Projektwerkstatt

ORGANISIERUNG VON UNTEN

Einleitung und Thesen zu allen Bereichen


1. Einleitung und Thesen zu allen Bereichen
2. Gesamter Text "Organisierung ... WIE GEHT DENN DAS?
3. Grundsätze für eine "Organisierung von Unten"
4. Was funktioniert nicht, und warum funktioniert es nicht?
5. Gesellschaftliche Konstruktionen und Mechanismen des Sozialverhaltens wirken weiter
6. Eigene Ohnmacht gegenüber unendlichen Ressourcen von Staat und Gesellschaft; Irrelevanz und Marginalisierung der politischen Arbeit und ihrer AkteurInnen, der Individuen und ihrer freien Zusammenschlüsse überhaupt
7. Bedürfnis nach schnellen Erfolgen
8. Unwillen zu kontinuierlicher Arbeit
9. Geringe Handlungsmöglichkeiten durch Einbindung der AkteurInnen in gesellschaftliche Zwänge (Arbeit, Familie, Ausbildung usw.)
10. Fehlende Phantasie, Vorstellungskraft für Organisierung von unten und Alternative zu gesellschaftlichen Zwängen
11. Angst vor Vielfalt, Dynamik und produktivem Streit
12. Aktiv gegen Repression
13. Angst vor Vereinzelung, Eigenverantwortung, Eigeninitiative und Offenheit
14. Kommunikation
15. Abschließendes und konkrete Pläne zur Umsetzung
16. Viertes Treffen Organisierung von unten in Saasen
17. Debatte auf Hoppetosse-Mailingliste (Auszüge)

Christoph Spehr, 1999: "Die Aliens sind unter uns"
Es funktioniert nicht, die zentrale Staatsmacht zu erobern und die Verhältnisse von oben neu zu ordnen. Die Macht hat viele Zentren und viele Gesichter; und im großen und ganzen müssen die versammelten Waffen des Alienismus zurückgedrängt, abgebaut, abgewickelt werden. Man kann sie nicht umstandslos für etwas Gutes einsetzen, ohne einen neuen Alienismus zu schaffen. Man muß die Macht, die Kompetenzen, die Entscheidugnsfreiheit an die Menschen zurückgeben.

Das Folgende ist ein Stichwortprotokoll des Treffens 14.-16. September 2001 in der Projektwerkstatt Saasen (Bericht vom zweiten Treffen 2.-4.11. ++ Bericht vom vierten Treffen, Ostern 2002)

1. Unsere Grundsätze einer „Organisierung von unten“
  • Keine Hierarchien, d.h. Kooperation gleichberechtigter Menschen sowie Netzwerk gleichberechtigter Gruppen
  • Herstellung eines diskriminierungsfreien Raumes
  • Gruppen behalten Handlungsautonomie
  • Mehr Vielfalt, mehr Lösungsvorschläge, Kreativität und Handlungsmöglichkeiten
  • Emanzipatorischer Prozeß auch in der Organisierung umsetzen
  • Schwerer dominier-, unterwander- und fremdbestimmbar
  • Wirkungsvoller und flexibler: Stärken kommen zur Geltung
  • Atmosphäre herstellen, in der Menschen sich trauen, Fragen zu stellen, abweichende Vorschläge zu machen usw.
  • Emanzipatorische Positionen und Visionen nach außen benennen

2. Warum funktioniert nix?
Hinweise: Die für die benannten Problempunkte aufgezählten Gegenstrategien der Organisierung von oben und von unten sind solche, die diese Probleme überwinden sollen. Daneben ist bei der Organisierung von oben weit verbreitet, daß die Probleme ganz bewußt belassen oder sogar erzeugt werden, als politischen oder Dominanzgründen. Als Organisierung von oben sind alle politischen Organisationskonzepte mit zentralen Gremien und ungleicher verstetigter Ressourcenverteilung (Geld, Befehlsgewalt, materielle Zugänge, Informationen usw.) gemeint – unabhängig davon, ob diese durch eine demokratische Wahl (Vorstand u.ä.), durch Selbstakklamation (Führungsgruppe) oder intransparent (dominante Zirkel) erfolgen.

2.1 Gesellschaftliche Konstruktionen (Sozialverhalten) wirken weiter
Organisierung von oben:
- Verregelung (z.B. Frauenquote)

Organisierung von unten:
- Allgemeine Analyse von Herrschafts- und Diskriminierungsmechanismen
- Aneignung, Anwendung und Weiterentwicklung kreativer Gruppenmethoden zum Abbau der gesellschaftlichen Konstruktionen und Steigerung der Handlungsfähigkeit (siehe Texte der Projektgruppe „HierarchNIE“)
- Verbindung der internen Diskussionen/Veränderungen mit nach außen gerichteter politischer Arbeit gegen soziale Konstruktionen

2.2 Sich „normal“ zu organisieren, scheint besser zu funktionieren
Org.v.o.:
-

Org.v.u.:
Muß wirksamer werden (nicht nur überzeugender, sondern auch wirkungsvoller, d.h. Organisierung von unten ist dann der sinnvolle Weg, wenn sie zwei Ziele verdindet – sich so zu organisieren, wie es emanzipatorischen Zielen entspricht („was wollen wir“) und wie es die Handlungsfähigkeit und Wirksamkeit steigert („was nötig ist“).

2.3 Eigene Ohnmacht und unendliche Ressourcen von Staat und Gesellschaft
Irrelevanz und Marginalisierung der politischen Arbeit und der AkteurInnen (bzw. der Individuen und ihrer freien Zusammenschlüsse überhaupt)
Org.v.o.:
- Scheinmächtigkeit („religiös“, fanatisch, internalisierter Zwang)
- Pressegeilheit
- Minimalreformismus und Kooperationen mit Machtinstitutionen
- VertreterInnen der Macht in die eigenen Strukturen holen
- Eventhopping, Hype der Events

Org.v.u.:
- Prozesse erzeugen statt statische Ziele erreichen
- Flexible Handlungsfähigkeit erzeugen durch Aneignung von Methoden und Aktionstechniken
- Neue Handlungsfelder erschließen, z.B. Konzept direkter Aktion & Erregungskorridor, direkte Intervention im Alltag
- Subversion (Nutzen der Übermacht für eigene Ziele – Prinzipien japanischer Kampfkunst auf politische Auseinandersetzung übertragen)
- Visionen entgegensetzen und populär machen
- Raus auf die Straße, rein in die Gesellschaft („teachins“ statt Vorträge in Hinterzimmern, Drängen in öffentliche Räume mit Aktionen und Mitdiskutieren) ... statt Nischenbildung, Konspi-Gehabe usw.

2.4 Bedürfnis nach schnellen Erfolgen
Org.v.o.:
- Lobbyarbeit

Org.v.u.: (nicht diskutiert)

2.5 Unwillen zur kontinuierlichen Arbeit
Org.v.o.:
- Hauptamlichkeit

Org.v.u.: (nicht diskutiert)

2.6 Geringe Handlungsmöglichkeiten durch Einbindung der AkteurInnen in gesellschaftliche Zwänge (Arbeit, Ausbildung, Familie usw.)
Org.v.o:
- Hauptamtlichkeit

Org.v.u.: (nicht diskutiert)

2.7 Fehlende Phantasie, Verstellungskraft für Organisierung von unten, Alternativen zu gesellschaftlichen Zwängen
Org.v.o.:
- Verregelte Kurzzeitkreativmethoden (als Unterbrechung sonst starrer Strukturen)
- Einkauf von Kreativität von außen (Agenturen usw.)
Org.v.u.: (nicht diskutiert)

2.8 Angst vor Vielfalt, Dynamik, produktivem Streit
Org.v.o.: (das wird dort komplett nicht gewollt)
Org.v.u.: (nicht diskutiert)

2.9 Angst vor Repression, Eigenverantwortung/.initiative, Vereinzelung, Offenheit
Org.v.o.:
- Zu Repression (nur bei sich als radikal empfindendenden Gruppen): Konspi-Tick und intransparente Zuständigkeit
- Zu Eigenverantwortung: Schein-Eigenverantwortung durch Ämtervergabe, Einbindung in Apparate; ansonsten eher Zentralismus statt Eigenverantwortung/-initiative, z.T. durch den Begriff „Demokratie“ legitimiert
- Zu Vereinzelung: Cliquenbildung, Identitätskonstruktion, Vereinsmeierei, Uniformisierung
- Zu Offenheit: Mythos der Offenheit, z.B. bei Verbänden („hier kann jedeR mitmachen“ ... aber nur als StatistIn oder ZuarbeiterIn) oder im Begriff „antiautoritäre Linke“ für einen von Dominanzen und Machtkämpfen stark durchzogenen Zusammenhang von Gruppen

Org.v.u.: (nicht diskutiert)

bei Facebook teilen bei Twitter teilen

Kommentare

Bisher wurden noch keine Kommentare abgegeben.


Kommentar abgeben

Deine aktuelle Netzadresse: 54.80.97.221
Name
Kommentar
Smileys :-) ;-) :-o ;-( :-D 8-) :-O :-( (?) (!)
Anti-Spam