ber 40 Todesflle durch BAYER-Arznei

Der LIPOBAY-Skandal

Es war die bislang umfangreichste Rckruf-Aktion in der Geschichte der Pharma-Industrie: BAYER musste den weltweit von sechs Millionen Menschen eingenommenen Cholesterin-Senker LIPOBAY in den USA und in Europa vom Markt zurckziehen, da MedizinerInnen der
US-Gesundheitsbehrde FDA 31 Todesflle unter LIPOBAY-PatientInnen gemeldet hatten.

Ich nehme seit zwei Jahren das Medikament LIPOBAY. Und genau so lange habe ich starke Muskel-Beschwerden in den Beinen, bin unsicher im Gang - ein richtiges Pinocchio-Gefhl. Da bin ich jetzt natrlich hellhrig geworden. So beschreibt mit Joachim
Hermanski ein Betroffener der Dsseldorfer Rheinischen Post seine Reaktion auf den Pharma-GAU. Die von ihm erwhnten Muskel-Probleme haben bei 31 US-AmerikanerInnen zu Muskel-Zerfall (Rhabdomyolyse) und nachfolgend zu einem tdlichen Nierenversagen
gefhrt. Besonders die parallele Einnahme von Prparaten mit dem ebenfalls cholesterin-senkenden Wirkstoff Gemfibrozil erwies sich als verhngnisvoll. Die US-Gesundheitsbehrde FDA zog die Notbremse und bewog BAYER zu einem dringenden freiwilligen
Rckzug, wie der offizielle Sprachgebrauch in solchen Fllen immer lautet.

Die muskel-schdigende Wirkung von Cholesterin-Senkern aus der Wirkstoff-Gruppe der Statine ist schon seit lngerem bekannt und auch in dem weit verbreitenden MedizinerInnen-Kompendium Pschyrembel nachlesbar. Nach der Verordnung von LIPOBAY kam es
jedoch nach FDA-Angaben signifikant fter zu dieser Gegenanzeige. Auch das in der Bundesrepublik fr die Arzneimittel-Sicherheit zustndige Bundesinstitut fr Arzneimittel und Medizin-Produkte (BfArM) wusste davon, bewertete aber den Nutzen hher als
das Risiko. Bereits 1998 starb der erste LIPOBAY-Patient. Als dann bis Juni bei der Behrde 90 Meldungen ber Komplikationen nach der Gabe des Medikaments eingingen, beschlossen die GesundheitsbrokratInnen, ein bisschen was zu unternehmen. Auf dem
Kleinen Dienstweg hielten sie BAYER dazu an, so genannte Rote-Hand-Briefe an ApothekerInnen und rztInnen zu versenden. Sie enthielten einen Hinweis auf mgliche Nebenwirkungen bei einem gleichzeitigen Verschreiben von gemfibrozil-haltigen Arzneien.
Dabei blieb es dann auch, und beim BAYER-Vertrieb galt die Devise Business as usual. Noch nach der Warn-Aktion, klagt der Arzt Thomas Nasse an, ist noch eine Pharma-Referentin zu mir in die Praxis gekommen und hat das Medikament angepriesen. In der
Vergangenheit hat der Pharma-Multi MedizinerInnen sogar mit Orient-Express-Reisen zum Verordnen von LIPOBAY (Packungspreis 278,95 DM!) anhalten wollen (siehe SWB 1/00).

Der Pharma-GAU ist die logische Konsequenz einer Entwicklung, in deren Folge der VerbraucherInnenschutz immer mehr zu Gunsten der Pharma-Industrie vernachlssigt wurde. Einmal mehr gehen Konzern-Manager fr den Profit ber Leichen. Auszubaden haben
das andere, neben den LIPOBAY-Opfern vor allem die Belegschaft. Der Multi hat drastische Kosteneinspar-Programme angekndigt. In der Kunststoff-Sparte sollen 1.800 Arbeitspltze vernichtet werden und im Gesundheitsbereich 2.400 - die mglichen
Konsequenzen des LIPOBAY-Produktionsstopps noch nicht einmal eingerechnet. Nach der erzwungenen Unterbrechung der Herstellung des Gentech-Blutprodukts KOGENATE wegen bakterieller Verunreinigung der Anlagen und der Einstellung der klinischen Erprobung
eines gentechnisch erzeugten Asthma-Prparats knnte dieser dritte Arznei-GAU innerhalb eines Jahres sogar die gesamte Pharma-Sparte zur Disposition stellen.