Deutschland noch nicht reif 

fr Call a bike

Einkauf - vollbepackt quer durch die Stadt von Laden zu Laden, wer trumt da nicht davon: Rder, die man an berall in der Stadt verteilten Fahrradstationen kostenlos oder billig ausleihen kann. In Kopenhagen ist dieser Traum Wirklichkeit, in Deutschland
gab es verschiedene Versuche solche Stadtradkonzepte zu etablieren, dauerhaft halten konnte sich noch keines.

Jngstes Beispiel ist das Mnchner call a bike-Mobilittssystem: Knapp 2000 callbikes gingen April vergangenen Jahres an den Start. Sie konnten im Mnchner Innenstadtbereich einfach per Telefonanruf entliehen und wieder zurckgegeben werden. Die
High-Tech-Rder wurden von mobilen Serviceteams rund um die Uhr gewartet und immer wieder gleichmig ber die Stadt verteilt, Groveranstaltungen wurden gezielt mit Fahrrdern beliefert. Die Leihgebhr war erschwinglich: 1,80 DM Grundgebhr, danach
minutenweise 3 Pfennig. Bei Rckgabe auerhalb des Stadtzentrums wurden zustzliche Kosten berechnet. Eine Expansion des pfiffigen Konzepts nach Kln und Hamburg war geplant.

Doch bevor der Funke berspringen konnte ging den Unternehmern die Puste aus. Call a bike musste zum Jahreswechsel Konkurs anmelden. Die Bahntochter DB Rent bernahm daraufhin call a bike und mchte voraussichtlich ab September 2001 in Mnchen wieder
Rder zum Entleihen bereitstellen.

Bereits vor mehreren Jahren lief in Mannheim ein hnlich strukturiertes Stadtradprojekt Rad im Quadrat. Hier konnten per Chipkarte Rder entliehen werden. 300 Rder waren pro Saison im Einsatz. ber fnf Jahre hielt sich Rad im Quadrat, dann musste
dieses Projekt wieder eingestellt werden: mangelnde Akzeptanz bei der Bevlkerung, Diebstahl, Vandalismus, insgesamt zuwenig Einnahmen - ein Verlustgeschft. Auch in Minden scheiterte ein Radleihsystem bereits nach wenigen Jahren. Ein Konzept, das sich
bislang halten konnte, ist Oderlandrad. An verschiedenen Stationen im Oderbruch nutzen vor allem Touristen das kostenlose Angebot.

Doch es fehlen weiterhin Stadtradkonzepte, die fr Alltagsradler in der Stadt eine sinnvolle Ergnzung zu dem bereits bestehenden Verkehrsnetz bieten. DB Rent plant zwar, das call a bike-System auf alle Grostdte und Ballungsrume in Deutschland
auszuweiten, doch es ist fraglich was aus diesen Plnen wird, wenn die Bahn AG bis 2004 statt 10,5 Milliarden DM Gewinn voraussichtlich 2 Milliarden Verlust einfahren wird. Zur Umsetzung eines funktionierenden Radleihsystems gehrt in Deutschland ein
langer Atem: in vielen Kpfen ist das Rad zwar als Freizeitspa voll akzeptiert, als Alltagsrad muss es sich erst noch etablieren.





Ausstellung: Rder erleichtern 

das Leben in Afrika

Krankentransport ins nchste Krankenhaus auf Trampelpfaden - hier kann ein Fahrrad Leben retten. Bananen, Flechtkrbe oder Maniok werden von Frauen auf dem Kopf zum Markt getragen - ein Rad erleichtert den Transport enorm. Oder das tgliche
Wasserholen von einem Brunnen, der mehrere Kilometer entfernt liegt, kann mit dem Rad bequemer erledigt werden.

Eine Spende ermglicht einigen Menschen in Uganda, ein Rad zu erschwinglichen Preisen kaufen zu knnen. Nhere Infos zu Spenden und zum Ausleihen der Ausstellung bei Jugendhilfe Ostafrika, Thankirchen 3, 83623 Dietramszell, Tel.&Fax 08027-7114,
africa.bike@ilo.de.





Abschaffung menschen-

gerechter Wege auf dem

Verwaltungsweg geplant

Wenn die vom Bundesverkehrsministerium derzeit geplanten Vernderungen der Straenverkehrs-Ordnung StVO und der entsprechenden Verwaltungsvorschriften umgesetzt werden, wird in Sachen Verkehrsberuhigung und Umweltverbund der Rckwrtsgang eingelegt und
der Vorrang des Autoverkehrs ausgebaut.

Insbesondere die in den letzten Jahrzehnten von Brgerinitiativen, Umwelt- und Verkehrsverbnden und von Verkehrswissenschaftlern hart erkmpften Mglichkeiten, ein wenig mehr an Aufenthaltsqualitt in stdtische Straen zu bringen, sollen ohne
ffentliche Diskussion eingeschrnkt werden oder gar wieder aus dem Regelwerk fr kommunale Planer verschwinden.

Die Verschlechterungen im berblick:

Weniger Verkehrsberuhigung

Kein Vorrang fr Fugnger

Keine Frderung des PNV

Spielstrae ade

Vorfahrt fr den MIV

Widerstand ist angesagt: Die vorliegenden zahlreichen nderungsvorschlge , die hier nur kurz angedeutet werden konnten, sind bereits mit den Lndern abgestimmt und knnten ber den Bundesrat sehr schnell Wirklichkeit werden. Sie scheinen zumindest
teilweise der populistischen Schilderwald-Kampage des ADAC entlehnt zu sein. Hinter dem Motto Weniger Verkehrszeichen stecken harte verkehrspolitische Interessen zur Frderung des Kraftfahrzeugverkehrs.

Alle, die sich fr einen menschengerechteren Verkehr einsetzen, sollten alle Hebel in Bewegung setzen, um diese Novellierung der StVO zu verhindern! Hilfestellung dazu siehe rechts.

Gekrzter Text. Die Originalfassung ist unter www.oepunkte.de zu finden.