Rubrik Chemie/Industrie

nabhngige Wissenschaft 

in Gefahr

Da die staatliche Frderung von Universitten und Forschungseinrichtungen seit Jahren zurckgefahren wird, geraten Wissenschaftler, medizinische Fachgesellschaften und Selbsthilfegruppen immer mehr in die Fnge groer Unternehmen. Zwar werden
industriefreundliche Gutachten selten direkt bestellt, doch Untersuchungen belegen, dass wissenschaftliche Verffentlichungen deutlich unkritischer ausfallen, wenn die Autoren finanzielle Zuwendungen der Wirtschaft erhalten.

Artikel in medizinischen Fach-Journalen haben groen Einfluss auf die Vermarktungschancen von Pharmazeutika. Viele Firmen werben fr ihre Produkte mit dem Verweis auf wissenschaftliche Studien. Was die Medizin-Zeitschriften verffentlichen, entspricht
jedoch allzu hufig nicht den Mastben seriser und unabhngiger akademischer Arbeit: das angesehene New England Journal of Medicine musste krzlich einrumen, dass die AutorInnen von wohlmeinenden Forschungsberichten ber Arznei-Wirkungen in 19 von
40 Fllen auf der Lohnliste der Firmen standen, deren Medikamente sie prften. Zwecks Schadensbegrenzung entschuldigten sich die Herausgeber und kndigten neue Vorschriften fr die Offenlegung von Verbindungen zwischen MedizinerInnen und
Pharma-Konzernen.

Die amerikanischen Initiative Center for Science in the Public Interest (CSPI) hat nun die Finanzierung zahlreicher amerikanischer Forscher und Organisationen unter die Lupe genommen und die Ergebnisse im Internet verffentlicht
(www.integrityinscience.org). Michael Jacobson von der CSPI resmmiert: Mehr und mehr Wissenschaftler werden von groen Unternehmen bezahlt, um Forschungsauftrge durchzufhren, auf Pressekonferenzen zu sprechen oder als unabhngige Experten aufzutreten.
Hufig kommt es vor, dass weder die betroffenen Forscher noch die Geldgeber die Untersttzung offenlegen. Das CSPI moniert, dass Gesundheits- und Umweltpolitik auf diese Weise von Wissenschaftlern beeinflusst werden, deren Unabhngigkeit nicht gegeben
ist.

Die deutsche Bayer AG untersttzte beispielsweise im vergangenen Jahr die AMERICAN HEART ASSOCIATION und die AMERICAN DIABETES ASSOCIATION mit jeweils mehr als einer Million Mark. Die Expertisen beider Gesellschaften haben fr Bayer hchste Prioritt, da
das Leverkusener Unternehmen das umstrittene Herzmittel Adalat (Jahresumsatz: mehr als eine Milliarde Mark) sowie das praktisch wirkungslose Glucobay zur Behandlung von Zuckerkranken verkauft. Bayer ist zudem einer der grten Anbieter von
Blutzucker-Messgerten. Beide Gesellschaften halten sich denn auch mit kritischen Kommentaren zu den risikoreichen Medikamenten zurck. Weitere Gesponsorte allein von Bayer: Die Amerikanische Herzgesellschaft, die ALLIANCE FOR THE PRUDENT USE OF
ANTIBIOTICS, die ARTHRITIS FOUNDATION, die ENVIRONMENTAL SENSITIVITIES RESEARCH INSTITUTE und die DEUTSCHE DIABETES-STIFTUNG.





