Projektwerkstatt

PLENA SIND DAS OPIUM DER BASIS
KRITIK UND ALTERNATIVEN ZUM PLENUM

Alternativen zum Plenum


1. Plenumslied
2. Kritik des Plenums
3. Alternativen zum Plenum
4. Offene Fragen, Chancen und Probleme
5. Weitere Texte und Meinungen zu Plenum & Co.

a. Gar kein Plenum mehr?
Zentralen sind weder sinnvoll noch nötig und gehören daher abgeschafft - weg mit der Kontrolle! Ausgangspunkt wäre, eine Situation zu schaffen, in der es keine zentralen Gremien mehr gibt, die Entscheidungen für alle treffen und durchsetzen können. Es gibt kein Plenum aller und keinen Konsenszwang mehr. Wenn das Bedürfnis besteht sind selbstverständlich auch größere Runden denkbar, z.B. wenn es darum geht, Überblick über gelaufene Diskussionen zu schaffen, Infos auszutauschen usw. Das wäre ein offenes Treffen aller Interessierten ohne Einigungszwang. Hier werden keine Entscheidungen getroffen, alle Absprachen gelten nur für die, die sie miteinander treffen. Wahrscheinlich wird es in Open Space Prozessen immer wieder solche Runden geben - mal zwischen zwei Leuten, mehreren Arbeitsgruppen oder allen Interessierten. Das sind aber keine Plena. Insofern sind Begriffe wie Info- oder Interessiertenplenum unpräzise, weil eigentlich "größere Versammlung" gemeint ist, die aber kein Plenum sind, weil weder zentrale Entscheidungen getroffen noch Konsens hergestellt werden soll. Das Problem hängt auch damit zusammen, dass es für neue Organisierungsformen noch keine Begriffe gibt, die klar beschreiben, um was es sich handelt. Bei den vorgeschlagenen Alternativen wird der Begriff "Plenum" bewusst nicht verwendet.

b. Ohne Plenum leben - Ideen und Methoden
Grundlegende Alternative zum Plenum wäre eine Kombination aus Plattform-Modellen, Open Space und weiteren Elementen - vieles ist noch zu entwickeln. Plattform bezeichnet Strukturen, die Offenheit mit möglichst gleichberechtigten Zugriff auf Informationen, Materialien, Pressekontakten usw. verbinden. Beispiele dafür sind die Offene Presseplattform oder Direct Action-Räume. Zum anderen Open Space als Organisationsmodell für Treffen - Grundidee ist es, die Kaffeepausen und Randgespräche, häufig die interessantesten Phasen von Kongressen, als durchgehendes Gestaltungsprinzip zu nutzen und dabei Transparenz zu gewährleisten, wer wo was diskutiert, plant usw. Einen Rahmen für Vielfalt organisieren! (Open Space wird in folgenden Schwerpunkten ausführlich beschrieben!) Es gibt nicht "die" Alternative um Plenum - sinnvoll ist ein Mix unterschiedlicher Konzepte und Methoden. Daher wird im folgenden versucht zu zeigen, wie verschiedene Funktionen, die zur Zeit auf Plena zentralisiert werden, möglichst hierarchiearm, dezentral und kreativ umgesetzt werden können.
  • Infoaustausch und Transparenz: Fast alles, was im Plenum besprochen wird, kann auch auf anderen Wege alle erreichen bzw. die, die es interessiert. Dazu sollten alle Mittel ausgelotet werden, Transparenz herzustellen und den Infofluss zu organisieren - gerade wenn es kein übergreifendes Zusammenkommen mehr gibt, ist das wichtig. Einige Mittel: Infopoints, Stellwände mit genügend Raum für Ankündigungen, Newsletter, Klozeitungen (sind auf dem stillen Örtchen zu finden, denn hier kommt jedeR mal vorbei!), Mailinglisten. Bei Bedarf können Interessierte größere Runden einberufen, um Transparenz herzustellen. Wichtig ist darauf zu achten, dass dort "nur" Transparenz hergestellt wird, wo welche weitergehenden Infos zu bekommen sind - jede dieser Infos direkt in das Treffen zu tragen, bläht dieses auf und wird an den Bedürfnissen der Menschen vorbei gehen, da ihnen die Möglichkeit genommen wird, selbst zu entscheiden - ein Plenum entsteht! Bei größerer Anzahl von Menschen ist es sinnvoll, zwei, drei oder mehr kleinere Runden zu bilden, um plenare Effekte zu verhindern.
  • Diskussionen: Plena sind für gleichberechtigte Diskussionen ziemlich ungeeignet, zum einen wegen der ungleichen Redesituation (wenige DiskutantInnen, viele ZuhörerInnen). Zum anderen werden hier Menschen Themen aufgezwungen, die sie nicht interessieren. Alternativen sind offene Treffen oder Arbeitsgruppen, die sich an einem bestimmten Ort verabreden. Niemand wird mehr gezwungen, an Diskussionen teilzunehmen. Bei mehr Leuten bieten sich Kleingruppen an - oder, falls eine größere Gruppe gemeinsam diskutieren will, Fishbowl. Große Runden dienen nur als Startpunkt, um Vereinbarungen zum Verlauf zu treffen und Streitpunkte zu klären. Kurze Austauschtreffen zwischen Kleingruppenphasen können Sinn machen, um Transparenz herzustellen oder den weiteren Ablauf zu bereden. Bei Experimenten (Januartreffen 01 in Düsseldorf) zeigte sich aber, dass die üblichen Plena-Probleme weiter bestehen. Verbesserung: Tuschelrunden bzw. Querschnittstreffen - nach einer Kleingruppenphase bilden sich Grüppchen mit je einer Person aus jeder Kleingruppe. Hier können Informationen sehr schnell ausgetauscht werden ... also auch interessant für den Aspekt Transparenz.
  • Entscheidungsfindung: Grundsätzlich sollten Prozesse so gestaltet werden, dass einheitliche Entscheidungen aller nicht nötig sind, d.h. mehrere Möglichkeiten (von Aktionen, Zeitungen usw.) nebeneinander existieren können - als Rahmen dazu ist das Plattform-Modell sehr gut geeignet, welches den gleichberechtigten Zugriff auf Ressourcen sichern will. Wo Entscheidungen notwendig sind, werden diese in autonomen Teilgruppen bzw. Gruppen der jeweils Interessierten getroffen, die sich nur da koordinieren müssen, wo die Autonomie anderer eingeschränkt wird. Das sollte transparent gemacht werden mit allen Mitteln, um Entscheidungen anfechtbar bzw. veränderbar zu halten. Gibt es Einwände gegen Entscheidungen, sind offene Treffen derer wahrscheinlich, die Klärungsbedarf haben. Dabei gibt es - im Idealfall bzw. in der Tendenz - keine Durchsetzungsmöglichkeit "von oben". Einigung kann nicht erzwungen werden - die Hoffnung ist, dass Menschen unter möglichst herrschaftsfreien Bedingungen kooperative Lösungen und Vereinbarungen bevorzugen, mit denen alle klar kommen.

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