Kunststoffe im Kreuzfeuer

Unter den vielen chemischen Produkten, mit denen wir tglich in Berhrung kommen, ist eine Vielzahl noch nie auf Auswirkungen auf unseren Organismus untersucht worden. Eine der umstrittenen Substanzen ist das von der BAYER AG hergestellte Bisphenol A,
welches sich in Plastik-Babyflaschen und Beschichtungen von Konservendosen befindet. Eine Studie des WWF hat in letzter Zeit fr Unruhe bei Verbrauchern und Industrie gesorgt.

Bisphenol A (BPA) wird seit etwa 40 Jahren im grotechnischen Mastab hergestellt. Dabei wird es z. B. bei Zahnfllungen und Thermopapier in seiner Grundform benutzt, wogegen es viele weitere Anwendungen gibt, die auf vernetztem BPA/Polycarbonat beruhen:
CDs, Armaturen und Plastikteile im Auto, Haushaltsgegenstnde, transparente Babyplastikflaschen, Nahrungs- und Getrnkeverpackungen. Auch Epoxidharze, Kleber und viele Do-it-yourself-Produkte enthalten BPA, Nahrungsmittel- und Getrnkedosen werden in der
Regel innen mit einem BPA-haltigem Epoxidharz berzogen. In den seltensten Fllen werden die Verbraucher auf den Inhaltsstoff aufmerksam gemacht.

Der jhrliche Verbrauch von BPA in der EU wird auf ber 640.000 t pro Jahr geschtzt. Im Jahr 1999 produzierte BAYER allein 300.000 t. Der Leverkusener Multi ist damit unangefochtener Weltmarktfhrer. Die globale Wachstumsrate wird mit etwa 7% angenommen.
Krzlich hat BAYER eine BPA-Fabrik in Thailand erffnet, momentan baut die Firma eine Anlage in China.

Bis 1981 gab es kein gesetzliches Limit fr die Verwendung von BPA, obwohl bereits bekannt war, dass es leicht in Lsung geht, z.B. bei mechanischer Reinigung oder Erhitzen. Als Folge ist BPA im Klrschlamm, auf bewirtschafteten Feldern, in
Recyclingpapier, in Gewssersedimenten und in Wildtieren gefunden worden - um so erstaunlicher, als BPA eine kurze Halbwertszeit hat und normalerweise innerhalb weniger Tage in der Umwelt abgebaut wird.

Bis in jngste Zeit wurde vllig ignoriert, dass 1938 - bereits 5 Jahre nach der Entdeckung der weiblichen Geschlechtshormone - strogenhnliche Wirkungen des BPA entdeckt wurden. Hormone sind Stoffe, die von Drsen nach innen (endokrin) abgegeben werden
und Steuerungsfunktionen haben. Die strogene gehren dabei zu den wichtigsten: zum Beispiel knnen sie in der Schwangerschaft den gesamten Organismus der Mutter zum Wohle des Kindes umprogrammieren.

Hat nun ein extern zugefhrter Stoff, wie z. B. BPA, eine hormonhnliche Wirkung, so greift er in das feine Gefge der Regulation ein, indem er die Mengen der krpereigenen Hormone und ihrer Gegenspieler verndert und so die Gleichgewichte verschiebt.
Oder er blockiert die entsprechenden Hormonrezeptoren der Krperzellen. Diese Strungen knnen reversibel oder auch irreversibel sein.

Der WWF legte erstmals eine umfassende Studie (Bisphenol A: a known endocrine disruptor) vor, in der das drohende Risiko ausfhrlich dokumentiert wurde. Danach ging alles sehr schnell. Die Industrie verwies auf entsprechende eigene Experimente, die fast
keine Effekte zeigten oder eine andere Interpretation nahelegten, so wurde z. B. erhhtes Prostatagewicht auf ein erhhtes Krpergewicht der Tiere zurckgefhrt. Zugleich wurde behauptet, die abweichenden Ergebnisse der unabhngig durchgefhrten
Experimente seien auf deren mangelhafte Standards zurckzufhren.