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PATRIARCHAT, KAPITAL UND GESELLSCHAFTLICHE REPRODUKTION VON SEXUELLER GEWALT

I. Patriarchat


1. I. Patriarchat
2. II. Patriarchale Strukturen und sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder
3. III. Ausblick


Screenshot der Seite des Innen- und Heimatministeriums - nein, nicht von Saudi-Arabien, sondern von Deutschland. Das ist Heimat: Männer in die Politik, Frauen ... an den Herd?

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Zur Begriffsgeschichte
Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff ,Patriarchat' Herrschaft der Väter. Er wurde erstmals von Max WEBER in seinen Studien zur Herrschaftssoziologie wissenschaftlich verwendet. Weber kennzeichnet mit diesem Begriff den reinsten Typ traditioneller Herrschaft. Diese Herrschaft beruht auf der persönlichen Abhängigkeit und Fügsamkeit der Unterworfenen gegenüber durch Traditionen legitimierten Normen. Nach Weber ist die ursprüngliche Form des Patriarchats die durch Tradition legitimierte, umfassende Herrschaft des Hausvaters über die Mitglieder einer häuslichen Wirtschaftsgemeinschaft (Frauen, Kinder, Sklaven, Mägde und Knechte). Hier wird deutlich, dass Weber den Patriarchatsbegriff nicht spezifisch als Kennzeichnung der Unterdrückung von Frauen verwendet hat.In den 20er Jahren unseres Jahrhunderts wurde der Patriarchatsbegriff von der radikal-feministischen Strömung der Frauenbewegung aufgegriffen und in der Weise neu interpretiert, als dass Patriarchat verstanden wird als Männerherrschaft, deren Kern die sexuelle Verfügungsgewalt des Mannes über die Frau ist. Damit wurde versucht, der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die männliche Herrschaft über die ,Herrschaft der Väter' weit hinausgeht und auch von Ehemännern, von männlichen Vorgesetzten, von Männern in Führungspositionen in Politik, den meisten gesellschaftlichen Institutionen und in der Wirtschaft ausgeübt wurde und wird.Von der neuen feministischen Bewegung wurde Ende der 60er der Patriarchatsbegriff als Kampfbegriff erneut aufgegriffen. ,Patriarchat' wird seitdem zur Kennzeichnung der Gesamtheit und des systemischen Charakters der weltweiten Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen verwendet. Im Gegensatz zum Begriff ,Männerherrschaft' ist er besser geeignet, biologistische Deutungen (,die Männer sind halt so') abzuwehren und gesellschaftliche sowie historische Dimensionen der Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen hervorzuheben.Durch die Weiterentwicklung der feministischen Theorie und die sich damit herausbildende Frauenforschung erfuhr der Begriff immer größere politische Bedeutung und wissenschaftliche Prägnanz.Zum Zusammenhang zwischen Patriarchat und KapitalismusIn den 60er und 70er Jahren spaltete sich die linke Bewegung an der Frage von ,Haupt- und Nebenwiderspruch'. Die Positionen, die sich dabei gegenüberstanden, stritten über die Frage, ob mit der Überwindung der kapitalistischen Verhältnisse die Frage der Frauenemanzipation quasi nebenbei miterledigt wird, oder ob die Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen eigenständig bekämpft werden muss. Die erste Position, vertreten im wesentlichen durch orthodoxe kommunistische Gruppierungen, ließ bei der Analyse die Wirklichkeit der patriarchalen Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen in den pseudosozialistischen Staaten außer acht.

Auf der anderen Seite lässt sich feststellen, dass in Teilen der Frauenbewegung derzeit zunehmend auf die Einbeziehung der kapitalistischen Unterdrückung in die Analyse (und damit auf antikapitalistische Zielbestimmung) verzichtet wird.Die nach wie vor gegebene Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen lässt sich jedoch weder allein mit den alten Formen patriarchaler Herrschaft, noch allein durch die Funktionsweise des Kapitalismus erklären. Feststellen lässt sich vielmehr, dass Patriarchat und Kapitalismus sich gegenseitig durchdringen, der Kapitalismus das Patriarchat bei seiner Entwicklung also nicht, wie den Feudalismus, zerstörte, sondern modifizierte. Aufgrund dieser Modifizierung halten wir es auch für sinnvoll, vom kapitalistischen Patriarchat zu sprechen.Auf der politischen Ebene leiten ten wir daraus für uns die Aufgabe ab, gegen alle kapitalistisch-patriarchalen Verhältnisse zu kämpfen. Dabei ist, ausgehend von der Mann-Frau-Beziehung, über den Warencharakter der Arbeit und das Mensch-Natur-Verhältnis auch die Beziehung zwischen den industriellen Metropolen und den unterentwickelt gehaltenen Ländern einzubeziehen. Der Feminismus muß sich in seinem Kampf auf alle diese Verhältnisse beziehen, da sie miteinander eng verwoben sind und sich gegenseitig bedingen.

Was ist das Patriarchat?
Das kapitalistische Patriarchat ist das weltweit vorherrschende System der Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen und Mädchen aller Altersstufen, Körperlichkeiten, Klassen, sexuellen Orientierungen, Hautfarben und Religionen auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens.Grundlegende Faktoren sind die Differenzierung und Klassifizierung nach Geschlecht, wobei dem weiblichen der untergeordnete Status zugewiesen wird; die männliche Verfügungsgewalt über Frauen und die geschlechtliche Arbeitsteilung, und damit die Zuweisung des reproduktiven Bereichs an die Frauen. Zur Aufrechterhaltung des kapitalistischen Patriarchats erfolgt die Anwendung psychischer, körperlicher, seelischer, sexueller, politischer und struktureller Gewalt gegen Frauen und Mädchen.Hinzu kommen entsprechende weltliche bzw. religiöse Ideologien von "naturgegebenen" Eigenschaften männlicher und weiblicher Menschen, die die bestehende "natürliche" patriarchale Ordnung der Welt als alternativlos erscheinen lassen. Die alltäglich ausgeübte Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat an diesem Prozess ebenfalls großen Anteil.

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