LANGWEILIG? AUSDRUCKSLOS? HAPPENING OHNE INHALTE?
Aktionen gegen Rechtsruck
Kritik an unkreativer Aktion ● Aktionen gegen Rechtsruck ● Direct Action & Esoterik? Nö!
Ein typisches Beispiel für unkreative und hierarchisch organisierte Großproteste sind die Gegendemos und -aufmärsche gegen Demos oder Treffen der Rechten. Fast immer stehen bürgerliche oder autonome Massen einer großen Zahl Uniformierter gegenüber. Direkte Wirkung wird selten erzeugt - angesichts des riesigen Aufwandes ein fatales Ergebnis. Lehren werden daraus nicht gezogen. Es wirkt so, als wäre der Erfolg gar nicht wichtig, sondern das Event des Zusammenkommens, die Organisierung von Massen unter einer einheitlichen Führung, oft einschließlich des Zuhörens der (hierarchisch) ausgewählten Redner*innen und andere selbstbezogene Ziele der Selbstzweck.
Das zeigt exemplarisch die Kampagne "Widersetzen". Sie ist zentral gelenkt, im Kern stehen zwar marxistische Organisationen hinter den Aktionen, deren Anspruch es ist, als Avantgarde Bewegungen zu lenken. Ihr Konzept ist die Mobilisierung von Massen, um diese als willenlose Vollstreckerinnen ihrer Ideen und Strategien einzusetzen. Dabei geben sie den Massen das Gefühl von Wirksamkeit und Weltrettung. Zwar sind alle bisherigen Proteste weitgehend oder komplett wirkungslos geblieben, aber über die eigene Propaganda werden die wirkungslosen Massenevents als großer Erfolg gepriesen. Den Teilnehmenden wird vermittelt, wichtiger Baustein eines großen Sieges gewesen zu sein. Tatsächlich waren sie nur Rädchen im erfolglosen System, welches ganz anderen Zielen diente als den behaupteten.
Aus "Gegen jeden Widerstand", auf: Zeit online am 29.6.2024
Am Nachmittag, Tino Chrupalla und Alice Weidel sind da schon als AfD-Doppelspitze wiedergewählt, verschicken die beiden Bündnisse ihre erste Bilanz. 70.000 Menschen seien gekommen. Aber aus ihrer Sicht fast noch viel besser: Der Parteitag konnte zwar nicht verhindert werden, aber erst mit knapp halbstündiger Verspätung beginnen. "Das ist ein riesiger Erfolg", wird Rosen später sagen. Dass die AfD sich daran kaum gestört haben wird, sei nicht so wichtig. "Wir haben heute ein krasses Zeichen gesetzt."
Danach kamen Riesa und Gießen. Alles lief im Großen und Ganzen immer nach dem gleichen Schema ab: Umfangreiche Mobilisierung, großspurige Ankündigungen, hierarchisch-bevormundende Organisierung, aber wenig konkrete Wirkung. Dennoch wurde alles lautstark als Erfolg abgefeiert.
AfD-Jugend in Gießen: 3 Hirnstupser zum Protest am 29.11.2025)
Das war es also, das Großereignis von Rechten, Antifa, Demokratieretter*innen, selbst nach rechts rückender politischer Mitte, Polizei und Innenpolitik - angekündigt mit allen verfügbaren Drama-Adjektiven, beschrieben je nach Interesse als lahm bis "Bürgerkrieg". Die Inhalte gingen weitgehend verloren - oder waren besorgniserregend. Die AfD-Jugend, neu unter "Generation Deutschland" geführt, und ihre erwachsenen Chef*innen ließen keinen Zweifel an ihrer weiteren Radikalisierung und rechtsextremen Gesinnung. Die Innenpolitik überbetonte aus eigenem Interesse die eher sehr wenigen Scharmützel zwischen Demonstrantis und Polizei - und die demokratische Mitte, die ohnehin ja den Sektor bildet, in dem der Ruck nach rechts am deutlichsten stattfindet, formten den Protest zu einem "hilflosen Antifaschismus". Oder schlimmer: Linksradikale Gruppen wurden herausgedrängt oder winkten von sich aus ab angesichts dessen, dass der Protest gegen den Rechtsruck selbst ein Teil des Rechtsruck ist, in dem er auf klare Positionen verzichtet und keine Probleme mit anti-linken Parolen und deutschnationalen Symbolen hat. ++ Folge 1 einer kritischen Analyse der Proteste von "widersetzen" und bürgerlichen Gruppen am 29.11.2025 in Gießen. Die weiteren Folgen werden unter anderem die innere Struktur der Protestbündnisse und die seltsame Überbetonung der Gewaltfrage behandeln. ++ afd.siehe.website ++ Die weiteren Folgen: Masse und Führung (2) ++ Die Wochen danach (3)Dass die Gründung der AfD-Jugend nicht verhindert werden konnte, war kein Zufall und auch kein Erfolg der Polizei, sondern bereits die Strategie des Protestes selbst. Der diente nämlich vor allem dem Aufbau eigener Organisationsstrukturen. "Widersetzen" sollte und soll als Dachlabel gesetzt werden - unter intransparenter Führung avantgardistischer Gruppen. Und in Gießen wollten bürgerliche Gruppen vor allem ihren eigenen Rechtsruck verschleiern - und drückten die Proteste damit selbst ein Stückchen in die rechte Richtung. Linke und aktivistische Gruppen waren daher nur sporadisch mit dabei oder wurden gar hinausgedrängt. ++ afd.siehe.website
Schon der 29.11.2025 warf einige Fragen auf: Worum ging es bei dem Protest eigentlich? Warum gab es kaum Bezüge zu der AfD-Veranstaltung? Was sollten die ganzen Erfolgsmeldungen, obwohl das vorher behauptete Ziel (AfD-Jugendgründung verhindern) nicht nur deutlich verfehlt, sondern auch gar nicht angestrebt wurde? Und was machten die ganzen anti-emanzipatorischen Gruppen, Parteien und Slogans auf den Protestkundgebungen?
Die Wochen danach bestätigten den Verdacht: Es ging gar nicht um eine Bekämpfung der AfD, und auch nicht um emanzipatorische Inhalte, sondern um Macht und Selbstdarstellung. Dafür waren die AfD, im Nachhinein aber vor allem die Polizei nur die Projektionsfläche, um Menschen für sich zu gewinnen und eigenen Reihen zu schließen. Mit politischer Intervention hat das Ganze nicht viel zu tun.
Schließlich wurde es dann in Erfurt offensichtlich, wie Propaganda des Protestes und die Wirklichkeit auseinanderfielen. Die Vorbereitung verlief wieder genauso wie üblich, es gab Jubel- und Erfolgsmeldungen trotz diesmal null Wirkung, aber erstmals fiel die Sache auf.
Widersetzen-Zitate zu Erfurt 2026
Aus der Eingangsseite widersetzen.com/
Auf den Staat und die regierenden Parteien können wir uns nicht verlassen. Das Verbot der AfD und eine solidarische Gesellschaft bekommen wir nicht geschenkt, wir müssen sie selbst durchsetzen. Wir sind viele, die gegen den Faschismus und für eine solidarische Gesellschaft mit gleichen Rechten für alle kämpfen. Das werden wir am 4. Juli zeigen, wenn wir mit Zehntausenden die Zufahrten zum AfD-Parteitag blockieren. Jede Minute Verzögerung zählt. Komm mit nach Erfurt und sei Teil von etwas Großem!
Auf widersetzen.com/about
Wir wollen den Bundesparteitag der AfD am 04. und 05.07.2026 in Erfurt verhindern. Wenn wir viele sind, zusammenhalten und achtsam miteinander umgehen, werden wir erfolgreich sein.
Am 29.11. in Gießen waren über 50.000 Menschen auf der Straße, um sich der AfD-Jugend zu widersetzen. Davon blockierten über 15.000 ab den frühen Morgenstunden erfolgreich alle relevanten Zufahrtswege zum Veranstaltungsort. Dieser Erfolg war kein Zufall, sondern Ausdruck kollektiver Entschlossenheit.
Unsere Design-Guideline legt fest, wie wir nach außen auftreten - visuell und sprachlich. Sie sorgt dafür, dass unsere Organisation in allen Medien klar, einheitlich und wiedererkennbar wirkt.
Ziviler Ungehorsam bedeutet, dass Menschen absichtlich gegen Gesetze, Regeln oder staatliche Anordnungen verstoßen, um auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen oder politische Veränderungen anzustoßen.
Auf der Seite über die Strategien in Erfurt
Den letzten Parteitag haben wir mit 15.000 Menschen blockiert. Diesmal werden wir mehr. Wir setzen auf so viel Masse, dass die Polizei uns nicht mehr räumen kann. Dieser Parteitag wird nicht einfach stattfinden!
Kritik
Aus dem Kommentar "Rechte Dynamik", in: Junge Welt am 6.7.2026
Die Idee der Protestbündnisse - vom demonstrativ staatstragenden Flügel, der sich nicht an den Blockaden beteiligt, bis hin zu den Leuten, die durchaus ein linkes Selbstverständnis haben -, die AfD sei als Anomalie des bundesdeutschen Parteiensystems und als Gegensatz der bestehenden Ordnung schlechthin zu behandeln und deshalb zu "blockieren" und zu verbieten, war von Anfang an falsch.
Eine Polemik gegen die AfD, die diese Unterstellung nicht nur nicht zurückweist, sondern stillschweigend akzeptiert, indem sie etwa durch ihre Aktionsformen die Vorstellung bedient, die eigentliche Opposition in diesem Land sei die AfD, und also darauf verzichtet, diese Partei immer wieder als authentisches Produkt des bürgerlichen Parteiensystems der Bundesrepublik und als Option der herrschenden Klasse für einen Ausweg aus der Krise auf der Grundlage der bestehenden sozialen und politischen Ordnung anzugreifen, befeuert diese Dynamik.