LeserInnenbriefe zur Freiwirtschaft

Die Redaktion der -Punkte erreichten erneut etliche Briefe zum Thema Freiwirtschaft. Eine nochmalige Debatte in den -Punkte wird es jedoch nicht geben, weil die Briefe sich sowohl in der Argumentation pro Freiwirtschaft/Gesell/Zinstheorie
stark hneln als auch in den Angriffen auf die -Punkte-Wirtschaftsredaktion. Der Eindruck eines abgesprochenen Vorgehens entstand. Wir drucken einen der LeserInnenbriefe stellvertretend ab sowie eine Sammlung von Auszgen zu den Beschimpfungen - das
ist doch ein beachtlicher Stil, da sich einige SchreiberInnen selbst als Opfer der -Punkte bezeichneten, obwohl es sicher wenig Zeitungen gibt, die eine so offene und kontroverse Debatte zulassen (die -Punkte sind ja auch hart wegen dem Abdrucken von
Pro-Freiwirtschaftstexten angegriffen worden, was aber ebenso nur die hohe Verbreitung von Zensurphantasien und Angst vor eigener Argumentationsschwche zeigt). Einen Groteil der Zusendungen sind unter www.oepunkte.de dokumentiert. Dort werden auch
weitere Zusendungen zum Thema zu finden sein, ber die wir uns weiter freuen.

Die Redaktion Wirtschaft der -Punkte bleibt bei ihrer Kritik an der falschen konomischen Theorie und der berbewertung des Zinses als zentraler Ursache von Wirtschaftswachstum und Ausbeutung sowie an der Offenheit vieler freiwirtschaftlicher
Zusammenhnge fr rechte Ideen und Ideologen.



Diskreditiert 

sich selbst

Zur Debatte Freiwirtschaft

Jrg Bergstedt, Redaktion Wirtschaft / Direkte Demokratie diskreditiert sich mit seiner Stellungnahme selbst: Mit pauschalen, oberflchlichen Parolen und wissenschaftlich nicht haltbaren Halbwahrheiten wird gegen die Zinskritiker zu Felde gezogen. Mir
fehlt ein klarer Gedankengang, ein roter Faden und vor allem durchdachte Begrndungen fr seine zahlreichen Gegenthesen (ein Beispiel: Die Konzepte von Silvio Gesell sind in vielen rechten Gruppen wirtschaftspolitisches Programm sind ein
Totschlagargument, bei dem konkrete Namen [und entsprechende entlarvende, rechte Zitate aus dem Programm] solcher Gruppierungen fehlen. [Diese wrden mich, der ich mich ganz klar von rechten Gedankengut distanziere, auf jeden Fall interessieren].)

Da Jrg ausdrcklich um ergnzende Ausfhrungen bittet, will ich diesem Punkt im folgenden nachkommen und mich dabei auf den Aspekt des Umweltschutzes sttzen. Dieser drfte den -Punkte-Leser wie auch Jrg Bergstedt, den ich noch aus seiner / meiner Zeit
bei der Naturschutzjugend her kenne, am ehesten interessieren:

Ich hoffe, die Bedeutung des Zinses beim Umweltschutz wird deutlich. ber Lsungsvorschlge, wie sich der Zins absenken liee, sei auf andere Literatur (z.B. B. Lietaers Ausfhrungen ber Komplementrwhrungen in Das Geld der Zukunft) verwiesen. Gerne
kann ich dies auf Wunsch auch in einer der nchsten Ausgaben der -Punkte einmal ausfhrlich darstellen.

Doch jetzt erst mal meine angekndigten, ergnzenden Ausfhrungen zum Umweltschutz und Zins:

Warum der Umweltschutz chancenlos ist

Der Blick in die Welt veranschaulicht immer wieder das groe Konfliktpotential zwischen Naturschutz und Wirtschaftsinteressen:

Goldtagebau in der Trkei

Im Sden der Trkei sorgten vor einigen Jahren Plne fr Wirbel, 100.000de von ha Olivenhaine fr ein gigantisches Goldabbauprojekt in eine cyanitverseuchte Kraterlandschaft zu verwandeln. Fr Gewinne aus 7 Jahre Raubbau sollte eine gewachsene
Kulturlandschaft, die vielen Menschen eine dauerhafte Existenz sichert, geopfert und unwiderbringlich vernichtet werden.

Ausbeutung der Meere

Mit riesigen Fangflotten werden die Meere systematisch leergefischt. Nicht nur die Existenz vieler kleiner lokaler Fischer wird zugunsten einiger groer Industrieschiffe geopfert: Auch die Fische an sich verschwinden durch die berfischung zunehmend. In
dieser Lage wird nun auch nach und nach auf minderwertige Fische und andere Meerestiere zurckgegriffen, die zu Fischmehl verarbeitet werden. Diese Tiere gehen natrlich als Nahrung der Nutzfische verloren und dezimieren damit diese
Fischbestnde weiter.

Regenwaldzerstrung:

Ungeachtet ihrer Bedeutung fr das globale Klima und des unermlichen Artenreservoirs, schreiten der gigantische Holzraubbau, die Brandrodung und damit die Vernichtung der Regenwlder voran.

Beispiele fr hnliches Handeln - auch im privaten Umfeld - kennt jeder zur Genge. Wirtschaftwissenschafter und Finanzexperten haben fr dieses kurzfristige Denken und die Ursachen dieser Entwicklung einen eigenen Fachbegriff: Abdiskontierung der
Zukunft. Damit ist die Tatsache umschrieben, dass ein heute erzielter Gewinn mehr wert ist als einer, der erst morgen anfllt.

Zur Verdeutlichung: Wer fr eine Investition heute 100 Euro erhlt, muss in 10 Jahren bei einem jhrlichen Zinssatz von 7% bereits 200 Euro erwirtschaften, um den gleichen Nutzen zu erzielen. Oder anders: 100 Euro heute sind doppelt so viel wert wie 100
Euro in 10 Jahren. Zuknftige Gewinne und Kosten werden also - so der Fachbegriff - abdiskontiert, d. h. auf einen niedrigeren Referenzwert fr heute bezogen.

Ursache dafr: Durch die Zins- (und Zinseszins-) einnahmen wchst ein Gewinn um so schneller, je kurzfristiger er realisiert werden kann.

Damit rckt der Wunsch, mglichst kurzfristig eine hohe Rendite zu erzielen in den Vordergrund des menschlichen Strebens, was - wie oben dargestellt - die Zerstrung und Ausbeutung ganzer Landschaften einschliet. Selbst dauerhafte
Entschdigungsleistungen (die ja z.T. entsprechend weit in der Zukunft liegen und durch die Abdiskontierung zusammenschmelzen) ndern unter dem Strich nichts an der Profitabilitt solcher Projekte.

Ein jeder, der derzeit auf Nachhaltigkeit setzt, wird also letztlich zu den Verlierern gehren. Angesichts der immer schrferen Wettbewerbe knnen und wollen sich das zunehmend weniger Menschen leisten. Eine fatale Entwicklung, die die Grundlagen unserer
eigenen Existenz zunehmend bedroht und dabei doch nur die Rahmenbedingungen unseres Zusammenlebens optimal nutzt.

Ohne eine nderung dieser Rahmenbedingungen ist ein mehr an Natur- und Umweltschutz allenfalls punktuell mglich, wenn z.B. aufgrund des massiven Widerstands aus der Bevlkerung einzelne Gesetze verabschiedet werden und meistens gleichzeitig noch die
Allgemeinheit mit Steuermitteln (zur Vermeidung finanzieller Hrten oder zur Frderung der angestrebten Entwicklung) dafr zahlt, dass die gewnschten Effekte auch tatschlich eintreten. ...

Entscheidende Rahmenbedingung in unserer Gesellschaft ist der Zins, der fr die so kritische Abdiskontierung verantwortlich ist, aber auch noch andere Probleme mit sich bringt:

Wachstum bis zum Kollaps

Der Zins lsst die Geldbestnde nominal gesehen immer weiter ansteigen. Damit dieses mehr an Geld nicht dereinst zu einer Inflation fhrt, muss der diesem Geld gegenberstehende Warenwert auch entsprechend anwachsen. Dieses kann nur durch ein stndiges
Wirtschaftswachstum erreicht werden, egal ob noch Bedarf (nach zustzlichen Autos, ...) da ist oder nicht.

Kritisch vor allem: Das Zinses-Zins-Wachstum ist expotentiell. D.h. die gravierenden nachteiligen Effekte werden zu Beginn verdeckt und erreichen erst bei zunehmend lteren Volkswirtschaften gefhrliche Dimensionen: Bei 3% Wachstum der durch Straen
versiegelten Flche (1,2 %) ergibt sich eine Verdoppelung dieser Flche alle 23,5 Jahre; schon in 235 Jahren wre Deutschland allerdings in 12 Ebenen vollstndig mit Straen berbaut.

berschuldung

Die Verschuldung der sogenannten 3. Welt, zwingt diese Lnder aufgrund des Zinssystems dazu, ihre Rohstoffe unter menschenverachtenden Bedingungen selbstverstndlich ohne irgendwelche kologischen Standards mglichst preiswert auszubeuten, um sie
anschlieend zu Dumpingpreisen auf dem Weltmarkt verkaufen zu knnen. Ziel ist es dabei genug harte Devisen fr die Zinszahlungen fr die aufgenommenen Kredite zu bekommen (eine Tilgung der Kredite ist nicht in der Regel nicht mglich und auch gar nicht
gewollt). Tglich flieen somit 100-te von Millionen Dollar in die reiche 1. Welt, ein vielfaches von dem, was an Entwicklungshilfe, Spenden, ... wieder zurckfliet.

Nicht nur global sondern auch innerhalb z.B. Deutschlands ffnet sich durch den Umverteilungsmechanismus des Zinses die Schere zwischen arm und reich zunehmend (vgl. 1. Armutsbericht der Bundesregierung). ...

(per Mail erhalten und leicht gekrzt, im Original unter www.oepunkte.de)





Weitere Auszge

Josef Hwe, Berlin: ... Jrg Bergstedt mchte die Freiwirtschaftslehre als Wirtschaftstheorie angreifen (Sommerausgabe 2001). Aber er hat von ihr und von der Bedeutung des Selbstbestimmungsrechts der Menschen in Gesells Natrlicher Wirtschaftsordnung
offenbar kaum etwas verstanden und scheint vllig naiv zu sein gegenber den Folgen eines stndig positiven Zinses oder er will sie nicht sehen. Wie hufig, wenn es an Sachargumenten mangelt und die Menschen von einer Ideologie beherrscht werden, ...
offenbart Vorurteile ... damit disqualifiziert sich Bergstedt als diskussionswrdiger Partner ... auf diesem Niveau macht die ganze Debatte keinen Sinn ...

Bernd van Straeten, Wuppertal: Es wre angemessen, wenn Bergstedt zuknftig seine Statements mit Quellenhinweisen belegen wrde, statt ahnungslos von marxistischen Ideologen wie Ditfurth & Co. abzuschreiben, zumal als angeblicher Wirtschaftsredakteur.

Klaus-Peter Schleisiek, Aachen: In dem mir zufllig in die Hnde gefallenen Exemplar der Zeitung las ich zum Thema Freiwirtschaft die quasi vom Konflikt zerrissene Debattenseite. Zerrissen hat sich der Redakteur Jrg Bergstedt selbst, indem
er dreifachen Spagat versuchte.

ERSTENS handelte er seinem lblichen und im Abschnitt 1 nochmals tapfer verbal verteidigten Anspruch auf emanzipierten (=unbevormundeten?) Diskurs praktisch zuwider, indem er die Debattenseite fr sich selbst beanspruchte, anstatt die Leserschaft zu Wort
kommen zu lassen!

ZWEITENS ... Wer den als Quelle genannten Artikel von Helmut Creutz in Contraste, Jan.2001 zur Hand hat, wird finden, da der Zins NICHT als Ursache fr ALLES Schlimme dargestellt wird. Der zweite Weltkrieg ist nicht erwhnt, und von raffendem und
schaffendem Kapital steht da berhaupt nichts. Fr diese Entgleisung sollte sich Jrg Bergstedt - auf der Debattenseite - entschuldigen! ...

Volker Freystedt (2. Vorsitzender), EQUILIBRISMUS e.V. (www.equilibrismus.de): ... den Umgang mit Helmut Creutz, den Jrg Bergstedt pflegt, finde ich beschmend. Jemand erfundene uerungen vorzuhalten, um einer inhaltlichen Auseinandersetzung
auszuweichen, ist mindestens so plump und feige wie die nicht belegte Unterstellung personeller Kontakte zu rechten Gruppen. Gerade weil die Rechten zum Teil die gleichen Themen (kologie und konomie) belegen, sollten wir uns von ihnen klar
unterscheiden - und den auf Informationen angewiesenen Lesern Differenzierungshinweise geben, statt sie durch scheinheilige Warnungen (die stark an Nazi- und Stasimethoden erinnern) davon abzuhalten, sich mit `konkurrierenden Ansichten zu beschftigen,
nur weil die einem selbst nicht in den Kram passen.