Rubrik Gentechnik

o luft er denn - der kritische Dialog?

Der Bundeskanzler hatte einen kritischen Dialog zur Gentechnik gefordert. Nach den Seuchen in der Landwirtschaft (BSE, MKS) scheint er auch tatschlich zustande gekommen zu sein. Doch der Schein trgt.

Zwar wurde ein mit 4,2 Millionen DM ausgestatteter und wegen einer bereits zum Thema bestehenden Enquetekommission eigentlich berflssiger Ethikrat installiert. Zwar wurde selten zuvor so ausfhrlich ber Biomedizin, Gentechnik und Ethik ffentlich
geredet und geschrieben wie im Mai diesen Jahres. Doch kaum jemand uerte sich grundstzlich zur Gentechnik. Man stritt lediglich ber 2 mgliche Anwendungsgebiete: die Forschung an Embryonen und die Primplantationsdiagnostik (knstliche Befruchtung im
Reagenzglas und Auswahl unerwnschter Erbanlagen). Interessant ist, worber nicht gestritten wurde: ber genetische Untersuchungen an Menschen, gentherapeutische Experimente, Steuergelder fr die Genforschung, usw. Und die Grnen, die vor 15 Jahren
noch den Einstieg in die Gentechnik verhindern wollten, beschwren heute ihre humanitren und konomischen Chancen (Eckpunktepapier der Bundestagsfraktion vom 15. Mai 2001). Geht es berhaupt noch um das ob oder nur noch um das wie?

Auerdem: Wirklich wissenschaftskritische Dialogpartner konnten z.B. vom Bundesforschungsministerium entgegen dessen Angaben gar nicht an der Debatte beteiligt werden. So diskutiert das Ministerium zum Beispiel mit dem deutschen Humangenomprojekt und
anderen Gentechindustriellen. Als einzige kritische Organisation wurde das Gen-ethische Netzwerk eingeladen. Doch letzteres hat sich verweigert, unter anderem mit dem Hinweis darauf, da das Programm der Diskussionen von vorne herein derart festgelegt
war, da man sich als bloe Statisten gefhlt habe.

Quellen: BioSkop Nr. 14, Juni 2001, genpost-red@gen.free.de vom 3. Mai 2001 und GiD Nr. 145, April/Mai 2001