Kritik der Konsumkritik

ENERGIE VON UNTEN (SELBSTORGANISATION)

Einleitung


1. Einleitung
2. Gegenmodelle und -projekte
3. Das Gegenteil, meist Realität: Energie von oben
4. Links

Im Original: Text "Energie von unten"
Text von Florian Kubitz (Bundeskoordination Stud. Ökologiearbeit) aus dem Buch "Autonomie und Kooperation"
Überall wächst der Widerstand gegen Windkraftanlagen. Warum? Weil die großen Stromkonzerne hinter den Bürgerinitiativen stehen und sie mit den nötigen Finanzmitteln ausstatten? Weil Windkraftanlagen dort in die Landschaft eingreifen, wo sie noch völlig unberührt ist? Weil die Auswirkungen von Windenergie im Vergleich zu anderen Techniken besonders kritisch beäugt werden? Egal: Die Lösung des Problems ist ganz einfach, wir bauen Windkraftanlagen auf dem Meer, da stören sie keinen und produzieren wegen der besseren Windverhältnisse auch noch mehr Strom. Wirklich der richtige Weg?
Erneuerbare Energien sind zu einem Millionengeschäft geworden. Schon lange geht es nicht mehr um eine lokale, dezentrale Energieversorgung durch eine schonende Nutzung der lokal verfügbaren Ressourcen. Es wird alles immer größer, weil der Ingenieur anfassen kann was er will - je größer die Einheit wird, umso niedriger sind die spezifischen Kosten. Die Flügel von Windkraftanlagen überspannen ein Fußballfeld, die Turmhöhe hat 150 Meter erreicht. Windkraftanlagen sind damit höher als jeder Kirchturm oder Industrieschornstein.
Die Windparks könnten zwar locker die Bewohner der Dörfer in ihrer Umgebung versorgen, aber denen gehören sie nicht. Anonyme Investoren aus der fernen Großstadt haben ihr sauer erspartes Geld einem Fonds anvertraut, der eine Rendite verspricht, die über dem liegt, was man auf sein Sparbuch bekommt.
Ist es wirklich verwunderlich, dass der Widerstand gegen Windkraftanlagen wächst? Wohl kaum. Doch was ist die Alternative, außer der Verbannung aufs Meer? Was bedeutet eine Energieversorgung von unten?
Die Menschen müssen selbst entscheiden, wie eine umweltfreundliche Energieversorgung vor Ort gestaltet werden kann. Wieviel Energie wird überhaupt benötigt, was kann man einsparen? Welche natürlichen Ressourcen können genutzt werden, wie geschieht das am schonendsten für die Menschen und die Umwelt? Das können die Menschen vor Ort am besten entscheiden. Natürlich kann es auch sinnvoll sein, Strom aus Regionen mit guten Standortbedingungen in andere Regionen zu übertragen, die schlechte Voraussetzungen für die Nutzung regenerativer Energien haben. Dann sollten die Menschen an der See aber selbst entscheiden, wieviele wie große Windkraftanlagen ihre Landschaft verkraftet. Ziel ist die Schaffung vieler dezentraler Anlagen, statt nur die bisherigen Großanlagen (Atom- und Kohlekraftwerke) durch andere (Offshore-Windparks und riesige Solarkraftwerke in Afrika) zu ersetzen.
Das gleiche Prinzip gilt auch außerhalb der Stromversorgung. Stark gefördert wird z.B. die Verwendung von so genanntem „Biodiesel“, Rapsölmethylester. Die Herstellung von Rapsölmethylester ist nicht nur energieintensiv sondern auch technisch kompliziert. Deshalb sind zentrale Strukturen zur Herstellung von Biodiesel unumgänglich. Dabei könnte man mit leichten Änderungen an der Motoren auch gleich gereinigtes Pflanzenöl in den Tank füllen, aber damit ließe sich wohl nicht so viel Geld verdienen.
Mit kleinen Blockheizkraftwerken kann man gleichzeitig Strom und Wärme produzieren, der Wirkungsgrad beträgt ca. 90%, im Vergleich zur konventionellen Stromerzeugung mit 40% unglaublich hoch. Aber wegen der kleineren Erzeugungseinheiten ist Kraft-Wärme-Kopplung immer noch auf Förderung angewiesen.

Beschreibung des Konzepts „Ökostrom von unten“
Drei Worte, deren Sinngehalt erst deutlich wird, wenn die politische Bedeutung aller drei klar wird und dann die Gesamtkomposition. Denn Beliebigkeit ist eine Todesform von Prozessen und Weiterentwicklung.
- Ökostrom: Strom ist das, was aus der Steckdose oder dem Kabel kommt. Er wird dann von Strom in andere Energieformen gewandelt. Für viele Zwecke ist Strom eine sehr edle Energieform, für andere extrem ungeeignet, z.B. für die Gewinnung von Wärme oder auch für anderes, wenn dabei vor allem Wärme nebenbei verloren geht wie bei Lichtquellen, die viel Wärme produzieren, oder solchen mechanischen Geräten, die vor allem Wärme abgeben. Für so etwas Strom zu verwenden, ist nie „öko“. Umweltschutz bedeutet, Warmwassergewinnung, Heizung, Herd, Waschmaschine, Trocknungsgeräte usw. auf andere Wärmeproduktion umzustellen. Solare Warmwassererzeugung, Brennwerttechnik, Biogas und Biomasse wären Alternativen. „Öko“ ist zudem nicht das was draufsteht, sondern das, was wirklich ist. Am umweltfreundlichsten ist der Strom, der eingespart wird, denn auch „Ökostrom“ verursacht Umweltzerstörungen und Rohstoffverbrauch - nur weniger. „Ökostrom“ ist der Strom, der andere Stromformen verdrängt, indem sein Kauf (auf den Zahlungsvorgang kommt es an, d.h. wem ich das Geld gebe!) keine fossile und/oder verschwenderische Stromproduktion unterstützt. „Öko“ ist folglich nicht, wenn der ohnehin vorhandene, mit Wind oder Wasser produzierte Strom jetzt nur teurer bezahlt wird. „Öko“strombezug muss die fossile Stromproduktion tatsächlich verringern.
- Unten: Unten heißt nicht klein, sondern „unten“ bedeutet das Fernsein von Machtmitteln. Nicht per Verordnung, Sicherheitsapparaten und Kontrolle, Geld oder wirtschaftlichem Druck sollen Verbesserungen erfolgen, sondern aus gleichberechtigtem Miteinander von Menschen. Die gleichberechtigten Menschen ohne den Einsatz von Herrschaft - das ist „unten“ im positiven Sinne. Auch PolitikerInnen, Institutionen oder Firmen können so agieren - allerdings müssen sie dann verzichten auf die Machtmittel, die sie sonst gewohnt sind einzusetzen.
- Von: Das ist ein wichtiges Wort - von unten ist ein Prozessbegriff. Er bezeichnet das Handeln der Menschen ohne Benutzen von Machtmitteln. Freie Vereinbarungen der Gleichen und Freien. Die Menschen organisieren sich, ihr Leben und ihre gemeinsamen Dinge selbst. Das sagt „von unten“. Es ist also ein Begriff, der das Gegenteil von Herrschaft, des „von oben“ ist. Umweltschutz von unten heißt folglich nicht, daß die VerbraucherInnen im Kleinen die Umwelt schützen (sollen). Das ist zwar auch nicht ausgeschlossen, aber es ist nicht der Punkt. Vielmehr bedeutet es, dass im Prozess der freien und gleichberechtigten Menschen miteinander entschieden wird, was im Umweltschutz geschieht - ohne Gesetze, Druck von oben, wirtschaftliche Abhängigkeiten, Markt- und Verwertungslogik oder Institutionalisierung.
Ökostrom von unten als Gesamtheit bezeichnet eine Energieversorgung, die ökologischen Kriterien gerecht wird und deren Gewinnung, Verteilung und Verbrauch die Menschen miteinander klären. Energiegewinnungsanlagen, Netze und die Absprachen über den Verbrauch - alles gehört allen. Zumindest ist das Vision. Der konkrete Weg kann über Schritte dahin führen und wird kreativ Grenzen erweitern müssen, die ein herrschafts- und marktförmiges Drumherum hat. Diese Erweiterung kann nicht durch Insellösungen erfolgen, sondern durch eine politische Auseinandersetzung. Daher wird auch die politische Aktion dazugehören müssen.
Das Projekt „Ökostrom von unten„ ist eine konkrete, selbstorganisierte und politische Aktion. Sie lebt vom eigenständigen Handeln in Städten und Regionen, schafft keine zentralen Strukturen, sondern will denen helfen, die vor Ort agieren wollen. Die konkreten Aktivitäten können von Öffentlichkeitsarbeit bis Widerstand gegen Monopole, Großkraftwerke, Atom usw. über das Schaffen konkreter Projekte, Modelle, Experimente und gemeinsam betriebener Energiegewinnungsanlagen und Netze reichen - alles gehört dazu! Ob es gelingt, hängt davon ab, ob vor Ort bestehende Aktivitäten und neue Ideen entwickelt werden - unter welchem Namen, in welcher Vorgehensweise und Organisationsform auch immer.


 

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