konomie-Kritik schrfen!

Nach den Auseinandersetzungen von Genua ist das Thema Wirtschaft, vor allem die groen Konzerne und ihre weltweiten Geschfte, in aller Munde. Die Protestaktionen haben inzwischen ein Ma angenommen, das mensch von einer neuen Phase politischer
Auseinandersetzungen ausgehen kann. Qualitt und Quantitt bertreffen zumindest in den Industrienationen all das, was in den vergangenen Jahrzehnten stattfand. Nur in Deutschland sind die erstarrten, untereinander verfeindeten und nach
Dominanz strebenden politischen Gruppen nicht aus dem Quark gekommen ...

Die Aktionsqualitt berdeckt aber inhaltliche Schwchen. Und die sind immens: Etliche Gruppen, die zum Teil erst ber eine professionelle Medienarbeit sich selbst im Zuge der Aktivitten ins Rampenlicht stellen, stellen Forderungen auf, die mit
dem Begriff verkrzte Kapitalismuskritik noch beschnigt werden. Einige RestsozialdemokratInnen in der SPD trumen von der Reregulierung und dem guten Staat (als wre nicht der Staat erst der, der ber seine Machtpotentiale den Markt durchsetzt
und garantiert), andere hngen der konomisch vllig sinnlosen Idee einer Spekulationssteuer (Tobin Tax) an. Die aber wrde nur Profitgier in den Investitionsbereich verschieden: Staudmme, Atomkraftwerke, Flughfen, Militr.

Nach wie vor weit verbreitet ist die Trennung in raffendes (spekulierenden) und schaffendes (arbeitendes) Kapital. Diese Trennung ist jedoch weder systematisch noch von den Personen her machbar. Wozu gehrt der leitende Angestellte eines Konzerns? Wozu
der VW-Arbeiter mit seinem Bndel Infineon-Aktien? Zudem ist diese Einteilung gefhrlich, bietet sie doch die Grundlage fr Sozialrassismus und Antisemitismus. Diejenigen, die der sog. Antiglobalisierungsbewegung (dabei geht es gar nicht um einen Protest
gegen globalen Austausch, sondern gegen Herrschaft und Verwertung in allen Formen!) in den letzten Wochen vermehrt antisemitische Tendenzen vorwerfen, liegen aber auch falsch - und sollten sich lieber in die ntigen Diskussionen werfen, als anonyme
Flugbltter oder Texte in strukturlinken Medien zu verbreiten. Die Gleichsetzung von Judentum und Kapitalismus ist und war immer falsch. Wer Antikapitalismus mit Antisemitismus gleichsetzt, macht das aber auch - wenn auch mit bester Absicht. Aber gut
gemeint ist noch nicht gut.

Folglich: Mit der Entwicklung von Aktionsformen und der Ansprache von viel mehr Menschen fr einen Protest gegen Markt und Macht (in Deutschland stehen wir noch vor den Startblcken und streiten um die Aufstellung ...) mu eine Entwicklung von Positionen
und Visionen einhergehen. Sonst wre es schade um diesen Widerstand, wenn er am Ende nur schlechte Refrmchen oder nur internen Streit hervorbringt. Eine andere Welt ist ntig - und mglich!