Schwarzstrafen

VEREINAHMUNG DURCH FÜHRUNGSGRUPPEN

Bewegungen und große Netzwerke


1. Bewegungen und große Netzwerke
2. Events: Große Aktionen vieler AkteurInnen
3. Es geht: Medien schaffen die Zentralen
4. Geschluckt von großen Organisationen
5. Wie werden bestimmte Teile zu Zentren der Bewegung
6. Nicht nur blanke Macht: Gründe für Ausgrenzung und Kontrolle
7. Links und Buchtipps

Aus einem Referat zu offenen Räumen auf dem Strategiekongress des Berliner Sozialforums (.rtf)
Aus Bewegungen bilden sich Führungscliquen heraus, offene oder informelle Kader bestimmen das politische Erscheinungsbild. Sicherlich, auf den ersten Blick scheint eine Bewegung im Vergleich zum Raum ein wesentlich effektvolleres Instrument der politisches Intervention zu sein. Aber das wird erkauft mit einem Homogenisierungs- und Hierarchisierungsprozess nach innen. Besonders dann, wenn die Bewegung politische Aufmerksamkeit durch die Medien oder gar den Gegner erfährt. Und nicht zuletzt eröffnet eine Bewegung den politischen Selbstdarstellern, den Machthungrigen unter uns große Chancen; was wiederum Gegenreaktionen auslösen kann, die alles blockieren.

Aus "Aufbruch und Verfall", in: Junge Welt, 11. Juli 2018 (S. 12)
Chomsky meinte, die amerikanische Neue Linke werde völlig falsch dargestellt. Bücher dazu stammten entweder von einstigen Führungspersönlichkeiten oder von Leuten, die sich vor der Herausforderung der Autorität durch diese Bewegung fürchteten. Wie alle Massenbewegungen sei die Neue Linke von Menschen aufgebaut worden, »die unbekannt sind und von der Bühne der Geschichte verschwinden«. Zu Führern würden später privilegiertere Leute, »die warten, bis die harte Arbeit des Anfangs getan ist, um dann einzusteigen und zu Sprechern und Vermittlern von Ideen zu werden«.

Verbandswerbung mit Aktionen
Regelmäßig stehen bei Organisationen der eigene Verbandsname oder das Logo im Mittelpunkt. Die Aktion erregt zwar Aufmerksamkeit, aber die wird zur Eigenwerbung und/oder zum Spendensammeln genutzt. Das Beispiel im Foto rechts ist eines von vielen - wie schade, dass dort nicht etwas Politisches zu lesen ist. Und wie verblödet müssen eigentlich die Kletterer_innen sein, die Kraft, Zeit und ihre Freiheit einsetzen, um ein sau-langweiliges Werbeschild hochzuhalten ... (Quelle: antiatomaktuell Nr. 185).

Netzwerk gewaltfreier Gruppen
Bei den Eliten gewaltfreier Gruppen besteht eine starke Tendenz, einerseits ständig Ausgrenzungen vorzunehmen gegenüber Menschen mit anderen oder weniger dogmatischen Aktionsansätzen, andererseits aber auch fast alles, was eine positive mediale Aufmerksamkeit erringt, als "gewaltfreie Aktion" zu vereinnahmen. Absurderweise sind das oft sogar die gleichen Vorgänge. So wurden die Proteste 1999 in Seattle wegen ihrer hohen Militanz oft abgelehnt, andererseits aber auch wieder vereinnahmt als "gewaltfrei". Gleiches galt für die Protest 2007 in Heiligendamm beim G8-Gipfel: Gleichzeitig Distanzierungen und Vereinnahmung.
Vielfach ist das Gewaltfreiheitsdogma mit einer strikten Vorgabe zur Organisationsform verbunden: Basisdemokratie mit Bezugsgruppen und SprecherInnenrat plus intransparenten informellen Gruppen z.B. zur Vorgabe einer Aktionsstrategie oder zur Vertretung nach außen (Presse).

Aus "Block G8 - Das war der Gipfel!", im ZUGABe*-Rundbrief 1/2008 (S. 2 f.)
Der Erfolg der Aktion hat mehrere Quellen: Schätzungsweise 4.000 Menschen haben in den Wochen und Tagen vor dem G8-Gipfel von Heiligendamm an einem Aktionstraining teilgenommen. Diese Trainings sollten aufgrund des breiten, spektrenübergreifenden Bündnisses von Block G8 nicht wie sonst üblich "Training in gewaltfreier Aktion" heißen, obwohl sie das eigentlich waren. Und erstaunlicherweise hat dieser kleine Etikettenschwindel zu ihrem Erfolg beigetragen. Denn so haben auch viele AktivistInnen teilgenommen, die in der berühmt-berüchtigten Gewaltfrage nicht wirklich festgelegt waren ...
Es kann also gut sein, dass die Erfahrung von Block G8 aus einer ganzen Reihe "Post-Autonomer" nun zumindest "Prä-Gewaltfreie" gemacht hat.


Eine Seite weiter (S. 4) der Aufruf "Gründet Gewaltfreie Aktionsgruppen!" mit der Behauptung einer universellen Organisationsform: Hier wird Menschen untergeschoben, welche Erfahrungen sie gefälligst gemacht haben, ohne sie zu fragen ...
Du warst letztes Jahr bei "Block G8" dabei? Oder hast schon mal mit X-tausendmal quer den Castor blockiert? Oder an einer Feldbefreiung von Gendreck weg teilgenommen? Dann weißt Du, wie wichtig Bezugsgruppen für das Gelingen solcher Aktionen sind.

*ZUGABe soll ein Netzwerk sein. Es ist die Abkürzung von "Ziviler Ungehorsam, Gewaltfreie Aktion, Bewegung". Redaktion des Rundbriefes waren Eliten verschiedener gewaltfreier Kampagnen: Christoph Bautz (Bewegungsstiftung), Susanne Mähne (Gendreck weg) und Jochen Stay (X-tausendmal quer).

Text auf dem Titel der Graswurzelrevolution (GWR) 3/2009 zur Waldbesetzung am Frankfurter Flughafen
... hatten seit Mai 2008 gewaltfreie AktivistInnen einen Teil des Waldes besetzt ...

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