fehlt ein bichen der rote Faden eine konsequenten,
gegengesellschaftlichen Entwurfs. Das nimmt den Texten einiges an Brillianz.



Helmut Thielen

Die Wste lebt

(2001, Graswurzelrevolution in Heidelberg, 363 S.)

Um es vorwegzunehmen: Fr alle, die sich mit Utopien Jenseits von Kapital und Staat (so auch der Untertitel des Buches) auseinandersetzen, kann dieses Buch wrmstens empfohlen werden. Nicht, weil der gegengesellschaftliche Entwurf so berzeugend und
klar ist (das ist gerade im Spektrum des gewaltfreien Bewegungen ohnehin eher selten), sondern weil dieses Buch sehr viele Strmungen, Gedankenanstze, Theorien usw. vorstellt und kritisch hinterfragt. Ebenso werden libertre Aufstnde und
Widerstandsbewegungen vorgestellt, z.B. die Landlosen in Brasilien oder die Zapatistas in Mexiko. Deren Qualitt, nmlich die widerstndige Aufrechterhaltung von Freirumen zur Selbstorganisation statt dem Kampf um die Macht, wird eindrucksvoll
beschrieben - wie weit weg sind da doch die Industriestaaten, die ihre autonomen Zentren oft vom Staat organisieren lassen und auf ein Haus beschrnken. Das Buch ist also eine Informationssammlung und Diskussion ber bestehende Versuche und Debatten. Es
bietet keinen eigenen Entwurf und umschifft auch die Frage der notwendigen Strategien von Widerstand und Aufbau bzw. Ausweitung von Freirumen zur Selbstorganisation.

