Hierarchnie

MOBILITÄT: NULLTARIF, FAHRRADFAHREN, AUTOFREIE STÄDTE

Übersicht über die Seiten dieses Themenbereichs


BMW-Betriebsratschef Manfred Schoch in: „Der Spiegel“ vom 22.9.2018
Den drohenden Verkehrskollaps können wir nicht mit Autos verhindern. Das Kernproblem ist der Pendlerverkehr, und dafür müssen wir jetzt völlig neue Lösungen finden.

Jan Gehlen, einer der bedeutendsten Stadtplaner der Welt, im Interview mit brand eins, 2014
Eine Stadt ist nach meiner Definition dann lebenswert, wenn sie das menschliche Maß respektiert. Wenn sie also nicht im Tempo des Automobils, sondern in jenem der Fußgänger und Fahrradfahrer tickt. Wenn sich auf ihren überschaubaren Plätze und Gassen wieder Menschen begegnen können. Darin besteht schließlich die Idee einer Stadt.

Autos (genauer: Motorisierter Individual- und Güterverkehr) vernichten Leben:
  • 30 Prozent der Innenstädte sind versiegelte Flächen für den Autoverkehr. Für Autos steht viel mehr Raum zur Verfügung als zum Wohnen. Welch eine Verschwendung! Welch ein Verlust an Lebensraum!
  • Autos verbrauchen riesige Mengen an Rohstoffen - bei der Produktion und im Betrieb. Daran würde auch ein Umstieg auf andere Antriebstechniken nichts ändern. E-Autos sind in der Produktion nämlich noch aufwändiger.
  • Autos sind eine ständige Gefahr für Mensch und Tier - für viele von ihnen sogar reine Massenmordmaschinen (Insekten, Kröten ...). Das raubt viel Lebensqualität. Wegen der Autos müssen Kinder und Menschen mit Orientierungsproblemen in Wohnungen eingesperrt werden - ebenso Haustiere.
  • Produktion und Betrieb vergiften die Luft, produzieren klimaschädliche Abgase und Lärm.

Auch der Mythos von der Freiheit, überall hinkommen zu können, ist Unsinn. Autos erzeugen Staus. Autos nehmen ÖPNV, Fußgänger*innen und Radler*innen den Platz - beschränken also Mobilität. Automobilität gibt es nur für Menschen, die fahren können, dürfen und sich ein Auto leisten können. Sozial gerechte und ökologisch verträgliche Mobilität sieht anders aus!

Wir fordern: Nicht weiter an Autos und den Straßen rumbasteln, sondern konsequent umsteigen!

  • Der motorisierte Individualverkehr muss Stück für Stück verschwinden, zuerst aus allen Innenstädten und Ortszentren, um Bildungs- und Sozialeinrichtungen, aber dann auch überall anders.
  • Die edelste Form der Verkehrswende ist das Einsparen von Verkehrs. Viele Wege sind erzwungen - durch eine Infrastrukturpolitik, die lange Wege und Zwang zum Auto schafft (Outlet Center, Märkte auf der grünen Wiese, zentrale Bildungs- und Kulturangebote usw.), durch Jobcenter-Auflagen, große Gewerbegebiete usw. sowie durch eine Globalisierung von Produktion und Transport. Ein Umdenken muss alle Felder von Wirtschaft und Politik erfassen.
  • Den höchsten Umstieg vom Autos auf umweltverträgliche Verkehrsmittel schafft ein attraktives Netz echter Fahrradstraßen (maximal Anlieger frei), die von Stadtteilen und Umland bis in die Innenstädte und Fußgänger*innen„meilen“ führen, die Orts- und Stadtteilzentren, Bildungseinrichtungen, Behörden, Naherholungsgebiete und vieles mehr anbinden – unter Nutzung der freiwerdenden Autoverkehrsflächen und –einrichtungen statt neuer Flächenversiegelung.
  • Wir wollen ein leistungsfähiges und engmaschiges Netz aus leistungsfähigen und fußgänger*innenverträglichen öffentlichen Verkehrsmitteln (Straßenbahn, RegioTram, Seilbahn), ergänzt durch intelligente Zubringersysteme zu den Ein-/Ausstiegspunkten (Fahrräder/EBikes, Bürger*innenbusse, Taxis usw.) unter Nutzung der freiwerdenden Autoverkehrsflächen und –einrichtungen.
  • Um allen Menschen die gleiche Chance zur Mobilität zu geben, fordern wir den Nulltarif, also den fahrscheinlosen, öffentlichen Personenverkehr. Freie Fahrt für alle schafft die klassenlose Gesellschaft in Bussen und Bahnen - ein schönes Beispiel für soziale und ökologische Transformation.
  • Umbau weiterer freiwerdender Autoverkehrsflächen und –einrichtungen für Aufenthalt im Freien, Grünanlagen und Fahrradstraßen. Parkhäuser und Autosalons zu Wohnungen!
  • Für den Güterverkehrs sind Kombinationen aus überregionalen Transporten per Schienen und lokalen Verteilsystem per Gütertram, Seilbahn und Lasten-Kleintransportern/-Rädern zu schaffen. Wichtig bleibt aber die Reduzieren durch Dezentralisierung von Produktion, Kreislaufwirtschaft und Verwendung regionaler Ressourcen.
  • Hinzu kommen müssen viele kleine Maßnahmen zur Verbesserung einer umwelt- und sozial gerechten Mobilität mit gleichen Zugangsmöglichkeiten vom Angebot an Lastenrädern bis zu besseren Übergängen zwischen den Verkehrsmitteln.


Originalgemälde aus der Projektwerkstatt (Verwendung frei: cc-nc-sa) ++ ganz groß ++ QR-Code für diese Seite

bei Facebook teilen bei Twitter teilen