Projektwerkstatt

SACHSPENDEN, TAUSCHEN, „DEALEN“
MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN

B. Schnorren und Sachspenden


1. Einleitung
2. A. Voraussetzungen
3. B. Schnorren und Sachspenden
4. C. Was woher?
5. D. Schenken, Klauen, Teilen
6. Links

Die folgenden Erläuterungen beziehen sich auf das „Schnorren“ und „Dealen“, also eine konkrete Form der materiellen Reproduktion politischer Arbeit, die keine Infragestellung marktförmiger Verhältnisse beinhaltet – aber dennoch eine teilweise Loslösung aus den Abhängigkeiten bringen kann. Dazu dienen sie auch – das allein kann sehr wertvoll sein. Die Vorbemerkungen und abschließenden Abschnitte dieses Mittelteils sollen die teilweise eher technischen Tipps in einen politisch-visionären Zusammenhang stellen. Schnorren kann ein Stück Freiheit schaffen und damit Teil der Strategie zu den weitergehenden Visionen sein. Es bleibt aber selbst eine Teilnahme am Markt, zeitweise subversiv, aber denkbar nur als Nische und in der Hoffnung auf gesellschaftliche Veränderungen als Zwischenlösung für politische Gruppen und Einrichtungen.

1. Vorweg: Grundlagen erfolgreichen Schnorrens
a. Fast nichts läßt sich nicht "für umsonst" bekommen. Ein bißchen Phantasie ist Vorraussetzung, um die richtigen Quellen zu finden und anzuzapfen.

b. Eine Portion Mut, Dreistigkeit und Penetranz ist notwendig, um erfolgreich beim "Schnorren" zu sein. Aber diese Eigenschaften lassen sich üben. Dabei geht es nicht darum, mitleidsvoll nach Spenden zu betteln, sondern kreativ die verschiedenen Wege und Möglichkeiten abzuchecken.
  • Erstmal klären, was überhaupt gebraucht wird (eventuell auch, was als Ersatz dienen könnte)
  • Überlegen, woher es kommen könnte und recherchieren, wo die Adresse herkommt.
  • Die regionalen Gelben Seiten sowie für Ökoadressen das Alternative Branchenbuch (Altop-Verlag) und die dazugehörige Internetadresse www.eco-address.de) und das Grüne Branchenbuch (jeweils pro Bundesland, Verlag Das Grüne Branchenbuch). gehören zur Grundausstattung, ein Besuch beim Fachhändler verschafft nötige Kataloge, Fachleute können Auskunft geben über spezielle Herstellerbetriebe.
  • Das "Opfer" anvisieren und loslegen!
Bei allen Anfragen gilt: Möglichst jeden Schritt der Absprachen schriftlich festhalten. Kontaktpersonen, Durchwahl, direktes Fax und Email, Erreichbarkeitszeiten, Stand der Dinge, Termine und wann wieder nachgefragt werden kann.

c. Die beste Reihenfolge:
  • Anrufen, ganz kurz das Projekt und die Bitte vorstellen. Bei größeren Firmen, wo zunächst die Telefonzentrale rangeht, ist dies auch sinnvoll, um richtig weiterverbunden zu werden. Wer schon weiß, in welcher Abteilung die Anfrage landen soll, kann sie sofort verlangen. Verbinden kostet oft Zeit, Einheiten und vielfaches Erklären, bis mensch die Richtigen erreicht.
  • Namen und Durchwahl des/der GesprächspartnerIn geben lassen.
  • Wenn die Spur einer Chance auf Erfolg besteht, weitere schriftliche Infos ankündigen (eine Projektvorstellung sowie eine präzise Beschreibung des Wunsches)
  • Brief oder Fax zu Händen der Kontaktperson schnellstmöglich auf den Weg geben (damit nichts in Vergessenheit gerät)
  • Ein bis zwei Tage, nachdem der Brief angekommen sein muß, wieder anrufen und kreativ-freundlich nachfragen.
  • Selten gibt es sofort ein klares "Ja" oder "Nein". Aus einmal Nachhaken können viele Male werden. Aber das ist wichtig: Es kann das konsequente Wieder-Melden sein, wofür es schließlich die Belohnung gibt (und wenn das Opfer auch nur die Nachfragerei endlich lossein will). Wichtiger aber ist der kreative Dialog, der nicht nur vielfältige Möglichkeiten der Einigung schafft, sondern auch Erinnerung beim Angerufenen erreicht – ein wichtiger Vorteil beim nächsten Anruf!

d. Tipps und Tricks:
  • Ein Brief vor einem Telefonat könnte meist genausogut von den Absendenden in den Papierkorb geworfen werden. Erst schreiben, wenn die Ansprechperson bekannt ist oder sonst klar ist, daß der Brief "erwartet wird". Ein Fax ist ein Mittelding zwischen Brief und Anruf, auch hier gilt: Vorher persönlich melden, Schriftstück ankündigen und direkt addressieren. Vorteil, wenn es schnell geht: Telefonat ist noch frisch in Erinnerung beim Angeschriebenen/Angefaxten.
  • Wichtig: Nicht darauf einlassen, daß die Angesprochenen zurückrufen ("Wir melden uns dann" ist oft genug ein "Nein" durch Aussitzen). Statt dessen selber wieder anrufen. Wenn die anderen sich melden wollten, erspart eine Ausrede Peinlichkeiten und den Eindruck zu großer Aufdringlichkeit: "Ich war in den letzten Tagen schwer zu erreichen, vielleicht haben Sie es ja bereits versucht ..."
  • Bei kleineren Betrieben in erreichbarer Nähe kann es besser sein, einfach vorbeizugehen.
  • Firmen, die "warmgehalten" werden sollen, weil sie vielleicht nochmal als UnterstützerInnen in Frage kommen, könnten nach erfolgter Spende bei Gelegenheit einen Bericht, was gerade so läuft, erhalten (UnterstützerInnen-Infobrief zum Projektabschluß, Jahresende o.ä.)

2. Wege der Kontaktaufnahme
a. Ausnahmen: Gleich per Brief, Fax oder Mail
Nur weniges ist ohne vorherige direkte Kontaktaufnahme, also gleich per Mail, Brief oder Fax sinnvoll. Dazu gehören Standardanfragen wie „Wir wollen ein Seminar gegen Gentechnik durchführen und würden uns freuen, wenn Sie das mit einigen Proben ihrer gentechnikfreien Brotaufstriche unterstützen könnten“. Solche oder ähnliche Standardfälle klappen meist recht unkompliziert. Das hat guten Grund, denn die Firmen wollen in der Regel bei so etwas mit ihren Produkten als Alternative vertreten sein und/oder unterstützen auch die politische Zielrichtung, denn von gesellschaftlichen Veränderungen in die entsprechende Richtung profitieren sie wirtschaftlich. Daher ist es auch nur fair, wenn sie Aktionen, Seminare usw. unterstützen, die ihnen Vorteile bringen:
  • Solarfirmen für Solar-Veranstaltungen/-Aktionen
  • Bio-Nahrungsmittelhersteller, Großhändler oder Läden für Seminare zu Bio-Landbau, Gentechnik usw., Aktionen bis hin zu besetzten Genfeldern
  • Farbenhersteller zu Aktionen oder Seminaren für Baubiologie
  • Büromaterial-/Papierwarenhersteller für Aktionen pro umweltbewußter Alltag, Aktionen an Schulen usw.
  • Verlage und Versände zu passenden Ausstellungen, Festen usw., wo deren Produkte (z.B. Bücher) als Kennenlernexemplare (z.B. zusammen mit Werbeflyern des Verlags) ausliegen.

Da der Bezug der Sachspende zur Aktion sehr direkt ist, kann hier auch ausnahmsweise mal eine schriftliche Anfrage zum Erfolg führen. Ansonsten ist davon abzuraten. Was zählt, ist der direkte Kontakt und die Kreativität der Gesprächsführung.
Auch ausreichend ist der Brief für Rezensionsexemplare von Büchern, CDs und Software.

b. Ansonsten immer: Ruf doch mal an ... „Dealen“ für Materialien
Einen passenden Begriff für das, um was es hier geht, gibt es nicht. „Dealen“ soll ausdrücken, daß es eine Mischung ist aus Überredungs- und Überzeugungskunst sowie Verhandlungsgeschick, aus der Fähigkeit, das Besondere herauszustellen, und aus Spontanität, Kreativität und dem Gespür für den passenden Vorschlag. Wer nur um Geldspenden telefoniert oder im 0-8-15-Standard seine/ihre Anfragen runterspult, wird wenig erreichen. Viele Gruppen und Menschen bauen ihre Arbeit oder ihr Leben sehr stark auf Geld auf – dann ist es einfacher, beim Staat zu schleimen, um Förderungen zu bekommen, mit Arbeits- oder Sozialamt zu kooperieren (und damit die Zwangsgesellschaft zu stützen und für sich einzusetzen) oder mit Konzernen sogenannte „Sponsorings“ zu machen der Marke „Eine Hand wäscht die andere“. Die Idee des „Dealens“ um Sachmaterialien entstammt eher dem Ansatz der Selbstorganisation, wo die gute Idee zählt und wo für jeden Fall ein neuer Vorschlag entworfen wird. Der Vorschlag besteht aus der Überlegung, welche Quelle (Firma, Schrottplatz, PrivatbesitzerIn u.ä.) ich angehe, wie in das Gespräch anfange, welche Vorschläge und Begründungen ich bringe, ob ich nur eine Spende will, eine Gegenleistung anbiete, mit der oder einem besonderen „Deal“ überzeugen will usw.

3. Die Quellen
Für AnfängerInnen mag es schwerfallen, sich zu überlegen, wo diese oder jene notwendigen Dinge herzubekommen sind. Wichtig ist, genau zu überlegen, welche Materialien wo anfallen – und dort zum einen zu bekommen sind und zum anderen keinen oder einen geringen „Wert“ mehr haben für diejenigen, die mit ihnen umgehen. Einen kleinen Eindruck zur Orientierung kann folgende Liste geben.

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