Rubrik Widerstand/Direkte Aktionen

ratiszug gescheitert!

Eigentlich sollte er die Aktionen zur Klimakonferenz in Bonn und zum G8-Gipfel in Genua verbinden: Ein Gratiszug aus dem Ruhrgebiet nach Genua. Doch der Zug scheiterte - an mangelnder Organisierungsfhigkeit politischer Gruppen und an einer riesigen
bermacht von BGS und Polizei.

Ausgeguckt war ein D-Zug nach Milano, der um 21.09 Uhr in Bonn-Hauptbahnhof abfahren sollte. Doch der Versuch, in diesen Zug zu gelangen, milang. Ein Redakteur des Spiegel, der sich als unaufflliger Reisender im Zug befand (andere JournalistInnen
wurde ebenso aus Zug oder Bahnhof Bonn gedrngt wie die ca. 50 AktivistInnen) schrieb folgenden Bericht: Die Strecke des Schnellzugs D 201 Dortmund-Mailand, mit dem Demonstranten am vorvergangenen Donnerstag reisen wollten, wurde hnlich massiv gesichert
wie ein Castoren-Transport. Mehrere Hundertschaften des Bundesgrenzschutzes (BGS) riegelten die Bahnhfe ab, verweigerten potenziellen Strern mit linkem Aussehen (BGS-Jargon) kategorisch den Zutritt zu den Bahnsteigen.  Einzelne Stationen waren gar
militrisch gesichert: In Bonn-Bad Godesberg etwa sperrte ein Grenzschutzkommando beide Seiten des Gleisbetts ber mehrere hundert Meter mit Nato-Draht, so genannten S-Rollen, ab. Im Buschwerk unterm Bahndamm hockten derweil Beamte in Kampfmontur,
teilweise mit Maschinenpistolen bewaffnet. An Bord des Nachtexpresses waren zwei BGS-Einsatzgruppen mit 20 Beamten in Uniform; 46 Beamte in Zivil klrten auf. Dem Zug voraus flog ein Hubschrauber mit Nachtsichtgert. Das Resultat der Staatsaktion: Acht
Zielpersonen wurden festgestellt.

Die Idee des Gratiszuges ist damit aber nicht beendet. Ganz im Gegenteil, denn diese Aktionsformen ist mehr als eine kostenlose Anfahrt zu Demonstrationen. Vielmehr bietet sich alle Qualitten direkter Aktionen:

Sie setzt eine gesellschaftliche Forderung nach einer Gratiskonomie direkt um. So gab es beim Gratiszug auch Gratisessen (eine Food-not-Bombs-Gruppe agierte hier).

Sie symbolisiert sehr offensiv nach auen politische Forderungen wie die nach einem Ende der Marktwirtschaft bzw. der konomisierung des Lebens insgesamt sowie andere, mit der Aktion verbindbare Forderungen. So war im Gratiszug nach Genua geplant,
keine Psse zu zeigen und die Existenz von Staaten und Grenzen als gewalttgiges Konstrukt im Sinne der Herrschenden und des Profits abzulehnen.

Sie schafft eine Mglichkeit der intensiven Auseinandersetzung mit vielen Menschen im Zug, auf den Bahnhfen, in den Stdten, wo der Zug hlt und ber die Medien.

Eine intensive Auswertung ber die Ziele und Grnde des Scheitern ist auf www.de.indymedia.org (Suchwort Gratiszug eingeben) oder unter www.projektwerkstatt.de/ gratiszug zu finden.

Die Gratiszug-vorbereitenden Gruppen rufen auf, die Idee der Gratiskonomie zu einem Massen-Widerstand zu machen. Offensives Gratis-Einkaufen (und die daraus entstehenden Debatten), Gratisessen auf Pltzen, Kreuzungen oder in U-Bahnhfen oder viele, viele
Gratiszge zu Demos, Blockaden usw. knnen ein Stck Antikapitalismus und visionre Ideen verbreiten und verwirklichen. Aneignung jetzt!



