Abwehr der Ordnung

KAPITAL, EIGENTUM, MACHT

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Hirnstupser - politische Analyse und Nachdenktexte
Hirnstupser am 5.4.2020: Kapitalismus ist weder effizient noch sinnvoll
Es gibt 1,5mal so viel zu Essen auf der Erde, wie für alle Menschen reichen würden. Trotzdem hungern fast 10 Prozent der Bevölkerung. Was ist von einem Wirtschaftssystem zu halten, das derartige Ergebnisse hervorruft? „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet“, hätte Jean Ziegler, Schweizer Soziologe, langjähriger Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und damals Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Uno-Menschenrechtsrats, in der Eröffnungsrede zu den Salzburger Festspielen 2011 gesagt. Er wurde wieder ausgeladen. Dabei wäre seine Aussage eine Untertreibung gewesen, denn was er über verhungernde Kinder sagte, gilt für alle, die sterben, ohne dass es nötig wäre – Menschen allen Alters, durch Hunger, Krieg, weil Medikamente wegen Patenten zu teuer sind, weil ihnen eine Wohnung fehlt. Hinzu kommen weitere Aspekte: Vier Milliarden Menschen wären locker zusätzlich zu ernähren, wenn nicht ständig riesige Mengen Nahrung an Tiere verfüttert würden, die noch dazu überwiegend qualvoll gehalten und getötet werden. Auch das dient vor allem den Profit – und damit zeigt allein dieses kleine Beispiel: Der Kapitalismus ist weder effizient noch gut für die Menschen. Selbst seine Verheißungen sind trügerisch, denn der ewige Zwang, alles ständig immer wieder in Wert zu verwandeln und nur einzusetzen, um noch mehr Profit zu machen, verwandelt selbst beste Ideen und Erfindungen in Bedrohung von Mensch und Natur. Der technische Fortschritt sollte das Leben erleichtern, schwere Arbeit abnehmen und neue Möglichkeiten schaffen. Das ist auch gelungen – aber statt mehr Lebensfreude ist der Mangel an Arbeit zu einer Geißel geworden. Technische Meisterleistungen helfen weniger den Menschen, sondern optimieren Kriegswaffen, Überwachung und Ausbeutung. Kapitalistisches Wirtschaften unterwirft dabei nicht nur den Menschen und saugt seine Kräfte aus, wo immer es geht. Er ist genauso räuberisch gegenüber der Natur. Denn der Gewinn, den Unternehmen in diesem Wirtschaftssystem erzielen wollen, weil sie ihn – um des wirtschaftlichen Überlebens der Firma wegen – erzielen müssen, basiert neben der Werbelist, potentielle Käufer*innen zu viel und möglichst teurem Konsum zu veranlassen, auf der maximalen Ausbeutung der Faktoren Arbeit (also der Menschen) und der Natur. Ob Rohstoffe gesucht und ausgebeutet, Atomkraftwerke oder Windräder gebaut oder Dienstleistungen angeboten werden – stets geht es darum, Aufwand und Geld zu sparen, um die Gewinnspannen zu erhöhen. Den Schutz der Umwelt bei Emissionen, Rohstoffverbrauch und Flächenauswahl zu berücksichtigen, kostet Geld und Zeit. Beides einzusparen, erhöht Wettbewerbsfähigkeit und Gewinnspanne. Die daraus folgende Zerstörung von Natur wird genauso wie die Ruinierung menschlicher Gesundheit missachtet oder, als Reparaturbetrieb, von der Gesellschaft allgemein bezahlt. So ist rücksichtloses Verhalten gegen Mensch und Natur im kapitalistischen System höchst rational und wird mit mehr Gewinn und Expansion belohnt. Wer dazu Nein sagt, ist im oder als Unternehmen tot. Ein Wandel unter diesen Zwängen ist nicht möglich, so oft und intensiv das mit kleinen sozialen Ablasshandlungen oder Greenwashings auch versucht wird. Das Wirtschaftssystem als solches muss ausgetauscht werden.

Frei gesprochen im kabrack!archiv der Projektwerkstatt - als Beitrag auf Youtube und als Podcast:



Aus der Verfassung des Landes Hessen
Artikel 27: Die Sozial- und Wirtschaftsordnung beruht auf der Anerkennung der Würde und der Persönlichkeit des Menschen.
Artikel 28: Die menschliche Arbeitskraft steht unter dem besonderen Schutze des Staates. Jeder hat nach seinen Fähigkeiten ein Recht auf Arbeit und, unbeschadet seiner persönlichen Freiheit, die sittliche Pflicht zur Arbeit. Wer ohne Schuld arbeitslos ist, hat Anspruch auf den notwendigen Unterhalt für sich und seine unterhaltsberechtigten Angehörigen. Ein Gesetz regelt die Arbeitslosenversicherung.
Artikel 30: Die Arbeitsbedingungen müssen so beschaffen sein, daß sie die Gesundheit, die Würde, das Familienleben und die kulturellen Ansprüche des Arbeitnehmers sichern; insbesondere dürfen sie die leibliche, geistige und sittliche Entwicklung der Jugendlichen nicht gefährden.
Artikel 33: Das Arbeitsentgelt muß der Leistung entsprechen und zum Lebensbedarf für den Arbeitenden und seine Unterhaltsberechtigten ausreichen. Die Frau und der Jugendliche haben für gleiche Tätigkeit und gleiche Leistung Anspruch auf gleichen Lohn.
Artikel 38: Die Wirtschaft des Landes hat die Aufgabe, dem Wohle des ganzen Volkes und der Befriedigung seines Bedarfs zu dienen. Zu diesem Zweck hat das Gesetz die Maßnahmen anzuordnen, die erforderlich sind, um die Erzeugung, Herstellung und Verteilung sinnvoll zu lenken und jedermann einen gerechten Anteil an dem wirtschaftlichen Ergebnis aller Arbeit zu sichern und ihn vor Ausbeutung zu schützen.
Artikel 39: Jeder Mißbrauch der wirtschaftlichen Freiheit - insbesondere zu monopolistischer Machtzusammenballung und zu politischer Macht - ist untersagt. Vermögen, das die Gefahr solchen Mißbrauchs wirtschaftlicher Freiheiten in sich birgt, ist auf Grund gesetzlicher Bestimmungen in Gemeineigentum zu überführen. Soweit die Überführung in Gemeineigentum wirtschaftlich nicht zweckmäßig ist, muß dieses Vermögen auf Grund gesetzlicher Bestimmungen unter Staatsaufsicht gestellt oder durch vom Staate bestellte Organe verwaltet werden.
Artikel 40: Gemeineigentum ist Eigentum des Volkes. Die Verfügung über dieses Eigentum und seine Verwaltung soll nach näherer gesetzlicher Bestimmung solchen Rechtsträgern zustehen, welche die Gewähr dafür bieten, daß das Eigentum ausschließlich dem Wohle des ganzen Volkes dient und Machtzusammenballungen vermieden werden.
Artikel 41: Mit Inkrafttreten dieser Verfassung werden
1. in Gemeineigentum überführt: der Bergbau (Kohlen, Kali, Erze), die Betriebe der Eisen- und Stahlerzeugung, die Betriebe der Energiewirtschaft und das an Schienen oder Oberleitungen gebundene Verkehrswesen,
2. vom Staate beaufsichtigt oder verwaltet, die Großbanken und Versicherungsunternehmen und diejenigen in Ziffer 1 genannten Betriebe, deren Sitz nicht in Hessen liegt.
Artikel 45: ... Das Privateigentum verpflichtet gegenüber der Gemeinschaft. Sein Gebrauch darf dem Gemeinwohl nicht zuwiderlaufen.


Kapitalismus ist eine auf ständige Verwertung aller Werte und damit auf ständige Profitjagd ausgerichtete Gesellschaftsform. Das Wirtschaftliche dominiert damit alles. Und leider ist das auch Realität. Wirklich alles. Also auch: Ökoproduktion. Umweltverbände. Buchverlage mit antikapitalistischen Themen. Fast alle politischen Aktionen dienen der Einnahme von Geld. Kapitalismus ist immer und überall. Unter seiner Fuchtel wird dann jede gute Idee zu Scheiße.

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