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HERRSCHAFT AUSMACHEN

Definitionen und Formen


1. Definitionen und Formen
2. Blick ins Herz der Finsternis
3. One ring to rule them all? - Kapitalismus vs. Sexismus vs. Rassismus vs. ...
4. Herrschaft im Brennpunkt
5. Der Blickwinkel oder Die drei Seiten der  Medaille
6. Die Spezialfilter oder Tragende Säulen der Dickichtkonstruktion
7. Debatten zum Text

Aus Max Weber "Wirtschaft und Gesellschaft: Grundriss der verstehenden Soziologie". 3. Auflage. Zweitausendeins, 2005, S. 38:
Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden.

Definition "Herrschaft" von Proudhon (zitiert nach James C. Scott: "Applaus dem Anarchismus", S. 20)
Beherrscht zu werden heißt, dass man im Auge behalten, inspiziert, ausspioniert, reguliert, indoktriniert, aufgelistet und abgehakt wird und nebenbei auch noch Moralpredigten gewärtigen muss und dass einen Kreaturen ohne Wissen und Tugenden beurteilen, bewerten, zensieren. Beherrscht zu werden heißt, bei jedem Arbeitsablauf, jeder i Transaktion, jeder Bewegung zur Kenntnis genommen, registriert, gezählt, preislich etikettiert, ermahnt, behindert, geläutert, wiederhergestellt, korrigiert zu werden.

Aus dem Wirtschaftslexikon "Onpulson"
Als Herrschaft bezeichnet man das Recht zu handeln oder Anordnungen zu geben. Menschen gehorchen einer Person mit Autorität bereitwillig, da sie glauben, dass diese Person das legitimierte Recht hat, Macht auszuüben.

Formen und Wirkungsweisen von Herrschaft im Überblick

HerrschaftsformSexismusRassismusAlterBildungKrankheit
Herrschaft als InstitutionOffiziell männliche bzw. duale Sprache, formalisierte Zweierkisten, Schimpfwörter, nachgeburtlich chirurgische AnpassungSchimpfwörterSchimpfwörter Offizielle Krankheitsbilder, Zwangspsychiatrisierung
KapitalverteilungFührungsposten, Lohnhöhen, BesitzverteilungBesitzverteilung bis Sklaverei Soziale "Vererbung"Heilung gegen Geld
ElitenGeschlechterverteilung in FunktionselitenZugangsbarrierenZugangsbarrierenZugangsbarrierenÄrztIn - PatientIn
Metropole und Peripherie Gentrifikation GentrifikationÄrztliche Versorgung
InstrumentalisierungGeschlechterverteilung auf SprecherInnenposten
BildungspyramidenZugang zu Schulen
DiskurseKonstruktion von zwei Geschlechtern, Rollen, Erwartungen, SymboleErfindung von Rassen, Zuordnung von EigenschaftenMinderjährigkeit, Unmündigkeit Definition von krank und gesund, Beteiligung an Konstruktion von Rassen, Geschlechtern ...
BevormundungMann als Beschützer ÄrztIn - PatientIn
MiteinanderRedeverhalten, Zuständigkeiten, verallgemeinerte Definitionsmacht Definitionsmacht

Abgrenzung von Herrschaft zur Macht
Macht ist als Begriff zweideutig. Es gibt die Macht zu - also die Fähigkeit, etwas zu können. Dann ist sie der Gegenbegriff zu Ohnmacht und damit emanzipatorisch. Ich kann ein Handwerk, eine Fremdsprache, eine Sportart, ein Gefühl ausdrücken - all das stärkt die eigenen Möglichkeiten. Zum zweiten gibt es die Macht über - also eine hierarchische, bestimmende Position gegenüber anderen. Das kann spontan auftreten, zum Beispiel wenn in einer Gruppe nur eine Person den Weg kennt, die erforderliche Landessprache spricht oder eine Rechtsfrage einschätzen kann. Daraus resultiert noch keine Herrschaft, denn es bleibt eine freie Vereinbarung, ob andere die besonderen Fähigkeiten auch anerkennen. Erst wenn aus dem einmaligen Folgen einer Person eine dauerhafte Über- und Unterordnung wird, entsteht Herrschaft. Herrschaft ist verstetigte "Macht über.

Definition Macht (über)
Aus José Antonio Marina (2011), „Die Passion der Macht“ (S. 15, 24f und 86)
Viele Spezialisten – unter ihnen Steven Lukes - definieren die Macht als die Verwirklichung eines Vorsatzes trotz bestehender Widerstände. …
Max Weber hat in seinem Buch Wirtschaft und Gesellschaft eine Definition gegeben, die klassisch geworden ist: «Macht bedeutet die Wahrscheinlichkeit, seinen eigenen Willen in einer sozialen Beziehung durchzusetzen, auch gegen jeden Widerstand, gleichgültig, welcher Art der Grund dieser Wahrscheinlichkeit ist.» …
«Macht ist die Fähigkeit, den Entscheidungsprozess in einer Gemeinschaft zu kontrollieren.» (William V. D’Antonio und William H. Horn). «Macht ist die Erzeugung von beabsichtigten Wirkungen in anderen Menschen.» (Bertrand Russell). «Das Problem der Macht besteht in der Lenkung der Entscheidungsträger.» (Charles Wright Mills). «Macht ist die Kontrolle des Handelns anderer durch strategische Anwendung der Mittel dazu.» (Anthony Giddens). Diese Definitionen vergessen gewöhnlich, dass die Macht nicht nur darin besteht zu erreichen, dass ein anderer tut, was ich wünsche, sondern auch, ihn an dem zu hindern, was er will. Wenn man eine Person in Gefangenschaft setzt, will man ihr Verhalten verhindern und nicht lenken. Kurz: Macht hat, wer die Handlung einer anderen Person bestimmen, lenken und über sie entscheiden kann. …
Wir haben gesehen, dass die Macht nur wenige Mechanismen hat: den unmittelbaren Zwang, die Veränderung der Überzeugungen und die Veränderung der Gefühle. Macht hat derjenige, der über die notwendigen Mittel verfügt, um diese Mechanismen zu seinen Gunsten einzusetzen.


Herrschaft = verstetigte Macht
Aus José Antonio Marina (2011), „Die Passion der Macht“ (S. 86)
Da die Hilfsmittel der Macht ungleich verteilt sind, können wir von struktureller Herrschaft sprechen. Einige dieser Unterschiede sind natürlich, weil die Natur ungerecht in der Verteilung der Mittel ist. Weder Gesundheit noch Intelligenz, Schönheit oder Kraft sind gerecht verteilt. Eines der großen ethischen Projekte der Menschheit ist es gerade gewesen, so weit wie möglich den Einfluss dieser ursprünglichen Ungleichheit zu reduzieren, die Macht des Glücks und des Zufalls. In anderen Fällen hat der Unterschied der Mittel sozialen Ursprung. Armut, Unwissenheit, Fanatismus, Vereinsamung, zum Beispiel, bedingen einen Mangel an Hilfsmitteln, der Strukturen der Abhängigkeit fördert.

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