Buchbesprechung

Claudia Gnther u.a.

Neue Wege zu nachhaltigem Konsum

(2000, Erich-Schmidt-Verlag in Bielefeld, 260 S., 56 DM)

Das Buch dokumentiert eine Tagung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt im Rahmen der Expo 2000 - das allein konnte damals schon Stirnrunzeln bereiten. Auf der Tagung und im Band sind dann in einer ntzlichen Vollstndigkeit Kriterien und
praktische Mglichkeiten fr ein nachhaltiges Konsumverhalten nachzulesen. Es geht um Kleidung, Wohnungen, Energieverbrauch usw. Angenehm die Aussage, da es nicht um Vereinheitlichung ginge, mangelhaft das Ausblenden der Zwnge durch die
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Solange nur Profit zhlt, ist alles nur ein Traum!



Joachim Raschke

Die Zukunft der Grnen

(2001, Campus in Frankfurt, 470 S.)

Ein dicker Wlzer des Grnen-Experten Raschke. Im Mittelpunkt steht die aktuelle Verfassung sowie die taktischen Manver rund um die Machtbernahme auf Bundesebene. Raschke benennt viele Prozesse als Ursache fr die Substanzlosigkeit der Grnen, u.a.
auch der interne Machtkampf, in dessen Verlauf die sog. Fundis die Partei verlieen - und mit ihnen viel der inhaltlichen Ausrichtung. Regierungsbeteiligungen wrden die eher inhaltslosen Zentristen, wie sie der Autor benennt, strken. In jedem Fall
sind die Grnen Partei. Nur noch.



Cornelia Rsler

Lokale Agenda 21 auf Erfolgskurs

(1997, difu in Berlin, 109 S., 30 DM)

Nach den ersten beiden Erfolgsjahren der Agenda 21 in Stdten und Gemeinden (mit Hilfe von Millionenbetrgen setzte sich die Idee durch) zieht dieser Band ein erstes Resmee - aus heutiger Sicht schon fast ein wertvolles Geschichtsbuch, wie alles losging.
Den Hauptteil bilden Berichte aus den Stdten, vor allem groe Stdte, die voranpreschten und erste Auswertungen vorlegen. Einleitend finden sich zudem thematische Abhandlungen und das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Stdtetages.



Bettina Oppermann/Kerstin Langer

Umweltmediation

(2000, Akademie fr Technikfolgenabschtzung in Baden-W., 84 S.)

Mediation ist eine Konfliktlsungsstrategie. Das Buch beschreibt das Verfahren und gibt Tipps zur Anwendung. Es ist praxisorientiert und daher fr alle AnwenderInnen zu empfehlen. Vllig ausgeblendet wird jedoch die Frage, ob bzw. wann Mediation
berhaupt sinnvoll ist - schlielich ist es nicht per se ein politisches Ziel, Konflikte zu vermeiden. Oftmals wre es eher hilfreich, wenn Konfliktbereitschaft und Widerstndigkeit gestrkt wrden. Doch schlimmer: Die Autorinnen fordern offensiv eine
Akzeptanz der Machtverhltnisse: Mediations- und Partizipationsverfahren knnen politische Entscheidungen jedoch nur vorbereiten ... die Entscheidungsfindung in politischen Gremien nicht ersetzen (S. 11)



Andreas Dally

Neue kologische Allianzen

(2001, Evang. Akademie in Loccum, 281 S.)

Moderne Umweltpolitik und zukunftsorientierte Managementstrategien lautet der Untertitel und zeigt schon, um was es geht. Unter dem Deckmantel der kologie werden Modernisierungen durchgesetzt, neues ExpertInnentum (und damit ausgeweitete
Herrschaftslogik) begrndet und eine Elite konstruiert, die sich nicht mehr nur auf Profitstreben bezieht, sondern auch auf die Rettung der Welt. Die Beitrge handeln von der Notwendigkeit neuer Technik, von den Erfolgsgeschichten groer Unternehmen und
von der Sorge, die alle beim Geldverdienen neuerdings so zur Schau stellen. Basis-UmweltschtzerInnen sind bei der neuen kologie dann auch gar nicht mehr dabei. Kritik ist nicht erwnscht. Die Evangelische Akademie inszeniert sich zum Schmierl fr
neoliberale Trumereien - nicht nur bei dieser Tagung.



Gnter Altner, Gerd Michelsen

Ethik und Nachhaltigkeit

(2001, VAS in Frankfurt, 386 S.)

Zwei Altvordere nehmen sich des Themas Nachhaltigkeit an - das fhrt zu aufflligen Unterschieden zu der Flut von technikeuphoristischen Bchern der Nachhaltigkeit, die heute eher einem neuem Glauben an das Gute in den Konzernen fhren und deren
Forschungsabteilungen die Rettung der Welt bertragen. Altner und Michelsen stellen Fragen zur Nachhaltigkeit. Neue und alte Umweltanstze stossen in dem Buch aufeinander. Die Herausgeber bringen vor allem umweltpdagogische Anstze der Vergangenheit neu
in die Diskussion ein. Der Konflikt ist interessant - wenn auch schade ist, da neue, aber dennoch herrschafts- und marktkritische kologie- und Bildungsanstze nicht mit in die Debatte einflieen. So reicht es noch nicht.



Andreas Fischer, Gabriela Hahn

Vom schwierigen Vergngen einer Kommunikation ber die Idee der Nachhaltigkeit

(2001, VAS in Frankfurt, 233 S.)

Wie lt sich die Debatte um Nachhaltigkeit breit und wirkungsvoll umsetzen? Im Buch werden viele Beispiele und Mglichkeiten genannt. Detailvorschlge und der Appell an die Akzeptanz stehen im Mittelpunkt. Kritik am Nachhaltigkeitskonzept wird (wie
blich!) nicht zugelassen, die kritischen Bcher nicht einmal als Literatur angegeben (tolles Bildungsverstndnis ...). Dabei ist ziemlich offensichtlich, da Nachhaltigkeit gar kein Massenthema sein kann und soll - vielmehr schafft die einseitige
Orientierung an einer Modernisierung und Technisierung der Welt ein neues Elitenbewutsein. Nachhaltiger Konsum ist vor allem eine oberlehrerhafte Verhaltensanweisung mit den modernen Mitteln der manipulativen Pdagogik (den Menschen Glauben machen, es
wre ihre eigene berzeugung). Selbstbestimmung, Demokratisierung usw. als Akzeptanzebene - null.