Antirepression

TEXTE ZU ORGANISIERUNG VON UNTEN

Buchvorstellungen zum Themenbereich


1. Einleitung und Links zu Strategietexten
2. Strategiepapier der Gruppe Landfriedensbruch
3. Teil 2: Wie weiter ...
4. Medien und Kommunikationswege
5. Utopien weiterentwickeln und Praxisansätze finden
6. G8-Mobilisierung
7. Organisierung an Hochschulen
8. Buchvorstellungen zum Themenbereich

Warum und wie politisch aktiv sein? Diese eigentlich wichtigen Fragen fallen im alltäglichen Kampf um eine bessere Welt oder die Verhinderung konkreter Zerstörungsprojekte oft unter den Tisch. Für eine wirksame politische Bewegungskultur wären sie aber wichtig. Christian Mohr hat in „Das Mobilisierungsmodell der Konfliktgesellschaft“ (2016, Papyrossa in Köln, 230 S., 22 €) vor allem die Beispiele Stuttgart 21 und Wendland untersucht. Gelingt es, in einem Konflikt viele Menschen zu mobilisieren? Wann glückt es, wann nicht? Das Buch bietet dazu etliche Informationen an. Leider werden einige sich aufdrängende Thesen weder beachtet noch untersucht, z.B. die populistische Bevorzugung vereinfachter Ursachenbeschreibungen oder Feindbilder in Kampagnen statt anspruchsvoller, aber weniger massentauglicher Analysen. Ein ganz aktuelles Beispiel für einen großen, politischen Protest sind die sog. Gelbwesten in Frankreich. Peter Wahl hat als Herausgeber zahlreiche Autor*innen zusammengebracht, die ihre Sichtweise in „Gilets Jaunes“ (2019, Papyrossa in Köln, 135 S., 12,90 €) darstellen. Es geht um die innere Organisierung, Entstehung, Aktionsformen und Inhalte der Bewegung.
Schon etliche Jahrzehnte alt ist ein Text von Peter Singer, mit dem er die Idee des effektiven Altruismus begründete. 2017 ist er im Verlag Hoffmann und Campe unter dem Titel „Hunger, Wohlstand und Moral“ (111 S., 11,99 €) neu verlegt worden, zusammen mit ergänzenden und neueren Texten des Autors. Die Thesen von Singer sind bis heute umstritten. Er predigt eine fast mathematische Variante politischen Engagements – nämlich das stete Berechnen, was wo am meisten bringt. Doch sein Appell, Menschen sollten eher abstrakte, rechnerisch effizientere Projekte unterstützen als aus eigener Betroffenheit oder Anschauung zu handeln, würde stark entpolitisieren. Denn folgerichtig beschränkt sich Singer auf Geldspenden als Hilfsform, alles andere scheint ihm unbekannt. Weltweit gedacht würde ein Markt von Spendensammlern und –siegeln entstehen, der Menschen entmündigt und große Player fördert. Das beweist sich am Buch selbst: Das Vorwort schreiben Bill und Melinda Gates. Geld ist in Singers Auge das Mittel zum Guten. Was Erde und Menschheit braucht, sind aber vor allem ein kultureller und in Bezug auf Wirtschaft und Politik grundlegender Wandel statt einer Effizienzdebatte in der Reparatur der gröbsten Folgen einer zerstörerischen Gesellschaftsform. Das wird sich eher durch Aktion und Handeln erreichen lassen.
Brandneu hingegen ist das extinction-rebellion-Handbuch, welches 2019 teilweise als deutsche Übersetzung, ergänzt aber auch um hierzulande verfasste Beiträge erschien (S. Fischer in Frankfurt, 256 S., 12 €). Es gibt einen guten Überblick über Positionen und Organisierungskultur des schnell wachsenden XR-Zusammenhangs. Flammende Appelle wechseln mit der Beschreibung von Zielen und Aktionsformen. Das Buch soll mitreißen. Wer Kritik an der einen oder anderen dogmatischen, wenig reflektierten Position von XR z.B. zur Gewaltfrage, zum taktischen Umgang mit Repression oder zum Verwechselung von XR und der vielfältigen Bewegung insgesamt hat, wird diese auch an den Inhalten des Buches haben. Denn das Buch soll eben wiedergeben, welche Ideen hier XR stecken – und das tut es, als Info und Werbung für das eigene Projekt.
Welche Rolle spielen digitale Medien bei der Mobilisierung zu politischen Protest? Dieser Frage geht Mark Dang-Anh in „Protest twittern“ nach (2019, transcript in Bielefeld, 448 S., 39,99 €). Es ist ein sehr akademisches Buch, entstanden aus einer Dissertation (Doktorarbeit). Sehr genau werden die verwendeten Begriffe und kommunikativen Grundlagen erläutert, um dann – auch an ausgewählten Fallbeispielen – die Nutzung vor allem von Twitter bei politischen Aktionen zu analysieren. Einen breiten Raum nehmen dabei die Nennung einzelner Tweets und deren Betrachtung ein. Eher entzaubern will Jan Altehenger in „Mythos Social Media“ (2019, Büchner in Marburg, 128 S., 22 €). Das fast comic-haft illustrierte Buch zeigt „die Ästhetik der Täuschung“ (Untertitel). Die digitalen Netze würden komplett manipulierbare Narrative schaffen, die von ihren Betrachter*innen als Realität wahrgenommen werden. Originäre Informationen sind nur schwer als solche erkennbar, denn menschliche Subjektivität und Eigeninteressen sind in Bild und Text stets enthalten. Twitter & Co. seien Mythenmaschinen, so der Autor. Praktische Tipps, wie mensch damit umgehen kann, fehlen weitgehend.

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