Projektwerkstatt

ALL THAT GENDER TROUBLE ... HERRSCHAFT UND GESCHLECHTERVERHÄLTNISSE

Einvernehmlicher Sex


Sexualität Einvernehmlicher Sex Kritik an Pornographie Die Bibel über Sexualität

(Sexueller) Konsens kann auf viele verschiedene Arten kommuniziert werden. Grob vereinfacht lässt es sich in zwei verschiedene Herangehensweisen unterteilen: opt-in und opt-out.
Opt-in bedeutet, dass vor einer bestimmten Handlung gefragt wird ob mensch das möchte. Also zB "darf ich dich am Bauch streicheln", "möchtest du dass ich deine Brust anfasse", "hast du Lust geleckt zu werden". Die Handlung wird nur ausgeführt wenn die gefragte Person dem zugestimmt hat, es braucht also vor jeder Handlung ein aktives "ja". Diese Herangehensweise ist vor allem in der jüngeren queeren Szene sehr verbreitet und gilt in (queer)feministischen Kontexten als der "Goldstandard".
Opt-out bedeutet, dass einfach mal gemacht wird und mensch sagt wenn mensch irgendwas nicht möchte. Das kann entweder ein verbales "nein", "lass das", "das mag ich grad nicht" sein, oder ein nonverbales Handwegschieben, sich wegdrehen, weggehen etc. sein. Es wird also vor Handlungen keine explizite Zustimmung eingeholt, sondern einfach gemacht und auf ein aktives "nein" gewartet. Diese Herangehensweise ist beispielsweise in der schwulen Szene, gerade in Cruising-Kontexten recht verbreitet.
Welche dieser Herangehensweisen präferiert wird unterscheidet sich von Person zu Person, und kann sich auch bei einer Person je nach Kontext und Sexpraktik unterscheiden, zB "ich bin generell ein opt-out-Mensch aber will vor penetrativem Analsex gefragt werden ob ich das gerade möchte".
Opt-in kann zB eine gute Herangehensweise für Menschen sein, die recht klar wissen was sie möchten und was nicht, die gerne vor einer Handlung in sich hineinfühlen ob sie das grad wirklich möchten, die sich gut verbal ausdrücken können, und/oder für die sich eine unbeabsichtigte Grenzüberschreitung sehr schlimm anfühlt.
Opt-out kann zB gut für Menschen passen die keine klaren Präferenzen haben, die gerne mit dem Flow gehen, die in sexuellen Situationen ungern viel verbal kommunizieren, und/oder für die unbeabsichtigte Grenzüberschreitungen nicht so schlimm sind solange nach einem wie auch immer kommunizierten "nein" direkt damit aufgehört wird.
Wichtig ist: keine dieser Herangehensweisen ist "besser" oder moralisch höher zu bewerten als die andere. In heutiger queerer Kultur, in explizit sexuellen Räumen und Veranstaltungen ist, wie schon geschrieben, opt-in sowas wie der Goldstandard, und opt-out wird zT als übergriffig kritisiert. Dabei sind beides eben unterschiedliche sexuelle Präferenzen - und für viele passt opt-out einfach besser zu ihrer Sexualität und ihrer Kommunikationsweise. Keine Person sollte zu einer der beiden Herangehensweisen gedrängt werden wenn sie die andere präferiert, wobei es natürlich völlig ok ist für eine bestimmte Situation den Konsens zu vereinbaren unabhängig von persönlicher Präferenz eine der beiden Herangehensweisen zu verwenden - Konsens ist hier wie immer das Stichwort. Es ist auch sehr sinnvoll generell vor sexuellen Situationen abzusprechen welche Art der Kommunikation jeweils bevorzugt wird.
Schön wäre es, wenn es verschiedene explizit sexuelle Räume gäbe, bei denen jeweils klar kommuniziert ist welche Herangehensweise dort verwendet wird, damit es für alle Orte gibt an denen sie sich wohlfühlen und ihre sexuelle Präferenz ausleben können. Und ein generelles kritisches Hinterfragen von "Goldstandards".

Aus dem "Queerotic Kalender 2027"

bei Facebook teilen bei Twitter teilen

Kommentare

Bisher wurden noch keine Kommentare abgegeben.


Kommentar abgeben

Deine aktuelle Netzadresse: 216.73.216.72
Name
Kommentar
Smileys :-) ;-) :-o ;-( :-D 8-) :-O :-( (?) (!)
Anti-Spam