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FREIE MENSCHEN IN FREIEN VEREINBARUNGEN
THEORIE & PRAXIS DER HERRSCHAFTSFREIHEIT

Worum geht es?


1. Worum geht es?
2. Buch und Textsammlung (Gruppe Gegenbilder)
3. Materialien zum Thema
4. Herrschaftsfreiheit, Sozialdemokratie & (Neo)Liberalismus
5. Viele, viele Internetseiten

Der Mensch kann sich und seine Umwelt abstrahieren. Das heißt, er kann so tun, als stände er außerhalb seiner selbst und beobachte sich. Er kann überlegen, ob das sinnvoll ist oder nicht, was er gerade tut, getan hat oder tun will. Gleiches lässt sich zur eigenen Umwelt sagen - je sogar zu einer entfernten Umwelt, die gerade gar nicht direkt vor Augen steht. Der Körper, allen voran die Hände, bieten hervorragende Möglichkeiten, konkrete Ideen zur Veränderung der äußeren Erscheiungen auch umzusetzen. Der Kopf mit dem leistungsfähigen Gehirn spielt mit, das in sehr komplexen Handlungsabläufen zu tun. Nicht nur lässt sich so die Natur direkt verändern, z.B. kann ein Boden aufgelockert, Wasser umgeleitet oder Holz zu Papier werden. Es lassen sich auch nicht nur einfache Hilfsmittel herstellen, sondern mehr verschachtelte Vorgänge entwerfen, bei denen z.B. ein Werkzeug hergestellt wird, das ein Werkzeug herstellt, mit der eine Maschine hergestellt wird, die die Umgebungsbedingungen verändert. Selbst das ist noch recht einfach - kommen noch Kooperationen vieler Beteiligter und programmierte Algorithmen wie die Software von Computern hinzu, so entsteht ein sehr komplexer Ablauf, der am Ende die Auffassungsfähigkeiten der Einzelnen schnell übersteigt. Allerdings lassen sich wieder Hilfsmittel erzeugen, die die Steuer- und Überschaubarkeit von Vorgängen verbessern - oder verschlechtern.

Die Grenzen menschlicher Gestaltungsfähigkeit sind also weit gesteckt und lassen sich ständig weiter dehnen. Die entscheidende Frage ist, wofür diese Fähigkeiten genutzt werden. Wohin wird die Produktivkraft gelenkt? Wie sehen die Entscheidungswege aus? Auf welche Weise entstehen Kooperationen, wie können Entwicklungen beeinflusst werden - und durch wen? All das kann nicht "wissenschaftlich" oder technisch entschieden werden. Wohl können für alle Entscheidungen dann wieder die passenden Hilfsmittel erstellt werden, aber die Richtung selbst ist eine politische. Eine, die den Menschen angeht und, aus emanzipatorischer Sicht, von ihnen ausgehen sollte.

Zur Zeit dient gesellschaftliche Aktivität überwiegend der Steigerung von Profiten und der Kontrolle. Beide sind mitunter auch verbunden und bestehen wieder aus vielen Teilaspekten, bilden die dominanten Säulen gesellschaftlicher Organisation. Seit Jahrhunderten. Der lange Gewöhnungsprozess lässt sie wie Naturgesetze erscheinen, doch bei näherer Betrachtung sind sie mit allen verfügbaren Mitteln der Herrschaftsausübung durchgesetzt und immer wieder neu inszeniert - von formal begründeten Drohkulissen (Gesetze, Strafe) bis zu diskursiver Vermittlung.

Emanzipation als Ringen um gesellschaftliche Bedingungen bedeutet also zunächst, die Metafrage immer wieder zu stellen. Es reicht nicht, nur über die technische Lösung der Energieversorgung, der Nahrungsmittelerzeugung, zu Medikamenten und ärztlicher Behandlung, zu Wissen, Kommunikationsformen und Entscheidungsfindung zu debattieren. Sondern zur Disposition steht die Frage, wie darüber entschieden wird - also die Eigentumsfrage, die Frage der Transparenz aller Abläufe, die Methoden der Entscheidungsfindung, ja sogar schon die Frage, wie über diese Fragen diskutiert und entschieden wird. Auch gehört dazu die Klärung, ob überhaupt etwas für alle festgelegt werden soll, was also Entscheidungen überhaupt bedeuten und nach sich ziehen.Schnell können schwindelerregende Höhen mehrfach verknoteter Gedankenstränge erreicht werden, die bei allem zu berücksichtigen sind. Denn soziale Gefüge sind hochkomplex. Einfache Einzellösungen werden ihnen selten oder nie gerecht. Daher sei eine der wichtigsten Schlussfolgerungen schon am Beginn genannt. Es wird keine neue Norm, kein neues Gesetz geben können, dass Emanzipation passgenau beschreibt und sichert. Nur der Mensch selbst, allein oder in der Kommunikation mit anderen, ist in der Lage, komplex wirkende Lösungen zu entwerfen und - da diese immer nur für den Moment gelten können - weiterzuentwickeln. Es gibt also keinen Anfang und kein Ende. Es gibt immer Alternativen, aber uns werden nicht immer alle einfallen. Fortschritt basiert daher auf der Offenheit der Gegenwart und der Reflexion, ob nicht noch Anderes oder Besseres möglich wäre. Das wiederholt sich nach jedem Schritt voran ...

Fragend schreiten wir voran ...
Solche Erkenntnis von Emanzipation als ständigem Prozess ist nicht neu. Eine schöne Formulierung drang aus dem Lakandonischen Urwald, dem symbolischen Ausgangspunkt zapatistischer Aufstandskultur in Chiapas (Mexico), in die Welt. Nämlich, dass Befreiung immer ein von Versuch, Irrtum, Reflexion und neuem (verbessertem) Versuch geprägter Prozess sein müsse. "Fragend schreiten wir voran" wurde zu einem wichtigen Leitspruch des Aufstandes, der am 1.1.1994 eine gefühlte Alternativlosigkeit in vielen Regionen der Erde durchbrach.

Fragend schreiben wir voran ...
Dieser Idee folgen auch die Texte auf diesen Seiten. Sie sollen, so jedenfalls die Hoffnung, Bekanntes und Neues verbinden, weiterentwickeln und ins Gespräch bringen. Aber sie können kein Manifest, keine Geschichtsschreibung und keine Utopie sein, die irgendeine besondere Bedeutung hat, einen herausgehobenen Status beansprucht oder gar Wahrheiten. Denn solches gibt es nicht, auch wenn mitunter Verlautbarungen als solche definiert werden, um sie aufzuplustern. Alles, was menschlicher Produktivkraft entspring, hat unter einem emanzipatorischen Blickwinkel dann Bestand, wenn es Menschen, zumindest Einzelnen, nützt. Es wäre schön, wenn diese Texte irgendwo etwas gedanklich voranbringen können - also Ausgangspunkt von wieder neuen Ideen und Erkenntnissen sind, die das, was hier steht, überwinden. Das kann durch Widerlegung oder durch Erweiterung geschehen. Fatal wäre es, wenn diese Texte hier in 10 oder 100 Jahren wie ein Gesetzesbuch behandelt würden. Lieber leben diese Ideen als Bestandteil der sich daraus wiederum entwickelnden Methoden, Techniken, Produkte oder Ideen weiter, während der Ursprung in Vergessenheit gerät und gerne auch geraten kann. Das Klammern heutiger politischer Theorie an uralte Texte beweist vor allem, wie wenig Dynamik seit langem schon überall dort herrscht, wo es nicht um Profit und Macht geht. Die Schalter der Gesellschaft sind falsch gestellt. Menschliche Schaffenskraft treibt in autoritären Systemen nicht die Emanzipation und ein besseres Leben voran, sondern Profit und Kontrolle. Das eigentlich Typische am Mensch wird verschüttet: Sich entfalten, Anderen die Entfaltung ermöglichen und insgesamt so das Potential der Menschen zum guten Leben voranbringen.

Noch eines: Alles, was hier steht, ist offen, darf weiterverwendet und weiterentwickelt werden. Es wäre kein Schaden, wenn es unbeachtet bleibt. Aber es erhöht die Chance, nützlich für Menschen und ein besseres Leben, wenn alles verwendet und weiterentwickelt werden kann. Formale Hürden sind Handbremsen der Emanzipation. Sie einzureißen, ist Teil von Befreiung.

"Freie Menschen in freien Vereinbarungen II" ist die überarbeitete und ergänzte Version der ersten Auflage, die 1999 und 2000 von der Gruppe Gegenbilder geschaffen wurden. Die ersten Entwürfe der neuen Texte entstanden im Winter 2010/11 im Gießener Gefängnis. Verfasser war Jörg Bergstedt, der damals eine Freiheitsstrafe wegen einer Aktion gegen die Agro-Gentechnik absitzen musste. Danach konnten sie bis Dezember 2011 diskutiert werden, um anschließend im Internet (also hier) aktualisiert und dann mit ausgewählten der gesamten Zitate in Buchform gegossen zu werden.

Creative Commons-LizenzvertragAlles für alle! Diese Texte stehen unter einer Creative Commons-Lizenz. Sie dürfen frei verwendet und verändert werden. Bedingungen: Alle darauf aufbauenden Werke müssen im gleichen Sinne frei sein und ebenfalls unter dieser Lizenz veröffentlicht werden. Eine Quellenangabe für "Freie Menschen in Freien Vereinbarungen" oder diese Internetseiten wäre nett.

Ergänzende Literatur
Um Wiederholungen zu vermeiden, finden sich - vor allem in den Kapiteln zur Strategie und Praxis - Verweise auf Text aus anderen Veröffentlichungen, die im Rahmen der gleichen oder ähnlicher Debatten entstehen. Es sind dies vor allem die konkreten Zukunftsentwürfe im Buch "Autonomie & Kooperation" sowie das Methodenhandbuch zum Abbau von Hierarchien und Dominanzen in Gruppen mit dem Titel "HierarchNIE!". Alle Texte, auf die verwiesen wird, sind auch im Internet und auf der CD "Utopien" zu finden. Der Link ist angegeben. Wir empfehlen, zumindest diese drei Werke als zusammenhängendes "Set" der Debatte und des Ringens um Emanzipation zu nutzen.

Textsammlung "Freie Menschen in freien Vereinbarungen": Auf zum ersten Text im Kapitel über die Geschichte sozialer Organisierung!

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