Projektwerkstatt

GRUNDSÄTZLICHE GEDANKEN: SELBSTORGANISIERUNG IST EINE LEBENSKULTUR

Generation Wurfzelt? Selbstorganisierung ist "out"


1. Tipps und Warnungen zum Gratisleben
2. Aktion statt Rückzug
3. Ein Tag in der Großstadt - möglichst ohne Geldausgeben
4. Planung, Strategie, organisiertes Vorgehen
5. Generation Wurfzelt? Selbstorganisierung ist "out"
7. Mehr Quellen, Links und Materialien

Der Wandel der Gesellschaft in den imperialen Ländern und Regionen (also solchen Ländern wie Deutschland, besonders stark aber in den reichen und bürgerlichen Vierteln der Metropolen und ihrer Speckgürtel) hat eine Lebenskultur hervorgebracht, die stark von ständigen Materialflüssen aus anderen Teil der Welt und der billigen Arbeitskraft anderer Menschen lebt. Das bezieht sich auf das Materielle (vom "Coffee to go" bis zum selbstaufbauenen Wurfzelt, welches nach einmaliger Benutzung einfach stehen gelassen wird), aber auch auf die Frage, wieviele Entscheidungen über den Verlauf des Lebens mensch noch selbst trifft und wieviel durch Stundenpläne, Arbeitsaufträge oder die Meldung auf dem Smartphone fremdgesteuert ist.

Symbole der Instant-Lebenskultur
Das Wurfzelt
Wurfzelte nach Festival (aus: fluter)
Wurfzelte (Abb. aus fluter Herbst 2014, S. 25)


Das Smartphone
Der Effekt ist schon optisch zu sehen - "Kopf-runter"-Generation wird das mitunter genannt. Mindestens zwei zentrale Folgen hat der ständige Blick auf das Handy. Erstens nimmt die Außenwahrnehmung ab, d.h. viele Menschen laufen durch den Alltag, ohne von dem noch viel mitzubekommen. Aufmerksame Wahrnehmung ist aber die Basis für selbstorganisiertes Handeln. Wenn ich die Notwendigkeiten und Möglichkeiten des Alltags gar nicht mehr bemerke, kann ich auch nicht steuernd eingreifen, d.h. mein Umfeld ist nicht mehr von mir geprägt.
Zum zweiten bietet das Smartphone Orientierung: Der Navigator sagt, wie ich wohin komme. Irgendwelche anderen Apps sagen, wo ich jetzt sein sollte. Und wieder andere, was ich kaufen, angucken oder denken soll. Wird das zum prägenden Einfluss, hört der Wille, das Leben selbst zu planen und eigene Handlungsmöglichkeiten zu suchen einfach auf. Das Denken gerät in eine Abhängigkeit zur Fremdsteuerung. Diese tritt nicht in Form von harten Regeln, Uniformen und Befehlen auf, sondern in Form einer kaum spürbaren, aber totalen Beeinflussung von außen. Vielleicht heißt das Smartphone auch deshalb so, weil es smart beherrscht. Aber sehr, sehr gründlich.

Selbstorganisierung ist nicht ...
  • Ein Fahrrad ausleihen und dann, wenn es einen Defekt hat, das nächste nehmen.
  • Ankündigen, am dafür günstigen Tag containern zu wollen, aber dann doch vor Youtube hängen bleiben, die Fahrt beim Kuscheln und Knutschen vergessen, am Ortsrand wegen der Kälte umkehren oder denken "es ist doch noch genug da"
  • Sich noch gut fühlen, dass mensch die Bettwäsche nach der Nacht abzieht und auf den Boden vor dem Bett wirft - wie im Hotel
  • Am Computer sitzen, der nicht das allerneueste Top-Modell ist, und wegen einigen Sekunden Wartezeit genervt sein, irgendwelche So-wird-ihr-PC-schneller-Downloads anklicken und dann einfach den nächsten Computer nehmen, wenn der erste gar nicht mehr geht.
  • Sich selbst zu loben, geldfrei zu leben, wenn einfach andere die Kosten für Internet, Telefon, Strom, Mülltonne, Wasser, Gas ... tragen - und auch alle anderen Materialien organisieren.
  • Wenn mensch die Auskunft anruft, um eine Nummer wählen zu lassen, die mensch kennt (aber zu faul ist, die Zahlen einzutippen) ... oder wenn mensch sich verwählt, dann den irrtümlich Angerufenen um die richtige Nummer bittet und sauer reagiert, wenn der nicht weiß, wenn mensch denn eigentlich anrufen wollte (was ja nicht anders sein kann).
  • Wenn mensch Bücher ausleiht und nie zurückbringt. Oder welche liest und dann irgendwo hinlegt mit den Worten "Ich weiß nicht mehr, wo das gestanden hat" (und andere sollen das wissen?). Oder einfach da ins Regal stellt, wo der Lesesessel steht. Leider sind die Bücher in allen Fällen faktisch weg ...

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Es sind alles häufige Erscheinungen, z.B. in der Projektwerkstatt Saasen.

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